Steuer - Neue PV-Anlage mit Sp. (DV) / alte Anlage (Einsp.)

  • Hallo,


    wir haben eine alte PV-Anlage und möchten nun eine zweite (neue) Anlage mit Speicher hinzufügen. Erzeugter Strom der alten Anlage wird aufgrund hoher EEG Vergütung komplett eingespeist. Neue Anlage dient primär dem Eigenverbrauch. Bis zum Auslaufen der EEG Förderung für die Altanlage in 2019 wird diese über einen separaten Zähler abgerechnet.



    Meine Frage, wie sollte ich die neue Anlage bzgl. Umsatzsteuer behandeln ? Zur Zeit läuft die alte Anlage ohne Vorsteuer mit Kleinunternehmerregelung.
    Wenn ich die Umsatzsteuer für die neue Anlage zurück fordere, muss ich dann auch für die alte Anlage Umsatzsteuer vom Netzbetreiber einfordern und ans FA abführen (also Wechsel von KUR) ?


    Zur Abrechnung des Selbstgenutzter Strom: wird dieser mit („üblichem“ kWh-Preis * 19%) als Umsatzsteuer ans FA abgeführt, ist das korrekt ?



    Leider konnte ich keine Details zur Behandlung einer neuen Anlage bei gleichzeitigem Betrieb einer alten Anlage gefunden. Gibt es einen „Wirtschaftlichkeitsrechner“ oder ein Excel Tool, welches beide Anlagen berücksichtigt ?


    Danke für ein paar Details/Infos. Konnte dazu bisher leider nicht wirklich etwas finden. Muss aber auch gestehen, dass ich eher ein „Noob“ bzgl. steuerlicher Fragen bin und entschuldige mich schon jetzt, falls ich „Unfug“ geschrieben habe.


    Danke und Grüße
    Joe

  • Moin,


    nach meinem laienhaften Wissen nach, kannst Du nur entweder oder.....also entweder bei KUR bleiben und die Umsatzsteuer der neuen Anlagen "nicht" wieder bekommen, dafür entfällt aber die Abführung der Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch


    oder aber
    Wechsel in die Regelbesteuerung, d.h. auch Abführung der UST von der alten Anlage dafür aber Rückerhalt der Kauf-UST der neuen Anlage und Abführung der UST vom Eigenverbrauch.
    Die UST der "alten" Einspeisevergütung wäre ja ein durchlaufender Posten, sprich die erhälst du von deinem Netzbetreiber.


    Die Berechnung der Umsatzsteuer des EV kannst Du recht einfach hiermit ermitteln:#
    https://www.pv-steuer.com/modu…=14&id=1484162290&sid=334
    oder mit BONI Zahlungen
    https://www.pv-steuer.com/modu…=34&id=1484162286&sid=334


    Zum Thema Speicher wirst Du über die Suchfunktion viele Fragen und Antworten finden.


    Im Kurzformat:
    wirtschaftlich wird das eher weniger erfolgreich werden.....hoffentlich eine schwarze 0
    aber es gibt viele andere persönliche Beweggründe die für einen Speicher sprechen.....das liegt an einem selber, was dir wichtig ist.
    Zu Thema Wirtschaftlichkeit nur ein paar kurze Sätze
    Ohne Speicher hast du eine Autarkie von Summe xx% (meist Richtung 30-40%) mit Speicher kommst Du auf rund 70% von deinem Jahresstormverbrauch. Das hört sich erstmal sehr viel an, ist es ja grundsätzlich auch, aber aufgrund der Speicherverluste (~20%) relativiert sich das ganze etwas.


    Zahlenbeispiel
    Stromverbrauch 5000kWh/a
    Ohne Speicher bei 30% .... 1500kWh EV
    Mit Speicher bei 70%....3500kWh EV
    Differenz 2000kWh bei 0,25€/kWh macht das 500€ Ersparnis


    Um die 2000kWh aber aus dem Speicher zu bekommen must Du aufgrund der Speicherverlust (~20%), aber 2400kWh in den Speicher reinschieben. Diese 2400kWh fehlen Dir in der Einspeisevergütung....
    2400kWh * 12ct/kWh = 288€


    Ergebnis 500€ - 288€ = 212€ Ersparnis vor Steuern....
    Solltest Du jetzt aber ohne Speicher auf 40% Autarkie kommen (ich liege z.B. bei 48% ohne Speicher), wird die Rechnung noch bescheidener.


    Ich möchte Dir den Speicher nicht schlecht reden, ich hätte selbst gerne auch einen, aber ein wenig die Augen öffnen, in wie weit sich das Ganze mit Speicher "lohnt"..... lohnen und lohnen sieht auch jeder anders.... es geht mir nur um das "offene" Wort, damit Du Dich nicht später ärgerst, getreu dem Motto....Hätte ich das nur gewusst!


    Ansonsten würde mich mir keine großen Gedanken über die Wirtschaftlichkeit einer neuen Anlage (zumindest ohne Speicher) machen. In Verbindung mit dem EV rechnet sich das schon recht gut.


    Zum Thema Steuer noch...
    Du kannst jetzt zur Regelbesteuerung wechseln und nach 60 Monaten in der Regelbesteuerung auch wieder zurück in die KUR wechseln ohne, das Du die UST des Anlangenkaufes zurückerstatten müsstest. Sofern du vor den 60 Monaten wechseln würdest....müsstest du anteilig 1/60 zurückerstatten.


    Solltest Du den Speicher + UST (zurück) haben wollen, dann bitte Wechsel in die Regelbesteuerung und Speicher direkt mit der Anlage anschaffen. Sofern Speicher nachträglich angeschafft wird (trotz Regelbesteuerung) erhälst Du die UST des Speicherkaufes nicht zurück.


    In diesem Sinne viel Spaß bei deinen weiteren Überlegungen!

    Gruß Red5FS
    ---
    37 Hanwha Q-Cells G2 265W & SMA STP 8000TL-20 & SHM (30.09.13)
    17 Trina TSM DC80.08 215W & SMA SB 3600TL-21 (03.06.14)
    Do it or don`t do it!There is no try!
    The Force is with you!
    GroßMeisterLusche L:82 D:5 T:3
    Meine Anlage
    SV@fb

  • Ich hab da noch nen Link zu ner Muster EÜR
    http://www.photovoltaikforum.c…ic.php?p=1359407#p1359407


    Vielleicht hilft diese Dir noch bei deinen weiteren Überlegungen....einfach mal mit deinen "Zahlen" vergleichen und rechnen
    ;)

    Gruß Red5FS
    ---
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  • Hi,


    Vielen Dank für die Details in Deiner Rückmeldung. Hat mir viele Informationen gegeben, mit denen ich nun abschätzen kann, was sich lohnt, was steuerlich passiert und vor allem natürlich, wie ich weiter vorgehen werde.


    Soll heißen, ich werde die Regelbesteuerung wählen, um die Umsatzsteuer auch für den Speicher zurück zu bekommen. Nach 5 Jahren dann wieder Wechsel in die Kleinunternehmerregelung (KUR).


    Speicher ja oder nein, ich gebe Dir vollkommen Recht, das kann man sich "schön" rechnen, was ich auch gerne mache. Bei meiner "Schönrechnung" ist der Unterschied zu "ohne Speicher" gering (ja, Speicherlösung ist etwas teurer), aber ich bin unabhängiger von der Strompreisentwicklung. Je stärker dieser ansteigt, umso lohnender wird das System mit Speicher... (wie gesagt, ist eine persönliche Entscheidung). Aber Danke für den Hinweis.


    Schöne Grüße
    Joe

  • Zitat von Joe-K7

    ...


    Leider konnte ich keine Details zur Behandlung einer neuen Anlage bei gleichzeitigem Betrieb einer alten Anlage gefunden. Gibt es einen „Wirtschaftlichkeitsrechner“ oder ein Excel Tool, welches beide Anlagen berücksichtigt ?
    ...
    Danke und Grüße
    Joe


    Hallo Joe,


    wenn du, wie du in einem Folgebeitrag geschrieben hast, zur Regelbesteuerung wechselst, gibt es keine großen Schwierigkeiten.


    1. Umsatzsteuer
    Die Umsatzsteuererklärung muss für beide Anlagen gemeinsam berechnet werden. Die Zahlungen des Netzbetreibers und der Wert des Eigenverbrauchs (= unentgeltliche Wertabgabe) werden in unterschiedlichen Feldern des Formulars erfasst:
    - die Summe aus Jahresnettovergütung für die alte Einspeiseanlage + Jahresnettovergütung für die neue Eigenverbrauchsanlage wird unter "Lieferungen und sonst. Leistungen zu 19 %" eingetragen
    - der Wert des EV unter "Unentgeltliche Wertabgaben zu 19 %"
    Die unentgeltliche Wertabgabe wird, wie du richtig geschrieben hast über den "üblichen" Bezugspreis gebildet (Anzahl der EV-kWh * Nettobezugspreis inkl. aller Nebenkosten)


    2. Einnahmenüberschussrechnung


    Bei der EÜR werden die Einnahmen und die Ausgaben der beiden Anlagen zusammengefasst.
    Im Gegensatz zur reinen Einspeiseanlage kommt bei den Einnahmen für die Kombination von Einspeise- und Eigenverbrauchsanlage noch der Entnahmewert für den EV hinzu. In der Regel wird der über Anzahl der EV-kWh * Einspeisevergütung (netto) pro kWh berechnet.


    Bei den Ausgaben musst du die Abschreibungsbeträge für die beiden Anlagen separat berechnen und dann addieren. Beachte, dass du bei der alten Anlage den Bruttowert als Ausgangswert ansetzen musst (wie bisher) und bei der neuen Anlage den Nettowert (weil du dir ja die Umsatzsteuer auf die neue Anlage erstatten lässt).


    Ich denke, das wäre momentan das Wichtigste. Was ich hier dargelegt habe, findest du übrigens auch in den Tabellenblätter des Musterbeispiels im Link von Red5FS.
    Solltest du weitere Fragen hast, melde dich einfach wieder.


    mfg
    Paulchen

    Windows-Programme für Buchführung und Steuererklärungen bei PV-Anlagen:

    Informationen unter https://www.pv-steuer.com

    Support für die PV-Steuer-Programme ausschließlich hier im Forum unter

    Finanzen / Steuern --> PV-Steuer-Programme - Fragen und Lösungen

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