Kostenaufteilung PV-Kraftwerke

  • Aus purem Eigeninteresse mache ich mal einem Thread auf, bei dem es um die Kostenaufteilung von PV-Parks geht. Also wie viel % der Kosten gehen auf die Module zurück und wie viel auf alle anderen Dinge (Inverter, Personal, Gestelle, Umzäunung, Planung usw.). Im Idealfall so weit wie möglich aufgeschlüsselt. Natürlich wird es irgendwann sehr schwierig, da es von Land zu Land und von Projekt und Projekt Eigenarten gibt.


    Leider finde ich zu diesem Thema kaum aktuelle Informationen, mein letzter Wissensstand war ca. 70% Module und 30% Rest, aber das ist schon ein paar Jahre her. Ein anderes Problem ist, dass zu den Baukosten auch noch laufende Kosten kommen, welche in die Kostenkalkulation Einfließen. Sehr kompliziert alles, wenn jemand Ahnung hat, bitte Antworten :)



    Hier mal mein sehr einfacher Kalkulationsansatz: Vier aktuelle Meldungen, bei denen es um geplante PV-Kraftwerke geht und die Leistung, sowie Investitionssumme veröffentlicht wurden (Links siehe unten), habe ich rausgesucht. Alle kommen sogar auf sehr ähnliche Investitionssummen pro MW (1,18 bis 1,25), im Mittel sind es 1,22 Mio. US-$ pro MW. Wobei jedes Projekt gleich gewichtet ist.


    Ausgehend von Modulpreisen von 0,35$ pro Watt macht dies 350.000$/pro MW. Module würden damit nur noch 30% der Gesamtkosten eines PV-Parks ausmachen. Kann das sein? Mir erscheint das etwas niedrig, zumal es hier um relativ große Anlagen mit 60-240MW Leistung geht. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass bei Anlagen im Australischem Outback oder der Atacama-Wüste keine Kosten für Land und Umzäunung anfallen.


    Gibt es andere Denkansätze dazu?



    http://www.pv-tech.org/news/ma…mit-for-245mw-chile-solar
    http://www.pv-tech.org/news/au…t-reaches-financial-close
    http://www.pv-tech.org/news/80…sed-near-billings-montana
    http://www.pv-tech.org/news/ge…amarca-province-argentina

  • Keine Ahnung obs jemanden interessiert, aber ich hab selbst nochmal ein wenig gegoogelt und was ich gefunden habe, stützt tatsächlich meine 5 Minuten Kalkulation. Das interessanteste und leider auch das aktuellste was ich gefunden habe, ist eine ausführliche Studie aus 2015 (http://www.nrel.gov/docs/fy15osti/64746.pdf), die eingefügte Grafik ist auf Seite 27 zu sehen. Die Modulkosten mach dort 36,7% (fest montiert) bzw. 34% (einachsiges Nachführsystem) aus.


    Da die Modulkosten 2016 nochmals um 25-30% nachgegeben haben, könnten sie wohl inzwischen durchaus nur noch meine errechneten 30% der Gesamtkosten ausmachen. Zum Vergleich: Eine Studie aus 2009 hat die Modulkosten mit deutlich über 50% angegeben.

  • Was mich persönlich stutzig macht sind die 1,22 Mio. $\Mwp das entspräche ja einem Preis von 1220$\kWp?! Das hat man bei 10 kWp aufdach, doch aber nicht mehr im Megawatt Bereich?!

  • Zitat von Twinky

    Was mich persönlich stutzig macht sind die 1,22 Mio. $\Mwp das entspräche ja einem Preis von 1220$\kWp?! Das hat man bei 10 kWp aufdach, doch aber nicht mehr im Megawatt Bereich?!


    Hmm, also die verlinkte Studie gibt ja 1770$/kWp an für Utility Scale an, für Anfang 2015. Das deckt sich also ungefäher mit meinen Zahlen. Für private Aufdachanlagen werden dort 3000$/kWp angegeben, logischerweise ebenfalls für Anfang 2015. Alles annahmen die auf die USA bezogen sind.


    Deutschland war gerade bei Aufdachanlagen ja schon immer günstig im internationalen Vergleich, aber wenn ich mir das Angebotsforum angucke, schwanken die Preise ja von 1000 bis 2400/kWp, das sind 1060 bis 2540$, wobei der Euro in letzter Zeit stark nachgegeben hat. Außerdem dürften die Angebote, die hier im Forum gemacht werden, ja vermutlich das untere Ende darstellen. Ich könnte mir vorstellen das Angebote, die Installateure direkt machen, teurer sind.


    Ich finde das passt schon einigermaßen.

  • Zitat von J4nnik

    In Indien wurde 2015 eine 12 MW PV-Anlage für angeblich 9,54 Mio. $ errichtet, also 795$/kWp.
    https://www.pv-magazine.com/20…port-in-cochin_100020628/


    Joa, interessant, aber man kann halt immer schwer abschätzen wie die veröffentlichte Investitionssumme zustande kommt, da es sich ja um ein sehr eigenwilliges Rechtskonstrukt handelt. Der Flughafen baut die Anlage auf einen angrenzenden Acker, verkauft den Strom an den Netzbetreiber und kauft ihn dann zurück.


    Da gäbe es haufenweise Möglichkeiten, warum die angegeben Investitionssumme eigentlich nicht brauchbar ist. Kann man schwer was zu sagen irgendwie. Aber aufgrund dieser merkwürdigen Abnahmevereinbarung würde ich nicht viel auf diese Meldung geben.

  • 795$ beim damaligen Wechselkurs sind dann ja nur noch 700€ dazu muss man aber bedenken das die Manpower in Indien prozentual an den Kosten wahrscheinlich nur noch ein Bruchteil von unseren Standarts ist. Ich denke aber ein echter Preis in diesem Segment sollte irgendwo in der Mitte liegen.?


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  • Zitat von Kallenpeter

    Deutschland war gerade bei Aufdachanlagen ja schon immer günstig im internationalen Vergleich, aber wenn ich mir das Angebotsforum angucke, schwanken die Preise ja von 1000 bis 2400/kWp, das sind 1060 bis 2540$, wobei der Euro in letzter Zeit stark nachgegeben hat. Außerdem dürften die Angebote, die hier im Forum gemacht werden, ja vermutlich das untere Ende darstellen. Ich könnte mir vorstellen das Angebote, die Installateure direkt machen, teurer sind.


    Ich finde das passt schon einigermaßen.


    Da sind aber die Angebote mit Speicher auch dabei, dass passt so nicht. Reine Modulanlagen liegen bis maximal 1600 EUR netto, alles darüber ist unverschämt udn somit irrelevant oder mit Speicher.

  • Zitat von Kallenpeter


    Außerdem dürften die Angebote, die hier im Forum gemacht werden, ja vermutlich das untere Ende darstellen.


    Die Angebote nicht unbedingt, die dann tatsächlich gebauten Anlagen schon. Denn den Interessenten wird hier im Forum ja sehr oft erst gezeigt, daß es auch gut und trotzdem günstig geht.


    Zitat von Kallenpeter

    Ich könnte mir vorstellen das Angebote, die Installateure direkt machen, teurer sind.


    das stimmt und das zeigen auch immer wieder "Neuzugänge" hier im Forum wenn die sich wegen Anlagenproblemen anmelden. Nebenbei erfährt man dann manchmal was die teilweise für astronomische Preise für ihre Anlagen bezahlt haben.


    Zitat von passra

    Da sind aber die Angebote mit Speicher auch dabei, dass passt so nicht. Reine Modulanlagen liegen bis maximal 1600 EUR netto, alles darüber ist unverschämt udn somit irrelevant oder mit Speicher.


    Stimmt, aber selbst bei der forumseigenen Studie sind die dabei und auch da wurden lediglich die eingestellten Angebote (und zwar alle, sogar die "unverschämten") ausgewertet.
    Da kommt dann natürlich ein ganz anderer Preis raus als der, den man erhält wenn man sich auf die tatsächlich gebauten Anlagen beschränken würde. Man musss allerdings auch beachten, daß man das so einfach garnicht auswerten kann, denn es steht ja i.d.R. nirgens (nur sehr selten im letzten Beitrag) welches Angebot den Zuschlag bekommen hat.

    mit freundlichem Gruß
    smoker59

  • Naja, nimmt man 1600€/kWp in Deutschland an, sind das 1700$, wenn man noch dazu annimmt, dass in Deutschland Aufdachanlagen eher etwas günstiger zu haben sind (ist das immer noch so?), kann man vielleicht mit 2000$/kWp rechnen. Das würde eine Freiflächenanlage ca. 40% günstiger machen als eine Aufdachanlage. Außerdem haben Freiflächenanlgen eine bessere Ausrichtung, was dazu führt, das pro installierten Watt mehr Strom produziert wird und somit die Kosten auf mehr Strom umgelegt werden, als es das reine kWp-Verhältnis andeutet. Ich bin aber offen für andere Erklärungen.



    Übrigens dürfte der zunehmend kleinere Anteil der Modulkosten, relativ zu den restlichen Kosten, durchaus Auswirkungen haben: Höhere Wirkungsgrade werden dadurch immer wichtiger und die Hersteller werden sich an ihm messen lassen müssen. Die sonst immer genannten cent/Wp sollten damit etwas an Bedeutung verlieren. Denn mit einem höheren Wirkungsgrad braucht man weniger Fläche, Lohnkosten, Gestelle, Kabel etc. für die gleiche Leistung.