Planung in 72xxx - Südwest-Nordost oder nur Südost

  • Hallo aus dem Schwabenland,


    erst einmal Danke für die Beiträge und Teilnahme am Erfahrungsaustausch in diesem Forum.
    Ich plane zur Zeit einen Neubau, bei dem noch alles offen ist. Die Verhandlungen mit verschiedenen Bauträgern laufen aktuell, sodass Interessen planungs- und kostentechnisch noch gut umsetzbar sind.
    Nach langer Zeit des stillen mitlesens habe ich nun ein paar konkrete Fragen zur Planung einer Photovoltaik Anlage.


    Hier mal ein paar Eckdaten zum Projekt:
    - Neubau (11m x 12m Grundriss), 2 Vollgeschosse und Keller, Satteldach. Gebäudehöhe max. 9,3m.
    - Dachüberstände 0,5m
    - Dachausrichtung noch offen (Entweder 57° Südwestdacht oder -33° Südostdach), beide Varianten möglich. Die Variante -33° Südost passt optisch besser in das Gesamtbild)
    - Dachneigung 27° - 35° möglich. Wir favorisieren 27°.
    - keine Verschattung durch Nachbargebäude zu erwarten; kein Kamin, Keine Gauben o.ä.
    - Wärmeerzeugung (Heizung/WW) über Sole-Wärmepumpe (Ringggrabenkollektor). Ich habe die Threads zum Thema gelesen, gerade im Winter kann man nicht mit viel Stromersparnis rechnen.
    - Aufdachdämmung und Zwischensparrendämmung um KFW55-Standard zu erreichen.
    - Finanzierung der Anlage über Hauskredit / KFW --> ~1,5% Sollzins
    - Inbetriebnahme Sommer 2018


    Was ich bisher aus diversen Threads mitgenommen habe:
    - Möglichst mit Standard-Modulgrößen planen --> 1m x 1,66m
    - Für bessere Eigennutzung über den Tag eignet sich eine Ost-West-Anlage besser
    - Das Dach so voll machen, wie es der Platz zulässt um einen mehr kWp/€ zu bekommen. Allerdings aufpassen um wegen der Abgaben über 10kWp nicht zwischen 10-13 kWp zu landen.

    Daraus nun folgende Überlegungen:
    Variante 1:
    - Sofern das Dach etwas breiter wird, passen 13 x 4 Module auf deine Dachhälfte, bei Südwestausrichtung. Das wären bei Vollbelegung 104 Module, womit man bei Modulen mit 260W Leistung bei 27kWp und etwa 21kW Leistung für den Wechselrichter landet (104*0,26*0,7/0,9). Hier wären 70% hart ausreichend, dazu einen Wechselrichter mit 2 Trackern.
    - Hier wäre der Ertrag nach PVGis bei 1775kWh/kWp*a (922kWh/a Südwest; 783kWh/a Nordost) , also bei 37275kWh/a für das gesamte Jahr


    Variante 2:
    -Alternativ das Dach mit Südost-Ausrichtung bauen lassen und 12 x 4 Module platzieren. Dadurch erhält man mit 260W Modulen 12,48kWp und benötigt einen 9,7kW Wechselrichter (hier käme die 70% weich-Regelung eventuell in Betracht, also ~12kW Wechselrichter).
    - Hier wäre der Ertrag bei 1050kWh/kWp*a, also bei 10185kWh/a für das gesamte Jahr
    - Am besten aber mit den Modulen unter 10kWp bleiben?


    Nun zu meinen Fragen:
    Welche der beiden Varianten macht ist zu bevorzugen und wieso?
    Kann man von 25 Jahren Laufzeit der Anlage bei Kostenkalkulationen ausgehen? Welche Kosten außer der Versicherung kommen noch dazu?
    Wie anfällig sind die Module gegen Hagelschlag?
    Wie stark steigen die Versicherungskosten mit der Anlagengröße?
    Wieviel Platz wird zwischen den Modulen für die Montage und die thermische Ausdehnung benötigt?


    Ich freue mich über Hinweise und Diskussionen.


    Grüße


    Matthias

  • Hi,


    Zitat von mazzzzze

    - Inbetriebnahme Sommer 2018


    falls der Rohbau noch dieses Jahr stehen wird, würde ich die Anlage schon dieses Jahr an`s Netz bringen.
    Nach der Bundestagswahl wird das EEG mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weiter zu unseren Ungunsten verändert.



    Zitat von mazzzzze

    - Sofern das Dach etwas breiter wird, passen 13 x 4 Module auf deine Dachhälfte, bei Südwestausrichtung. Das wären bei Vollbelegung 104 Module, womit man bei Modulen mit 260W Leistung bei 27kWp und etwa 21kW Leistung für den Wechselrichter landet (104*0,26*0,7/0,9). Hier wären 70% hart ausreichend, dazu einen Wechselrichter mit 2 Trackern.


    Diese Lösung wäre meine Wahl.
    Bei der Anlagengröße sollte imho über eine dynamische 70% Lösung nachgedacht werden, sonst gehen kWh in signifikanter Menge verloren.



    Zitat von mazzzzze

    - Hier wäre der Ertrag nach PVGis bei 1775kWh/kWp*a (922kWh/a Südwest; 783kWh/a Nordost) , also bei 37275kWh/a für das gesamte Jahr


    Nee, bei etwa 853 kWh/kWp pro Jahr für die ganze Anlage.


    922kWh/a Südwest + 783kWh/a Nordost = 1705 / 2 = 852,5 kWh/kWp
    852,5 kWh/kWp x 27 kWp = 23.017,5 kWh/a


    Wenn Ihr das Norddach etwas flacher macht (27° oder besser weniger) und das Süddach etwas steiler (35°, also asymmetrisch), wird der Ertrag signifikant besser. Ist natürlich die Frage, ob das gefällt und genehmigt wird.
    Oder eine große Gaube auf`s Norddach mit einer Dachneigung auf der Gaube von nur 15 - 20°.
    So gewinnt Ihr im obersten Geschoß `ne Menge Wohnfläche und auf der flachen Neigung ist der Ertrag erheblich besser.



    Zitat von mazzzzze

    Kann man von 25 Jahren Laufzeit der Anlage bei Kostenkalkulationen ausgehen?


    Imho ja.



    Zitat von mazzzzze

    Welche Kosten außer der Versicherung kommen noch dazu?


    1x Wechselrichtertausch, evtl. ab und zu mal eine elektrische und optische Prüfung der Anlage.



    Zitat von mazzzzze

    Wie anfällig sind die Module gegen Hagelschlag?


    Die werden bei richtig fettem Hagel definitiv zerstört. Dagegen muss auf jeden Fall eine Versicherung her.



    Zitat von mazzzzze

    Wie stark steigen die Versicherungskosten mit der Anlagengröße?


    Nach meiner Erfahrung nicht viel. Ist fast egal, ob Du im Jahr EUR 60,- oder EUR 100,- an Versicherung zahlst.



    Zitat von mazzzzze

    Wieviel Platz wird zwischen den Modulen für die Montage und die thermische Ausdehnung benötigt?


    Bei einem Standard-Montagesystem 2cm. Bei einem Einlegesystem seitlich nix und übereinander 2 cm.
    Thermische Ausdehnung kann vernachlässigt werden, sofern die Querschienen alle 6 m eine Dehnungsfuge von etwa 1 cm haben.

  • hi,


    also ganz einfach: die daecher vollpacken, dabei drauf achten das dach gleich mit entsprechenden fenstern zu versehen bezueglich dachausbau...


    nicht 260 module nehmen sondern gleich 300Wp, und sich nicht ueber die kosten fragen oder wegen den grenzen von wegen 10 kWp oder 30 kWp, morgen aendern sich die gesetze wieder und dann ist wieder alles anders, fuer den privatmann lohnt sich das immer das dach komplett voll zu machen...


    dann batteriespeicher, gleich beantragen, bevor die foerderung bzw. der topf fuer die foerderung wieder leer ist. batteriespeicher auch bezueglich elektroauto.


    suedwest ist immer besser, oder westdach, wegen des morgennebels... aber egal, dach vollmachen !



    ach ja: hagel, bzw. glassschaeden sind i.A. kein problem, was kaputt gehen kann ist wie immer im leben die WR, sicherungen, zaehler, vielleicht beisst der marder mal an einem kabel rum - aber das ist eigentlich alles nicht relevant, so eine anlage kann 30-40 jahre halten ==> insofern auf qualitaet achten, preislich duerfte man bei 30kWp auf 1100,- pro kWp kommen oder drunter, ohne batteriespeicher...


    gruesse

  • Ich würde möglichst viel Leistung planen zu einem möglichst geringem Gesamtpreis, aber die Details bei Realisierung 2018 noch offen halten. Bei 780 kWh/kWp auf der Nordseite darf der Nordteil noch mehr als 900€/kWp kosten, um noch eine Rendite abzuwerfen (nach jetzigem EEG). Der Königsweg ist die von Ralf Hofmann genannte große Nordgaube...


    Und falls du erstmal nur die Südseite belegen willst: Auf jeden Fall schon Stringkabel für die Nordseite mitlegen und ggf. den WR größer wählen, dann kann man in einigen Jahren immer noch die Nordseite voll machen.


    Kredit ggf. extra machen, denn für den PV-Kredit lassen sich die Zinsen absetzen.


    Mehr Leistung bringt ökonomisch mehr, als ein Speicher: https://www.photovoltaikforum.com/static/speicher.php


    Externe Schäden bei der Anlage deckt die Versicherung, problematischer sind innere Schäden (wenn man eine fehlerhafte Modul-Charge erwischt): Das kann mit geringer Wahrscheinlichkeit jeden treffen, und dafür zahlt keine Versicherung. Das muss man einplanen.

    sonnige Grüße,
    -Weidemann-


  • Standardmodule - klar.
    O-/W - das ist eine Mär, die sich hartknäckig hält . Süd ist immer zu favorisieren. Denn O-/W ist genau dann, wann Du jede kWh brauchen kannst - also im Winter - einfach Asche. Die Frage stellt sich ja bei Dir, da Du wählen kannst!!


    Voll machen - ja. Aber auf jeden Fall mit 300W/310W Modulen in Mono. Sieht bei einem neubau einfach besser aus.
    Mach SO voll (12X4) und auf NW bis max 22 Module. 12 X 4, da DU dann 3 X 16 verstringen kannst.


    Gruß
    MBiker_Surfer

    Gruß
    MBiker_Surfer

  • Ralf Hofman:
    danke für die Korrektur meiner Ertragsrechnung.
    Eine Gaube kommt aus Kostengründen nicht in Frage, da das Dachgeschoss nur als Lagerfläche ist und nicht als Wohnraum geplant ist.
    Baubeginn ist zur Zeit geplant mit Anfang 2018. Wir sind aktuell in der Planungsphase und haben gerade erst den Grundschnitt zu 90% fertig.
    Also sind 70% weich bei beiden Varianten empfehlenswert. Bei Variante 1 wegen der Anlagengröße, bei Variante 2 wegen guter Südausrichtung?


    tigerlion:
    wie die Förderung für Batteriespeicher 2018 aussieht werden wir dann sehen. Aktuell sehe ich bezogen auf Kosten/Nutzen wenig Vorteile für einen Batteriespeicher.
    Dachausbau ist keiner geplant. In der Mitte des Dachbodens wird sich eine Deckenhöhe von ~3m ergeben, somit hat man auf einer Fläche von etwa 36m² eine Deckenhöhe von 2,3m und mehr. Dafür lohnt sich ein Dachausbau nicht wirklich.


    Weidemann:
    ich teile deine Ansichten bezülich kWp/€, könntest du bitte noch erläutern wie du auf die Summe von 900€/kWp bei 780kWh/kWp kommst?
    Ebenso der Tip mit dem Kredit ist sehr hilfreich, werde ich mir genauer ansehen, danke.


    MBIKER_SURFER:
    Interessanter Ansatz. Leider verstehe ich "3 x 16 verstringen" nicht. Hast du dazu einen Link oder eine kurze Erklärung wieso das Sinn macht?
    Die Nord-West-Seite (147°) bringt 710kWh/kWp*a.
    Lohnt sich das finanziell also nur bei unter 900€/kWp? Bei der relativ "kleinen" Anlagengröße ist der Preis, wenn man sich den Angebotsbereich anschaut nicht zu erreichen :?


    Über weitere Überlegungen wäre ich dankbar.


    Grüße

  • Zitat von mazzzzze


    Leider verstehe ich "3 x 16 verstringen" nicht.


    Um einen guten Wirkungsgrad zu erreichen sollte die Stringspannung möglichst nahe an die Bemessungseingangsspannung des Wechselrichters kommen. Mit insgesamt 48 Modulen (12x4) bildet man dann 3 parallele Strings a` 16 Module was eine akzeptable Stringspannung ergibt.
    22 Module (60-Zeller) wären das Maximum in einem String, deshalb bis zu 22 auf Nordwest.

    mit freundlichem Gruß
    smoker59

  • Zitat von mazzzzze

    Also sind 70% weich bei beiden Varianten empfehlenswert.


    70% weich macht höchstens beim Süddach Sinn, aber auch da kaum bei dem eher flachen Dach. Bei Belegung mehrerer Dachseiten macht nur 70% hart Sinn.


    Zitat

    ich teile deine Ansichten bezülich kWp/€, könntest du bitte noch erläutern wie du auf die Summe von 900€/kWp bei 780kWh/kWp kommst?


    Das ist die "Kollektorformel": Wenn die Einspeisevergütung über 10 Jahren den Anschaffungskosten entspricht, hat man auch nach laufenden Kosten (Versicherung... WR-Tausch...) noch sowas wie 4-5% Rendite. 780kWh*ca. 12 Cent/kWh*10 Jahre = 936€. Aber das sind wohlgemerkt nicht die Kosten der Gesamtanlage, sondern nur die Zusatzkosten des Nordteils. Die ganzen Fixkosten und der größte Teil der WR-Kosten finanzieren sich ja über die Südseite. Die ganze Anlage darf also mehr kosten, aber bei der Größe sollte das derzeit für irgendwo <1100€/kWp machbar sein, zumal das Gerüst ja dann schon steht.

    sonnige Grüße,
    -Weidemann-

  • super, vielen Dank an alle.
    Das sollte mir bei der Planung der Dachausrichtung erstmal reichen. Sobald es dann mit der Anlagenplanung konkret wird, werde ich im Angebotsbereich wieder aktiv werden.


    Grüße