Alles auf Erdgas?

  • Wir diskutieren ja schon länger u.a. in diversen Threads über die Rolle des Erdgases für die Energiewende. Hier ergeben sich auch hier im Forum die tiefsten Gräben in der Diskussion.


    Positiv wird dem Erdgas dabei zugute gehalten, dass es bei der Verbrennung einen deutlich geringeren CO2-Abdruck habe. Zur Emission durch Lecks etc. wird leider immer nur relativ diffus diskutiert. Dazu hat die NASA neue Zahlen:


    Der wesentlich größere Effekt gegenüber CO2 ist wohl den meisten bekannt. Wer sich ein wenig mit der Energiewende beschäftigt, weiß auch, dass der Faktor 25 o.ä. nur gemittelt ist über 100 Jahre ist und der Effekt kurzfristig sogar viel höher liegt. Dabei scheint dieser gemittelte Wert veraltet und aktuell geht das IPCC von höheren Werten aus:

    Zitat

    Laut aktuellen IPCC-Zahlen ist der Treibhauseffekt von Methanemissionen in den ersten 20 Jahren 84-87 Mal und in den ersten 100 Jahren 34-36 Mal stärker als der von CO2.


    Nun hat die NASA eine neue Studie zum Treibhauseffekt von Erdgas/Methan veröffentlicht und kommt zum Ergebnis, dass dessen Rolle in der Praxis bis jetzt deutlich unterschätzt wurde:
    Erdgas ist Teil des Klimaproblems und keine Lösung


    Wie sieht nun der weitere weg aus? Hilft uns die theoretische Flexibilität von Gaskraftwerken weiter, wenn sie praktisch in Form von vermeintlich effizienten GUD-Kraftwerken nicht mal bei 4000 Volllaststunden rentabel sind?


    Der Weg hin zum Erdgas als Ersatz für Kohle und Atom ist ungebrochen und das international. Ob Nord Stream 2 oder andere Pipelines, ob neue LNG-Terminals, wie sie für Brunsbüttel und Wilhelmshaven wieder verstärkt diskutiert werden. Gerade in der Schifffahrt setzt ja gerade langsam auch ein Boom ein.


    Für die Wärmewende gibt es noch keine Perspektive. Weiterhin wird voll auf Erdgas gesetzt. Anteile von Wärmepumpen bewegen sich im homöopathischen Bereich. Oftmals ist HT-Fernwärme noch erste Wahl in der Energiewende und zementiert die Rolle von Erdgas auf lange Zeit. Die neue Regierung in NRW will die Regelungen zur Gebäudeenergieeffizienz um weitere drei Jahre hinausschieben.


    Haben wir bei Gebäuden noch Ansätze, fehlen diese bei HT-Prozesswärme noch weitgehend. Hier macht die Forschung Fortschritte bei der Energieeffizienz und lässt u.a. durch neue Katalysatoren uvm. das Temperaturniveau sinken, aber das ist alles noch übersichtlich.


    Sektorkopplung ist das große Stichwort. Heiliger Gral ist hier "Power to" in der Form von "Power to Methan". Vermeintlich hohe Wirkungsgrade werden reklamiert, dabei geht es da meist um HT-Elektrolyse/-Brennstoffzellen, die ewig bekannt ist und kaum Flexibilität zeigt. Flexible PEM-Technik erreicht die Wirkungsgrade nicht. Wasserstoff lässt sich wesentlich billiger aus Erdgas herstellen und gleichzeitig möchte man Wasserstoff mit einem Downgrade zu Methan in den Markt drücken.


    Faktisch wird alles auf Erdgas gepolt. Sehr ihr Auswege oder haltet ihr das für den richtigen Weg? Das Thema hat auch abseits von Kohle- und Netz-Thread meines Erachtens nach seine Legitimation.

  • Hi.


    Dazu passt das es immer noch niemand hier geschafft hat verlässliche Zahlen zu den Verlusten und der eingesetzten Energiemenge für Förderung und Transport des Löwenanteils der Gasimporte in Mitteleuropa zu nennen.


    Die ganzen Wirkungsgradgeschichten gehen immer vom "Leitungsende" in D aus...

    Grüße,
    Klaus


    9,18 kWp 34xPlus SW 270 Mono, Symio 7.0.3M O/W 39°
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    Seit 05/16 Twizy, 2016er Zoe ZE20, Hyundai Kona 64 bestellt - warten bis 01/20

  • Moin bimon!


    Eigentlich müssten wir zwischen 2030 und 2040 jegliche fossile Energieverbrennung beenden, um die Auswirkungen des Klimawandel auf ein erträgliches Maß zu mindern. :? Mit "wir" meine ich die Menschheit.
    Da ich nicht mehr daran glaube, das wir das schaffen, werden wir solche Alibi-Technologien noch lange haben.


    Das CO2 Äquivalent von Methan reduziert sich, weil es sich unter Einfluss der Sonnenstrahlung abbaut. Wenn sich die Erde weiter so erwärmt, wird der natürlich Methanaustritt aus den Permafrostböden, die Verluste aus der Förderung vermutlich um ein vielfaches übersteigen.


    Zitat von bimon

    Wie sieht nun der weitere weg aus? Hilft uns die theoretische Flexibilität von Gaskraftwerken weiter, wenn sie praktisch in Form von vermeintlich effizienten GUD-Kraftwerken nicht mal bei 4000 Volllaststunden rentabel sind?


    Ich habe kürzlich ein Studie spezifische Kraftwerkskosten gelesen in der vom Einsatz von 45 GW Gaskraftwerken gesprochen wurde. Davon waren nur 7 GW als GuD geplant.


    Ich wünsche mit eine Politik die sich langfristige Ziele setzt und nicht nur vor Wahl zu Wahl denkt. Wahrscheinlich sind alle Politiker mit Visionen grade beim Arzt. :juggle:

  • Au Backe, nun wird das schöne Weltbild eingerissen!


    Man ersetzt Kohle mit Gas und es geht munter weiter und wir haben alle viel Spaß! *Wer?


    Warum gibt es nicht mal offiziell zugängliche belastbare Zahlen, zu den Tranportaufwendungen und Leistungs-Verlusten der vielen kleinen und großen Trassen?


    Wie hoch ist der Aufwand flüssiges Gas aus dem arabischen Raum ins europäische Netz zu integrieren?
    Welche Verluste haben die Deutschen Gasspeicher?


    Bei Kältemitteln macht man sich wegen einem GWP von 1.000 > bald ins Hemd und die Preise schießen ins Unermessliche.
    In D. stehen die 1.000 g (980g) CO² der Braunkohle wie ein Vorwurf über allem? * Diese Werte sind wissenschaftlich belegt und auch nachprüfbar.


    Warum Gas?


    Die USA sehen Europa zukünftig als Absatzmarkt für ihr Erdgas ( vor allem aus der Ukraine) * Ihr habt richtig gelesen
    Russland braucht weit mehr feste Einkünfte aus dem Gasgeschäft und kauft sich Quer durch die "Wertschöpfung".
    Die Arabischen Staaten wollen auch liefern!


    UND Europa muss abgehalten werden, sich aus der fossilen Klammer der Importe zu befreien! Irgendeiner muss ja den Lebenstandard dieser Leute finanzieren.


    Selbstverständlich ist der direkte Weg aus eigener fossilen Förderung zu den EE schwierig! Aber was hat Europa immer erreicht, wenn es mal schwierig wurde? - ergo das geht gar nicht!
    Führend im Energiesektor! geht gar nicht! * aus Sicht aller außer uns!


    Tja, und der Rest wird passend gemacht! von KWK Subventionen, über GuD als "Beistands" Kraftwerke mit o.g. VLh Garantie bis zum riesigen Wärmemarkt, an dem ja nun gar nix zu ändern ist! * Behauptung Punkt

    Wir werden einen Zubau in 2012 von >30 GWp sehen. Tendenz bis 2015 Richtung > 50 GWp. Ab 2020 Werden wir einen Zubau an PV von deutlich über 100 GWp sehen. Bis 2015 wird PV die 5 Cent Hürde knacken. *5% Zins bei nur 12 Jahren Amortisation. *diese Signatur ist aus dem Jahr 2010

    Einmal editiert, zuletzt von PV-Berlin ()

  • Komisch!
    Still ruht der See obwohl es dumm und teuer wird:



    Zitat


    Wie das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf Regierungsunterlagen schreibt, muss in der Bundesrepublik eine rund 2,7 Milliarden Euro kostende Anbindungsleitung gebaut werden, die das russische Gas in Deutschland verteilt und an die Tschechische Republik weiterleitet. Ein Teil der Kosten könnte bei den deutschen Verbrauchern landen.


    Dabei werde nur rund ein Fünftel des Gases, das durch die Anschlussleitung fließe, letztlich im deutschen Markt bleiben, so das Magazin. Es erinnert daran, dass einige osteuropäische Länder die Trasse ablehnen. Die deutsche Regierung dagegen unterstütze das Projekt.


    Das Projekt Nord Stream 2 sieht die Verlegung von zwei Leitungssträngen mit einer Jahresgesamtkapazität von 55 Milliarden Kubikmetern vor. Die Stränge sollen parallel zur bereits bestehenden Pipeline Nord Stream von der russischen Ostseeküste bis nach Deutschland verlaufen.

    Quelle


    Seltsam! Für ein Projekt, das D. nicht selbst braucht, ist der Trassenbau gar kein Problem! Aber Strom geht nicht?


    Und weil ich ja hier als verrufen gelte:


    Handelsblatt


    Schon komisch! oder? Die Grünen, die SPD und vor allem Schröder dafür! und die bösen Räuber alle gegen das Projekt!
    Unbedingt den ganzen Artikel lesen!

    Zitat


    Die Versorgungslage Deutschlands wird dadurch auf Nettobasis riskanter als bisher. Das liegt daran, dass die künftige Hauptroute (Nord Stream 1 & 2) durch einen schmalen, zwei Kilometer breiten Kanal in der flachen Ostsee führt. Über diese Seeroute sollen künftig drei Viertel dieser Gasströme nach Deutschland gelangen.


    Die Gefahr für Deutschland besteht hier nicht in einem absichtlichen Lieferstopp von russischem Erdgas, sondern darin, dass die künftige Versorgungsroute über das Meer sicherheitsanfällig ist. Unter diesen Umständen ist schon erstaunlich, dass diese Risiken in Kauf genommen werden – und das nur, weil die Alternative, die Brotherhood-Versorgungsroute, aus dem Verkehr gezogen wird.

    Wir werden einen Zubau in 2012 von >30 GWp sehen. Tendenz bis 2015 Richtung > 50 GWp. Ab 2020 Werden wir einen Zubau an PV von deutlich über 100 GWp sehen. Bis 2015 wird PV die 5 Cent Hürde knacken. *5% Zins bei nur 12 Jahren Amortisation. *diese Signatur ist aus dem Jahr 2010

  • https://www.marum.de/Entdecken…n-im-Indischen-Ozean.html



    Dass das austretenden Methan - nur weils nicht mehr in Bläschenform leicht feststellbar ist - nicht schlussendlich doch in die Athmosphäre gelangt, das scheint mir schon beim ersten hinschauen ein Quark zu sein.


    Liege ich mit meiner persönlichen Vermutung nicht völlig daneben, dürften die weltweiten Gas-Verluste von Piplines samt Verteilerinfrastruktur bezüglich Erderwärmung unter "ferner liefen" fallen.

  • Zitat von PV-Berlin


    Und weil ich ja hier als verrufen gelte:
    Handelsblatt


    nunja:

    Zitat

    Das Handelsblatt ist eine deutsche Tageszeitung.


    Zitat

    Das Handelsblatt ist die auflagenstärkste deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzzeitung


    Zitat

    Von 1999 bis 2005 kooperierte das Handelsblatt mit dem amerikanischen Verlag Dow Jones & Company, der unter anderem die Wirtschaftszeitungen The Wall Street Journal und The Wall Street Journal Europe verlegt.


    Zitat

    Die Handelsblatt Media Group GmbH & Co. KG, ehemals Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH & Co. KG (VHB), ist eine deutsche Gruppe von Medienunternehmen


    Was man in solchen Kreisen halt unter "stramm Deutsch" so versteht :wink:

  • Ich mag diese Argumente ! Selbstverständlich kann ich 50 Flüge über den Atlantik locker wegwischen, mit dem Argument, in Indonesien brennt ein Farmer derart viel Urwald nieder, dass dies für 10.000 Flüge reicht! Das Methan entweicht, ist nicht neu, dass es offensichtlich viel ist, stimmt alle bedenkliche. Inwieweit der Wärmeeintrag in die Meere dafür verantwortlich ist, dass die Mengen steigen? Auf jeden Fall wird uns die Tundra noch viel "Freude" bereiten, sollten die gesamte Menge an Biomasse im Dauerfrostboden verrotten, weil es keinen Permafrost mehr gibt!


    Das Handelsblatt gibt meiner Argumentation recht, dass der massive Ausbau der Gas Infrastruktur nicht auf 10 bis 20 Jahre angelegt ist, sondern für die 'Ewigkeit' Gas zum Haupt-Lieferanten von Wärme und Strom aufsteigen soll. Die Herausgeber des Handelsblattes sind selbstverständlich in der Atlantischen Brücke, einer total unbedeutende Organisation die vollkommen transparent arbeitet und selbstverständlich auch kontrolliert wird ! *böser Witz am Rande


    Aber die Deuchen wollen es so, aus den Augen aus dem Sinn und was nicht qualmt und stinkt muss sauber sein. Aber eigentlich geht es nur um billig! Preiswert geht nimmer, denn das würde ja neuen Konstellationen in D. zur Folge haben (der Norden deutlich an Wirtschaftlicher Bedeutung gewinnen) und man müsste sich mit Nachbarn wie Polen, Griechenland etc. verständigen , dann doch lieber mit dem Putin, den man ja offiziell mit Embargos belegt, aber im gleichem Atemzug die Kontrolle über die Energiewirtschaft des wichtigsten Landes in der EU übergibt.


    So definiert sich Heute konservative Politik 2.0 !
    Es vibriert der Boden schon , weil Ludwig Erhard mit 3.000 U/ min rotiert im Grab! *

    Wir werden einen Zubau in 2012 von >30 GWp sehen. Tendenz bis 2015 Richtung > 50 GWp. Ab 2020 Werden wir einen Zubau an PV von deutlich über 100 GWp sehen. Bis 2015 wird PV die 5 Cent Hürde knacken. *5% Zins bei nur 12 Jahren Amortisation. *diese Signatur ist aus dem Jahr 2010