neue Anlage: Wie hoch sind die Kosten für 1kWh Eigenverbr?

  • Hallo,


    da mein Arbeitskollege eine Anlage plant, sollte ich für ihn mal eine Rentabilitätsberechnung aufstellen (in anderen Treads habe ich ja schon mal Detailfragen gestellt).


    Was kostet ihm 1 kWh selbstverbrauchten Strom?

    Hierzu habe ich folgende Berechnung angestellt:


    Ausgangslage:
    - geht nächsten Monat ans Netz
    - 6 kWp
    - 900 kWh/kWp = 5.400 kWh Gesamtproduktion
    - 7.800 Euro Anschaffungs/Herstellungskosten (netto) = 1.300 Euro/kWp
    - 12,31 Cent pro kWh Vergütung eingespeisten Strom (hier aber irrelevant)
    - 27,00 Cent pro kWh brutto Strompreis Privatkunde inkl. Grundgebühr
    - 20,00 Cent pro kWh für Geldwerten Vorteil Privatentnahme
    - 40,00 % Grenzsteuersatz



    Laufende Kosten erstes volles Jahr (inkl. kalkulierte):

    390 Euro Abschreibung
    100 Euro PV-Elektronik-Versicherung
    60 Euro PV-Haftpflicht-Versicherung
    26 Euro Standby-Strom Solarlog usw.
    150 Euro Kalkulierte Kosten für Repartur/Wechselrichter(-Rückstellung)
    1 Euro Dachreinigung (nur Merker)
    1 Euro Steuerberater (nur Merker)
    1 Euro Rückbau-Rückstellung (Nur Merker)
    1 Euro Sonstiges (Nur Merker)
    --------------------------------------------------------------------
    730 Euro Kosten p.a.
    = 13,52 Cent pro kWh


    zuzüglich eigenverbrauchspezifischer Mehrkosten:
    1) Versteuerung Eigenentnahme: 20 Cent x 40,0% = 8,00 Cent pro kWh
    2) Mehrwertsteuer auf Eigenverbrauch: 27 Cent (brutto), darin enthaltene MwSt: 4,31 Cent pro kWh


    = 13,52 + 8,00 + 4,31 = 25,83 Cent pro kWh Eigenverbrauch


    Dies erscheint mir sehr hoch, zumal ich lfd. Kosten Steuerberater, eigene Arbeitszeit usw. noch nicht mit einberechnet habe.
    Wo habe ich einen Fehler gemacht? (Die angegebenen Preise sind erstmal nachrangig, geht mir um die korrekte Vorgehensweise).


    Danke für Eure Anmerkungen!

  • Hi,


    Zitat von Gueldnerfan

    - 900 kWh/kWp = 5.400 kWh Gesamtproduktion


    ist das wirklich ein realistischer Wert oder zu konservativ gerechnet?


    Zitat von Gueldnerfan

    - 20,00 Cent pro kWh für Geldwerten Vorteil Privatentnahme


    Ich meine, dass man hier doch die echten Gestehungskosten ansetzen darf, also um die 10 Cent / kWh, oder?


    Zitat von Gueldnerfan

    100 Euro PV-Elektronik-Versicherung
    60 Euro PV-Haftpflicht-Versicherung


    Die beiden Versicherungen müssten doch zusammen für unter EUR 100,- zu kriegen sein, oder?


    Zitat von Gueldnerfan

    Dies erscheint mir sehr hoch, zumal ich lfd. Kosten Steuerberater, eigene Arbeitszeit usw. noch nicht mit einberechnet habe.


    Obwohl vielleicht noch was `rauszuholen ist, stimmt`s schon, dass kleine Anlagen sich nicht wirklich gut rechnen.
    Wir raten ja nicht umsonst dazu, das Dach maximal vollzumachen.


    Ich denke signifikant besser wird Dein Ergebnis nicht.

  • Also die 4,31 Cent/kWh stimmen. Die Versteuerung der Eigenentnahme ist aber falsch (laut Finanzamt). Die Versteuerung wird auf die Einspeisevergütung angewendet. In dem Fall auf die 12,31 Cent.


    Zudem musst du beachten, dass jeder Gewinn bei der EÜR unter 400 Euro garnicht versteuert wird. Zwischen 400€- 800€ wird dieser nur anteilig versteuert und über 800€ voll. Frag mich bitte nicht wo das steht, ich habs von jemanden erfahren der das schon länger macht und irgendwo auch im Internet gelesen. Ich kann dir aber leider keine konkrete Seite nennen. Vielleicht kann das ja ein Steuerexperte hier :)


    Was mir noch auffält ist, das in deinen "Cent pro kWh" aber nirgends die Einpeisevergütung enthalten ist, schließlich verkauft ja dein Freund den überschüssigen Strom! Somit verringern sich die 13,52 Cent/kWh....

    9,975 kWP (35 x LG285S1C-B3)
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    39 Grad SW

  • Danke für Eure Antworten!
    Ralf:
    alles korrekt was du schreibst/widerspricht meiner Berechnung auch nicht.
    900kwh/kwp sind leicht konservativ, aber Norddeutschland kommt nicht allzuviel mehr. Ist Puffer enthalten.
    Geldwerter Vorteil: ja, kann man machen, könnte Beispiel noch anpassen.


    FISO:
    Deine Antworten sind aus meinem Wissenstand her falsch, muss es so deutlich sagen.
    Versteuern muss man wie alles andere, Grenzen gibt es hier nicht
    Für diese Kalkulation spielt hier erstmal der Verkaufspreis für Strom keine Rolle!


    Freue mich auf weitere Anmerkungen!
    Ich glaube, die Werte oben stimmen pi mal Daumen und bei Rentablilitätsberechnungen werden einfach Kosten für Wechselrichterersatz (der innerhalb 20 Jahren kommt) und die Steuerkomponente (Entnahme und auch MwSt) einfach nicht mit berücksichtigt.
    Mein aktuelles Fazit: PV machen, aber "Geld verdient man bei den "kleinen" Anlagen nicht wirklich. (P.S. Fremdzinsen fehlen oben noch...)

  • Hallo Gueldnerfan,


    1. die WR / Reparaturrücklage finde ich für so eine kleine Anlage recht hoch, wenn man die Versicherungen separat rechnet.


    2. die 40% Einkommensteuer fällt nur auf den Gewinn an, der hierfür mit der entgangenen Einspeisevergütung berechnet werden darf (vermiedener Bezugsstrompreis nur für die USt) .
    Also 40% x (5400 kWh x 12,31 c/kWh minus Abschreibung minus Betriebskosten) =
    0,4 x (665 Euro - 390 Euro - 160 Euro) = 0,4 x 115 Euro = 46 Euro entspricht < 1 c/kWh auf 5400 kWh/a
    Reparaturen fallen ja nur unregelmäßig an, vermindern die Steuer aber wenn sie anfallen auch nochmal.


    3. Wie teuer der Eigenverbrauch ist, hängt auch davon ab, wie man die Einspeisung bewertet. Nachdem die Vergütung etwas unter 13,5 c/kWh liegt, musst du für den EV etwas mehr rechnen, um mit der gesamten Anlage auf Null zu kommen.


    4. Korrekt wäre also für eine Wirtschaftlichkeitsrechnung für jedes Jahr EV und Einspeisung zusammenzuzählen und die Kosten abzuziehen. dann kann man den internen Zinsfuß berechnen. Excelfuktion =IKV(cashflow Jahr 1, caschflow Jahr 2, etc.) berechnen. Dann spielst Du mit dem Preis, den du für den Eigenverbrauch ansetzt, bis die Verzinsung den Kapitalkosten entspricht. Dafür kann man die Kreditzinsen ansetzen, normalerweise aber etwas mehr (was halt der eigenen Renditeerwartung für eine Investition mit diesem Risikoprofil entspricht). Der resultierende EV Preis repräsentiert dann die Kosten/kWh für den EV einschließlich Investitions-, Betriebs- und Kapitalkosten.


    Gruß
    Jochen

    14,8 kWp Solar Fabrik / Fronius
    23 kWp Bosch / Danfoss
    55 kWp Frankfurt Solar / Danfoss
    30 kWp Yingli / SolarEdge
    15,8 kWp Bosch / SMA
    Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Helianthus Solar GmbH

  • Hallo Jochen,


    vielen Dank für Deinen Anmerkungen!


    Vielleicht zu 4. am Anfang: Ja, ich mache eine Wirtschaftlichkeitsberechnung immer als Zeitreihe. Ich wollte hier aber das Beispiel gewusst einfach halten. Auf der anderen Seite kommt hier kaum etwas von der Tendenz etwas anderen heraus (u.a. wegen grob gleichbleibenden Erträgen und Aufwänden). (Beruflich habe ich mit deutlich komplexeren Sachverhalten zu tun).


    zu 1) Eine Renditeberechnung sollte immer auch ein wenig Konservativ sein. In 20 Jahren (!) kann viel passieren. Heute nimmt man immer gerne einen Wechselrichter statt mehrere. Kosten mögen hier tick zu viel sein, aber immer noch angemessen.
    Hier liegen wir aber nicht grob auseinander.


    zu 2) ja bzw nein - da es auf der einen Seite eine Grenzsteuerbetrachtung ist. Würde ich einspeisen, hätte ich diesen Kostenbock nicht. Und ob Gewinn oder Kosten - in der zu recht angewandten Grenzsteuerbetrachtung ist der Betrag ohne Kosten anzusetzen. Es ist wie bei der Einkommensteuerberechnung, jeder Beleg Werbekosten ist ein Vorteil vom Grenzsteuersatz. Gebe aber zu, dass es hier wohl zu weit führt zu diskutieren.


    zu 3) korrekt. Mein Wert war zu hoch angesetzt. Hat Ralf auch richtigerweise schon angemerkt.


    So oder so bleibe ich aktuell noch bei meiner These: Die Renditeversprechen sind stark zu gut gerechnet. PV sollte man in diesem Segment der Überzeugung machen - nicht weil man Rendite erwartet.


  • Das mit der 400€ Grenze war wohl mist, hab ich nochmal nachgelesen. Aber der Rest sollte eigentlich in deine Rechnung mit einbezogen werden. Jochen hats ja auch bestätig dass bei der Einkommensteuererklärung der Wert der Einspeisevergütung als Gewinn versteuert wird. Entweder weil man diesen ja vom Energieunternehmen bekommt als Gewinn oder durch Selbstverbrauch erwirtschaftet. Da wird nix fiktives wie bei der Umsatzsteuer verwendet.


    Edit: Siehe Richtigstellung weiter unten!


    Deine Kalkulation für die Kosten pro kWh ist in meinen Augen dann keine Wirtschaftlichkeitsrechnung! In einer Wirtschaftlichkeitsrechnung gehören Einnahmen und Ausgaben! Wenn du die Einspeisevergütung nicht mit reinrechnest dann kommt ein komplett verzerrtes, falsches Bild heraus! Denn deine 13,5 Cent würden deinem Freund nur dann entstehen, wenn er nix einspeisen würde. Tut er aber nicht! Er verbraucht Strom und speist den Überschuss ein oder will er die Anlage als Inselanlage nutzen?

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    2 Mal editiert, zuletzt von FISO ()

  • Zitat von Gueldnerfan


    FISO:
    Deine Antworten sind aus meinem Wissenstand her falsch, muss es so deutlich sagen.
    Versteuern muss man wie alles andere, Grenzen gibt es hier nicht
    Für diese Kalkulation spielt hier erstmal der Verkaufspreis für Strom keine Rolle!


    Hi Gueldnerfan,
    dann muss ich dir es auchmal so deutlich sagen... :juggle:
    das ist falsch...


    guggstduhier:https://www.vlh.de/wissen-serv…sind-nebeneinkuenfte.html


    Zitat;
    Liegt Ihr Nebeneinkommen unter 410 Euro pro Jahr, zahlen Sie keine Steuern und müssen wegen dieser Einnahmen auch keine Steuererklärung abgeben.
    Liegen Ihre Nebeneinkünfte zwischen 410 und 820 Euro im Jahr, müssen Sie die Einnahmen dem Finanzamt mitteilen. Waren Sie bis dahin nicht verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben, sind Sie es jetzt. Das Finanzamt gewährt Ihnen dann einen sogenannten Härteausgleich. Das heißt, dass Sie weniger Steuern zahlen, als eigentlich für Ihre Einkünfte fällig wären. Die konkrete Höhe der Steuern wird im Einzelfall berechnet.
    Nebeneinkünfte von 820 Euro und mehr pro Jahr müssen voll versteuert werden.


    lg
    citystromer

    Sanyo 18 X HIt N 235 SE 10, Sunways WR NT 4200, Westausrichtung, Standort: 3045x

  • Dann war das, was ich "aufgeschnappt habe", doch richtig.....

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  • ... macht ja nix...
    Ich habe das früher auch mal gedacht...


    lg
    citystromer

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