Strom an Mieter verkaufen - EEG

  • Hallo Forum,


    auch ich plane momentan in PV zu investieren, versuche aber momentan zu berechnen wie denn meine Rendite aussehen würde (ist nicht der einzige Grund für PV, aber wenn ich am Ende keinen/kaum Gewinn einfahre möchte ich wenigstens wissen wie viel mich das grüne Gewissen kostet).


    Zur Situation: Haus in Bayern (laut PVGIS 950 kWh/kWp), 5 Wohnungen. Eine davon bewohne ich momentan selbst (ungewiss wie lange noch), 3 vermietet, 1 als FeWo. Dachfläche Süd ~90qm, Nord ~150qm (22° DN, 650kWh/kWp laut PVGIS könnte sich also auch lohnen).


    Meiner Meinung nach sollte sich da PV durchaus lohnen, nur wenn dann möchte ich das ganze auch möglichst "ökologisch sinnvoll" gestalten und denke Eigenverbrauch ist der Weg dorthin. Selbst verbrauche ich nicht sonderlich viel (Alleinstehend), aber die restlichen Parteien im Haus sind teilweise Rentner und tagsüber da. Erstaunlicherweise scheint das größte Hindernis des ökonomischen Umweltschutzes nicht die technische Machbarkeit sondern Steuern und Abgaben zu sein :juggle:


    Wenn ich an meine Mieter Strom verkaufe muss ich ja EEG + MwSt für diesen abführen: 11,9 Cent EVG + 6,8 Cent EEG = 18,7 *1,19 MwSt = 22,2 Cent/kWh was mehr oder weniger dem jetzigen Strompreis entspricht, ich kann also keinen Anreiz bieten den Solarstrom zu verbrauchen ohne drauf zu zahlen. Auch ein Speicher für 1/10 des momentanen Preises würde sich unter diesen Umständen nicht lohnen, da der gespeicherte Strom schon vor den Speicherkosten so teuer ist wie der Netzstrom.


    1. Hab ich das alles richtig verstanden? Ist das der momentane Beitrag der EEG zum Umweltschutz? Weiß man schon näheres bezüglich der Novellierung (wobei auch nur 40% der EEG bezahlen gerade mal 5 Cent Einsparung bedeutet, an einen Speicher ist hier nie zu denken).


    2. Wenn ich Strom in die Heizung versenke, muss ich dafür auch 22,2 Cent/kWh rechnen, oder ist dieser aus irgendwelchen Gründen von der EEG Umlage & MwSt befreit? Die momentane Ölheizung müsste Frühjahr/Sommer/Herbst ja nicht/kaum arbeiten wenn ich eine kleine WP einbaue, aber wenn ich die mit 22,2 Cent/kWh befeuere müsste der WP >3,5 sein, bei Warmwasser und hoher Vorlauftemperatur (keine Fußbodenheizung) eher unwahrscheinlich. Auch sollten sich doch die benötigten größeren Wasserspeicher irgendwann abbezahlen.


    3. Der einzige Ausweg wäre auf die EEG für den eingespeisten Strom verzichten (und für <1 Cent/kWh ohne EEG einspeisen), oder müsste das Haus sogar Stromautark werden? Wird sich ohne sehr viel günstigere Speicher nicht rechnen, aber rein der Neugier halber. Oder 2 getrennte Anlagen bauen (Süd einspeisen, Nord (Eigenverbrauch und Mieterverbrauch) & heizen), dann könnte es sich rechnen?


    4. Zählt eine FeWo als EV (Zähler läuft auf mich und wird von mir bezahlt) oder müsste ich das auch als Fremdstrom versteuern?


    Danke im Voraus für eure Hilfe!

  • Zitat

    11,9 Cent EVG + 6,8 Cent EEG = 18,7 *1,19 MwSt = 22,2 Cent/kWh


    Die Rechung geht beim selbst verbrauchten Strom anders, für den Mindestpreis, den du bei Verkauf an die Mieter rechnen mußt, kann das so bleiben. Die Vergütung wird etwas höher liegen und die EEG-Umlage hat noch mehr Nachkommastellen.


    Zum Verkauf an die Mieter: https://www.photovoltaikforum.…ewtopic.php?f=90&t=116562 Ob das BMWi dem folgt, steht noch aus.
    2. Wenn die Heizung dem Betreiebr der Anlage gehört, fallen da auch nur 40% der Umlage an. Natürlioch fällt da erst mal Mehrwertsteuer an, wenn einer deiner Mieter die als Vorsteuer geltend machen kann (was bei reinen Wohnimmobilien nie vorkommt), dann macht der das.
    3. vergiß es, das dürfte immer schlechter sein. Allenfalls kann es sinnvoll sein unter 10kWp zu bleiben, damit wenigstens für den selbst genutzten Strom keine Umlage anfällt.
    4. eine Wohnung ist eine Wohnung, egal wie du sie sonst nennst, das ist eine Lieferung an Dritte. Wie und ob abgerechnet wird, ist für die Umlagepflicht egal.


    Alternativ denke über Volleinspeisung nach, da hast du das ganze "Problem" mit der EEG-Umlage und der Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch nicht. Wirtschaftlich stellst du dich damit aber in aller Regel schlechter

  • alterego
    Bist Du Dir bei Nr.4 sicher?
    Der Steuerfuzzi bekommt bei der Antwort leichtes Bauchgrummeln.
    Wenn ich in einer gemischt genutzten Immobilie eine Bäckerei in der Rechtsform eines Einzelunternehmens betreibe... und den Strom im Backofen verheize....... fällt ja auch keine EEG-Umlage an.... oder?


    Brückenbeispiel:
    Wenn ich in einer gemischt genutzten Immobilie ein Bordell in der Rechtsform eines Einzelunternehmens betreibe... und damit die Vibratoren auflade.... fällt da EEG-Umlage an?


    Zielbeispiel:
    Und wenn ich nun die sexuelle Dienstleistung weglasse, und nur die Wohnung kurzfristig vermiete.... und der Mieter kocht sich nen Kaffee mit meinem Strom..... jetzt soll EEG-Umlage anfallen?

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Danke für die schnellen Antworten! So in etwa hatte ich das befürchtet, dann werde ich mal auf die Novellierung bezüglich Mieterstrom warten und dann schauen ob eine Volleinspeisung nicht besser ist (Nutzen / Aufwand... für eventuelle 25€ Einsparungen im Jahr brauch ich mir darüber nicht den Kopf zerbrechen). Außerdem würde eine Volleinspeisung die Möglichkeit eröffnen die Anlage auf einen Familienangehörigen ohne Einkommen umzuschreiben.


    Zusatzfrage: Wenn ich die Anlage 2017 errichte, 40% Sonderabschreibung geltend mache und 2018 an einen Familienangehörigen verschenke (der selbst woanders wohnt und kein Einkommen hat), welchen Wert muss ich da als Einkommen versteuern? Wären das dann 60% des Anlagenpreises oder macht das FA da nicht mit?


    Zitat von kpr

    Brückenbeispiel:
    Wenn ich in einer gemischt genutzten Immobilie ein Bordell in der Rechtsform eines Einzelunternehmens betreibe... und damit die Vibratoren auflade.... fällt da EEG-Umlage an?


    Zielbeispiel:
    Und wenn ich nun die sexuelle Dienstleistung weglasse, und nur die Wohnung kurzfristig vermiete.... und der Mieter kocht sich nen Kaffee mit meinem Strom..... jetzt soll EEG-Umlage anfallen?


    Also ICH als Laie hätte gesagt: Wenn ich den Strom nicht direkt in Rechnung stelle (also nach kWh abrechne, was bei einer FeWo im allgemeinen nicht getan wird) ist es "Eigenverbrauch", auf den allerdings indirekt MwSt anfällt (in Form von MwSt auf die FeWo Rechnung). Ob das dann auch bei Mietwohnungen gehen würde ist dann die Frage :) aber unrealistisch, weil inkl. Strom möchte ich nicht dauerhaft vermieten.

  • Zitat von Sonnenbayer

    Also ICH als Laie hätte gesagt: Wenn ich den Strom nicht direkt in Rechnung stelle (also nach kWh abrechne, was bei einer FeWo im allgemeinen nicht getan wird) ist es "Eigenverbrauch", auf den allerdings indirekt MwSt anfällt (in Form von MwSt auf die FeWo Rechnung). Ob das dann auch bei Mietwohnungen gehen würde ist dann die Frage :) aber unrealistisch, weil inkl. Strom möchte ich nicht dauerhaft vermieten.


    So einfach ist das nicht. Hier kannst du dir die geistigen Ergüsse der Bundesnetzagentur dazu durchlesen: https://www.bundesnetzagentur.…Eigenversorgung-node.html
    Zusammengefasst: Es muss Personenidentität zwischen Anlagenbetreiber und Letztverbraucher herrschen. Das ist bei einer Ferienwohnung nicht gegeben. Strenggenommen würde dies auch für "Hotel Mama" gelten, das heißt, wenn ich das richtig lese müsste auch für die Einliegerwohnung von Sohn/Tochter bewohnt EEG-Umlage bezahlt werden. Ob das letztendlich praktisch durchgesetzt wird ist ne andere Sache, ebenso bei ner Ferienwohnung die nicht ständig bewohnt ist...Es sei denn, die vom VNB haben Langeweile...

  • Zitat von kpr


    Zielbeispiel:
    Und wenn ich nun die sexuelle Dienstleistung weglasse, und nur die Wohnung kurzfristig vermiete.... und der Mieter kocht sich nen Kaffee mit meinem Strom..... jetzt soll EEG-Umlage anfallen?


    Da muß man abgrenzen wo Hotel aufhört und Wohnung anfängt. In einer Wohnung ist es völlig unüblich (und sogar weitgehend verboten), daß der Vermieter oder seine Mitarbeiter reingehen so lang es vermeitet ist. Im Hotel ist es ganz normal, ich war jedenfalls noch in keinem in dem nicht gelegentlich sauber gemacht wurde, genau genommen erwarte ich das von einem Hotel.

  • ..... die haben doch alle bei der BNA den Schuss nicht gehört mit der Eeg umlage. Firmen gründen einfach eine weitere Fa. Gmbh etc., die dann im Verhältnis zum Umsatz / Einnahmen Energieverbrauch haben, dass bei denen keine EEG umlage mehr anfällt. Somit sind viel mehr Fa. von der eeg Umlage befreit bzw. haben sich entzogen als politisch gewollt. Und bei uns Normalos wollen sie diesen Fehler wieder reinholen und damit die Energiewende ausbremsen.Es kann ja nicht sein, dass der kleine Bürger so einfach eine Energiewende mitgestaltet.
    :evil::twisted::x
    Gruß Markus

  • Zitat von kristema

    Es kann ja nicht sein, dass der kleine Bürger so einfach eine Energiewende mitgestaltet.


    Mitgestalten darf er schon (mitinvestieren im Falle von PV), aber man muss halt drauf achten das der kleine Bürger am Ende nicht billiger davon kommt als vorher :roll:


    Aber danke für eure antworten!