Blitzschutzsystem Metalldach

  • Guten Tag,


    ich wollte konkret euch nochmal befragen wie man beim Thema Blitzschutz, Potentialausgleich usw. auf einen Metalldach vorgeht.
    Meine Annahme:
    - Blitzschutz- Fangeinrichtungen müssen auf einen Metalldach, da der Trennabstand zum PV- Stromversorgungssystem nicht ausreichend ist, geeignet mit den Komponenten des PV- Stromversorgunssystem verbunden werden.
    Frage: reicht hier die elektr. Verbindung des Metalldaches?
    - 16mm^2 Potentialausgleich und Überspannungs- Schutzeinrichtungen vom Typ 1 verbunden mit dem Gestellen der Photovoltaikanlagen
    Frage: holt man sich hier nicht den Blitz in das Haus?


    Mit freundlichen Grüßen
    Christian123

  • Meine Ansicht dazu ist, dass jeder leidliche Blitz die Isolierung von ein paar Zehntel mm Blechfarbe locker durchbricht bzw Klammern oder Verschraubungen eh schon durchkontaktieren.


    Die nächste Hürde ist dann vom Paneelrahmen zu den Zellen oder direkt zur Verkabelung.
    Ist also mMn grad schon egal bzw völlig vergleichbar zu jedem anderen Dachaufbau.


    my 2ct

    LiFePO ist anders.

  • Guten Morgen,


    dass ist ja auch meine Ansicht, sodass ich mir nicht sicher bin, ob man die Blitzschutzfangarme noch mit den Modulgestellen über eine extra Leitung (16 mm^2) verbinden muss oder ob die elektr. Verbindung des Metalldaches ausreicht.


    Die entsprechenden Normen müssten in der DIN EN 62305-3 Beiblatt 4 enthalten sein, die ich aber leider nicht zur Hand habe.


    Wenn mir dazu jemand Auskunft geben würde, wäre ich sehr dankbar.

  • Zitat von Christian123

    ich wollte konkret euch nochmal befragen wie man beim Thema Blitzschutz, Potentialausgleich usw. auf einen Metalldach vorgeht.
    Meine Annahme:
    - Blitzschutz- Fangeinrichtungen müssen auf einen Metalldach, da der Trennabstand zum PV- Stromversorgungssystem nicht ausreichend ist, geeignet mit den Komponenten des PV- Stromversorgunssystem verbunden werden.


    Du gehst von falschen Vorausetzungen aus.


    Trennungsabstände nach Blitzschutznorm IEC 62305-3 und den Beiblättern sind - mit und ohne Blechdach - nur gegen Blitzschutzanlagen (und damit verbundene leitenden Gebäudeteile) sowie Ableitungen getrennter Fangeinrichtungen zum Schutz von PV- oder Antennenanlagen einzuhalten. Ob es sinnvoll ist eine Blitzschutzanlage mit Fangspitzen zu erstellen, hängt unabhängig von PV- oder Solarthermieanlagen davon ab, ob Blechdurchschläge tolerierbar sind oder nicht (Siehe DEHN Blitzplaner, Kapitel 2.4 und 5.1.4).

    Zitat von Christian123

    Frage: reicht hier die elektr. Verbindung des Metalldaches?
    - 16mm^2 Potentialausgleich und Überspannungs- Schutzeinrichtungen vom Typ 1 verbunden mit dem Gestellen der Photovoltaikanlagen


    Mit Blitzschutzanlage wären bei Unterschreitungen der Trennungsabstände blitzstromtragfähige Verbindungen zur Vermeidung brandauslösender Lichtbögen Pflicht, ohne Blitzschutzsystem aber nicht.


    16 mm² Kupferdraht übersteht - vorbehaltlich dafür ausgelegter Verbinder - auch einen sehr seltenen LEMP von 200 kA. Eine Kette ist aber bekanntlich nur so stark wie das schwächste Glied und das sind hier die Verbinder. Ab 3 Ableitungen genügt nach Prüfnorm Klasse N = 50 kA, bei einer oder zwei Ableitungen/Erdleitern ist Klasse H = 100 kA entsprechend dem Schutzlevel normaler Wohngebäude gefordert. Mit 8 mm Blitzableiterdraht aus St/tZn, Aluknetlegierung oder Kupfer ist die Auswahl blitzstromtragfähiger Klemmen deutlich größer.


    Nur wenige Elektriker und Solateure sind auch blitzschutzkundig. Die Bestimmung, dass Installationen von Erdung und PA als Teil der Elektroanlage nur durch gemäß NAV § 13 bei einem VNB eingetragenen Elektrofachkräften ausgeführt werden dürfen, bietet erfahrungsgemäß keine Gewähr, dass alles normkonform ist.


    Arbeiten an Blitzschutzanlagen sind Blitzschutzfachkräften vorbehalten. EFK ohne Zusatzausbildung und auch nicht alle im Blitzschutzbau tätige Dachdecker erfüllen die Normdefinition qualifizierter Blitzschutzfachkräfte.


    Zitat von Christian123

    Frage: holt man sich hier nicht den Blitz in das Haus?


    Mir fällt kein anderes Naturphänomen ein, dass durch Hochspannungslabore so intensiv untersucht wurde wie Blitze. Aus allen bisherigen Untersuchungen lässt sich kein erhöhtes Einschlagrisiko ableiten. Das hindert aber User, die sich noch nie mit der Fachmaterie und den Normen befasst haben, nicht daran, ihr gegenteiliges Bauchgefühl als Fakt darzustellen.


    Äußerer Blitzschutz, bestehend aus Fangeinrichtungen, Ableitungen und Erdungsanlage, ist stets durch einen Inneren Blitzschutz, bestehend aus (Blitz-)Schutzpotenzialausgleich und Überspannungsschutz zu ergänzen.


    PROHYLAKTISCHER HINWEIS ZUR VERMEIDUNG NORMWIDRIGER MYTHEN:
    Was wirklich gefährlich ist, sind separate Erder ohne blitzstromtragfähige Verbindung zum Schutzpotenzialausgleich des Gebäudes.


  • Vielen Dank für die Antworten. Es befinden sich bereits Fangarme auf dem Metalldach.
    Der Trennungsabstand zur Photovoltaikanlage ist ja, da es sich um ein leitendes Metalldach handelt =0, sodass ich die Fangarme mit den Photovoltaikgestellen verbinden werde.

  • Zitat von Christian123

    Vielen Dank für die Antworten. Es befinden sich bereits Fangarme auf dem Metalldach.
    Der Trennungsabstand zur Photovoltaikanlage ist ja, da es sich um ein leitendes Metalldach handelt =0, sodass ich die Fangarme mit den Photovoltaikgestellen verbinden werde.


    Sind mit "Fangarmen" Fangspitzen oder Fangstangen gemeint, die auf den Blechfalzen aufgeklemmt wurden?


    Bei Gebäuden mit Blitzschutzanlagen müssen die Gestelle mit dem geerdeten Blitz-(Schutzpotenzialausgleich) entsprechend Blitzschutzklasse 3 mit 100 kA verbunden sein. Die nur mit aufgeklemmten Fangspitzen zu verbinden vermag vielleicht noch Lichtbögen zu verhindern, für normkonforme Blitzstromtragfähigkeit zur Erdungsanlage und zum Schutzpotenzialausgleich müssen Blitzströme über aufgeteilte Wege mit jeweils min. 50 kA Blitzstromtragfähigkeit abgeleitet werden.


    Installationen an Elektroanlagen sind nach NAV § 13 bei einem VNB konzessionierten Elektrofachkräften und auch vergleichsweise simple Erdungsanschlüsse an Blitzschutzanlagen vom VDE oder VdB geprüften qualifizierten Blitzschutzfachkräften vorbehalten, welche vorab die Tauglichkeit und Normkonformität der Blitzschutzanlage prüfen müssen.


    Für PV-Anlagen auf Gebäuden mit Blitzschutzsystemen ist fundierte Kenntnis der Blitzschutznormenreihe IEC 62305 unabdingbar, aber nur bei weniger EFK und Solateuren auch vorhanden. Dieser Installateur hat bewusst oder in Unkenntnis gegen die Norm verstoßen. Ungeprüfte Blitzschutzanlagen sind für EFK ohne Zusatzqualifikation und weit mehr noch für Nicht-EFK wie dich tabu.


    Selbst einfache Erdungsanschlüsse von PV-Anlagen oder Dachantennen stellen eine wesentliche Änderung der Blitzschutzanlage dar, wodurch ein "Bestandsschutz" nach zum Zeitpunkt der Fertigstellung gültigen Altnormen erlischt und eine Nachrüstungsverpflichtung auf aktuellen Normenstand auslöst.


    Wenn zum Zeitpunkt der Erstellung der Blitzschutzanlage Ableitungen, die in separaten Erdspießen ohne blitzstromtragfähige Verbindung zum Schutzpotenzialausgleich enden und kein Innerer Blitzschutz mit Überspannungsschutz in den Energie- und TK-Versorgungsleitungen noch zulässig waren, musste dies bei Installation der PV-Anlage durch dafür qualifizierte Blitzschutz- bzw. konzessionierte Elektrofachkräfte nachgerüstet werden.


    FAZIT: Für normkonforme Sicherheit reichen Do-it-yorself-Verbindungen zwischen den Gestellen und Fangspitzen allein wahrscheinlich nicht aus.