Befreiung von der Umsatzsteuer / Verständnsshilfe

  • Hallo verehrte Forumsmitglieder,
    hätte da eine Verständnisfrage zur möglichen Befreiung von der Umsatzsteuer für meine PV-Anlagen.
    Hierzu habe ich an das Finanzamt nachfolgende Frage gerichtet und die sich anschließende Beantwortung erhalten.
    Mich irritiert insbesondere die kenntlich gemachte Aussage >PV1-4 bis 2020, da PV1 und 2 ja eigentlich nicht mehr hierunter fallen!?
    Kann man den Antrag auf Befreiung formlos stellen bzw. welche Formulierung wäre notwendig?


    Danke für Eure Hilfe.
    RitaHase


    Frage an Finanzamt:
    Es besteht die Möglichkeit, sich wieder von der Umsatzsteuer befreien zu lassen. Nach meinem Kenntnisstand ist dies nach mindestens
    5 Betriebsjahren (7 Jahre ohne Rückerstattung von erhaltener USt.) möglich!?
    Zu welchem Zeitpunkt (5/7 Jahre) wäre dies damit für meine Anlagen möglich?
    PV1 Inbetriebnahme 30.10.2009
    PV2 Inbetriebnahme 17.06.2011
    PV3 Inbetriebnahme 19.04.2013
    PV4 Inbetriebnahme 21.12.2015
    Hierbei besteht wohl weiter die Verpflichtung zur Versteuerung der Einnahmen (dann ohne USt.) bzw. die Möglichkeit der weiteren Abschreibung der Anlagen!?


    Antowrt vom Finanzamt:
    Zu Ihrem Schreiben vom 27.11.2017 teile ich Ihnen folgendes mit.
    Nach S 15aUStG wird der Vorsteuerbetrag, der auf die Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines Wirtschaftsgutes entfällt berichtigt, wenn sich bei diesem Wirtschaftsgut innerhalb von fünf Jahren ab dem Zeitpunkt der erstmaligen Verwendung die für den ursprünglichen Vorsteuerabzug maßgebenden Verhältnisse ändern.
    Der Berichtigungszeitraum nach § 15aUStG endet für
    PV 1 im Oktober 2014
    PV2 im Juni 2016
    PV3 im April 2018
    PV4 im Dezember 2020
    Um den Vorsteuerabzug aus den Anschaffungs-/Herstellungskosten für die Anlagen PV3 und PV4 in voller Höhe zu erhalten, sollte der Zeitpunkt für einen Übergang von der Regelbesteuerung zur Anwendung der Kleinunternehmerregelung nach
    §19(1)UStG nicht vor dem Veranlagungszeitraum 2021 gewählt werden.
    Dies bedeutet, dass die Einnahmen aus den PV1-PV4 bis zum Veranlagungszeitraum 2020, der Umsatzsteuer zu unterwerfen sind.

    Einkommensteuerrechtlich sind die vom Energieversorger erhaltenen Vergütungen wie bisher als Einnahmen zu versteuern.

  • Ich bin jetzt kein Steuerfachmann, dafür haben wir KPR hier im Forum, der da bestimmt eine gute ERklärung hat ;)


    Aber so wie ich das sehe, dann gehst du als UNTERNEHMER in die KUR und nicht jedes unternehmen einzeln.
    Das heißt, du kannst du für ALLE deine Anlagen GLEICHZEITIG in die KUR Regelung (das was du als "umsatzsteuerbefreiung deklarierst) gehen, oder mit KEINER.


    du kannst da nicht sagen "mit dieser mache ich KUR und mit der anderen nicht". daher die Aussage vom Finanzamt, dass du erst 2020 wechseln darfst, wenn du den gesamten Vorsteuerabzug der Anlagen PV3 und PV4 behalten möchtest

  • Ich wollte eigentlich auch etwas schreiben, aber Serin hat alles gesagt.

    • Der Jammer bei den Weltverbesserern ist, daß sie nicht bei sich selber anfangen.
    • Im Leben kann man immer neu anfangen, aber nie von vorne.
  • Eigentlich ist das ein ziemlich bzw. fast perfekte Antwort vom FA. Dem gibts wenig hinzufügen. Für alles weitere gilt "Ein Blick ins Gesetz erspart viel G'schwätz"


    §19 UStG... da taucht gefühlte 5 x die Phrase "der Unternehmer" aber niemals "das Unternehmen" auf.
    Die Norm ist da ja nun wirklich eindeutig, dass der Unternehmer das Wahlrecht hat - und gerade nicht das Unternehmen.


    Den rot markierten Teil kann man nicht besser schreiben. Da steht alles drin.
    man kann nun fragen: Und was sonst?
    Ganz einfach:
    a) Wechsel zur KUR ab dem Jahr 2018 - löst Vorsteuerberichtigung aus
    PV3 = 4/60 der geltend gemachten Vorsteuer
    PV4 = 36/60


    b) Wechsel zur KUR ab dem Jahr 2019 - löst Vorsteuerberichtigung aus
    PV4 = 24/60


    c) Wechsel zur KUR ab dem Jahr 2020 - löst Vorsteuerberichtigung aus
    PV4 = 12/60


    d) Wechsel zur KUR ab dem Jahr 2021 - löst keine Vorsteuerberichtigung mehr aus.



    ==> Um den vollen Vorsteuerabzug zu erhalten, darf frühestens ab 2021 zur KUR gewechselt werden.
    ==> Wird vorher gewechselt - fällt die entsprechende Vorsteuerberichtigung an


    ====> Jetzt ist es ein Rechenspiel . In dem Moment, wo ich mehr Umsatzsteuer auf unentgetliche Wertabgaben spare, als ich an Vorsteuer zurückzahlen muss, sollte der Wechsel erfolgen.



    Was die Umsetzung angeht: Machen!
    Die Deklaration erfolgt dann in der USt-Erklärung durch das entsprechende Kreuz an der entsprechenden Stelle.
    Erst wenn der Wechsel noch später erklärt wird (nach Abgabe der Erklärung) - dann kommt man wohl um eine formlose Mitteilung kaum herum. Ist aber irgendwie logisch... oder?

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Sorry.. muss mich berichtigen. (Hin und wieder sollte man das Gehirn beim tippen einschalten)


    "Formlos" ist absolut nicht logisch und auch nicht erforderlich.
    Wenn man den Gaul noch nach Abgabe der Erklärung umsatteln will - wird halt eine berichtigte Erklärung erforderlich.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Hallo RitaHase,
    Du solltest die Antworten genau lesen.
    Der Unternehmer kann nur erklären KUR ja oder nein für seine Person und nicht je Unternehmen (= Anlage)!

    Grüße
    Didi


    2015: 1052 kWh/kWp; 2016: 1036 kWh/kWp; 2017: 1102 kWh/kWp; 2018: 1162 kWh/kWp; 2019: 1137 kWh/kWp; 2020: 1106 kWh/kWp; 2021: 1035 kWh/kWp

    "Handle so, wie du auch von anderen behandelt werden willst" (frei nach Kant)

    Steuern und Finanzamt (Dank an pflanze :))

  • Hi,


    Zitat von RitaHase

    ... läßt sich dies noch ändern, damit alle Anlagen "Einzeln" betrachtet werden!?


    Wenn Du den Papierkrieg nicht scheust, brauchst Du einfach nur 4 Unternehmen.


    Mit Mann (wenn Rita das bedeutet was ich denke) und 2 erwachsenen Kindern kannst Du


    - Du allein eine Anlage
    - GbR mit Mann eine Anlage
    - GbR mit Kind 1 eine Anlage
    - GbR mit Kind 2 eine Anlage


    Viel Spaß :(


    Knut

    20.12.11: 11,28 kWp | 22 (-10°) + 26 (-100°) Q.PRO 235 | STP 10000TL-10

    26.03.12: 9,18 kWp | 18 (80°) + 18 (-100°) Q.PEAK 255 | STP 8000TL-10

    17.08.15: 5,72 kWp | 22 (80°) Q.PRO 260 | STP 5000TL-20

    alle DN 22°


    FTP-Hosting für Photovoltaikanlagen - self.Logger.solar / Virtuelles Kraftwerk

    API für Prognosedaten zur Solarproduktion - Forecast.Solar


    Knut Kohl . Consulting - Beratung und Entwicklung - Full-Stack, Datenbanken

  • Zitat von KKoPV

    Wenn Du den Papierkrieg nicht scheust, brauchst Du einfach nur 4 Unternehmen.


    Falsch, es braucht vier steuerrechtliche Unternehmer.

    • Der Jammer bei den Weltverbesserern ist, daß sie nicht bei sich selber anfangen.
    • Im Leben kann man immer neu anfangen, aber nie von vorne.