Solar-Tragkonstruktion nur mit Konterlattung verschrauben

  • Hallo,
    ich möchte auf das Dach meines Vermieters eine 4,8 kWp Solaranlage montieren lassen und bin, da er auch eine will, mit ihm auch fast einig. Jetzt erhebt sich aber ein unerwartetes Problem.
    Das Dach ist mit ca. 15 cm Polyurethan gut gedämmt. Auf den Dämmplatten wurde eine 45 x 70 mm Konterlattung befestigt, worauf dann die Dachlatten mit der Ziegeleindeckung angebracht wurde. Der Solateur meint, er müsse mit dicken, langen Schrauben bis in der Dachsparren gehen. Der Hausbesitzer will seine Dämmung nicht an hunderten Stellen durchstoßen lassen, und damit die Wärme aus dem Haus leiten. Er meint, zum Befestigen der Solar-Tragekonstruktion genügen die 45x70er Konterlatten. Wenn ein Sturm die Solaranlage runterreisen sollte, müsse er ja mit den festgeschraubten Konterlatten auch die ganzen Ziegel mitreisen. Dann wäre sowieso alle Ziegeldächer futsch.
    Was meint ihr dazu?
    Gruß von RolandSN

  • Zug ist nicht das einzige Problem. Mit dem relativ langen Hebel von konventionellen Haken, riskiert man, dass diese bei Druck (Schneelast) nachgeben. Ich würde dann spezielle Befestiger ohne lange Hebel empfehlen, z.B. Alutile von Schletter. Die hab ich bei einem Pfettendach mit Aufdachdämmung mit Verschraubung in die Konterlattung verbaut.


    Gruß
    Jochen

    14,8 kWp Solar Fabrik / Fronius
    23 kWp Bosch / Danfoss
    55 kWp Frankfurt Solar / Danfoss
    30 kWp Yingli / SolarEdge
    15,8 kWp Bosch / SMA
    Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Helianthus Solar GmbH

  • der Errichter der PV Anlage muß die Standsicherheit nachweisen, unter diesem Aspekt ist die Argumentation des Solateurs nachvollziehbar.
    Daß der Hausbesitzer seine Aufdachdämmung nicht durchlöchern lassen möchte, ist auch nachvollziehbar.
    Wenn der Hausbesitzer meint, daß eine Befestigung an der Konterlattung ausreichend wäre, muß er nur noch einen Nachweis liefern, daß dem tatsächlich so ist. So etwas wird üblicherweise berechnet und nicht gemeint.
    Wenn der Nachweis nicht möglich ist, dann ist das halt ein Fall von Abwägung: PV Montage gegen Löcher in der Dämmung.
    Wenn der Solateur ohne den Nachweis trotzdem so montiert wie der Hausbesitzer meint, dann ist er im Fall der Fälle der Depp .

  • Hallo,
    die Sicht des Vermieters ist nachvollziehbar, die des Solarteures ebenso. Der Vermieter kann wohl den Solarteur aus seiner Haftung für das Gewerk per schriftlicher Erklärung und in diesem Punkt entlassen und selber dafür privatrechtlich gerade stehen, wenn er das so möchte. Ich denke das möchte er aber auch nicht so haben.
    Nun muss er sich wohl überlegen ob er das vielfache Durchdringen seiner Dämmung doch in Kauf nehmen will oder nicht.
    Wenn da ein Gutachter wäre der bestätigt dass es auch ohne Durchdringung geht... :?
    Es gibt übrigens auch verschiedene Windlastzonen in D. . In der niedrigsten Windlastzone ist es wahrscheinlich einfacher...
    Etwa 100 Durchdringungen der Aufdachdämmung mit 8mm Schrauben halte ich persönlich aber noch für hinnehmbar wenn man deswegen bei Wind in Zukunft noch ruhig schlafen kann.... :lol:


    Viele Grüße:


    Klaus

    "Ich hatte nie zuvor ein Produkt um das ich so betteln musste um es zu bekommen um später so kämpfen zu müssen und alles zu versuchen um es nur behalten zu dürfen"
    Peter Horton 2003 über sein GM EV1 in"Who killed the electric car"

  • Hi,


    Zitat von RolandSN

    Er meint, zum Befestigen der Solar-Tragekonstruktion genügen die 45x70er Konterlatten.


    ich hab` ich 2011 meine 30 kWp etwa so gebaut und bisher keine Probleme.
    Die Konterlattung ist bei mir in die Sparren verschraubt, auf die Konterlattung Trapezblech und darauf die PV.


    Effektiv hängt also beim mir auch alles nur an der Konterlattung.

  • der Unterschied ist, du hast das selber für dich selbst so gebaut.
    Wenn es nicht hält, bist du selber schuld, es ist dein eigenes Risiko.
    Als gewerblicher Anbieter für Dritte sollte man so etwas -wenn es nicht nachweisbar ist- nicht machen

  • Zitat von JayM

    Zug ist nicht das einzige Problem. Mit dem relativ langen Hebel von konventionellen Haken, riskiert man, dass diese bei Druck (Schneelast) nachgeben. Ich würde dann spezielle Befestiger ohne lange Hebel empfehlen, z.B. Alutile von Schletter. Die hab ich bei einem Pfettendach mit Aufdachdämmung mit Verschraubung in die Konterlattung verbaut.


    Gruß
    Jochen


    Und, kannst du noch gut schlafen? Wie sehen die "Befestiger" denn aus?
    Ich habe übrigens eher die Sorge, dass die Dachdämmung durch das Anknallen der Schrauben beschädigt werden könnte, spätestens dann, wenn Schneelast den langen Hebel des Dachhakens belastet und die Konterlatte die gesamte Kraft des kurzen Hebels aufnehmen muss. Die Schraube hat in diesem Teil der Latte ja kein Gewinde.
    Diese Befürchtung sage ich meinem Vermieter aber besser nicht.
    Besteht übrigens die Gefahr, dass die Konterlatten wegfliegen, oder dass die Schrauben zu kurz sind und herausgezogen werden könnten?
    Vielen Dank übrigens für die qualifizierten Aussagen und Grüße von
    RolandSN

  • Hallo Roland,
    für alle anderen hier noch ein Bild:



    Bei konventioneller Montage auf Aufsparrendämmung nimmt man übrigens Doppelgewindeschrauben, um die Drucklasten zu übertragen, und schräge Zugschrauben, um die Hangabtriebslasten aufzunehmen.


    Quelle: http://www.heco-schrauben.de/de/Schrauben/HECO-TOPIX-Solar


    So sehen dann die Kraftflüsse aus:


    Quelle: http://www.heco-schrauben.de/de/Schrauben/HECO-TOPIX-Solar


    Die Schrauben müssen natürlich ausreichend groß und lang sein. Mit den AluTile schlaf ich gut. Normale Haken nur in der Konterlatte verschrauben würde ich sicher nicht machen.


    Gruß
    Jochen

  • Zitat von JayM

    Normale Haken nur in der Konterlatte verschrauben würde ich sicher nicht machen.


    Sehe ich genauso.
    Alternativ gibts noch die Lehmann Aufdachhalter (über Baywa).

    sonnige Grüße,
    -Weidemann-