Fehlende Zuordnung wegen Verspätung=>KUR o. Regelbesteuerung

  • Hallo Zusammen,


    bin derzeit dabei einen gordischen Knoten zu lösen und würde mich über ein paar Tips freuen.


    Folgende Situation:


    PV-Inbetriebnahme (6 KWP, Nov. 2012, mit mittlerweile ca. 35% DV / Tendenz steigend), damals kein Fragebogen ausgefüllt und somit keine Anmeldung beim Finanzamt, damit auch keine Zuordnung, bisher keine Ust./ESt. Erklärung


    Aufgrund von äußerst widrigen Umständen ist der verspätete Versuch einer gewerblichen Zuordnung erst jetzt zum 31.12.2016 erfolgt, entsprechend mit den Umsatzsteuererklärungen für die Jahre 2012-2015 und unter Berücksichtigung des Eigenverbrauches und dessen Besteuerung. Als Ergebnis kam nun eine Anhörung und der Hinweis, dass die Vorsteuer der Anlage nicht erstattet werden kann, da die Zuordnung nicht bis 31.05.2013 erfolgt ist.


    Soweit kann ich folgen und nehme zur Kenntnis, dass die Anlage somit außschließlich privat betrieben wird, sodaß sich der Anschaffungspreis und damit die Afa durch das Hinzurechnen der weggefallenen USt. der Anlage entsprechend erhöht hat, aber eben Umsatzsteuer-technisch nicht mehr relevant ist.


    Oder darf ich den Anwendungserlass zur Zuordnung von 2014 so verstehen, dass die PV-Anlage auch nachträglich zugeordnet werden kann, eben nur nicht rückwirkend ? Wenn dem so ist, würde ja ggfs. die Regelbesteuerung wieder Sinn machen...Also ich meine dieses Dokument hier


    https://www.bundesfinanzminist…_blob=publicationFile&v=1


    Nicht ganz klar ist mir daher das weitere steuerliche Prozedere.


    1.) Auf der einen Seite wird mir mitgeteilt, dass die gewerbliche Zuordnung nicht erfolgen kann, auf der anderen Seite bekomme ich in einem weiteren Schreiben aber den Hinweis, dass die in der Vergangenheit bereits erteilte Steuernummer auch für Umsatzsteuer gilt.


    Wie darf ich das dann verstehen, da ja die PV-Anlage somit entsprechend zur Privatsache erklärt wurde und folglich auch keine Umsatzsteuer anfallen sollte, allenfalls die 0-Meldung ? Denn dann kann ich ja für die Kleinunternehmerregelung optieren, das hatte ich zunächst ja nur nicht getan, da ich angenommen hatte, dass die Zuordnung noch möglich wäre. Entsprechend gibt es dann die jährliche Nullmeldung, oder ?


    2.) Wie verhält es sich nun mit der bereits vom ENB gezahlten MwSt. ? Die ist ja damit für die Vergangenheit fälschlicherweise zusätzlich zur Einspeisegebühr bezahlt worden, der VNB wird ja aber zukünftig die Beträge
    netto ohne Steuern erstatten. Wie läuft das bzgl. Korrektur ? Ich schreibe den VNB an, damit der die Vorauszahlungen und die Jahresrechnung korrigiert und er erstellt dann eine entsprechende Nachforderung für die bezahlte USt. im genannten Zeitraum ?


    Da gemäß Schreiben vom FA die Zuordnung aufgrund versäumter Frist mit endgültiger Wirkung als nicht erfolgt festgestellt werden soll (die Bescheide folgen wohl) stellen sich mir nun natürlich auch die Fragen bzgl.


    a.) der Zinsen der Anlage (die ich somit ja wohl ebenfalls nicht mehr mindernd gelten machen kann)
    b.) der bereits vom VNB damit fälschlicherweise bezahlten USt. (siehe 2.)


    Sehe ich das richtig, dass ich trotz der bisher fehlenden gewerblichen Zuordnung (und damit Einstufung als Privatsache) dennoch die KUR explizit beantragen muß (bzw. sollte, weil Regelbesteuerung in diesem Fall ja eher sinnlos) ? Ginge die KUR-Wahl jetzt überhaupt noch ?


    Tendenziell neige ich aber dazu anzunehmen, dass die Regelbesteuerung in diesem Fall wegen des DV-Anteils eher Nachteile gegenüber der KUR bringt, weil der eigentliche Vorteil - die Erstattung der Anlagen-USt. - entfällt.


    Ist dummerweise alles sub-optimal gelaufen, kann ich aber nun leider nicht mehr ändern...


    Vorab schon mal besten Dank

  • Ich würde sagen, du vermischst die Themen Umsatzsteuer und Ertragssteuer miteinander. Das macht es dir schwer den Sachverhalt richtig zu erfassen.


    Nehmen wir erst nur das Thema Umsatzsteuer


    Durch die fehlende umsatzsteuerliche Zuordnung ist der Vorsteuerabzug futsch. D.h. aber nicht, dass du bei der Umsatzsteuer nun außen vor bist. Da du dein Wahlrecht damals nicht wahrgenommen hast, hast du automatisch die Regelbesteuerung. Denn, hättest du die KUR haben wollen, hättest du das damals angeben müssen. Da du nun Regelbesteuerung hast, musst du auch die steuerpflichtigen Umsätze und nicht nur den DV der vergangenen Jahre angeben. Somit logischerweise auch die von deinem Kunden vereinnahmte Umsatzsteuer abführen. Wenn du jetzt die KUR willst, dann musst du das deinem FA kundtun, sonst bleibst du bei der Regelbesteuerung und darfst die USt, die dein Kunde ja nun nicht mehr zahlt selbst abdrücken.


    Ertragssteuer


    Nix besonderes, Anlage gehört zum Betrieb, Einnahmen, Ausgaben, AfA usw.