Wärmepumpe - Wärmepumpentarif oder PV mit Eigenverbrauch?

  • Hallo.
    Ich stehe vor einer Heizungsmodernisierung. Wir hatten jahrelang eine Luft/Wasser-Wärmepumpe und bin am überlegen wieder eine solche anzuschaffen, oder eine andere Heiztechnik.


    Bin im Moment am rumrechnen, ob sich eine Luft/Wasser-Wärmepumpe überhaupt lohnt, bzw. ob diese sich evtl. in Verbindung mit einer PV-Anlage und Eigenverbrauch rechnen würde. PV-Anlage habe ich noch keine, es ist nur eine Überlegung ob es sich lohnen würde dafür. Dann müsste der Wärmepumpentarif gekündigt werden und die Wärmepumpe auf den Haushaltszähler laufen.


    Mein bisheriges Fazit ist, dass ich mit Eigenverbrauch sehr viel schlechter wegkomme, als mit einem Wärmepumpentarif. Es sei denn ich wechsle jedes Jahr den Hausstrom-Anbieter und bekomme noch einen hohen Neukundenbonus. Dann gleicht es sich evtl. aus, aber einen Vorteil durch Eigenverbrauch kann ich nicht entdecken. Evtl. mache ich aber auch einen Denkfehler.
    Daher schreibe ich hier mal meine Berechnung.


    Haushaltsstrom (Bruttopreise):
    Grundgebühr: 7,70 €/Monat
    kWh-Preis: 0,2402 €/Monat


    Wärmepumpentarif (Bruttopreise):
    Grundgebühr: 8,90 €/Monat
    kWh-Preis: 0,1815 €


    Angenommener Jahresverbrauch der Wärmepume: 10000 kWh/a
    Angenommener Deckungsgrad bei Eigenverbrauch: 30% = 3000 kWh/a


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    Kosten bei Wärmepumpe über Wärmepumpentarif:
    (10000 kWh x 0,1815 €/kWh) + (12 x 8,90€)
    = 1815 € + 106,80 €
    = 1921,80 €


    da ich die 3000 kWh die meine PV-Anlage erzeugt hat ja einspeise, statt selbst zu verbrauchen, bekomme ich für diese ja die Einspeisevergütung (0,1230 €/kWh)
    3000 kWh x 0,1230 €/kWh
    = 369 €


    Also habe ich Gesamtkosten für meine Wärmepumpe von
    1921,80€ - 369 €
    = 1552,80 €


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    Kosten bei Wärmepumpe 70% über Hausstrom-Tarif und 30% Deckung über Eigenverbrauch:
    -> Grundgebühr für Haushaltsstrom entfällt in der Rechnung, da diese sowieso anfällt


    70% Hausstrom
    7000 kWh x 0,2402 €/kWh
    = 1681,40 €


    30% Eigenverbrauch aus Erzeugung, davon 19% Umsatzsteuer an Finanzamt
    3000 kWh x 0,2402 €/kWh x 0,19
    = 136,91 €


    30% Eigenverbrauch aus Erzeugung, entgangene Einspeisevergügung wegen Eigenverbrauch
    3000 kWh x 0,1230 €/kWh
    = 369 €


    Gesamtkosten bei Eigenverbrauch (70% Hausstrom + 19% USt auf 30% Eigenverbrauch + entgangene Einspeisevergütung
    1681,40 € + 136,91 € + 369 €
    = 2187,31 €

  • Dein Fehler liegt in der Betrachtung der Einspeisevergütung. Bei einer Cashflow-Betrachtung darfst du sie im zweiten Fall nicht addieren.


    Was passiert auf dem Konto?
    Fall 1:
    Ausgaben: 1921,80
    Einnahmen: 369,00 (abzüglich Einkommensteuer...)


    Fall 2:
    Ausgaben: 1681,40 + 136,91 (zuzüglich Einkommensteuer auf Eigenverbrauch)
    Einnahmen: keine (jedenfalls nicht für die 3.000 kWh


    Fazit: Lohnt sich so (noch) nicht, aber wenn der Strompreis nur ein bissl steigt schon. Außerdem ist es ein gutes Gefühl, die Wärmepumpe mit Eigenverbrauch zu versorgen. Wir standen vor der gleichen Frage und haben uns dafür entschieden, auch wenn es sich erst in einem oder zwei Jahren richtig lohnen wird. Die Wärmepumpentarife werden sogar noch schneller teurer als Haushaltsstrom, zumindest in Berlin.


    LG
    Bastel

  • Zitat von atifan

    Dann müsste der Wärmepumpentarif gekündigt werden und die Wärmepumpe auf den Haushaltszähler laufen.


    Nein das musst du nicht, du kannst deinen Wärmepumpentarif behalten, bekommst aber noch einen Zähler dazu. Dein Versorger muss das Messkonzept umsetzen welches du vorgibst. Du bist in der Wahl deines Messkonzeptes frei insofern dein Messkonzept andernorten bereits angewandt wird. Verweisen kannst du bspw hierauf:


    http://www.syna.de/web/cms/med…sskonzepte-Einspeiser.pdf


    Habe die Erfahrung gerade frisch hinter mir, die wollen nicht, aber die müssen...


    Gruß


    Michael

  • Hi,


    ja Danke für die Erklärung. Habe es kapiert. Ich wusste irgendwas kann nicht stimmen :D
    Aber trotzdem komme ich mit Eigenverbrauch schlechter weg, als mit WP-Tarif.


    Rechnet man mit jährlich 25% Neukundenbonus kann es sich rechnen.
    Was noch nicht berücksichtigt ist, ist dass je höher der Hausstromverbrauch ist, desto günstiger wird normalerweise die kWh.
    Je teurer der Strompreis wird, desto mehr rechnet es sich.
    Wobei die Berechnung hier aber fiktiv ist und die 30% Eigenverbrauch erstmal erreicht werden müssen mit der Wärmepumpe.
    Je geringer der Eigenverbrauch, desto schlechter die Zahlen.


    Alles in Allem muss man genau rechnen, ob es sich lohnt oder nicht.


    Fall1: Kosten = Ausgaben - Einnahmen = 1921,80€ - 396€ = 1525,80


    Fall2: Kosten = Ausgaben - Einnahmen = 1681,40€ + 136,91€ - 0€ = 1818,31€


  • Hm, du meinst also, ich könnte den Wärmepumpentarif inkl. Zähler behalten und damit die günstigeren Strompreis für die Wärmepumpe nutzen? Gleichzeitig aber auch den selbst erzeugten Strom, der über die PV-Anlage erzeugt wird und in den Hausstrom einfliest nutzen für die Wärmepumpe nutzen?


    Wenn das so funktioniert, dann kostet der zusätzliche Zähler ja mit Sicherheit auch Geld und muss geeicht sein, bzw. muss vom Messstellenbetreiber gestellt werden?


    Kurz gesagt, man kann die Vorteile von günstigem WP-Tarif nutzen, aber gleichzeitig auch Eigenverbrauch realisieren?

  • Ja. Du musst halt von deinem Solarteur neu verdrahten lassen.


    Dein 1. Zähler hängt vor der Gesamabnahme Haus&PV
    Dein 2. Zähler hängt nach der PV


    Dein Verbrauch für Wärmepumpe = Zähler 1 minus Zähler 2
    Dein Verbrauch für das Haus = Zähler 2


    Der dritte Zähler kommt auch vom Netzbetreiber und kostet ca. 100 Euro pA, hat sich bei mir locker gerechnet. Dieser hängt hinter dem Wechselrichter, der Sinn des Zählers ist fraglich, aber ist halt so drin im Messkonzept. Einen eigenen darf man leider nicht mehr benutzen.


    Ist das Schaubild 7 im PDF...


    Viele Grüße


    Michael

  • Aber setzt das ganze nicht voraus, dass man nur 3 Phasen als Zuleitung hat, wo dann alles dran hängt?
    Ich bin mir nicht ganz sicher wie das bei uns ist, aber ich dachte immer, der zweite Zähler für die Wärmepumpe hätte eine eigene Zuleitung vom Strommast her (also 3x Phase für Zähler 1 und 3x Phase für Zähler 2). Oder hat der die gleiche Zuleitung wie der erste Zähler und wird halt nur parallel zum ersten Zähler angeschlossen? Also als Zuleitung insgesamt nur eine Leitung mit 3 Phasen?

  • Ich betrachte jetzt mal nur die rein finanzielle Seite (nur ganz grobe Peilung!). Es kostet dich rund 10 Cent, um eine kWh mit der PVA zu erzeugen. Beim Einspeisen bekommst du eine Vergütung von rund 12 Cent; 2 Cent sind der Gewinn vor Steuern. Der Gewinn nach Steuern wird bei rund 1,5 Cent pro kWh liegen.


    Wenn du den ganzen Strom aus der eigenen PV selbst verbrauchen kannst, dann stehen 10 Cent gegen 24 Cent vom Netz. Sogar wenn du pro selbst verbrauchter kWh eine kWh verwirfst, dann ist die Ersparnis deutlich größer als der Gewinn durchs Einspeisen.


    Jetzt zur WP. Auf dieser Seite http://re.jrc.ec.europa.eu/pvgis/apps4/pvest.php findest du den Solar-Rechner der EU. Die Aussage ist für Deutschland eindeutig: Im Winter kommt sehr wenig (rund 17%) der Sonnenenergie bei uns an. Rein betriebswirtschaftlich müsste man die anfallenden Kosten (Zinsen, Abtrag, Wartung etc.) gleichmäßig übers Jahr verteilen und dann die pro Tag erzeugten kWh umlegen. Der Einfachheit halber bleibe ich bei den 10 Cent pro kWh. Du hast dann die Wahl, ob du damit Haushaltsstrom zu 24 Cent ersetzt oder WP-Strom zu 18 Cent.


    Wenn du die WP über den Haushaltsstrom laufen lässt, dann zahlst du auf jeden Fall 6 Cent (24 - 18) mehr. Diese Differenz wirst du sehr wahrscheinlich nie durch die bessere Auslastung der PVA wieder herein bekommen. Also, Bleistift anspitzen und selber rechnen ist angesagt.

    Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Francis Picabia)