Finanzamt und Umsatzsteuerpflicht

  • Hallo zusammen!


    Da mir der Streit mit dem Finanzamt gerade tierisch auf die Nerven geht frage ich Euch jetzt mal um Rat:


    Wir haben uns ein Haus gekauft mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach (nicht dachintegriert). Vom Vorbesitzer wurde voll eingespeist. Er ist zwar mit einem eigenen Unternehmen selbständig, dieses hat aber nichts mit Photovoltaik zu tun und die an uns verkaufte Anlage war auch seine einzige Anlage. Wir speisen ebenfalls voll ein.


    Im Notarvertrag wurde die Anlage separat mit MwSt. ausgewiesen, wir haben auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet und eine GbR beim Finanzamt angemeldet. Dies wurde vom Finanzamt auch so angenommen, uns wurde die MwSt. erstattet und wir führen fleißig jeden Monat USt ans Finanzamt ab.


    Dies wurde uns von einem Steuerberater so geraten und auch von ihm angeleiert.


    Soweit so gut!


    Nun haben wir zum Jahresende unsere Steuererklärung gemacht und mit dem Steuerbescheid kam vom Finanzamt die Nachricht, es läge eine "Veräußerung im Ganzen" vor, diese sei nicht Umsatzsteuerpflichtig und wir müssten die erstattete MWSt. zurückbezahlen.


    Mal abgesehen davon, dass es ja von denen zunächst so anerkannt wurde und sie jetzt - warum auch immer - wieder einen Rückzieher machen ist es laut Steuerberater kompletter Humbug und ich finde auch im Netz nichts brauchbares darüber. Jeder Einspruch wird von denen abgeschmettert, zunächst war die Begründung es sei eine "Veräußerung im Ganzen", nun haben sie zu bemängeln, dass die Anlage ja nicht dachintegriert sei, ...
    Sämtliche Erklärungsversuche des Steuerberaters werden ebenfalls abgeschmettert.


    Ich verstehe es nicht! Hatte jemand von Euch einen ähnlichen Fall und kann Licht ins Dunkel bringen?


    Vielen Dank im Voraus! :danke:

  • Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, sind noch einige Fakten wichtig, die §1 Umsatzsteuergesetz regelt:


    sind PV-Anlage und das von Dir erwähnte weitere unternehmerische Betätigungsfeld des Veräußerers in der selben Rechtsform (Einzelunternehmer) betrieben worden? Das spräche erstmal gegen eine Veräußerung im Ganzen.


    Das Finanzamt wird sich jedoch an dem "gesondert geführten Betrieb" in Abs. 1a festhalten. Und damit könnten sie durchaus recht haben, wenn z.B. der Veräußerer einen Lebensmitteleinzelhandel mit Ladengeschäft betreibt und die Buchführung desselben unabhängig von der PV-Anlage auf dem Eigenheim lief. Das sollte Dein Steuerberater aber durchaus erkennen können.


    "Bösartig" an der ganzen Geschichte ist, das das FA die dann womöglich zu Unrecht ausgewiesene Umsatzsteuer zu Recht vom Veräußerer einkassiert (§14c UStG) und Dir aber ebenso zu Recht die Erstattung verweigert.


    Die Rechnung ließe sich natürlich noch berichtigen, dies ist dann aber wieder mit Notarkosten verbunden...

  • Vielen Dank schonmal für Deine Mühe!


    Der Verkäufer betreibt einen Werkzeugmaschinen-Service als Einzelunternehmer. Ob es sich hierbei allerdings um eine GbR handelt weiß ich gar nicht...


    Das mit dem Einkassieren der Umsatzsteuer hab ich noch gar nicht bedacht... ich glaub, jetzt dreh ich dann bald durch...


    Warum hat das Finanzamt denn eigentlich erst alle anerkannt, wenn sie jetzt doch wieder einen Rückzieher machen? Macht das Sinn???

  • Danke für Deine Antwort!


    Das heißt, das Finanzamt kann tatsächlich die komplette Umsatzsteuer einbehalten, obwohl sie selbst die Unternehmensform zu Beginn anerkannt hat und jetzt aus unerfindlichen Gründen einen Rückzieher macht???

  • Zitat von Riika


    ...
    Warum hat das Finanzamt denn eigentlich erst alle anerkannt, wenn sie jetzt doch wieder einen Rückzieher machen? ...


    Das FA hatte nix anerkannt. Es hat nur die UStVA berabeitet. Nix weiter. Erst mit der USt-Erklärung wird der Sack zu gemacht und da ist es nun aufgefallen, dass euch die Vorsteuererstattung nicht zu steht.

  • Ich hatte zuerst auf den anderen Beitrag geantwortet (http://www.photovoltaikforum.c…cht-t115729.html#p1461760). Sinnvoller ist es aber, alles im richtigen Unterforum zu sammeln. Daher die Antwort auf die weiteren Fragen hier:

    Zitat von Riika

    Warum hat das Finanzamt denn eigentlich erst alle anerkannt, wenn sie jetzt doch wieder einen Rückzieher machen? Macht das Sinn???


    Die Umsatzsteuervoranmeldung ist Quasi eine Selbstveranlagung des Unternehmers, da wird in den meisten Fällen gar nicht und ansonsten nur häufig nur oberflächlich kontrolliert. Erst mit der Umsatzsteuererklärung für das Jahr erfolgt eine verbindliche Veranlagung durch das Finanzamt. Somit macht das Verhalten des Finanzamtes Sinn und ist auch richtig.


    Streitbar bleibt der gesondert geführte Betrieb, das solltest Du mit Deinem Steuerberater nochmals abklären. Sollte er Dich in dieser Hinsicht falsch beraten haben und die Karre jetzt nicht mehr aus dem Dreck kriegen, bleibt nur er ggf. haftbar.

  • Jepp, machen wir nur hier weiter.


    Zitat von Riika


    ...
    Das heißt, das Finanzamt kann tatsächlich die komplette Umsatzsteuer einbehalten, obwohl sie selbst die Unternehmensform zu Beginn anerkannt hat und jetzt aus unerfindlichen Gründen einen Rückzieher macht???


    Ja, das FA kann die USt einbehalten. Der Verkauf war nicht Umsatzsteuerpflichtig. Die von Verkäufer falsch ausgewiesene USt ist trotzdem von diesem an das FA abzuführen. Da der Verkauf nicht Umsatzsteuerpflichtig war, könnt ihr auch keine zurück bekommen.


    Was ist mit "Unternehmensform anerkannt" gemeint?

  • Zitat von donnermeister1


    Ja, das FA kann die USt einbehalten.


    Es muß sogar, wenn der Sachverhalt so ist, wie es ihn sieht.


    Zur Indachanlage - die wäre (wahrscheinlich) Bestandteil (mindestens Zubehör) des Hauses und würde desen Besteuerung folgen. Bei einem privaten Wohnhaus wäre sie dann auch umsatzsteuerfrei, bei einer Gewerbeimmobile aber umsatzsteuerpflichtig.


    BTW: zum verschieben eines Threads kannst du (und jeder andere) den Meldebutton nutzen, dauert halt etwas, weil ds ein Mod machen muß. Deinen Beitrag unter Sonstiges habe ich schon gemledet ;)