War das EEG von Anfang an zu unflexibel?

  • Und wenn ja, könnte man den „Geburtsfehler“ jetzt noch beheben?


    Was ich meine, sind die fixen 20 Jahre +x garantierte Einspeisevergütung. Als ich Anfang 2009 meine 4.3 kWp-Anlage (mehr ging nicht drauf) installieren ließ, hatte ich schwere Bedenken. Wegen des Ostdachs riet mir der Energieberater zunächst ab („ganz klares Nein“). Meine hauptsächlichen Bedenken waren jedoch mein fortgeschrittenes Alter. Da ich ein günstiges Angebot bekam, habe ich die Investition dann doch riskiert. Vermutlich wird die Anlage wohl doch noch zu meinen Lebzeiten wenigstens ihren Kaufpreis einspielen. Wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase sehe ich vielleicht sogar noch einen Gewinn. Die Entscheidung wäre mir wesentlich leichter gefallen, wenn ich die Wahl zwischen einer Dauer von 20 Jahren und z. B. 10 Jahren bei einer äquivalent höheren Vergütung gehabt hätte. Fachleute wären sicher in der Lage, diese äquivalent höhere Vergütung unter Abwägung aller Chancen und Risiken für beide Seiten zu berechnen. Ich bin der Meinung, dass man damals einen wesentlich höheren Zuspruch besonders durch Rentner oder kurz vor der Rente stehenden Menschen bekommen hätte.


    Ähnlich ist es heute mit einem Akku. Schon klar, Geld verdienen lässt sich damit (noch) nicht, aber die Zeit bis zu einem finanziell attraktiven Preis schmilzt für mich zusammen. Und ich vermute, das geht nicht wenigen anderen auch so. Könnte ich aber einen Teil meiner garantierten Einspeisevergütung abtreten, dann könnte ich für den Erlös den Akku sofort kaufen. Auch für so eine Aktion müssten Fachleute eine für beide Seiten faire Abfindung austüfteln können. Statt eines Hausakku käme auch ein E-Mobil in Frage.


    Ist so ein Vorschlag hier schon einmal diskutiert worden? Dann würde ich mich über einen Hinweis freuen.


    Gruß, willswissen

  • Hallo willswissen,
    diskutiert wurde mal das Gegenteil, also die Vergütung auf >20 Jahre zu strecken und dafür die Stromkunden heute zu entlasten. Anders ausgedrückt wird damit die "Lerninvestition" in PV gestreckt.


    Was Du vorschlägst gibt es bei Windkraftanlagen mit einer höheren Anfangsvergütung. Im Offshore-Bereich kann der Investor sogar wählen (sog. Stauchungsmodel).


    Das Extrem wären reine Kaufzuschüsse wie bei den Speichern.


    Ich finde das schon interessant solange eine langfristige Komponente dabei ist, die den langfristigen Betrieb sicherstellt.


    Interessant finde ich das vor allem, weil ca. die Hälfte der gesamten Vergütungszahlungen für die Rendite, also die Kapitalverzinsung notwendig sind. Nachdem der Staat sehr günstige Zinssätze bekommt, könnte man zu 0% finanzieren.
    Das därfte aber nicht über den Umlagetopf passieren, sonst wird kurzfristig die Belastung der Stromkunden extrem hochgetrieben.


    Alternativ wäre die Beleihung der EEG Erträge vielleicht ein interessantes Geschäftsmodel für Banken.


    Wichtig wäre in jedem Fall, dass der sinnvolle Weiterbetrieb der Anlage nach der gekürzten Vergütungsphase gesichert wird.
    Warum? Stell dir mal vor man bekommt statt 20 Jahre lang 12 c/kWh dann 10 Jahre lang 20 c/kWh und danach 10 Jahre nur 4 c/kWh. Dann verbrät man den PV Strom in den zweiten 10 Jahren am besten im Heizstab, um Gas für 6 c/kWh zu sparen. Das wäre nicht im Sinne des EEG.



    Gruß
    Jochen

    14,8 kWp Solar Fabrik / Fronius
    23 kWp Bosch / Danfoss
    55 kWp Frankfurt Solar / Danfoss
    30 kWp Yingli / SolarEdge
    15,8 kWp Bosch / SMA
    Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Helianthus Solar GmbH

  • Zitat von willswissen

    Und wenn ja, könnte man den „Geburtsfehler“ jetzt noch beheben?


    Was ich meine, sind die fixen 20 Jahre +x garantierte Einspeisevergütung.


    Hatten ihren Sinn solange die Einspeisevergütung über dem Endkundenpreis lag.
    Wer finanziert ein Auto über 20 Jahre ? Man ist eigentlich bemüht vorzeitig ab zu lösen um sich Zinsen zu sparen.


    Aktuell dürfte man eine PV für 1200 Euro bei 1000 KWh aufs Dach bringen . Sprich nach 5 Jahren wäre bei 25 ct/kWh die Investition abgegolten.


    Würde man Analog zur Windförderung eine Vergütung von 5 ct/kWh für die PV bringen, käme man immer noch auf die selbe *Förderung*. Allerdings würde sich der Großteil der *Förderung* aus dem Börsenstrompreis finanzieren. Oder man Beschränkt die Förderung auf die realen Investitionskosten.

  • Am Anfang ging es mit dem EEG ja darum, z.B. der PV zu helfen, schneller aus den Startlöchern zu kommen. Und das war wohl auch 2009 noch so. Da war es m.M.n. nicht klug, einen nicht kleinen Anteil der Bevölkerung durch lange Laufzeiten auszuschließen. 2009 bekam man ja selbst für Tagesgeld noch 5% Zinsen. Da wäre eine entsprechende Abzinsung angebracht gewesen, wenn man die Laufzeit ÄQUIVALENT und optional hätte verkürzen wollen. Die EEG-Umlage fing ja 2009 gerade erst an, ein öffentliches Thema zu werden. Für Großinvestoren hätte ich die Verkürzung nicht vorgeschlagen, nur für Anlagen im eigenen Haus.


    Klar, heute kann eine nachträgliche Verkürzung nicht mehr über den Umlagetopf gehen, das würde ein großes Protestgeheul auslösen, obwohl es eigentlich so schlimm nicht wäre, denn die Durststrecke mit den hohen Umlagen würde verkürzt. Außerdem wird ja wohl eine hohe Ausbaurate der PV und sogar der PV-Strom nicht mehr oder kaum noch gewollt, oder sehe ich das falsch?


    Andererseits ist sowohl die private Stromspeicherung, ob im Hausakku oder E-Auto, angeblich (?) politisch gewollt. Da müsste es doch der Regierung gefallen, dies mit fast-Nullzinsen, also praktisch zu Nullkosten finanzieren zu können. Banken können gern einspringen, wenn sie die Umschichtung nicht zu teuer machen.


    Eine Langfristkomponente kann bei meinem Vorschlag durchaus dabei bleiben. Es sollte eigentlich genügen, das Geld für einen Hausakku ausgeben zu müssen, Geld braucht dann für den PV-Betreiber nicht zu fließen. Das sollte genügend Garantie sein, dass er (oder die Erben oder Nachbesitzer) sich um das weitere Funktionieren der Anlage kümmert. Ich selbst würde den Strom nach Ablauf der Vergütung nicht in einem Heizstab verbrennen, da ich eine TS-Anlage habe und die Ölheizung ohnehin aus ist, wenn Überschuss-PV-Strom fließt.


    Gruß, willswissen

  • Das EEG ist super. Der einzige Fehler war von der PV Branche gegen Kürzungen zu demonstrieren.

    Orange Solar GmbH - die hier wiedergegeben Aussagen sind eine persönliche Meinung.


    elektrisch Mobil - TESLA Model S85 2013 bis 2017, seit Juni 2017 MX100D. - Tesla Roadster 2.5 seit Juni 2011 - BMW i3 seit Dezember 2013 - Renault ZOE seit September 2014