EÜR Strom Einspeisung

  • Hallo,


    kann mir jemand helfen? Ich mache jetzt meine EÜR.


    Betriebseinnahmen:
    Einnahmen sind netto Erzeugung/ Lieferung Strom plus Restbetrag ohne Eigenverbrauch?


    Betriebsausgaben:
    Abschreibungen
    Versicherungen
    Zinsen
    an das Finanzamt gezahlte Umsatzsteuer vom Jahr davor ?
    Wo kommt jetzt der Eigenverbrauch /Rücklieferung Strom hin und mit oder ohne Umsatzsteuer?




    Gruß


    Tine

  • Ich nehme an, hier geht es um eine Anlage, die noch vor dem 01.04.2012 erstellt wurde und bei der der Eigenverbrauch noch vergütet wird.
    Da gibt es bei den Einnahmen noch einige weitere Punkte zu berücksichtigen...


    Ich lege mal eine Muster-EÜR für diesen Anlagentyp bei.


    Paulchen

  • Paulchen, ich brüte auch gerade über meine EÜR ... und verstehe Dein Beispiel vollständig.


    Was ich aber nicht verstehe: warum fällt auf die Sachentnahme Direktverbrauch keine Umsatzsteuer an?


    Müsste diese denn nicht noch an das FA abgeführt werden? Das ist ja auch die Frage von tinestorm hinsichtlich der Umsatzsteuer.


    Und macht tinestorm nicht den Gedankenfehler, von der Einspeisung/Lieferungs-Abrechnung auszugehen anstatt von den Zahlungen vom und an den Netzbetreiber?


    Betriebseinnahmen sind doch alle Abschlagszahlungen des Netzbetreibers im Kalenderjahr zuzüglich oder abzüglich der Zahlung aus der Vorjahresabrechnung, die ja auch im Steuerjahr erfolgt ist?


    Es ist doch eine Einnahmen-Ausgaben-Überschussrechnung, in der abgesehen vom Eigenverbrauch/Sachentnahme nur tatsächliche Geldflüsse abgebildet werden, oder?


    Und der Betrag für den zurückgelieferten Strom entspricht dann der "Sachentnahme Direktverbrauch", oder?


    Aber wenn das so ist, muss dann auf die Sachentnahme nicht auch Umsatzsteuer zugeschlagen und an das Finanzamt abgeführt werden? Wie bildet man das dann in der EÜR ab?

  • Natürlich fällt auf den Direktverbrauch Umsatzsteuer an. Nur ist die Berechnung bei Anlagen bis 31.03.2012 auf eine besondere Weise vorzunehmen:
    Bei einer Anlage mit Vergütung des Direktverbrauchs gibt es ein besonderes Kontrukt der sog. fiktiven Lieferbewegungen.
    In der ersten Lieferbewegung wird der gesamte erzeugte Strom an den Netzbetreiber geliefert und zum Einspeisetarif umsatzversteuert.


    In der zweiten Lieferbewegung erfolgt die Rücklieferung des Direktverbrauchs an den Anlagenbetreiber zum Unterschiedspreis von Einspeisevergütung und Direktverbrauchsvergütung (das sind bis auf das Jahr 2010 immer 16,38 Ct).


    Das ist aber keine Methode, wie man die USt. praxisgerecht berechnen kann - man muss ja, wie du richtig schreibst, zum einen von den Zahlungen des Netzbetreibers ausgehen und nicht von der Abrechnung.
    Aus den beiden Liefernbewegungen lässt sich die Umsatzsteuer auf folgende realistische Weise berechnen: Man nimmt die tatsächlichen Nettozahlungen des Netzbetreibers und addiert den Nettobetrag, den der Netzbetreiber für den Direktverbrauch abgezogen hat. Damit bekommt man den Wert der Gesamtlieferung und kann daraus die Umsatzsteuer berechnen.


    Der Wert für die Direktentnahme entspricht logischerweise dem Wert, den der Netzbetreiber einbehalten hat und der für private Zwecke verwendet worden ist.


    Nur zur Ergänzung:
    Bei Anlagen ab 01.04.2012 haben wir eine andere Berechnung der USt. Dort wird die sogenannte unentgeltliche Wertabgabe (etwa in Höhe des Kilowattstundenpreises netto inkl aller Nebenkosten beim EVU) angesetzt.


    Paulchen

    Excel-Tools mit VBA-Makros zu Buchführung und Steuer für PV-Anlagen:
    Einspeise- und Direktverbrauchs-Anlagen für Windows
    Informationen unter https://www.pv-steuer.com


    Bei Anfragen im Forum bitte unbedingt den Programmnamen und die -version angeben!

  • Paulchen,
    vielen Dank für die ausführliche Antwort. Das hat mir sehr geholfen, um das hoffentlich logisch zu verstehen.


    Zitat

    Der Wert für die Direktentnahme entspricht logischerweise dem Wert, den der Netzbetreiber einbehalten hat und der für private Zwecke verwendet worden ist.


    Darf man das z.B. dann auch so übersetzen: Der Netzbetreiber hat die Sachentnahme Direktverbrauch einschließlich Umsatzsteuer korrekt in Rechnung gestellt, die Umsatzsteuer an das FA bezahlt und den Zahlungsbetrag für beides gleich von den Vorauszahlungen oder dem Endabrechnungsbetrag abgezogen.


    Oder nochmals mit anderen Worten: Der Wert des Eigenverbrauchs ist dem Betrieb überhaupt nicht in Form von Geld zugeflossen (EÜR!), weil es ja gleich von den Abschlagszahlungen/der Endabrechnung abgezogen wurde und die darauf fällige Umsatzsteuer vom Netzbetreiber gleich an das FA abgeführt wurde.


    Die Sachentnahme Direktverkauf ist deshalb in der EÜR noch den Einnahmen netto hinzu zu rechnen, weil dem Betrieb hierfür ja kein Geld zugeflossen ist, jedoch nicht die Umsatzsteuer, da die Umsatzsteuer vom Netzbetreiber direkt an das FA bezahlt wurde.


    Wie sieht es denn nun bei Anlagen ab 01.04.2012 aus: es wird also in der EÜR genauso eine Sachentnahme/Direktverkauf gebucht. Die Wertermittlung sei mal außen vor gelassen.


    Darauf muss nun aber Umsatzsteuer berechnet und an das Finanzamt abgeführt werden. Wo und wie wäre die denn nun in Deinem Beispielsschema zu buchen? Hier handelt es doch nun um Ausgaben, oder?

    2 Mal editiert, zuletzt von wschmeiser ()

  • tinestorm,
    im ersten Jahr hast Du ja die auf den Investitionsbetrag der Anlage bezahlte Umsatzsteuer als Vorsteuer zurück erhalten.


    Deine umsatzsteuerpflichtigen Ausgaben waren im ersten Jahr höher als die Einnahmen.


    Danach hast du im Prinzip nur noch umsatzsteuerpflichtige Einnahmen und musst die Umsatzsteuer an das FA abführen.


    Trotzdem hätte ich noch eine Bitte an Dich: könntest Du Deine EÜR einfach mal vollständig hier einstellen. Einmal zur Sicherheit für Dich, zum anderen als Beispiel auch für andere.


    Einfach auf Basis der von Dir unten eh schon angezeigten Daten.

  • Zitat von wschmeiser

    ...


    Die Sachentnahme Direktverkauf ist deshalb in der EÜR noch den Einnahmen netto hinzu zu rechnen, weil dem Betrieb hierfür ja kein Geld zugeflossen ist, jedoch nicht die Umsatzsteuer, da die Umsatzsteuer vom Netzbetreiber direkt an das FA bezahlt wurde.


    Nein, da hast du aber etwas gründlich missverstanden. Der Eigenverbrauch ist vom Anlagenbetreiber zu versteuern - ohne Wenn und Aber!
    Schau dir doch mal mein gepostetes Beispiel an:
    1500 € Zahlungen des NB und 198,53 € Eigenverbrauch ergeben eine Summe von 1698,53 €. Daraus 19 % Umsatzsteuer ergeben die 322,72 €, die in der entsprechenden Umsatzsteuer-Spalte ausgewiesen sind.

    Zitat


    Wie sieht es denn nun bei Anlagen ab 01.04.2012 aus: es wird also in der EÜR genauso eine Sachentnahme/Direktverkauf gebucht. Die Wertermittlung sei mal außen vor gelassen.


    Darauf muss nun aber Umsatzsteuer berechnet und an das Finanzamt abgeführt werden. Wo und wie wäre die denn nun in Deinem Beispielsschema zu buchen? Hier handelt es doch nun um Ausgaben, oder?


    Die Entnahme eines Wertes aus dem Gewerbebetrieb für private Zwecke ist immer als Einnahme für den Gewerbebetrieb zu buchen. Das ist ja der Gegenwert oder der Ersatz für die Ausgabe an den Privatbereich, die ansonsten (ohne Entnahme) Teil der Einnahmen wäre.


    mfg
    Paulchen

    Excel-Tools mit VBA-Makros zu Buchführung und Steuer für PV-Anlagen:
    Einspeise- und Direktverbrauchs-Anlagen für Windows
    Informationen unter https://www.pv-steuer.com


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  • Paulchen,
    vielen Dank für Deine Antworten.


    Ja, das mit der Umsatzsteuer hatte ich nicht richtig verstanden. Dass die Sachentnahme zu versteuern ist schon.


    Ist es dann so richtig: "Die Sachentnahme ist deshalb in der EÜR einschließlich der darauf anfallenden Umsatzsteuer den Einnahmen hinzu zu rechnen. Damit ist die Sachentnahme einschließlich der Umsatzsteuer auch zu versteuern."


    Dann ist es aber doch gleichgültig, ob die Anlage vor dem 1.4. oder ab den 1.4.2012 in Betrieb gegangen ist, oder?


    In beiden Fällen muss die Sachentnahme einschließlich der darauf anfallenden Umsatzsteuer den Einnahmen hinzugerechnet werden, oder?


    Nur der Wert bzw. die Art der Ermittlung des Werts der Sachentnahme ändert sich. Oder habe ich da schon wieder etwas nicht verstanden?


    Die EÜR müsste dann, sonstige Positionen mal außen vorgelassen, doch folgende Positionen haben:


    +Einnahmen=Einzahlungen
    +vereinnahmte UST auf Einnahmen
    +Nachzahlung/-Rückzahlung gemäß Abrechnung für das Vorjahr
    +Sachentnahme
    +UST auf Sachentnahme
    +vom FA erstattete Vorsteuer
    -AfA/Zinsen usw.
    -Sonstige Ausgaben
    -gezahlte Vorsteuer auf Sonstige Ausgaben
    -an FA bezahlte Umsatzsteuer


    Und das wäre dann doch unabhängig davon, ob Direktverbrauch vor oder nach dem 1.4.2012 erfolgt, oder?


    Danke schon mal im Voraus.

    Einmal editiert, zuletzt von wschmeiser ()