Neue anlage mit Speicher oder ohne, Kleinunternehmerregelun?

  • Hallo,
    wir planen gerade eine PV-Anlage mit folgenden Eckdaten:


    Standort: 21337 Lüneburg
    Verschattung: teilweise
    Dachneigung 45 Grad
    Dachausrichtung 30 Grad


    Folgendes bietet der Solarteur an:
    Anlagengröße: 5,72kWp
    22xAxitec AXIworldplus SE (260Wp)
    WR: SolarEdge SE 5000
    Als Batteriesystem die Tesla Powerwall


    Der Solarteur kommt auf einen rechnerischen Anlagenertrag von 4920 kWh


    Kosten soll das ganze ca 17.000 Euro netto incl. Speicher, 10.000 Euro ohne Speicher


    Wir würden die Anlage gerne dafür nutzen, um unabhängig(er) von den Stromlieferanten zu werden.


    Ich habe nun etliche Forenthreads durchgelesen, bin aber immer noch nicht sicher, ob
    - wir besser eine Anlage ohne Speicher nehmen sollen (dann kostet die Anlage eben 7000 Euro weniger, Eigenverbrauch geht dann aber auch deutlich zurück)
    - wir von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen sollen oder nicht


    Warum der Speicher? Um o.g. Ziel näher zu kommen, unabhängiger vom Stromlieferanten zu sein (lt Solarteur würden wir ohne Speicher ca. 30% selber nutzen und 70% einspeisen, mit Speicher sei das Verhältnis ungefähr anders herum)


    Warum die Kleinunternehmerregelung anwenden? Mich verunsichert die steuerliche Behandlung der Anlage.


    Zum Speicher:
    Nehme wir mal zwei Beispiele, einmal mit Speicher und einmal ohne speicher relativ einfach gerechnet:


    Ohne Speicher
    Bei einem Anlagenertrag von 4920kWh würden wir
    30 % selber nutzen = 1476 kWh = 1476 * 0,28Cent "gespart" = 413 Euro (Strompreiserhöhungen mal ausser Acht gelassen)
    70 % einspeisen = 3444 kWh = 3444* 12,70 cent = 437 Euro für die ersten 20 Jahre
    Abzüglich 19% für den selbstgenutzten und selbstverbrauchten Strom, also 413 Euro *0,19 Cent = ca. 80 Euro


    Macht also einen "Ertrag" von 413+437-80=770 Euro im Jahr. Das entspricht Einsparungen von 15400 in den ersten 20 Jahren. Abzüglich der Anlage von 10.000, macht ungefähr einen "Gewinn" von 5400 Euro. Im schlimmsten Fall fällt die Einspeisevergütung danach komplett weg, die Anlage wird dann aber hoffentlich noch Strom produzieren, d.h. die Kosten von 80 Euro im Jahr bleiben dann weiterhin bestehen, die "Einsparung" von 413 Euro aber natürlich auch.


    D.h bei weiteren 10 Jahren sparen wir nochmals 413-80 = 333 Euro pro Jahr = 3330 Euro ein, macht in 30 Jahren dann also einen Gewinn von 5400+ 3330 = 8730 Euro


    Zweites Beispiel mit Speicher
    Bei einem Anlagenertrag von 4920kWh würden wir
    70 % selber nutzen = 3444 kWh = 3444 * 0,28Cent "gespart" = 964 Euro
    30 % einspeisen = 1476 kWh = 1476 * 12,70 cent = 187 Euro
    Abzüglich der 19% für den selbstgenutzten und selbstverbrauchten Strom, also 964 Euro * 0,19 Cent = ca. 183 Euro


    Macht also einen "Ertrag" von 964+187-183=968 Euro im Jahr. Das entspricht Einsparungen von 19360 in den ersten 20 Jahren. Abzüglich der Anlage von 17.000, macht ungefähr einen "Gewinn" von 2360 Euro. Im schlimmsten Fall fällt die Einspeisevergütung dann komplett weg, die Anlage wird dann aber hoffentlich noch Strom produzieren, d.h. die Kosten von 183 Euro im Jahr bleiben dann weiterhin bestehen, die "Einsparung" von 964 Euro aber auch..


    D.h bei weiteren 10 Jahren sparen wir nochmals 964-183 = 781 Euro pro Jahr = 7810 Euro ein, macht in 30 Jahren dann also einen Gewinn von 2360+ 7810 = 10170 Euro


    Wobei natürlich keiner so genau sagen kann, wie lange diese Batterie eigentlich halten wird, von daher stimmen die Zahlen vermutlich auch nicht so wirklich...


    Jetzt stelle ich mir die Frage, ob der Speicher nun eine sinnvolle Investition ist oder nicht?


    Zur Kleinunternehmerregelung:
    Jetzt sparen wir ja bei Verzicht der Kleinunternehmerregelung dann auch noch die MwSt für die Investition ein. Im ersten Beispiel sind das 10.000 * 0,19 = 1900 Euro, im zweiten Beispiel sind das 17.000 * 0,19 = 3230 euro


    Bei einer angenommenen Anlagenhalbwertzeit von 30 Jahren zahlen wir also


    - im ersten Beispiel 30 * 80 Euro = 2400 Euro an Mehrwertsteuern für den selbstgenutzten Strom, sparen aber nur 1900 Euro an Investititionskosten ein.
    - im zweiten Beispiel 30*183 Euro = 5490 Euro an Mehrwertsteuern, sparen aber nur 3230 Euro an Investititionskosten ein.


    Ist es unter den Bedingungen nicht sinnvoller, die Kleinunternehmerregelung anzuwenden, und somit dann den ganzen Hickhack mit dem Finanzamt zu umgehen? Dann haben wir zwar am Anfang Mehrkosten in Höhe der Mehwertsteuer für die Anlage, dafür müssen wir doch dann aber auch nicht die Steuern für den selbsgenutzten und verbrauchten Strom bezahlen, oder? Administrativer Aufwand für die USt-Voranmeldung fällt dann doch auch weg, oder?


    Bin gespannt auf Eure Meinungen und ob ich da in meiner Rechnung ein paar Denk-/ Rechenfehler, drin habe.. ;-)

  • ich glaub du machst einen Rechenfehler. Du berücksichtigst gar nicht deinen tatsächlichen Stromverbrauch. Du kannst ja nur von dem was du verbrauchst die 30% oder 70% von der PV Anlage selbst verbrauchen... :?:

    Komplizierte Vorgänge immer dem faulsten Mitarbeiter geben. Er wird die einfachste Lösung finden!

  • Hi,


    du hast mehrere Denk/Rechenfehler drin.


    1. Du kannst nach 7 Jahren zur KUR wechseln. Damit verbindest du das beste aus beiden Varianten. Macht natürlich in den ersten sieben Jahren dann mehr Arbeit und man riskiert, dass durch politische Änderungen so ein Wechsel dann nicht mehr geht.


    2. Du hast die Einkommenssteuer vergessen: Auf den selbst genutzten Strom musst du in jedem Fall Einkommenssteuer zahlen. Da geht man aber wohl von der Einspeisevergütung und nicht von deinem normalen Strompreis aus, einige machen es wohl auf Basis des Herstellungspreises.


    3. Du hast den Rückgang der Modulleistung ignoriert. Normalerweise bringen die Dinger nach 10 Jahren noch 90 und nach 20 Jahren noch 80% der Leistung


    4. Ob der Speicher das wohl überlebt? Falls ja, dann sicher nicht mit voller Kapazität. Bei schätzungsweise 250 Zyklen im Jahr hast du 5000 Zyklen nach 20 Jahren...


    5. Die SE-Technik und die kleine Anlage treiben den Preis extrem nach oben. Muss es denn wirklich SE sein und reicht nicht auch das "normale" Schattenmanagement? Da dürftest du den Preis deutlich nach unten korrigieren können (nur so als Vergleich... ich plane derzeit mit ca. 15% mehr Kosten für fast 10 KWp, aber ohne Speicher und ohne SE).


    Viele Grüße,


    Jan

  • Puh ist das viel Text....
    Aber kurz:
    10.000€ netto für 5,x kWp ist gefühlt Recht teuer.
    Wie sieht die verschattung aus?


    Gesendet von meinem Redmi Note 2 mit Tapatalk

    - PV-Module: Winaico 300Wp Full Black + Winaico 275Wp => Gesamt 9,85kWp

    - Wechselrichter: Fronius Symo 8.2

    - Heizung: Panasonic Heisha Luft-WP + HeishaMon

    - Stromzähler: commetering Zähler (Discovergy)

    - smarten Stromanbieter: Tibber

    Mit diesem Link erhaltet Ihr als Neukunde + ich jeweils einen Gutschein über 50€ bei Tibber, für den Smarthome Shop von Tibber.... dort gibt es einige smarte Dinge (Z-wave/ZigBee/Wifi/Wallbox/Carsharing/uvm.)

    Einladungslink: https://invite.tibber.com/bae1fc39 :danke:

  • Unser Stromverbrauch lag in den letzten Jahren zwischen 4500 und 5000 kWh. Der Einfachheit halber sagen wir mal, im Durchschnitt liegt er bei 4920 kWh.. ;-)

  • Zitat von JanR


    Hi,


    du hast mehrere Denk/Rechenfehler drin.


    1. Du kannst nach 7 Jahren zur KUR wechseln. Damit verbindest du das beste aus beiden Varianten. Macht natürlich in den ersten sieben Jahren dann mehr Arbeit und man riskiert, dass durch politische Änderungen so ein Wechsel dann nicht mehr geht.


    Das ist gut. Das wusste ich nicht. Vielleicht ist es dann am sinnvollsten, diesen Weg zu wählen? Ohne KUR starten, und dann nach 7 Jahren wechseln?



    Zitat von JanR


    2. Du hast die Einkommenssteuer vergessen: Auf den selbst genutzten Strom musst du in jedem Fall Einkommenssteuer zahlen. Da geht man aber wohl von der Einspeisevergütung und nicht von deinem normalen Strompreis aus, einige machen es wohl auf Basis des Herstellungspreises.


    Damit meinte ich ja die 19% MwSt auf den selbstverbrauchten Strom. Gibt es denn keine klaren Regelungen, wie das berechnet wird? normaler Strompreis, Einspeisevergütung oder Herstellungspreis? Sucht sich das jedes FA selbst aus?



    Zitat von JanR


    3. Du hast den Rückgang der Modulleistung ignoriert. Normalerweise bringen die Dinger nach 10 Jahren noch 90 und nach 20 Jahren noch 80% der Leistung


    Ja, das war Absicht, um die Rechnung nicht komplizierter zu machen, als sie ist. Aber das sollte ja bei beiden Varianten so sein, und hilft nicht wirklich bei der Entscheidung, ob mit speicher oder ohne, oder?


    Zitat von JanR


    4. Ob der Speicher das wohl überlebt? Falls ja, dann sicher nicht mit voller Kapazität. Bei schätzungsweise 250 Zyklen im Jahr hast du 5000 Zyklen nach 20 Jahren...


    Sind 5000 Zyklen viel? Damit kenne ich mit zugegebenermassen nicht wirklich aus...


    Zitat von JanR


    5. Die SE-Technik und die kleine Anlage treiben den Preis extrem nach oben. Muss es denn wirklich SE sein und reicht nicht auch das "normale" Schattenmanagement? Da dürftest du den Preis deutlich nach unten korrigieren können (nur so als Vergleich... ich plane derzeit mit ca. 15% mehr Kosten für fast 10 KWp, aber ohne Speicher und ohne SE).


    Viele Grüße,


    Die SE-Module hat der solarteur wegen der Verschattung empfohlen... Ich denke mal, ohne wird es nicht so gut. Was meinst Du mit "normalem Schattenmanagement" ?

  • Zitat von JanR

    1. Du kannst nach 7 Jahren zur KUR wechseln.


    das stimmt nicht ganz, zur KUR wechselt man praktisch mit Beginn des 7. Steuerjahres


    Zitat

    2. Du hast die Einkommenssteuer vergessen: Auf den selbst genutzten Strom musst du in jedem Fall Einkommenssteuer zahlen.


    das ist Unfug. Einkommenssteuer zahlt man auf den Gewinn, wenn das Ergebnis der E/Ü Berechnung noch im pos. Bereich ausfällt.
    Sachentnahmen sollen steuerneutral sein, müssen also keine Gewinne erzeugen.
    wird dann auch noch der Speicher auf 10 Jahre abgeschrieben, wird der Gewinn wie hoch sein?
    Außerdem giebs einen jährlichen Freibetrag von 410€ für den Nebenerwerb, wenn du außer Arbeitslohn und Kapitalerträge keine weiteren Einkünfte hast. Sogar bei einem Gewinn von 600€ wären dann nur 380€ steuerpflichtig


    bitte beachten, Umsatzsteuer hat nix mit Einkommenssteuer zu tun
    die Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch nennt sich unentgeltliche Wertabgabe
    Bemessungsgrundlage für die unentgeltliche Wertabgabe ist dein Strombezugspreis je kwh incl. Nebenkosten

    Komplizierte Vorgänge immer dem faulsten Mitarbeiter geben. Er wird die einfachste Lösung finden!

  • Hallo,
    stelle doch mal deine Angebote hier im Angebotsformular ein.
    Durch den Text steigt doch keiner durch.
    Vergiss den Speicher, deine Steuertricks und lass dir konkurrenzfähige Angebote machen.
    Zielpreis ca. 1300,- oder günstiger.


    lg
    citystromer

    Sanyo 18 X HIt N 235 SE 10, Sunways WR NT 4200, Westausrichtung, Standort: 3045x

  • Das Angebot ist nicht nur gefühlt zu teuer. Ohne Batterie sind, mit guten Komponenten, 1.300 Euro pro kWp die ungefähre Richtschnur. Die 2.000 Euro pro kWp wären nur bei erschwerten Bedingungen und exklusiven Komponenten vertretbar.


    Jetzt zum größten Rechenfehler bei einer Anlage mit Batterie. Batterien altern hauptsächlich durch die Nutzung; bei allen in der Industrie verwendeten Batterien (das sind Bleibatterien und sind immer noch die preiswertesten) gibt es im Datenblatt ein Diagramm, aus dem, je nach Zyklentiefe, die Anzahl der möglichen Zyklen entnommen werden kann. Danach ist die Restkapazität auf 80% der Nennkappa herunter und die Batterie per Definition aufgebraucht. Wenn man eine PV betreibt, muss man sich allerdings nicht an diese Definition halten. Man kann also eine kleine Batterie heftig nutzen oder eine größere Batterie moderat oder eine ganz große sehr gemächlich, die gespeicherte kWh kostet (fast) immer gleich viel. Ausschlaggebend ist also nicht die kalendarische Lebensdauer, sondern die ´Lebensarbeitszeit´; man stellt also über die Kapazität der Batterie die Lebensdauer so ein, dass sie nach 10 Jahren aufgebraucht ist, denn dann hat sie kaum eine Möglichkeit an anderen Krankheiten zu sterben.


    Der Knackpunkt ist jetzt, dass letztlich jede durch die Batterie durchgeleitete kWh in etwa gleich viel kostet. Wenn man so eine Batterie selber kauft, selber aufstellt und vom Elektriker anschließen lässt, dann kostet jede durchgeleitete kWh so um die 15 Cent. Nehmen wir mal als Daumenpeilung, dass es dich 10 Cent kostet, eine kWh über die PV zu erzeugen. Wenn wir jetzt noch 20% Wirkungsgradverluste draufrechnen, dann kostet die so genutzte kWh rund 30 Cent und da ist der VNB ziemlich sicher preiswerter. Wenn du eine Speicherlösung vom Solateur nimmst (es gibt auch ein paar weiße Schafe), dann wirst du eher bei 40 bis 60 Cent pro kWh für Batteriestrom landen. Die Zeiten, in denen man es mit allgemeinen und lokalen Förderungen gerade eben noch in den gelb-grünen Bereich schaffen konnte, sind soweit ich weiß eindeutig vorbei.


    Falls dich die Idee mit dem Speicher nicht loslässt, dann hast du hier schon mal einen guten Startpunkt: http://wiki.polz.info/doku.php

    Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Francis Picabia)