Kommunikationsabbruch Solar Log 2000 und Delta WR RPI M50A

  • Hallo,
    dies ist mein erster Post hier.
    Ich betreue in meiner Firma eine 488kwp - PVA Freiflächenanlage. Als gelernter Mechatroniker (auf Industriebasis) habe ich auch beim Aufbau mitgewirkt.


    Nun zum eigentlichen Problem:
    Seit heute zeigt der Solar-Log 2000 PM+ 7 von 9 Wechselrichtern (Delta: 8x M50A und 1x M20A) als offline an. Als erstes versuchte ich eine erneute Geräteerkennung. Es wurden lediglich 2 WR gefunden. Dann lief ich die Wechselrichter ab: Sie produzierten zwischen 82-93kwh (der kleinere WR 35kwh) - insgesamt 742kwh. Auserdem zeigte das Display der Wechselrichter die Fehlermeldung "SPD-Fail" an. Der SolarLog ist übrigens mit den Wechselrichtern via RS485-A verbunden.


    Kann jemand mit seinem Fachwissen weiterhelfen?


    Danke

  • Moin moin aus Kiel,


    ich betreue auch ein Anlage mit RPI_M50A Geräten, und wenn ich das richtig deute hat es bei dir einen Überspannungsereignis gegeben. Ursache na klar noch nicht bekannt, scheinbar hat es die Kommunikation aber auch erwischt.


    Hatte auch schon einen SPD fail, obwohl im Sichtfenster alles "grün" war.
    Mein RPI Wurde dann in letzter Konsequenz komplett getauscht, weil man die ÜSA nicht selber wechslen kann, voll daneben. So einen WR kauf ich nie wieder. Ausserdem läuft er im vergleich zu einem ABB Trio später an, geht früher aus und ist nicht der hellste Performer unter dem Sonnenstern.


    Nicht zuletzt melden die WR aus 2015 abends immer einen Satus-Fehler "DC Unterspannung", (was bei Sonnenuntergang völlig normal ist) der Support hat mich aber damit allein gelassen und sich nicht gekümmert. Ich habe dann dem Solarlog diese Meldungen händisch abgewöhnt. Ärgerlich, ich kauf kein Delta mehr bis auf weiteres.


    Dann war da noch die Geschichte mit der Austauschpauschale, erst bekam ich eine Drohrechnung über fast 6.000€ mit ausländischer Mehrwertsteuer, für den Fall dass ich das Defektgerät nicht zurücksende. Dann nach Monaten bekam ich ohne weiteren Beleg ne Überweisung aufs Konto. Steuerberater not amused über unklare Zahlungseingänge ohne Beleg oder Rechnung.


    Mein Fazit: Nicht gut genug.


    PS: Wo wohnt denn deine Anlage? Erzähl mal mehr, vielleicht kann man sich ja austauschen.


    Gruß, Andreas

  • Danke für die schnellen Antworten,
    es scheint tatsächlich an den Überspannungsschutzgeräten zu liegen. Ich habe die Blenden aller WRs aufgeschraubt und viele ausgelöste SPDs entdeckt - alle auf der AC Seite. Ich habe alles Fotodokumentiert und werde mich an die Fa Qcells wenden (Hat die Anlage "gebaut").
    Ich berichte weiter.


    Grüße Sebastian


    PS:Die Anlage steht in der Niederlausitz

  • Also dann müssten ansich auch mehrere AC Sicherungen ausgelöst haben, wenn mehrere SPD´s oder ÜSA´s geclippt sind...


    Kann ich mir fast nicht denken... Was sagt denn der Solarlog, ist der im Portal registriert? Wann war denn letzter Eintrag der WR?


    Netzbetreiber fragen, ob es im fraglichen Zeitraum Störungen oder Überspannungen gab. Erzähl mal mehr zu der Umgebung der WR, Produktionshalle oder Industriegebiet? Mal generell die Netzspannung an den WR messen, aber nur wenn du weisst was du tust!


    Im Solarlog Netzspannung anzeigen lassen in der Historie, vielleicht liegt ihr generell zu hoch und es gab heute nur noch einen Tucken obendrauf... Oder die AC Leitungen sind zu klein, wie war das Wetter heute bei euch? Erster Tag vernünftige Einstrahlung? Klang ja so bei 750kWh aus ner 500er Anlage...


    Gruß, Andreas

  • Der Solar Log ist nicht im Portal regestriert. Das War eine Entscheidung des Betreibers.
    Stattdessen setzt man lieber mich ein.
    Immerhin bin ich Elektrofachkraft und schaltberechtigt bis 1KV.
    Die Anlage steht in einem Industriegebiet zwischen 2 mittelständigen Unternehmen mit durchnittlichem Energiebedarf.
    Ich werde morgen nochmal genauer nach den Meldungen schauen. Ich meine, der erste WR ist laut Solar Log schon am 02.02 "ausgefallen". Auch schaue ich nochmal genauer auf alle AC Sicherungen. Die Anlage ist unüblich mit AC Verteilern gebaut, worin sich NH-Sicherungen befinden. Das wurde so entschieden weil das Trafohäuschen nicht zentral, sondern an einer Ecke des Feldes steht. Im Trafohaus (20kV - 400/230V) wirkte heute alles normal: der Hauptschalter vor dem Energiezähler war eingeschaltet und die Kwh LED blinkte.


    Die betroffenen SPD's auf der AC Seite sind von GEHE GPU1-C40/690
    Hier der Status der Wechselrichter 09.Feb ca 16:30:


    WR 1 Ertrag heute 94kWh - kein roter Pin zu sehen - grüne Grid LED
    WR 2 Ertrag heute 98 kWh - grüne Grid LED, rote Alarm LED - SPD-Fail
    WR 3 Ertrag heute 99kWh - zweiter SPD von unten ausgelöst - grüne Grid LED, Rote Alarm LED - SPD-Fail
    WR 4 Ertrag heute 105 kWh - erster SPD von unten ausgelöst - grüne Grid LED, rote Alarm LED - SPD-Fail
    WR 5 Ertrag heute 104kWh - SPD Fail/ Netz "flackern" trotz grüner Grid LED - SPD Fail/Netz "flackern"
    WR 6 Ertrag heute 101 kWh - grüne Grid LED, rote Alarm LED - SPD Fail/Netz "flackern"
    WR 7 Ertrag heute 100kWh - erster SPD von oben ausgelöst - grüne Grid LED
    WR 8 Ertrag heute: 94kWh - zweiter SPD von unten ausgelöst - SPD Fail/Netz "flackern" trotz grüner Grid LED
    WR 9 ist ein RPI M20A - dort stand im Display "On Grid" ...ein Foto habe ich leider nicht gemacht


    Das sind dann aber erst 420kwp wird bestimmt auffallen - die WRs sollen 488 bringen, das wurde auch schon näherungsweise erreicht.


    Sebastian

  • Jo, kein Thema, dann weisst du ja mit nem Duspol umzugehen ;-)


    Also, wenn die grüne Grid LED an ist, ist der WR am Netz und produktiv. Die rote LED zeigt halt, dass eine Warnung/ Alarm vorliegt, hier ja dein SPD Problem. Wenn der erste schon am 02.02. ausgestiegen ist, habt ihr wohl generell eine zu hohe Netzspannung in der Wechselrichterebene oder sehr lange Kabelwege bis zum Trafo, sodass viel Spannungsabfall auf der Leitung dahin entsteht. Müsste ja ein Kundeneigener Trafo sein.
    Laufen die WR denn im BDEW Modus als Netzstandard? (Menü checken)


    Dort findest du auch die Netzspannungen, was die WR so messen, schau da mal gegen Mittag bei guter Leistung rein, wenn das da in Richtung 250V L->N geht oder 440 L->L oder so, ist was faul bei euch.


    Nach den Fabriken frag ich, weil es unter Umständen durch Schalthandlungen, oder Ein- und Ausschaltungen grosser Lasten in der Nähe Transienten geben kann. Was weiss ich, Schweissroboter oder grosse Kühlanlagen oder sowas. So dass vielleicht jedes mal ein anderer SPD aufgibt.


    Von wann ist die Anlage und wo in Deutschland steht die ungefähr?
    Wieso ist sie so krass unterdimensioniert, wenn ich lese 420KVA Wechselrichterleistung zu 488kWp PV Anlage?


    Gruß, Andreas

  • Heute habe ich konkretere Daten zum AC "Aufbau":


    Der Trafo gehört dem Kunden. Wie erwähnt gibt es Verteilerstellen, die WR sind nicht direkt mit der Trafostation Verbunden:


    Kabellänge Verteilung 1 (NAYYJ 4x240 S/M): 45m führt zu WR 1,2,3
    Kabellänge Verteilung 2 (NAYYJ 4x240 S/M): 58m führt zu WR 4,5,6
    Kabellänge Verteilung 3 (NAYYJ 4x240 S/M): 74m führt zu WR 7,8,9


    Kabellänge WR 1 (NYYJ 5x35 RM): 67m
    Kabellänge WR 2 (NYYJ 5x35 RM): 56m
    Kabellänge WR 3 (NYYJ 5x35 RM): 55m
    Kabellänge WR 4 (NYYJ 5x35 RM): 61m
    Kabellänge WR 5 (NYYJ 5x35 RM): 51m
    Kabellänge WR 6 (NYYJ 5x35 RM): 63m
    Kabellänge WR 7 (NYYJ 5x35 RM): 36m
    Kabellänge WR 8 (NYYJ 5x35 RM): 44m
    Kabellänge WR 9 (NYYJ 5x35 RM): 30m


    Die Wechselrichter werden DC-seitig höher belastet: Hier eine Beispielrechnung für WR1 (der einzige ohne Störung):


    MPP1: 265W (pro Modul) x 5 (Reihen) x 23 (Module) = 30475W
    MPP2: 265W (pro Modul) x 4 (Reihen) x 23 (Module) = 24380W


    Insgesamt wird der WR mit 54855W (MPP) belastet - das erklärt eventuell die Differenz von 420 zu 488. Mich macht hier die ungleiche Belastung skeptisch.


    Die Spannungsmessungen waren meiner Meinung unauffällig: Sie (L->N/PEN) lagen zwischen 231V und 238V; (L/L) lagen zwischen 401 und 402V.
    Wobei ich nur an den Verteilungen gemessen habe - die Spannungswerte am WR musste ich ablesen. Lediglich der kleinere WR (M20A) hat einen zugänglichen Klemmkasten (231,9/401,5V).


    Neben den Messungen habe ich bei guter Sonneneinstrahlung dei Geräteerkennung (Solar Log) mehrmals durchlaufen lassen. Mit verwirrenden Ergebnissen: Erst wurde nur 1 WR erkannt, später sogar 7 WR. Jetzt sind bis auf 2 wieder alle "Offline".


    Mit BDEW Modus kann ich leider nichts anfangen - könntest du mir das erklären? Evtl. hat das ja mit dem PE,N/PEN etwas zu tun?


    Danke für die Mühe


    Sebastian

  • Schade, ich hatte gehofft jemand hier im Forum könnte Leitungsquerschnitte und -arten bewerten; sowie etwas zu der Stringaufteilung sagen. Ich werde mich jetzt selbst in die Thematik einarbeiten und trotzdem weiter berichten.

  • Moin moin aus Kiel,


    bitte mal nicht ungeduldig werden ;-) Das hier ist Ehrenamt...


    Also AC Spannungen sind für den Moment erst mal ok. Da kannst du aber nochmal genauer im Solarlog gucken, einzeln pro Wechselrichter.


    Ungleiche Belegung DC- seitig ist nicht schlimm. Querschnitte und Längen AC- Kabel scheinen auch soweit ok zu sein, kann natürlich sein, dass da irgendwo Übergangswiderstände sind, und deswegen die Spannung ansteigt, aber das ist reine Spekulation. Schleifenimpedanzen messen, ist aber nichts für ungeübte, da Arbeiten unter Spannung!


    BDEW ist die Einspeisenorm, nach der die WR einspeisen, analog zur VDE 0126 oder VDE ARN 4105. Diese Norm legt fest, in welchen Grenzen der WR einspeisen darf, im Hinblick auf Netzwerte wie Spannung, Frequenz, Blindleistung etc.


    Möchtest du mal eine Einweisung in PV und Freiflächenanlagen bekommen, sodass du in deinem neuen Arbeitsumfeld sicher arbeiten kannst? Dann meld dich gerne.


    Gruß, Andreas