Lärmschutzwälle

  • Hallo zusammen,



    Heute ist mir mal wieder aufgefallen, wieviele Lärmschutzwälle es an deutschen Autobahnen, Bundesstrassen und Landstrassen gibt.
    Viele davon liegen (grade bei Ost-west Strassen) gradezu ideal für eine PV Anlage und werden aufgrund Ihrer Form auch nicht andersweitig genutzt (z.B. als Agrarflächen).


    Alelrdings sehe ich auf keinem dieser Bauwerke je eine Solaranlage.
    wisst Ihr woran das liegen könnte?



    Ich habe verstanden, dass Lärmschutzwälle laut der Clearingstelle leider keine LärmschutzWÄNDE darstellen, und dementsprechend "nur" die Einspeisevergütung für Freiflächenanlagen erhalten können, allerdings gilt doch (wenn ich den Paragraphen §48 Absatz 1 Satz 1 des EEG 2017 richtig lese, dass es "grundsätzlich erlaubt" ist, auf einer derartigen "baulichen Anlage" eine Freiflächenanlage zu bauen, OHNE, dass daszu ein Bebauungsplan geändert werden mus (wie es ja bei anderen Freiflächenanlagen der Fall ist).


    Also sollten doch Lärmschutzwälle grade für Anlagen unter der "Bagatellgrenze von 750 kWp" günstig sein oder sehe ich das falsch im Gesetz (frage an die EEG Cracks hier ;-) ).


    Ich meine ich weiß, dass das FstrG im Paragraph §9 Satz 1 angibt, bestimmte Abstände einzuhalten, aber zum einen stellt sich mir die Frage, ob eine Solaranlage AUF einer bereits bestehenden "baulichen Anlage" hierunter fällt, und zum zweiten gibt es bereits einige Ausnahmen für "normale" Freiflächenanlagen von dieser Regel, so dass der Abstand grade zu Autobahnen schon um die Hälfte unterschritten wurde.
    (Hier auch direkt die Frage, was meint Ihr, gilt der §9 hier als "neue Hochbauten", oder nicht, da es auf einer bereits bestehenden baulichen Anlage errichtet wurde? Wenn ich z.B. auf einer Raststättentankstelle auf dem Dach eine Solaranlage bauen möchte, dann hindert mich dieser Paragraph ja auch nicht, oder?)


    Und dann direkt der letzte Gedanke. Ist eine derartige Anlage genehmigungspflichtig? Also selbst wenn der Betreiber das Land tatsächlich gepachtet bekommt, muss dann noch eine Genemigung eingeholt werden? Ich würde mal auf "ja" tippen aufgrund der Größe der Anlage, aber auch hier wieder der Einwand, dass die Anlage AUF einer "baulichen Anlage" errichtet wurde.
    Muss ich z.B. auch eine 750 kWp Anlage auf einem Hallendach genehmigen lassen? (Ich kenne mich hier nicht aus, das ist ziemlich länderspezifisch, oder?)




    Also alles in allem die Diskussion:
    Machen Lärmschutzwälle als PV Anlagenplätze Sinn, oder nicht?
    Sind die behördlichen Anforderungen höher als auf anderen Plätzen? Warum also baut da keiner?


    Ich empfinde das halt als solche Verschwendung von gutem Platz :oops:

  • Zitat von Serin

    Warum also baut da keiner?


    Ich empfinde das halt als solche Verschwendung von gutem Platz :oops:


    Es gab Fälle, da mussten solche Anlagen nach Unfällen infolge eines Blendgutachtens wieder abgebaut werden. Wenn überhaupt, dann sollte die Anlage nur auf der straßenabgewandten Seite liegen. Bei "Bagatellgrößen" ist oft der wirtschaftlich tragbare Einspeisepunkt das Problem.


    Zu der rechtlichen Seite (Genehmigung, EEG) bin ich aktuell nicht informiert. Ich betreibe seit 2004 eine kleine Anlage auf einer Lärmschutzwand der Bahn und erhalte Dachvergütung.

    Sonnige Grüße
    Kollektor

  • Ich gebe dir recht, dass die staßenabgewandte Seite eindeutig besser ist (auch generell für Unfälle, wer fährt schon gerne in Glas rein :-/ ), aber normalerweise sind ja beide Seiten zugänglich, so sollte das doch kein Problem sein oder?


    Und bezüglich des Einspeisepunktes, da bin ich natürlich komplett außen vor, da ich "nur" eine Dach PV habe.
    Was kostet denn so ein Einspeisepunkt im Allgemeinen? (Ich nehme an für unsere "Bagatellgröße" müsste man trotz allem ans Mittelspannungsnetz?)

  • Zitat von Serin


    Was kostet denn so ein Einspeisepunkt im Allgemeinen?


    Muss jemand anders beantworten. Die Hauptkosten dürften die Leitungen und der Trafo sein. In Fällen wo direkt an den Wall ein Gewerbe- oder Wohngebiet angrenzt, werden die Kosten überschaubarer. Bei 8,51 Ct/kWh wird es auf jeden Fall eine sportliche Herausforderung werden.

    Sonnige Grüße
    Kollektor

  • Zitat von Serin

    Was kostet denn so ein Einspeisepunkt im Allgemeinen?


    Das kommt darauf an wie weit du zum nächsten Trafohäuschen hast und ob da nicht schon einig Hundert kW von einem Landwirt eingespeist werden.


    Wenn du keine/Wenig Wege kreuzen musst und mit dem Kabelpflug arbeiten kannst ist es günstiger als wie wenn Du einige Straßen unterqueren musst.


    Wie Kollektor schon sagt wenn du ca. 30% weniger als von deinem Dach bezahlt bekommst und dafür auch noch Kabel legen musst kannst Du das Projekt so ziemlich vergessen. :(
    Du musst es ja auch noch einzäunen um vor Diebstahl und Vandalismus abgesichert zu sein, :cry: was Du auf einem Dach auch nicht unbedingt benötigst. :juggle:


    Django

  • Macht für mich keinen Sinn, da zu anfällig für Vandalismus, Schaden generell und zu große bauliche Maßnahmen. Bauarbeiter würden dir sehr danken dafür :ironie:

  • Bei uns in Österreich gibts das (Bsp. Sattledt, oder A4 von Schwechat nach Wien,..)

    Ausrichtung:


    14,43 KWp @ DN:35°, -10° S auf Symo und Symo Hybrid

    _8,15 KWp @ DN:35°, -350° N auf Symo GEN24
    _1,98 KWp @ DN:10°, -100° NO auf AE Conversion


    Fronius Energy Package 12 kWh :lol:



  • Das ist keine sehr neue Idee. Hier gibts Details über so eine Anlage in der Schweiz welche bereits seit dem Jahr 2000 in Betrieb ist http://www.igsolar.ch/?q=Photovoltaik

    10.35 kWp / Süd / 18° Dachneigung / Fronius Symo 7.0-3-M / Kostal Piko 5.5
    PowerDog als Energie-Manager u.a. für EV-Optimierung der Erdsonden-Wärmepumpe.
    Liebäugle seit längerem mit einem Speicher, habe aber noch immer nichts wirklich gescheites gefunden.

  • Der Aufwand für den Ersatz von gestohlenen bzw. der Diebstahlschutz von Modulen entlang von Autobahnen sei enorm hoch, hatte ich mal an einem Podiumsgespräch gehört.
    Doch könnte diese Aussage ein Relikt aus den Anfangszeiten sein, als Module noch ein Vermögen kosteten.
    Heute ist wohl eher das Verkehrsrisiko für die Montage und den Unterhalt (waschen) entscheidend.
    Vielleicht könnte sich diese Idee mit steigender Elektromobilität, welche sowieso eine Verkabelung der Autobahnen erfordert etwas verbessern. :idea:
    einstein0

    33 J Erfahrung mit PV im Netzverbund. Erster zweiachsiger Tracker in Australien.
    2 kW- Hybrid-Insel im Camper, BEV: Hyundai Kona. 30kW-PV-Anlage Ost/West.
    PV-Notstromversorgung 10 kWh im MFH mit Infini 3 kW Hybrid-WR und 10 kWh Li-Testspeicher.