So funktioniert die Netzentgeltbefreiung für Grosskunden mit

  • eigenen Erzeugungsanlagen....


    Hallo,


    habe mittlerweile erfahren wie die Netzentgeltbefreigung in Firmen funktioniert die eigene Erzeugeranlagen (KWK) betreiben.


    Die Firma muss ein bestimmtes Band (Netzbezug) über das ganze Jahr im Viertelstundenmittelwert einhalten.


    Sagen wir mal dieses liegt bei 48-54MWh.
    Jetzt ist ja der Verbrauch nicht immer identisch, so können z.b. Verbraucher ausfallen durch z.b. defekte oder notwendige Abstellungen.


    Da die Firma ja auch eigene Erzeugerkapazitäten betreibt, in dem Fall ein Kraftwerk zur Produktion von z.b. Wärme, Kälte, Druckluft und Strom, hat sie die möglichkeit den selber erzeugten Strom aus den Generatoren ins Netz einzuspeisen oder als Eigenverbrauch zu deklarieren.


    Nehmen wir jetzt mal an das der Verbrauch jetzt an der oberen Grenze des Bandes liegt, der Generator aber auf dem Netz liegt, dann können die den Generator auf Eigenbedarf umschalten und dadurch ihren Strombezug vom Netz reduzieren da der Strom den die KWK-Anlage, die an diesem Generator hängt, jetzt nicht mehr vom Netz kommt, sondern vom eigenen Generator.
    Das reduziert in dem Fall den Bezug vom Netz, ändert aber absolut nichts an dem gesammten Strombilanzkreis, da ja gleichzeitig weniger Strom ins Netz gespeist wird.
    Es ist also nichts anderes gemacht worden als einen Schalter umzulegen, es wird aber die identische Strommenge erzeugt, nur das jetzt weniger eingespeist wird.


    Wenn jetzt der Strombedarf am unteren Bereich des Bandes liegt, dann schaltet man einfach den Generator wieder von Eigenbedarf auf Netz und erhöht so den Netzbezug während gleichzeitig die Strommenge die jetzt nicht mehr als Eigenbedarf genutzt wird aus dem Netz gezogen wird.
    Die gesammte Netzbelastung ändert sich dadurch nicht, einzig wird die Firma durch diese Schalthandlung im richtigen Moment um mehrere Millionen € im Jahr entlastet...die wir kleinen Stromkunden dann über unsere Stromrechnung zusätzlich bezahlen müssen!


    Ich könnte es ja verstehen wenn die Firma mit einer Netzentgeltbefreiung entlastet wird wenn diese z.b. Anlagen so steuert das bei hohen Strompreisen diese runtergefahren und bei niedrigen Strompreisen wieder hochgefahren werden um so das Netz zu entlasten, aber die heute gängige Praxis rechtfertigt keine finanzielle Belohnung da sich ja nichts an der eigentlichen Stromnetzbelastung ändert.


    Wie es bei Firmen gehandhabt wird die keine eigene Erzeugung haben weis ich nicht.


    Wie seht ihr das?


    Gruß
    Jörg

  • Hi,


    Zitat von GAST

    Da die Firma ja auch eigene Erzeugerkapazitäten betreibt, in dem Fall ein Kraftwerk zur Produktion von z.b. Wärme, Kälte, Druckluft und Strom, hat sie die möglichkeit den selber erzeugten Strom aus den Generatoren ins Netz einzuspeisen oder als Eigenverbrauch zu deklarieren.


    ich glaub` so einfach ist`s dann doch nicht.


    Klar, die Firma hat das Recht, jederzeit Strom selbst zu erzeugen anstatt zu kaufen, genau wie wir EE-Anlagenbetreiber auch.
    Wir EE-Anlagenbetreiber haben aber das Privileg, dass wir EE-Strom jederzeit in`s Netz einspeisen dürfen und diesen auch noch zwingend vergütet bekommen.


    Eine Firma wie BASF z.B. mit konventionellen Kraftwerken darf aber nicht mal eben einfach Strom einspeisen und bekommt schon dreimal kein Geld dafür. Die müssen erstmal einen Kunden finden, dem sie den Strom verkaufen.
    Ist der nicht da, ist`s nix mit Einspeisen, dann muss das Kraftwerk `runtergefahren werden.

  • Ralf, die großen chemiefirmen haben oftmals mehr Strombedarf wie sie erzeugen können, zudem haben sie einen schwankenden bedarf zwischen Tag und Nacht und Wochentag bzw Feiertags und Wochenende bzw Sommer wie Winter.
    Was meinst du wie sie das ausgleichen können??


    Genau so wie ich geschrieben habe.
    Die KWK Anlagen laufen nach Wärme, Kälte oder Druckluftbedarf, nur selten stromgeführt.
    Strom ist dort "Abfall" der mittlerweile sehr nützlich ist, da es, wer auch immer geschafft hat dafür zu sorgen das man so noch ein paar Euro zusätzlich erwirtschaften kann.
    Wie gesagt, man kann dabei nur den Bedarf den die KWK Anlage hat als Mehrverbrauch oder Minderverbrauch nutzen!!
    Aber das sind im genannten Beispiel schnell mal 5MWh die man damit ausgleichen kann ohne das tatsächlich das Netz davon was merkt!


    Gruß
    Jörg

  • Zitat von GAST


    ...
    Nehmen wir jetzt mal an das der Verbrauch jetzt an der oberen Grenze des Bandes liegt, der Generator aber auf dem Netz liegt, dann können die den Generator auf Eigenbedarf umschalten und dadurch ihren Strombezug vom Netz reduzieren da der Strom den die KWK-Anlage, die an diesem Generator hängt, jetzt nicht mehr vom Netz kommt, sondern vom eigenen Generator.
    Das reduziert in dem Fall den Bezug vom Netz, ändert aber absolut nichts an dem gesammten Strombilanzkreis, da ja gleichzeitig weniger Strom ins Netz gespeist wird.
    Es ist also nichts anderes gemacht worden als einen Schalter umzulegen, es wird aber die identische Strommenge erzeugt, nur das jetzt weniger eingespeist wird.


    Das mit dem Schalter umlegen funktioniert so nicht wie du dir das denkst. Da ist kein Schalter mit einer Stellung Einspeisung und einer Stellung Bezug. Wenn das Werk am Netz ist und der Generator läuft, dann muss der syncron zum Netz laufen. Um dann ins Netz einzuspeisen, muss man (als Analogie zum Wasser) den Druck, also die Spannung, erhöhen. Das ist genauso wie bei den PV-Anlagen. Will eine PV ins Netz einspeisen, dann muss die auch die Spannung soweit erhöhen, bis sie ihren Strom los wird. Da ist auch nix mit Schalter zw. Einspeisung und DV.

    Der Jammer bei den Weltverbesserern ist, daß sie nicht bei sich selber anfangen. – Mark Twain

  • Genau....so ähnlich....
    Nur das es eine schnellumschaltung ist bei der man zwischen Eigenbedarf und netzeinspeisung umschaltet....und nach umlegen des Schalters sieht man dann in der Stromkunden die für die netzentgeltbefreiung läuft das es mehrere MW hoch oder runter geht.


    Gruß
    Jörg

  • Hi Jörg,


    Zitat von GAST

    Ralf, die großen chemiefirmen haben oftmals mehr Strombedarf wie sie erzeugen können, zudem haben sie einen schwankenden bedarf zwischen Tag und Nacht und Wochentag bzw Feiertags und Wochenende bzw Sommer wie Winter.
    Was meinst du wie sie das ausgleichen können??


    Genau so wie ich geschrieben habe.


    logisch wird das mit dem eigenen Kraftwerk ausgeglichen, dafür ist`s ja da.
    Aber einfach einspeisen dürfen die nicht, wenn der Strom keinem Bilanzkreis zugeordnet ist, sonst zahlen die gar fürchterlich für den notwendigen Redispatch.


    Die speisen nur dann ein, wenn sie ihren Strom vorher verkauft haben, wie soll das sonst funktionieren?
    Ich geh` natürlich mal davon aus, dass die extra einen Mitarbeiter haben, der genau dafür zuständig ist.


    Aber dann frage ich mich, wo da das Problem sein soll?
    Es ist doch eine Selbstverständlichkeit, dass jeder Kraftwerksbetreiber Netzkosten usw. spart, wenn er seinen eigenen Strom verbraucht, machen wir ja genau so.
    Und genau so ist`s selbstverständlich, das ein Kraftwerksbetreiber darüber hinaus versucht, Strom einzuspeisen und zu verkaufen.
    Ob der Kraftwerksbetreiber dabei E.ON, BASF oder Lieschen Müller heisst ist doch egal.

  • Hallo Ralf
    Das Problem ist das dadurch das Netz aber nicht entlastet wird, bzw sich die eigtl Netzlast nicht ändert und trotzdem dafür kein netzentgelt gezahlt wird, mit der Begründung das man ja dafür belohnt wird das man das Netz durch seinen konstanten Bezug stabilisiert.
    Aber genau das ist nicht der Fall, man hat dadurch ja nur auf dem Papier einen konstanten Bezug, weil ja gleichzeitig die Einspeisung ins Netz geändert wird.


    Das ist ungefähr so als ob der PV anlagenbetreiber dafür Geld bekommt das er immer zwischen 2-2,4kwh Strom aus dem Netz zieht, egal wieviel er gerade einspeist bzw wie hoch die Netzbelastung gerade ist. Also auch wenn das Netz gerade bis zum äußersten belastet ist weil gerade alle Strom ziehen (mittagsspitze), Hauptsache die eigene Kurve bleibt innerhalb der Grenzen.


    Das ganze ist extrem kurzsichtig!
    Das Netz kann man nur stabilisieren wenn man Erzeugung und Verbrauch im bilanzkreis möglichst genau zusammen halten kann und nicht in dem man seinen Verbrauch, egal wie es im Netz gerade aussieht, und sei es durch tricksen, konstant hält.


    Gruß
    Jörg

  • Moin moin aus Kiel,


    ich glaube dass erschwerend noch hinzu kommt, dass diese Riesenmengen Eigenproduktion nicht mit der EEG Umlage belastet wird, von daher schon ein gravierender Unterschied zu "Uns" (Zitat weiter oben). Oder liege ich falsch?


    Gruß, Andreas

    Andreas Witt
    Industrieservice und Montage
    Am Dorfplatz 7, 24214 Neudorf
    Tel.: +49 151 44 555 285
    info@pvservice.net
    USt-ID: DE 292086601, Handwerkskammer zu Flensburg



    Dienstleistungen rund um Photovoltaik: Wartung, Repowering, Datenlogging, Direktvermarktung & Redispatch 2.0, Anlagenplanung und -Neubau, Huawei Wechselrichter, Zubehör und PV- Komponenten

  • Die BASF & Co. zahlen so oder so keine bzw. eine nur minimale EEG Umlage. Wie sie auch keine, bzw. nur minimale Netzentgelte und Stromsteuer zahlen. Die extrem hohen Energiekosten, die der DIW & Co. permanent in den Mund nehmen, suche ich verzweifelt seit Jahren. Da BASF & Co. ohnehin zu den Weltmeister der Energiestückkosten zählen, ist das Gejammer ohnehin konsistent. Eine Wacker Chemie ist nicht in den USA aktiv geworden, weil Strom so preiswert ist, sondern vor allem, weil sie im $ Raum produzieren wollten. Es gibt selbstverständlich Unternehmen, die eine derart niedrige netto Wertschöpfung haben, das der Unterschied von 1 Cent (US Cent) je kWh reinhaut, obwohl ihre Energieeffizient Minus ca. 20% liegt (Alu).

  • Hi,


    Zitat von GAST

    Das Problem ist das dadurch das Netz aber nicht entlastet wird, bzw sich die eigtl Netzlast nicht ändert und trotzdem dafür kein netzentgelt gezahlt wird, mit der Begründung das man ja dafür belohnt wird das man das Netz durch seinen konstanten Bezug stabilisiert.
    Aber genau das ist nicht der Fall, man hat dadurch ja nur auf dem Papier einen konstanten Bezug, weil ja gleichzeitig die Einspeisung ins Netz geändert wird.


    genau der gleiche Unterschied zwischen einem PV-Volleinspeiser, der zeitgleich Strom aus dem Netz bezieht und einem PV-Überschusseinspeiser mit gleichem Lastverhalten.
    Der Volleinspeiser zahlt die Netzkosten über den bezogenen Strom, der Überschusseinspeiser nicht, trotzdem ist in beiden Fällen das Netz gleich stark belastet.



    Zitat von GAST

    Das ist ungefähr so als ob der PV anlagenbetreiber dafür Geld bekommt das er immer zwischen 2-2,4kwh Strom aus dem Netz zieht, egal wieviel er gerade einspeist bzw wie hoch die Netzbelastung gerade ist. Also auch wenn das Netz gerade bis zum äußersten belastet ist weil gerade alle Strom ziehen (mittagsspitze), Hauptsache die eigene Kurve bleibt innerhalb der Grenzen.


    Irgendwie verstehe ich da den Vergleich nicht.
    Der Industriebetrieb mit eigenem Kraftwerk bekommt doch kein Geld dafür, dass er Strom aus dem Netz zieht.
    Der einzige Vorteil ist der, das für den selbst erzeugten und verbrauchten Strom keine Netzentgelte zu zahlen sind, genau wie bei dem PV-Betreiber.



    Zitat von GAST

    Das ganze ist extrem kurzsichtig!
    Das Netz kann man nur stabilisieren wenn man Erzeugung und Verbrauch im bilanzkreis möglichst genau zusammen halten kann und nicht in dem man seinen Verbrauch, egal wie es im Netz gerade aussieht, und sei es durch tricksen, konstant hält.


    Nee, es ist schlicht nicht der Job von Kraftwerksbetreibern, das Netz zu stabilisieren. Das ist der Job der Übertragungsnetzbetreiber, dafür haben die extra Redispatchkraftwerke und die ganzen verschiedenen Reserveformen.
    Wenn die diese Dienstleistung dann an Kraftwerksbetreiber weiterdelegieren, ist das eine ganz andere Sache.


    Ein Kraftwerksbetreiber muss erstmal nur Strom verkaufen und dann zum festen Termin bereitstellen und einspeisen, mehr nicht. Erst wenn er Netzdienstleistungen verkauft, muss er aktiv was für die Netzstabilität tun.