Inselanlage im fernen Süden

  • Hallo in die Runde der Solarstromerzeuger


    Ich heiße Peter und wohne seit vielen Jahren auf den Kanarischen Inseln - dort besitze ich seit einiger Zeit ein Haus/Grundstück abseits der Zivilisation - was bedeutet ohne Netzanschluss. Es keimte der Gedanke dieses Haus als festen Wohnsitz zu nutzen und damit auch die Anforderung an den Strom - die Lage ist auf einem Berg und aufgrund der Lage ganzjährig sonnig, wenngleich natürlich auch hier im Winter die Sonne etwas tiefer steht und die Tage kürzer sind.


    Damit das möglich wird, wäre eine autarke Energieversorgung notwendig - im Moment übernimmt das ein großer (30kw?) Dieselgenerator, aber das ist keine zufriedenstellende Lösung, daher soll ein (anderes) Inselsystem her - leider besitze ich nur Grundwissen und in Bezug auf echte Inselsysteme finde ich im Internet leider nicht alle notwendigen Informationen, viell. sind hier ja auch welche die das interessant finden und Ihre Meinungen/Ideen einbringen können.


    Kurz zum Strombedarf - ich hab es mir dabei erstmal einfach gemacht und den bisherigen Jahresstromverbrauch von ~6900 kwh herangezogen, die Anlage kann größer ausgelegt sein, sollte aber in jedem Fall erweiterbar sein. Der Stromverbrauch ist recht gleichmäßig übers Jahr verteilt ohne große Spitzen.


    Mein Plan war grundlegend eine ausreichende PV-Anlage aufzubauen, unterstützt durch den ein oder anderen Windgenerator (etwas Wind ist immer, speziell, wenn es wolkig ist, Nachts allerdings oft windstill bzw. unter 10km/h), kann man das überhaupt vernünftig kombinieren, da Drehstrom? - ein Dieselgenerator soll vorhanden bleiben, falls er notwendig wird (2 Wochen Regen + dicke Wolken im Jahr kommt vor). Ein kleines Häuschen für Batterien ist bereits vorhanden (aktuell durch Generator gespeist)


    Was haltet Ihr von der Idee - (am kostengünstigsten wäre eher den Diesel beizubehalten, aber will ich eigentlich nicht) Ich tu mir außerdem schwer damit die Größe der PV/Batterien korrekt zu berechnen damit ich in jedem Fall auskomme (auch, wenn meine Verbrauchsangabe i.M. recht wage sind). Ich als Laie dividiere den Jahresverbrauch durch 365 und komme so auf eine Tagesnot von 15 kwh, Ladezeit 10h, Sprich die Module müssen 30kwh erzeugen .. liege ich damit eher richtig oder vollkommen falsch? (Man verzeihe mir falsche Begriffsnutzungen, ich bin damit noch nicht ganz vertraut)


    Primär geht es mir ums Verständnis - ich traue den "Fachkräften" hier nicht sonderlich (aus Erfahrung) bzw. hab lieber gerne selber Ahnung oder objektive Meinungen von Wissenden :-)


    Meine aktuelle Kostenschätzung (nur PV + Elektronik) wäre so bei 15-20.000 Euro - wie liege ich damit?

  • Hallo Peter
    Willkommen im Forum.
    Dein Anliegen klingt nicht schlecht und du verwendest schonmal die richtigen Grundlagen und Einheiten. :idea:
    Da mein Bruder an der Costa Blanca lebt, weiss ich, dass Spanien ein etwas eigenartiges Verhältnis
    zur Solarstromerzeugung hat. Dies bezieht sich jedoch rechtlich zumindest auf die Netzeinspeisung.
    Technisch sollte dein Anliegen vernünftig lösbar sein. Was du vorab machen könntest:
    Ein paar Angaben über deine verfügbare Fläche, um PV aufzubauen, oder noch besser Bilder oder Koordinaten von Google Maps. Danach wird sich die "Inselfraktion" für dein Vorhaben bemühen. :wink:
    einstein0

    33 J Erfahrung mit PV im Netzverbund. Erster zweiachsiger Tracker in Australien.
    2 kW- Hybrid-Insel im Camper, BEV: Hyundai Kona. 30kW-PV-Anlage Ost/West.
    PV-Notstromversorgung 10 kWh im MFH mit Infini 3 kW Hybrid-WR und 10 kWh Li-Testspeicher.

  • Genaue Koordinaten möcht ich eigentlich nicht öffentlich posten :-) Fläche ist streng genommen uneingeschränkt (viel Land, leichte Hanglage nach Süden), sofern die Teile auch am Boden stehen können - was zu Wartungszwecken eventuell auch gar keine schlechte Idee wäre. Hier ist's recht staubig und kaum Regen und ich denke die Panele wollen daher öfter mal gesäubert werden - sonst sind die nach 2 Wochen völlig eingestaubt.


    Mit Netzanschluss würde ich das Vorhaben im Moment nicht durchführen - eben wegen besagtem eigenartigem Verhältnis der span. Regierung zu Solarstrom (Steuer etc).


    Mit etwaigem Überschussstrom könnte man eventuell sogar Kondensanlagen zur Wassergenerierung betreiben, mal sehen - finde das generell sehr interessant

  • Zitat von Canario

    Der Stromverbrauch ist recht gleichmäßig übers Jahr verteilt ohne große Spitzen.


    Trotzdem wäre es schön wenn du einen Wert nennen könntest der hier oder da mal als Spitze auftritt...denn mal ganz ehrlich, ich hab noch nie einen Privathaushalt mit einem 100% sauber geglätteten Verbrauch gesehen, man kocht, reinigt...und schläft ja irgendwann mal usw. ^^


    Zitat von Canario

    Meine aktuelle Kostenschätzung (nur PV + Elektronik) wäre so bei 15-20.000 Euro - wie liege ich damit?


    Wie (auch von Einstein) gesagt ist die Menge an Informationen aktuell noch zu gering um da ordentlich Aussagen zu treffen, aber mal als Beispiel was ich so kaufen würde...15-20k €...Endverbraucherpreise nur für PV + LR + WR:


    Als ordentliche Inselwechselrichter (mit denen man dann auch ein Drehstromnetz bauen kann) würde ich 3 x den Victron MultiPlus für 48V Systeme mit je 5 kVA nehmen, liegt bei etwa 2300€ pro, also bei etwa 7k€.


    Laderegler wäre 2 x der Victron BlueSolar Mppt 150/85, mit CAN Bus (wenn erwünscht) für etwas über 800€ pro, ohne CAN für etwas über 650€. Wären etwa 1300 bzw 1600€.


    Beide Geräte und deren Preise von dem Laden hier: http://www.burmeister-elektronik.com/index.html


    Wären also 7,3-7,6k€, sagen wir der einfach 7,5, also genau die Hälfte von 15k...dann bleiben nochmal 7,5k € für PV


    Da die Laderegler jeweils max. etwa 4,8 kW leisten können würde ich 10kW PV installieren, hab grad mal bei Secondsol geguckt:


    http://www.secondsol.de/handel…chwarz--Staffelpreise.htm


    117.50 € pro 250Watt Modul @ 30 Jahre Leistungsgarantie + 12 Jahre Produktgarantie, keine Ahnung wie das bei dir ist, aber hier in Deutschland wären die 117,50€ mit Mwst. etwa 140€ pro 250W, also 5,6k € pro 10kW PV Generator.


    7,5+5,6 wären etwa 13k€ für WR+LR+PV, bleiben dann bei einem 15/20k Budget noch 2k bzw 7k € für Versandkosten und Installationsmaterial etc die du auch einplanen solltest.


    Und wie sieht das eigentlich mit der Installation selber aus, kannst du das selber machen oder brauchst du da jemanden der dir das macht?

    Zitat von John Perry Barlow

    I'm a free-marketeer. I believe in free markets, but... sometimes you have things that look like free markets but aren't because of artificial reasons. I'm not very happy with the current state of what calls itself free market economy in the world because you've got all these grotesque monopolies that are able to game the system in a way that's to their advantage by virtue of their power, and that's not a free market.

    2 Mal editiert, zuletzt von NoOne ()

  • Da nur dabei steht kanarische inseln... Vielleicht ist ja Fuerteventura ("der wind dabei").
    Vielleicht wäre ne Kombination aus Wind + pv-sonne denkbar?


    Gesendet von meinem Redmi Note 2 mit Tapatalk

    - PV-Module: Winaico 300Wp Full Black + Winaico 275Wp => Gesamt 9,85kWp

    - Wechselrichter: Fronius Symo 8.2

    - Heizung: Panasonic Heisha Luft-WP + HeishaMon

    - Stromzähler: commetering Zähler (Discovergy)

    - smarten Stromanbieter: Tibber

    Mit diesem Link erhaltet Ihr als Neukunde + ich jeweils einen Gutschein über 50€ bei Tibber, für den Smarthome Shop von Tibber.... dort gibt es einige smarte Dinge (Z-wave/ZigBee/Wifi/Wallbox/Carsharing/uvm.)

    Einladungslink: https://invite.tibber.com/bae1fc39 :danke:

  • Hallo,


    als erstes die Verbräuche ermitteln. Ein kleines Energiekostenmessgerät reicht da locker aus. Dieses lässt du jeweils 1 Tag am Kühlschrank und anderen Dauerverbrauchern. Die Werte genu ablesen und aufschreiben.


    Gekocht wird mit Gas? Gibts auf dieser Insel ein Gabelstaplerbetrieb (bestimmt nicht :D) Da stellt sich dann die Frage wo die Batterie bezogen werden kann, da der Transport nicht billig wird. Wie sind die Temperaturen tagsüber und in der Nacht?
    Werden große Maschinen betrieben (gr. Klimaanlage)?


    Wie siehts mit deinen handwerklichen Fähigkeiten und insbesondere dem technischen Verständnis für Elektrizität aus?



    MfG

  • Du schreibst von einem "Batteriehäuschen", was ist denn dort schon alles nutzbares drinnen? Wenn vieles dort ist, brauchst womöglich nur die Module und den, oder die Regler.

  • Die wichtigste Information für dich ist aktuell, was du von den Panelen überhaupt an Ertrag erwarten kannst. Hierzu kannst du http://re.jrc.ec.europa.eu/pvgis/apps4/pvest.php?map=africa aufrufen. Das ist der Solarrechner der EU, der sich um Afrika und Teile von Asien kümmert. Dort ein wenig mit dem ´slope´ (also dem Anstellwinkel) spielen. Du darfst ja nicht auf maximalen Ertrag optimieren, sondern auf ein Kostenminimum übers Jahr. Dann bestimmst du, was dich die kWh aus dem Generator kostet (Wartungskosten, Spritkosten, Ersatzteile, Ersatz nach wievielen Jahren etc.)


    Die nächste Frage ist, ob du tatsächlich dreiphasige Verbraucher hast. Wenn du nur eine dreiphasige Auslegung hast, weil das zum Generator passt, sollte man da auch mal über Alternativen nachdenken. Da man die Wechselrichter nach der Spitzenlast auswählen musst, solltest du die auch bestimmen. Es wurde ja schon das Stichwort ´Gabelstapler´ gebracht. Den Hintergrund dazu findest du hier: http://wiki.polz.info/doku.php

    Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Francis Picabia)

  • Hi, ich denke der "Drehstrom" kam nur ins Spiel weil halt fast alle Windkraftanlagen vor dem Regler Drehstrom liefern :)
    Canario, wie kommt denn Dein hoher Stromverbrauch zustande?
    Bevor man eine Inselanlage plant muss man sich wirklich genau über die echt notwendigen Verbräuche/Verbraucher klar sein.
    Alles was Du da streichen kannst schont Deinen Geldbeutel enorm!
    lg,
    Philip

  • Hallo und danke schonmal für den Input - der aktuelle Haushalt hat jede Menge Geräte, aber ich werd mich da noch genauer um Verbräuche kümmern, speziell Spitzenverbräuche - wobei mir klar ist, dass man einige Dinge einfach nicht gleichzeitig einschalten kann. Wenn ich es richtig verstanden habe, so kann man bei 3phasiger Auslegung die Großverbraucher auf eine eigene Phase legen (Herd, WaMa, etc) und somit die Maximallast verteilen?


    Insel ist übrigens Gran Canaria, der Wind hier daher eher meist mäßig, aber natürlich vorhanden. Windgeneratoren hätte ich eingeplant, nachts aber dennoch oft windstill, dafür hilft es also nur bedingt, man kommt an ausreichender Energiespeicherauslegung eher nicht vorbei.


    Strukturelle Installationen (und Kabel legen) könnten selbst erledigt werden, an Strom möchte ich als Laie eher nicht Hand anlegen, das anschließen würde ich erledigen lassen, wobei ich diese Kosten eher erstmal außen vor lasse, es muss ja ohnehin erledigt werden. Wichtig ist, dass es funktioniert, ich will in 1. Linie nicht Stromkosten sparen sondern ein funktionierendes Netz haben, sofern es einen gewissen finanziellen Rahmen nicht sprengt.


    Gerne würde ich die Anlage bereits von Anfang so konzipieren, dass Sie erweiterbar ist, eine Auslegung auf 48V wäre vermutlich generell empfehlenswert? Es könnte sein, dass doch einiges an Kabel (Panele->batterie) verlegt wird und die Verluste dann geringer sind? Von den Wechselrichtern zum Haus ist der Kabelquerschnitt dann ja wegen 230V nicht mehr so gefordert.
    Diverse Komponenten wird man vemutlich nicht nachträglich skalieren können bspw. Wechselrichter, den müsste man also bestenfalls von Beginn an ausreichend dimensionieren, aber dazu muss ich erst eine genaue Verbrauchsanalyse aufstellen hab dafür aktuell kein wirkliches Gefühl. Zweiter Punkt wird dann darauf basierend auch die notwendige Batteriekapazität sein - Anzahl PV ergibt sich ja dann quasi rechnerisch.


    Damit das alles funktioniert muss ohnehin auch am Objekt einiges umgebaut/renoviert werden, insofern erstmal generelle Planungsphase :-) Aber würde es schon toll finden so gänzlich autark


    e-zepp Frag mich nicht woher der hohe Verbrauch kommt, wohnen tun wir aktuell aus Bequemlichkeitsgründen in der Zivilisation mit HausWasserpumpe, 2 Küchen, 2 E-Wasserheizern, E-Einfahrtstor (alles Verbraucher mit >1kw) etc etc. Das alles dürfte den Stromverbrauch massiv nach oben treiben, denn früher (anderer Wohnsitz) hatten wir nur die Hälfte an Verbrauch. Jetzt kann ich aber natürlich nicht davon ausgehen, dass es wirklich an den vielen unnötigen Verbrauchern und nicht an unserem Lebensstil liegt - mitunter einer der Gründe warum ich im Moment kaum einschätzen kann wie der tatsächliche Strombedarf überhaupt aussieht. Wir sind nur zu zweit.
    Wir arbeiten allerdings beide in der IT, min 2 großdimensionierte Computer mit je 3 Bildschirmen laufen 18h pro Tag mit allerlei Peripherie - all das sollte zukünftig mit einer Inselanlage abgedeckt werden - kleine USVs werden trotzdem benutzt (aber auch jetzt schon, weil das hiesige Stromnetz auch gerne mal unter 180V und auch sehr unsauber liefert. Sind halt sehr abenteuerlich unterwegs die Spanier :-)