Neuling sucht Hilfe im Steuerdschungel

  • Hallo liebe Forengemeinde,


    so langsam bin ich am Verzweifeln und habe schon fast keine Lust mehr eine PV Anlage mit Speicher zu installieren.
    Nach der anfänglichen Euphorie kommt nun die Ernüchterung.
    Erstmal zu unserem Vorhaben.
    Aktuell haben wir einen Jahresverbrauch von 2500 Kwh (aber es sind mittlerweile zwei Kinder dazu gekommen also rechnen wir mal mit 3500 Kwh Jahresverbrauch) Weiterhin wurde vor kurzem ein Golf GTE angeschafft welche auch so oft wie möglich von der Anlage geladen werden soll.


    Wir möchten einen PV Anlage mit 5,7 kWp sowie einem Speicher mit 8,6 Kwh netto Kapazität installieren.
    Diese Anlage kostet uns ca. 12500,--€ zzgl. MwSt.


    Hier wird dann immer schnell gesagt "Die MwSt. bekommen Sie ja wieder wenn Sie Gewerbe anmelden".
    Andererseits speisen wir ja im Vergleich zu einer Anlage ohne Speicher deutlich weniger ein und verbrauchen möglichst viel des erzeugten Stroms selbst.
    Weiterhin möchte ich die Anlage gemeinsam mit meiner Frau finanzieren und betreiben.


    Was kommt da nun alles auf uns zu? Welchen Aufwand müssen wir auf uns nehmen wenn wir Gewerbe anmelden?
    Was müssen wir vor Montage und Inbetriebnahme bereits erledigen?


    Kann die Anlage auch "einfacher" betrieben werden mit wenig steuerlichem Aufwand?


    Im Grunde genommen wollten wir eine PV Anlage mit Speicher haben um auf lange Sicht die Stromkosten stabil zu halten bzw. zu senken und der Umwelt etwas gutes zu tun.
    Wenn "Steuertricks" mit viel Aufwand nur zu einer geringen Renditesteigerung führen wäre das eher nebensächlich, so lang die Anlage nicht teurer wird als der normale Strombezug aus dem Netz.


    Vielen Dank schonmal für eure Hilfe und Orientierung

  • Gewerbeanmeldung ist nicht erforderlich. Gewerbeanmeldung ist Ordnungsrecht. Das kann uns hier mal.. frei nach Götz von Berlichingen "im Ar#### lecken".


    Die Erzielung gewerblicher Einkünfte hingegen ist etwas völlig anderes. Das ist nichts was man wählen kann. Wenn gewerbliche Einkünfte erzielt werden (und das ist bei einer einspeisenden PV so; grundsätzlich zumindest) - dann ist das halt so. Es greifen die ertragsteuerlichen Rechtsfolgen.
    Die vielfache Meinung, man könne dem FA vortragen, es liege keine Einkunftserzielungsabsicht vor, ist ein dreiviertel-Irrtum.
    man kann dies freilich tun; aber das FA entscheidet alleine ob und wie es auf diesen Vortrag reagiert.In aller Regel nicht damit, indem einen die deklaratorischen Pflichten erlassen werden. Denn die Gewinnermittlung braucht man ja gerade zur Feststellung, ob wirklich keine Einkunftserzielungsabsicht vorliegt - weil tatsächlich keine erzielt werden können. (Den letzten Halbsatz muss man Wort für Wort genießen).


    Allerdings... es wäre in Deinen Verhältnissen nicht völlig absurd (aber schon unwahrscheinlich), dass Du den Verbrauch für private Zwecke über 90% treibst. Dann läge notwendiges Privatvermögen vor.
    Das Thema (und die Folgen) sollte man erst aus der Kiste holen, wenn es tatsächlich soweit ist.


    Umsatzsteuerlich wird auf Einnahmenerzielungsabsicht abgestellt. Machen wir es einfach: Wenn die Anlage technisch in der Lage ist, ins Netz einzupeisen, liegt eine unternehmerische Tätigkeit vor. Die entsprechenden Rechtsfolgen greifen. Außer "nicht bauen" gibts keine Gestaltungsmöglichkeiten.


    "Steuertricks".... ganz ehrlich... das Wort ist für mich wie "ey alder" oder "geil": Wenn meine Tochter es sagt - zahlt sie drei Euro.
    Wir können unterscheiden zwischen
    - korrekter Rechtsanwendung (das sollte immer das Ziel sein)
    - rechtswidrigen Deklarationen (Hinterziehung, Verkürzung) (hiervon rate ich dringend ab)
    - Verschweigen und Verschleiern (das ist in einem gewissen Rahmen zulässig)
    - steueroptimierten Gestaltungen (die sind ausdrücklich erlaubt)


    "Einfacher" ist relativ. Viele empfinden die KUR als einfach. Ehrlich gesagt.. der Unterschied sind in der Umsatzsteuererklärung exakt 3 Zahlen. 3 Lächerliche Zahlen. Wenn daran der Weltfrieden für jemanden hängt...... bin ich der falsche Ratgeber.


    Erste Amtshandlung: Dem FA die Aufanhme einer gewerblichen Tätigkeit anzeigen.
    Die Angaben darin müssen keine Doktorarbeit werden. Das Ding hat keinerlei finale Rechtsfolgen.
    Geschwindigkeit vor Korrektheit. Nutzen vor Korrektheit.


    (... timeout... es folgt noch was)

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Ich kann mich dem Anschliessen:


    Meldung FA für Gewerbe, keine Kleinunternehmerregelung, abwarten was kommt


    Dann kannst du zumindest die Ust. beim Anlagenkauf erstmal zurückholen, ist einfach per Elster zu beantragen ( Nach anfänglichem Gehuddel wegen Zertifikatbeantragung etc pp) - macht mächtig Spass wenn die Kohle dann kommt :)


    Leider gibt es ohne Verpflichtungen kein Spass - sprich du musst für deine Einnahmen USt. abführen. Auch für den Strom den du selbst verbauchst... nicht schön ist aber so.
    Man könnte das "Gewerbe" in Privat und Gewerbe teilen und sämtliche Summen entsprechend aufteilen- Kann ich nicht empfehlen da es alles nur noch fummeliger macht.


    Im ersten Jahr schickst dem FA, auch über Elster (online) eine Meldung das du Einnahmen hattest. Als Einnahme gibst du die Summe an die du für den verkauften Strom bekommst. Wenn die dir 50€ schicken hast du deine Einnahme.
    Daraus resultiert deine Ust. die jeden Monat abgeführt werden will
    (Keine Angst, das ist lästig- ich weiss. Aber wenn es gut und regelmässig gemacht wurde, machst du es im Jahr darauf nur noch vierteljährlich und dann sogar jährlich)


    Wichtig ist dass du alle Zahlen notierst. Wer was wann wohin geschickt hat
    Hierzu gibt es fertige Excellisten im Forum - oder schreibst und kopierst dir, wie ich es gemacht habe, eine eigene (die du auch verstehst)


    Ende des Jahres machst deine EÜR


    Hier werden Einnahmen durch Stromverkauf, Wert durch Eigenentnahme, USt rein/raus, Zinsen für die Finanzierung, Versicherung, Abschreibung der PV nicht vergessen in einen Topf geworfen und die Jahreswerte ermittelt - das ist für Neulinge was müssig aber machbar. Passt aber nicht mehr ganz auf einen Bierdeckel....auch dies lösen die o.g. Excellisten sehr elegant


    Diese Zahlen meldest du dem FA für die USt- Jahresabrechnung, die EÜR kannst/musst bei der Jahressteuererklärung verwenden. Gewinne müssen versteuert werden, Verluste dürfen selbstv. auch angerechnet werden - sie mindern ein wenig deine Steuerlast als Arbeitnehmer. Letzteres halte ich für den wahrscheinlicheren Fall.....


    Eigentlich war es das schon


    Wie das FA deinen Speicher aufnimmt kann ich nicht sagen. Da gibt es auch endlose Diskussionen zu für und wider
    Du musst dich ein bischen mit der Wertermittlung der Direktentnahme (für den Strom der selbst verbraucht wird musst du auch Ust. abführen) einlesen
    Und im ersten Jahr würde ich das Geld welches ich im Strombezug einspare beiseite legen.
    Deine Zahlen was Strombezug, Einspeisevergütung, etc.. pp angeht müssen sich erst mal normalisieren. Deine Einspeisevergütung beruht sich im ersten Jahr auf einer Schätzung, die wissen auch nicht wie hoch dein EV sein wird
    Daher kalkuliere mal damit dass die dir zuviel überweisen und es nach der Jahresabrechnung wiederhaben wollen. Schade wenn die Kohle dann ausgegeben wurde
    Hier bietet sich ein eigenes Konto für sowas an


    So die Arbeit ruft...


    Grüsse
    Carsten

    7,28 kWp, 6000TL20, Ost mit 28 x ReneSola JC260M-24/Bb (02/2013)
    2,65 kWp, 2500TL21, West mit 10 x SolarWorld AG SW 265 mono (EU)
    6,48 kWp, SB5.0, W/NW mit 22 x SolarWorld AG SW 270 mono (EU)
    14,8 kWh Hoppecke Batterie mit SI 6H-11

  • Zitat von Farogor


    Im Grunde genommen wollten wir eine PV Anlage mit Speicher haben um auf lange Sicht die Stromkosten stabil zu halten ....
    ...
    ...so lang die Anlage nicht teurer wird als der normale Strombezug aus dem Netz.


    Mit Speicher geht das leider nicht, denn es ist ein Minusgeschäft...
    Der Strom aus deinem Speicher kostet ca. 40 Ct/kWh, wenn nicht sogar mehr.

    Hausdach:

    9,36 kWp, 70% dynamisch; 36x Heckert NeMo 260W
    Fronius Symo 8.2
    180° Süden, 40° Dachneigung, teilweise Verschattung vorhanden (ca. 10% Verlust)
    Inbetriebnahme am 20.01.2016


    Terassenüberdachung:

    7,455 kWp, 70% dynamisch; 27x SI-Saphir 165W und 10x Heckert NeMo 300W

    Fronius Symo 6.0 light

    180° Süden, 5° Dachneigung, teilweise Verschattung vorhanden (ca. 10% Verlust)

    Inbetriebnahme am 29.03.2019


    JK: 23 (D2, T1)

  • Wenn du den Speicher alleine betrachtest gebe ich dir Recht


    Lässt sich das Ding mit ins "Paket" bringen was Afa und Konsorten angeht sehe ich das was anders.


    Die Rechnung unterm Strich ist das was zählt


    Dazu gehört insgesamt die Ersparnis zum Stromkauf mit und ohne das ganze Gelumpe wie PV/Speicher, etc.


    DAS ist m.E. nach die Messlatte


    Dann fällt der Speicher mit den exorbitant hohen Stromkosten pro kWh nicht mehr ins Gewicht - es sei man legt Wert darauf dass die Anlage sich unter 10 Jahren finanziert hat (und man dann den Gewinn versteuert...)


    Mit dem Speicher verlängert sich die Abschreibung schon sehr
    Das hat eben alles seine Vor- und Nachteile

    7,28 kWp, 6000TL20, Ost mit 28 x ReneSola JC260M-24/Bb (02/2013)
    2,65 kWp, 2500TL21, West mit 10 x SolarWorld AG SW 265 mono (EU)
    6,48 kWp, SB5.0, W/NW mit 22 x SolarWorld AG SW 270 mono (EU)
    14,8 kWh Hoppecke Batterie mit SI 6H-11

  • die Anlage ist mit 5,7Kwp und 8,6Kwh Speicher für insgesamt 12.500€ sehr preiswert.
    die Kwh würde also in der Erzeugung 12500 / 5700 / 20 ca 11 cent incl. Speicher kosten, das ist schon mal ganz gut.
    Der Gewinn steckt dann im Eigenverbrauch. Auf die 11 cent Erzeugung kommen dann noch ca 4 cent Ust. macht dann 15cent.
    Wenn man mal davon ausgeht, das die Energie Bezugspreise in den nächsten 20 Jahren sich verdoppeln werden, und dann bei 50cent liegen werden, die eigene Anlage ihren Strom für 15 cent produziert, passt schon! :D

    Komplizierte Vorgänge immer dem faulsten Mitarbeiter geben. Er wird die einfachste Lösung finden!

  • Hallo zusammen,


    erstmal vielen Dank für eure umfassenden und doch sehr ausführlichen Antworten.
    Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann ist die Rechnung, dass der Strom aus dem Speicher ca. 40 cent kosten soll (evtl. sogar netto?)
    Wenn wir die Anlage für 20 Jahre betrachten und abschreiben komme ich auf folgende Rechnung:
    Anschaffung: 14915,- € brutto /20 Jahre =745,75 jährlich
    Jahresproduktion 5,7 kwp bei uns etwa 4900Kwh.
    Somit jährliche Abschreibung / Jahresproduktion = ca. 0,15 € /Kwh
    Selbst wenn ich jährliche Abschreibung / 50 % der Jahresproduktion rechne komme ich nur auf ca. 0,30 € /Kwh
    Natürlich kommen da noch Nebenkosten und Reparaturen im Laufe der Jahre dazu. Andererseits könnte ich für die Gesamtbetrachtung ja auch noch die Einspeisevergütung für ca. 2450 Kwh (ca. 350 € brutto) abziehen.
    Korrigiert mich bitte wenn ich einen Denkfehler habe. Vielen Dank.

  • In erster Linie musst du mit Netto rechnen
    Die USt beim Kauf bekommst du vom FA zurück


    Wenn man nur den Speicher nimmt mit dem was rein und raus geht
    Zb 1300 kWh zum Laden rein macht bei ca. 13Cent (entgangener) Vergütung rd 170€.
    Dagegen steht nun eine Entnahme von 1000 kWh durch Verbrauch et nachts sind ca 250€ "gespart" am Stromkauf.
    Mit dieser Differenz muss der Speicher finanziert werden
    Das Ding hält nicht ewig und geht daher nach 10-15 Jahren in die Knie....Dann muss was neues her ( und bezahlt werden...)
    Dadurch kommt die "teure" kWh aus dem Speicher

    7,28 kWp, 6000TL20, Ost mit 28 x ReneSola JC260M-24/Bb (02/2013)
    2,65 kWp, 2500TL21, West mit 10 x SolarWorld AG SW 265 mono (EU)
    6,48 kWp, SB5.0, W/NW mit 22 x SolarWorld AG SW 270 mono (EU)
    14,8 kWh Hoppecke Batterie mit SI 6H-11

  • Zitat von Farogor


    Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann ist die Rechnung, dass der Strom aus dem Speicher ca. 40 cent kosten soll (evtl. sogar netto?)
    Wenn wir die Anlage für 20 Jahre betrachten und abschreiben komme ich auf folgende Rechnung:


    Hallo Farogor,
    so brauchst du gar nicht erst versuchen, dir den Speicher schönzurechnen... der wird vorraussichtlich nach 10 Jahren hinüber sein,,. und der WR auch... :juggle:


    lg
    citystromer

    Sanyo 18 X HIt N 235 SE 10, Sunways WR NT 4200, Westausrichtung, Standort: 3045x

  • Ok dann kommen nochmal ca. 800 € für den Wechselrichter und 2500 € für die Akkus nach 10 Jahren dazu.
    Dann kostet die Anlage brutto über 20 Jahre 18842,--€
    Das wiederum durch 20 Jahre geteilt ergibt 942,10 brutto
    Dies durch die Produktion von 2900 Kwh ergibt 19 cent /Kwh.
    Wir sind immer noch weit weg vom aktuelle Strompreis von 0,29 €/Kwh.
    Und dies ist alles brutto gerechnet.
    Evtl. Einsparungen und Vorteile durch die Gewerbeanmeldung noch nicht berücksichtigt.