Konsultation Netzentwicklungsplan 2030

  • Hallo zusammen,


    der 1. Entwurf des Netzentwicklungsplans 2030 liegt vor: https://www.netzentwicklungspl…tzentwicklungsplaene-2030


    Das ist ein wirklich interessantes Dokument (insbesondere werden auch Prognosen zu den Kosten des Netzausbaus dargestellt).


    Als sehr fragwürdig sehe ich die Prognosen zum zukünftigen Stromausstausch mit unseren Nachbarn an (siehe dazu S. 58). Deswegen habe ich gleich mal die Möglichkeit genutzt, eine Stellungnahme zum Entwurf abzugeben, diese hänge ich hier an.


    ...
    meine Stellungnahme bezieht sich auf die vorhergesagten Import-/Exportzahlen wie sie auf S. 58 des 1. Entwurfs NEP 2030 dargestellt sind. Für jeden Szenariorahmen werden Nettoimporte aus Skandinavien in der Größenordnung von mehr als 20 TWh angenommen. Ich halte diese Zahl, man mag mir die deutlichen Worte nachsehen, für aberwitzig.


    Von den Ländern Skandinaviens ist aktuell nur Schweden regelmäßig ein Nettoexporteur von ca. 10% seines Jahresstromverbrauchs. Finnland importiert regelmäßig bis zu 20% des Jahresstromverbrauchs. In Norwegen schwankt der Import/Export je nach Regenmenge zwischen +- 5% des Jahresverbrauchs. Schließlich haben wir noch Dänemark mit einem Nettoimport von ca. 15% des Jahresverbrauchs.


    Im Jahr 2015 war die deutsche Strombilanz mit Dänemark ausgeglichen mit einem Import/Export von je ca. 5 TWh. Aus Schweden dagegen wurde netto fast 2 TWh importiert. Betrachtet man den gesamten Stromausstausch der skandinavischen Länder, dann ist Skandinavien heute ein neutraler Akteur auf dem europäischen Strommarkt, der im Mittel einen nur geringen Stromüberschuss in den Rest Europas exportiert. Da in Norwegen und Schweden die Wasserkraft eine große Rolle spielt, hängt es letztlich von den Niederschlägen ab, ob Skandinavien als Nettoexporteur oder -importeur auftritt.


    Da die Wasserkraft in Skandinavien nicht mehr wesentlich ausgebaut werden kann und zudem die Zukunft der Kernkraft in Schweden unsicher ist, bin ich sehr erstaunt, dass für das Jahr 2030 mit einem Nettoimport aus dieser Region von mehr als 20 TWh, also einer Verzehnfachung des momentanen Nettoimports, gerechnet wird. Ich gehe davon aus, dass eine realistische Modellierung zwingend zu einem gegenteiligen Resultat kommen wird. Dies liegt allein schon daran, dass Großbritannien bis 2030 mit zwei Leitungen von je 1,4 GW Übertragungskapazität an Norwegen angebunden sein wird. Während eine Leitung bereits im Bau ist (NSN), wurde kürzlich von Seiten des norwegischen Parlaments auch der Weg für die zweite Leitung (NorthConnect) freigemacht. Die die Aufsichtsbehörde in UK (Ofgem) den Betreibern der Leitungen eine Mindestvergütung garantiert (Cap and Floor Regime), ist von einer Realisierung auch der zweiten Leitung auszugehen. UK ist heute und auch in allen realistischen Projektionen ein großer Stromimporteur mit einem deutlich höheren Preisniveau als Kontinentaleuropa. Wenn Skandinavien in der Lage ist Überschüsse zu generieren, dann werden diese in erster Linie nach UK (und in die Niederlande) fließen, nicht nach Deutschland.


    Geht man konservativ davon aus, dass UK und die Niederlande im Jahr 2030 lediglich 20 TWh im Jahresmittel aus Norwegen exportieren (über das NorNed-Kabel wurden 2015 gut 6 TWh exportiert), müsste Skandinavien zur zusätzlichen Deckung der von Deutschland nachgefragten Importe einen Jahresüberschuss von gut 50 TWh generieren (gegenüber ca. 10 TWh im Jahr 2015). Wo soll diese absurd hohe Strommenge herkommen? Schweden weist zwar einen starken Ausbau der Windkraft auf, doch diese zusätzliche Stromerzeugung wird vor allem dazu benötigt, die in den nächsten Jahren wegfallenden Kernkraftwerke zu ersetzen. Und selbst wenn man annimmt, das Skandinavien tatsächlich seine mittleren jährlichen Überschüsse in den paar Jahren bis 2030 verfünffachen könnte, bleibt als wichtige Einschränkung die Wetterabhängigkeit. Die TYNDP 2016-Projektionen von ENTSOE zeigen sehr deutlich, dass Schweden und Norwegen in einem überdurchschnittlich trockenen Jahr weit davon entfernt sind, als Nettoexporteur auftreten zu können.


    Fazit: Ich gehe davon aus, dass das den auf S. 58 dargestellten Stromflüssen zugrundeliegende Marktmodell fehlerhaft ist und/oder auf unrealistischen Annahmen beruht. Wenn die Funktionsfähigkeit des deutschen Netzes davon abhängt, dass Skandinavien als deutlicher Stromexporteur auftreten kann, wird man böse Überraschungen erleben.


    Mit besten Grüßen
    ...

  • In Finnland ist ein KKW 'fast fertig' und man ist grade dabei ein Weiteres zu errichten. :D


    Warum D. überhaupt zum Nettoimporteur werden soll, ist zudem zweifelhaft. Wir haben ja jetzt schon EE Wachstumsschmerzen ohne Ende, soll heißen, die Börsenpreise sind permanent deutlich unter dem Level, den die fossilen Kraftwerke benötigen, um überhaupt einen Cent Abschreibung zu verdienen.


    Frankreich wird ganz sicher zum Netto Strom Importeur und da werden auch keine 50 TWh reichen, sondern eher 500 TWh, es sein denn es passiert ein Wunder und die ca. 50 KKW (faktisch alle an der moralischen technischen Grenze der Nutzung) sanieren sich von selbst ohne jegliche Kosten.


    Ein Netzentwicklungsplan ohne eine energiepolitische klar umrissene Strategie auf nationaler Ebene und auf europäischer Ebene (inkl. UK, Schweiz und Norwegen) macht überhaupt Sinn?


    Polen ist auf dem Tripp weiter Steinkohle zu nutzen und ein KKW zu errichten, Frankreich ignoriert einfach sein KKW Problem. In Griechenland baut man mit Deutschen Steuergeld und Bürgschaften Braunkohlekraftwerke neu! In Spanien gibt es immer noch Sonderabgaben für EE, in Italien passiert wenig usw. usf.

  • Zitat von PV-Berlin

    Warum D. überhaupt zum Nettoimporteur werden soll, ist zudem zweifelhaft. Wir haben ja jetzt schon EE Wachstumsschmerzen ohne Ende, soll heißen, die Börsenpreise sind permanent deutlich unter dem Level, den die fossilen Kraftwerke benötigen, um überhaupt einen Cent Abschreibung zu verdienen.


    Das liegt schlicht an der Szenariovorgabe, den Klimaschutzplan einzuhalten (CO2-Obergrenze). Den deutschen konventionellen Kraftwerken wäre es demnach schlicht verboten, eine gewisse Emissionsobergrenze zu reißen. Selbst wenn man in Frankreich 10 Euro pro kWh zahlt.

  • Von wem und wann wird eine Begrenzung kommen?


    Da Frankreich offensichtlich energiepolitisch voll gegen den Wand fährt, wird man Paris (Konferenz) schneller beerdigen, als wir bis drei zählen können. Unsere lieben Braunkohlekraftwerke und auch Steinkohlekraftwerke werden zu gut 70% fü den Export angestellt. Wenn wir selbst den Strom benötigen, müssen halt die Franzosen guten Diesel einsetzen. Die nötigen Aggregate wird es ja bald massenhaft für ein Taschengeld geben oder auch nicht, zumindest sind die verfügbar.

  • Zitat von GWeberJ


    Das liegt schlicht an der Szenariovorgabe,


    Dafür gibt es vorher eine eigene Konsultationsphase, der NEP bildet den nur ab, daß alles funktioniert.
    Die Daten für 2016 sind noch nicht vollständig, Exportüberschuß dürfte, wie 2015, bei etwa 50TWh liegen (bei knapp einem halben Jahr ohen Grafenrheinfeld weniger aus Kernkraft und nur wenig mehr aus Erneurbaren; die Lücke hat vorwiegend Gas gedeckt). Bei ca. 80TWh alleine aus Kernkraft ist da schon noch was zu tun, wenn man zusätzlich auch noch Kohle vom Netz nehmen will.

  • Zitat von PV-Berlin

    Von wem und wann wird eine Begrenzung kommen?


    Grundsätzlich leitet sich die Beschränkung aus dem Klimaschutzplan ab: https://www.cleanenergywire.or…-climate-action-plan-2050
    Der CO2-Ausstoß des Stromsektors soll sich also bis 2030 halbieren. Das ist natürlich illusorisch aufgrund des Atomausstiegs. Beim gegenwärtigen EE-Zubautempo wird es allein bis ca. 2025 dauern, um nach dem Atomausstieg das Emissionsniveau von 2015/16 (wieder) zu erreichen. Und dann hat man noch 5 Jahre, um den CO2-Ausstoß zu halbieren. Lachhaft!


    Aber die Netzbetreiber haben diese Vorgaben als Auflage für ihre Szenarien bekommen. Ist offensichtlich Blödsinn, aber so ist es halt. Das ist jedoch gar nicht der Gegenstand meiner Beschwerde. Sondern, dass man sich irgendwie zurecht lügt, man könnte im Jahr 20 bis 30 TWh netto aus Skandinavien importieren.

  • Auch wenn ich so rüber kommen, das ist keine Kritik an deiner Beschwerde oder eine Wertung deiner Ausführungen. Dazu verstehe ich von Hochspannung Übertragung zu wenig und habe mich nicht intensiv genug mit dem Thema beschäftigt. Dies hat nix damit zu tun, das ich zu faul wäre. Eher damit, dass ich keine echte Strategie hinter den Plänen erkennen kann, die einen sicherheitstechnischen und volkswirtschaftlichen Ansatz vermuten lassen. *Redundante Stromversorgung; EU weiter Handel mit Energie aus EE.


    Ich sehe das sehr ähnlich. Die Ziele sind kaum zu erreichen, zumal man alles unternimmt um jede Dynamik bei den EE zu unterbinden. Offshore ist ja faktisch auch schon mausetot! Just in dem Moment, wo offensichtlich wird, dass sie die Post-Braunkohle 2.0 sein kann.


    Ich sehe eher, dass der Atomausstieg gekippt wird, bzw. zumindest deutlich nach hinten geschoben wird.


    Macht ein nationaler Plan überhaupt Sinn? Müsste man nicht zuerst die Europaweite Planung beschleunigen und abstimmen?


    13 Jahre sind ja nicht viel, wie viel wird von dem 'Plan' bis dahin umgesetzt? 50% wäre schon verdammt ambitioniert!

  • Nun, es wird bei der Energiewende langsam Zeit wieder aufs Gas zu treten, nachdem man in den Letzten JAhren auf die Bremse ging weil "zu schnell". Voraussetzung dafür sind die grösseren brocken beim Netzausbau, bei denen man endlich zu Pottte kommen muss. Was eine rein politische Frage ist, wobeidas politische Problem in München sitzt. D brauchts einfach etwas lautstärkeren politischen Gegendruck. Da sollte man politisch die Pistole auf die Brust setzen.: Entweden Byern kooperiert beim Netzausbu, oder bei der Netzausbauplanung werden blackouts in Bayern als zulässig angenommen, und dafür jeder Netzausbau in Bayern eingefroren. Dann legt man die LEtingen halt um Bayern rum, und Bayern darf auf eingene Kosten eine Inselstromversorgung aufbauen.

    Ich würde mein Geld auf die Sonne und die Solartechnik setzen. Was für eine Energiequelle! Ich hoffe, wir müssen nicht erst die Erschöpfung von Erdöl und Kohle abwarten, bevor wir das angehen.
    Thomas Alva Edison
    Trockenplatzdach 2,6kW zum Spielen :)