Dachsolaranlage | Vergütung und Game-Plan

  • Hallo zusammen,
    ich bin noch ein Anfänger, was Solaranlagen betrifft, ich würde aber gerne auf dem Flachdach meiner Lagerhalle PV anbringen.
    Ich würde nun gerne einen "Game Plan" erstellen, was die weitere Vorgehensweise angeht. Dazu habe ich untenstehend ein paar Fragen formuliert.


    1. Wie hoch ist tatsächliche Vergütung für die Anlage?
    Hintergrund der Frage ist, ob es ggfs. mehr Sinn macht die Anlage "off-grid" (sprich für den Eigenbedarf, um die Stromkosten zu senken) zu nutzen als den Strom einzuspeisen. Den "off-grid" möchte ich jetzt aber vorerst nicht erörtern.


    Ich bin auf folgende Tabelle der Bundesnetzagentur gestoßen
    https://www.bundesnetzagentur.…_blob=publicationFile&v=2


    Hierzu ein paar Fragen:
    1.1) hier wird zwischen dem Marktprämienmodell und der festen Einspeisevergütung unterschieden.
    1.2 was ist der genaue Unterschied der beiden Modelle bei einer 10 kWp-Anlage? wie hoch ist die tatsächliche Vergütung bei einer 10 kWp Anlage?
    1.2) wie hoch ist die tatsächliche Vergütung im Falle einer 750 kWp Anlage?
    1.3) wie berechnet sich die Vergütung im Falle einer 1 MWp Anlage?


    2. Gibt es eine Möglichkeit die Vergütung vor Bau der Anlage festzulegen? Wäre sehr unvorteilhaft, wenn ich die Anlage baue und am Ende eine andere oder gar keine Vergütung erhalte. Wie funktioniert der Ablauf?


    3. Berechnet sich die Vergütung gem. Tabelle pro Liegenschaft (im Falle einer Dachanlage)?
    3.1) wie sieht es aus, wenn das Dach durch Dachaufbauten in zwei "Bauabschnitte" unterteilt ist?
    3.2) in meinem Fall ist es so, dass ich zwei separate Lagerhallen habe (nehmen wir mal an dass an beiden Standorten theoretisch 500 kWp möglich wären). Würde die Vergütung gem. der Tabelle dann separat berechnet oder wird die Gesamtleistung nach Eigentümer aggregiert betrachten und die Vergütung entsprechend berechnet (sprich 1 MWp insgesamt)?


    Vielen Dank vorab. Bitte lasst mich wissen, falls es noch weitere wichtige Dinge gibt, die zu beachten sind.


    Beste Grüsse,
    P

  • Zitat von REInvestor

    1.1) hier wird zwischen dem Marktprämienmodell und der festen Einspeisevergütung unterschieden.
    1.2 was ist der genaue Unterschied der beiden Modelle bei einer 10 kWp-Anlage? wie hoch ist die tatsächliche Vergütung bei einer 10 kWp Anlage?


    Für ein Marktprämienmodell benötigt du einen Direktvermarkter, der den Strom für dich verkauft. Den erzielten Erlös bekommst du von ihm (durchschnittl. monatlicher Marktpreis); die Differenz zum anzulegenden Wert bekommst du vom VNB. Für seine Dienstleistung musst du den Direktvermarkter bezahlen. Die Kosten sind aushandelbar bzw. werden vom Direktvermarkter bestimmt.
    Aber keine Angst, in die Verlegenheit wirst du nicht kommen mit einer 10 kWp-Anlage. :wink:


    Die Einspeisevergütung bei einer 10 kWp-Anlage liegt z.Zt. bei 12,3 Cent/kWh.


    Zitat von REInvestor

    1.2) wie hoch ist die tatsächliche Vergütung im Falle einer 750 kWp Anlage?


    Ab 100 kWp benötigst du zwingend einen Direktvermarkter!
    Der anzulegende Wert (also durchschnittlicher mtl. Marktpreis + Marktprämie + Managementprämie) liegt z.Zt. für eine 750 kWp-Anlage bei 11,16 Cent/kWh.


    Zitat von REInvestor

    1.3) wie berechnet sich die Vergütung im Falle einer 1 MWp Anlage?


    Bei Aufdachanlage: 11,14 Cent/kWh.


    Zitat von REInvestor

    2. Gibt es eine Möglichkeit die Vergütung vor Bau der Anlage festzulegen? Wäre sehr unvorteilhaft, wenn ich die Anlage baue und am Ende eine andere oder gar keine Vergütung erhalte. Wie funktioniert der Ablauf?


    Bis 100 kWp gibt es auf jeden Fall die Einspeisevergütung, die 0,4 Cent unterhalb des anzulegenden Wertes liegt. Wenn du einen Direktvermarkter für unter 100 kWp findest, kannst du auch in Summe den anzulegenden Wert erhalten. Die damit verbundenen Kosten würden den 0,4 Cent-Vorteil allerdings vermutlich gleich wieder zunichte machen.
    Die gesetzlich geregelte Einspeisevergütung zum Inbetriebnahmezeitpunkt ist dir sicher.


    Ab 100 kWp geht es nur noch mit Direktvermarkter. Auch da ist der anzulegende Wert (relativ) sicher. Den Rest musst du am besten im Vorfeld mit dem Direktvermarkter besprechen.


    Zitat von REInvestor

    3. Berechnet sich die Vergütung gem. Tabelle pro Liegenschaft (im Falle einer Dachanlage)?


    Was bedeutet in deinem Fall "Liegensschaft"? Getrennte Grundstücke und getrennte Netzanschlüsse?


    Zitat von REInvestor

    3.1) wie sieht es aus, wenn das Dach durch Dachaufbauten in zwei "Bauabschnitte" unterteilt ist?


    Eine Anlage!


    Zitat von REInvestor

    3.2) in meinem Fall ist es so, dass ich zwei separate Lagerhallen habe (nehmen wir mal an dass an beiden Standorten theoretisch 500 kWp möglich wären). Würde die Vergütung gem. der Tabelle dann separat berechnet oder wird die Gesamtleistung nach Eigentümer aggregiert betrachten und die Vergütung entsprechend berechnet (sprich 1 MWp insgesamt)?


    siehe Frage zu 3.
    Letztendlich ist der Unterschied aber nicht groß, wie du an den Antworten zu 1.2 und 1.3 erkennen kannst.

    Viele Grüße

    Bento


    Auch an Tagen, an denen der Himmel grau ist, ist die Sonne nie ganz verschwunden.
    (Arnaud Desjardins)


  • Vielen Dank für die Antworten.


    Wie sieht es mit den Laufzeiten aus sowohl im Falle des Marktprämienmodells und im Falle der festen Einspeisevergütung?

  • Uuuuppps, da muss ich mich etwas korrigieren:
    Ab 750 kWp: --> Ausschreibung, d.h. du musst an einem Verfahren der BNA teilnehmen und versuchen, durch möglichst geringe Vergütungsforderung einen Zuschlag zu erhalten. Da gibt es keine Garantien!


    Zitat von REInvestor

    VWie sieht es mit den Laufzeiten aus sowohl im Falle des Marktprämienmodells und im Falle der festen Einspeisevergütung?


    20 Jahre zzgl. Inbetriebnahmejahr.
    Nur wenn du an einer Ausschreibung teilnimmst und einen Zuschlag erhälst, gibt es eine feste Vergütung für genau 20 Jahre.

    Viele Grüße

    Bento


    Auch an Tagen, an denen der Himmel grau ist, ist die Sonne nie ganz verschwunden.
    (Arnaud Desjardins)


  • Ok, und kann man die Ausschreibung vor Bau der Anlage vornehmen? Wie lange dauert der Prozess? Welche Vergütung erhält man dann erfahrungsgemäß bei so 1-1,5 MWp?

  • Zitat von REInvestor

    Ok, und kann man die Ausschreibung vor Bau der Anlage vornehmen? Wie lange dauert der Prozess?


    Du nimmst die Ausschreibung nicht vor! Sie wird von der BNA durchgeführt. Im Grunde starten die dort ein Auschreibungsverfahren zum Einkauf von EEG-Strom und du darfst bei Interesse ( bzw. Anlagengröße > 750 kWp) ein Angebot abgeben, für das du bereit wärst, deinen Strom an den Netzbetreiber zu verkaufen. Die günstigsten Angebote erhalten den Zuschlag.
    Stell dir vor, du wärst Handwerker und müsstest an einem öffentlichen Ausschreibungsverfahren teilnehmen. Wann kannst du planen? Richtig, mit Zuschlagserteilung. :wink:


    Schau mal hier.


    Zitat von REInvestor

    Welche Vergütung erhält man dann erfahrungsgemäß bei so 1-1,5 MWp?


    Wenn wir noch dreimal hin und her schreiben, baust du vermutlich eine 10 MW-Anlage. :mrgreen:


    Die Vergütung (der Zuschlag) ist nicht abhängig von der Anlagengröße, sondern von den eingegangenen Angeboten. Die durchschnittliche Förderhöhe lag im Dezember 2016 bei 6,9 Cent/kWh. Kannst du hier nachlesen.

    Viele Grüße

    Bento


    Auch an Tagen, an denen der Himmel grau ist, ist die Sonne nie ganz verschwunden.
    (Arnaud Desjardins)


  • Wenn die Lagerhalle im Außenbereich, typisch Teil eines landwirtschaftlichen Betriebs, ist, müßte man noch weitersehen, ob sie als Dach vergütungsfähig ist.
    Wenn man die 750kWp kanpp reißt, kann man auch in zwei Schritten mit einem Jahr dazwischen bauen, dann sind es wieder einzelne Anlagen. Den Anschluß plant man dann von Anfang an natürlich für die gesmte Leistung um nicht zweimal buddeln zu müssen.
    Ab 500kWp bekommen Neuanlagen keine Marktprämie so lang mehr als 6 Stunden negative Preise an der Börse herrschen.

  • Zitat von alterego

    Ab 500kWp bekommen Neuanlagen keine Marktprämie so lang mehr als 6 Stunden negative Preise an der Börse herrschen.


    Danke für den Hinweis!
    Genauer gesagt: Für diesem Zeitraum gibt es nix vom VNB:!:


    Hatten wir das schon mal?


    Wäre schon mal ein Argument, nicht über 500 kWp zu gehen, wenn man sich irgendwo in dieser Größenordnung bewegt.

    Viele Grüße

    Bento


    Auch an Tagen, an denen der Himmel grau ist, ist die Sonne nie ganz verschwunden.
    (Arnaud Desjardins)


  • Das wird auf https://www.netztransparenz.de/EEG/Marktpraemie/Marktwerte (über der tabelle auf 2016 gehen) veröffentlicht. Bisher waren es eher sonnenarme Zeiten mit viel Wind.

  • Aha, interessante Tabelle!


    Bin gerade mal 2016 durchgegangen. Dort wurde angeblich für folgende Stunden keine Vergütung bezahlt:


    28.03.: 12:00 - 18:00 Uhr (6 Std.) --> tut dem PV-Betreiber weh!
    08.05.: 10:00 - 18:00 Uhr (8 Std.) --> tut dem PV-Betreiber weh!
    22.05.: 09:00 - 17:00 Uhr (8 Std.) --> tut dem PV-Betreiber weh!
    20.11.: 10:00 - 17:00 Uhr (7 Std.) --> tut dem PV-Betreiber etwas weh!

    24.12.-25.12.: 23:00 - 8:00 Uhr (9 Std.) --> unkritisch!
    26.12.: 01:00 - 10:00 Uhr (9 Std.) --> unkritisch!
    26.12.-27.12.: 23:00-07:00 Uhr (8 Std.) --> unkritisch!


    Wie sich das wohl in Zukunft entwickeln wird? Bestimmt nicht besser!?

    Viele Grüße

    Bento


    Auch an Tagen, an denen der Himmel grau ist, ist die Sonne nie ganz verschwunden.
    (Arnaud Desjardins)