PV-Anlage Anfang 2017 und MSBG

  • Hallo zusammen!


    Ich habe mich in den letzten Wochen viel hier und im Netz über PV-Anlagen informiert und stolpere trotzdem fast jeden Tag über etwas Neues.


    Wir wollen auf unser Dach, das im Frühling 2017 neu gedeckt werden muss (wahrscheinlich Titanzink und Doppelstehfalz) auch gleich eine PV-Anlage mit 10 kWp und Stromspeicher setzen: 100qm stehen zur Verfügung, Südwest 45 Grad Azimuth, Neigung 16 Grad, nicht verschattet. Dass wir entweder die 70%-Anregelung anwenden müssen oder am EisMan durch Rundsteuerempfänger teilnehmen müssen, weiß ich schon (wobei die 70%-Abregelung bei der Ausrichtung keinen Sinn macht).


    Jetzt bin ich gestern über das neue Messstellenbetriebs-Gesetz gestoßen, das ab 01.01.2017 gilt:


    - neue digitale Stromzähler
    - ab 7 kWp Eigenerzeugung intelligente Stromzähler (imSys), ca. 100€ Kosten im Jahr
    - kein Rundsteuerempfänger mehr, sondern Steuerbox für den intelligenten Stromzähler


    Laut meinem heimischen Energieversorger Enervie dauert der Rollout der neuen Zähler jedoch noch und wird erst im Herbst 2017 beginnen.


    Welche Lösung zum Einspeisemanagement wäre bis dahin für mich die gangbarste? Bis zum Herbst 2017 mit der 70%-Abregelung die Zeit überbrücken und mich dann einen neuen Zähler mit Steuerbox beglücken lassen? Ich möchte ungern jetzt noch in einen Rundsteuerempfänger für ca. 250€ investieren, wenn ich diesen eh in ca. einem Jahr nicht mehr brauche.



    Und eine ganz allgemeine Frage habe ich noch: wird mit Rundsteuerempfänger oder der neuen Steuerbox mit neuem Stromzähler bei einer Abregelung der Einspeisung auch der Erzeugte Strom für mich abgeregelt? Kann ich also, wenn mein Energieversorger die Einspeisung stoppt, meinen selbst erzeugten Strom auch nicht mehr nutzen? Oder fließt dieser immer noch in mein Haus und meinen Stromspeicher?



    Vielen Dank!

  • Hallo und Willkommen im Forum,
    warum soll bei 16° DN Südwest 70% nicht sinnvoll sein? Es ist eher anders rum, alles andre wird sich wirtschaftlich bei 10kWp nicht rechnen, noch dazu, wenn es einen Speicher gibt, der alles über 70% aufnehmen kann (sich sehr wahrscheinlich aber wirtschaftlich auch nicht rechnen wird).
    Abgeregelt wird die Einspeisung, was bis zum Zähler passiert ist deine Sache, da kann dir der VNB nicht reinreden.


    Meine Glaskugel meint, daß es die "Steuerbox für den intelligenten Stromzähler" in 2017 nur sehr vereinzzelt geben wird. Mehr als wage Ankündigungen dazu habe ich noch nicht gesehen.
    Außerdem, wenn di Anfang 2017 einen neuen Zähler bekommst, ist es unwahrscheinlich, daß der gleich wieder getauscht wird. Die VNB haben 8 Jahre Zeit (was zufällig die Eichgültigkeit für MID-Stromzähler ist) und da werden sie erst mal dort wechseln wo die Eichfristen ablaufen und nicht bei neuen (bzw. neu geeichten) Zählern.

  • Hi,


    Zitat von YeT1

    (wobei die 70%-Abregelung bei der Ausrichtung keinen Sinn macht).


    umgekehrt, der RSE macht keinen Sinn, sondern nur die 70% Lösung als dynamische Variante.
    Der Speicher ist doch genau dafür da, die Stromproduktion zu schlucken, sobald diese über den 70% liegt damit nicht abgeregelt werden muss. Brauchst nur einen Speicher, der das auch kann.


    Du hast also gar kein Problem . . .

  • Zitat von YeT1

    Welche Lösung zum Einspeisemanagement wäre bis dahin für mich die gangbarste?


    Klarer Fall, das geht am besten mit der dynamischen 70% Regelung. Dabei wird die Einspeisung ins Netz des VNB zwar auf max. 70% der Generatorleistung begrenzt, alles was oberhalb der 70% erzeugt wird kannst du aber selbst nutzen.


    Deine ablehnende Haltung gegenüber der 70% Regelung lässt vermuten, daß dir die die technische Umsetzung noch nicht ganz klar ist. Hier wird genau erklärt wie die dynamische Drosselung funktioniert:
    http://www.photovoltaik-web.de…management.html#variante2
    Seit einiger Zeit gibt`s ausser dem Solarlog auch noch andere Möglichkeiten der Umsetzung. Einige Hersteller (Fronius, Solaredge) haben die dynamische Regelung inzwischen im Wechselrichter integriert, als externes Bauteil wird dort zur Messung lediglich ein zusätzlicher, günstiger S0-Zähler benötigt

    mit freundlichem Gruß
    smoker59

  • Vielen Dank für die Infos!


    Ich hatte immer nur gelesen, dass die Abregelung vor allem Sinn macht, wenn das Dach nicht nach Süden ausgerichtet ist, sondern nach Ost/West, da hier dann nie die volle Leistung an Solarstrom anliegt.


    Dann wird es wohl auch bei mir die dynamische 70%-Abregelung werden, ganz ohne Rundsteuerempfänger und imSys-Stromzähler.
    Es ist aber richtig, dass dann nur BIS ZU 70% eingespeist werden, oder? Wenn ich an einem schönen Sommertag z.B auf über 30% Eigenverbrauch (z.B. durch eine Warmwasserwärmepumpe) komme, dann kann ich auch auf mehr Solarstrom zugreifen? Ich will nur sicher gehen...


    Wieso ist ein Stromspeicher wirtschaftlich nicht rentabel, alterego?


    Grüße!

  • Zitat von YeT1


    Es ist aber richtig, dass dann nur BIS ZU 70% eingespeist werden, oder? Wenn ich an einem schönen Sommertag z.B auf über 30% Eigenverbrauch (z.B. durch eine Warmwasserwärmepumpe) komme, dann kann ich auch auf mehr Solarstrom zugreifen? Ich will nur sicher gehen...


    Genau so ist es :wink:


    Voraussetzung dafür ist allerdings, daß diese 30% dann auch wirklich erzeugt und zeitgleich verbraucht werden. Ihre Nennleistung erreichen PV-Module nur sehr selten und nur wenn ideale Bedingungen (sog. Standard-Test Conditions) vorliegen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Standard-Testbedingungen

    mit freundlichem Gruß
    smoker59

  • Hi,


    Zitat von YeT1

    Es ist aber richtig, dass dann nur BIS ZU 70% eingespeist werden, oder?


    korrekt, wird mehr produziert und nicht im Haus verbraucht oder im Speicher eingelagert, wird der WR bei max. 70% der Modulnennleistung abgeregelt.
    Ist aber sowieso nicht oft der Fall, dass über 70% der Nenneistung erzeugt werden, meistens im Frühjahr und im Herbst, wenn die Temperaturen noch niedrig sind, die Sonneneinstrahlung aber schon recht gut ist.


    Da das Haus ja i.d.R. auch schon einen gewissen Grundverbrauch hat, wird der dann zunächst gerechnet, d.h. der WR produziert max. die 70% plus Hausverbrauch.
    Kann noch mehr produziert werden, springt der Speicher an und schöpft alles ab, was dann noch kommt.
    Jedanfalls wenn das Gesamtsystem gut aufeinander angepasst ist geht das so.


    Zitat von YeT1

    Wieso ist ein Stromspeicher wirtschaftlich nicht rentabel, alterego?


    Umgekehrte Frage: Wieso soll ein Speicher wirtschaftlich sein?
    Er produziert ja keinen Strom, sondern verbraucht Strom.
    Nämlich das, was an Verlusten beim Ein- und Ausspeichern entsteht.
    Das sind im Durchschnitt um die 20% des Stroms, den man einspeichert.


    Dann hat ein Speicher eine begrenzte Lebensdauer.
    Sagen wir er macht 4000 Vollzylken (was schon gut ist) und hat 5 kwh nutzbare Speichertiefe,
    Das bedeutet, er kann im Laufe seines Lebens 4000 x 5 = 20.000 kWh ein- und wieder ausspeichern.
    Wegen den Verlusten muss man aber 24.000 hineinstecken, für die gibt`s keine Einspeisevergütung.


    Also rechnen wir: 24.000 x 12 Cent = EUR 2.880 Verlust an entgangener Einspeisevergütung (etwas weniger, wenn ein Teil aus der dynamischen 70% Situation gewonnen wird).
    Zu diesen 2.880 EUR musst Du noch die Anschaffungskosten des Speichers dazurechnen, sagen wir 7.120 EUR.


    Im Klartext: Du zahlst für 20.000 kwh Strom insgesamt 10.000 EUR, also 50 Cent für die kWh.
    Frage: Ist das wirtschaftlich??? (Zahlen alle grob vereinfacht, die Richtung stimmt aber)


    Einen Speicher stellt man sich hin, weil`s cool ist, man Spaß dran hat oder weil man autark werden will, aber nicht zum Geld sparen.

  • Hallo!


    Es ist wirklich toll, wie aktiv dieses Forum ist! Lese schon die ganze Zeit hier rum.


    So wie du die Reihenfolge schilderst, kommt zuerst der Grundverbrauch des Hauses, dann werden bis zu 70% eingespeist und dann erst der Speicher? Macht das Sinn oder verstehe ich da etwas falsch?


    Ich stelle mir das so vor:
    An einem heißen, sonnigen Tag liegen bei einer 10kWp-Anlage vielleicht 8kWh Strom an. Jetzt wird zuerst der Verbrauch im Haus von der Anlage gespeist, z.B. 1kWh. Gleichzeitig wird der Akku geladen mit z.B. 6kWh. Ist parallel noch mehr Spannung vorhanden, wird eingespeist. Das wären also hier noch 1kWh. Die 70%-Regel würde hier also überhaupt nicht greifen, da ja gerade einmal 10% von der Nennleistung eingespeist werden würden.
    Wenn der Akku voll ist, wird der Strom, der nun zur Verfügung steht, auch mit eingespeist, also Hausverbrauch und Akku zusamen mit 7kwh. Das wären jetzt 70% und mehr würde der WR nicht ins Stromnetz lassen. Wenn noch mehr Strom zur Verfügung steht, der Akku aber voll ist, und der Hausverbrauch gleichzeitig auch nicht mehr steigt, verpufft der Rest.
    Richtig soweit?


    Deine Rechnung zum Speicher macht leider auf den ersten Blick recht viel Sinn. :) Natürlich macht dieser ganze Autarkie- und Energie-Speicherkram Spaß :)


    Jedoch vergisst du, dass ich doch auch den Stromzukauf durch die PV-Anlage mit Akku deutlich einspare, oder nicht? Für eine kWh Ökostrom zahle ich gerade bei Vattenfall 0,2497€. Ich würde für 20.000kWh also jetzt 4.994€ zahlen. Deine 4.000 Zyklen entsprechen, wenn überhaupt, vielleicht 12 Jahren Akkunutzung, bevor das Ding kaputt ist. In diesen 12 Jahren werden die Strompreise der Energieversorger nur eins tun: steigen.


    Wenn ich also deine 10.000€ nehmen und da den aktuellen Strompreis von Vattenfall abziehe, lande ich bei der Hälfte. Das wären 25 Cent für eine kWh. Und ja, das ist auch nicht sonderlich gut, aber doch um einiges wirtschaftlicher. Gleichzeitig wäre mir der ökologische Aspekt wichtiger als der wirtschaftliche. Ich weiß, dass ich natürlich nicht ganz auf externen Strom verzichten kann. Aber so unheimlich viel Strom wäre das nicht mehr, den ich dazukaufen müsste...


    Viele Grüße!

  • Hi,


    Zitat von YeT1

    So wie du die Reihenfolge schilderst, kommt zuerst der Grundverbrauch des Hauses, dann werden bis zu 70% eingespeist und dann erst der Speicher? Macht das Sinn oder verstehe ich da etwas falsch?


    korrekt, normalerweise genau in dieser Reihenfolge.
    Es sei denn, der Speicher will sich aus anderen Gründen unbedingt laden, dann ist die Reihenfolge:
    - Grundverbrauch
    - Speicherladung
    - Einspeisung


    Zitat von YeT1

    Ich stelle mir das so vor:
    An einem heißen, sonnigen Tag liegen bei einer 10kWp-Anlage vielleicht 8kWh Strom an. Jetzt wird zuerst der Verbrauch im Haus von der Anlage gespeist, z.B. 1kWh. Gleichzeitig wird der Akku geladen mit z.B. 6kWh. Ist parallel noch mehr Spannung vorhanden, wird eingespeist. Das wären also hier noch 1kWh. Die 70%-Regel würde hier also überhaupt nicht greifen, da ja gerade einmal 10% von der Nennleistung eingespeist werden würden.


    Korrekt (bis auf den Strom, nicht die Spannung, die "noch mehr" vorhanden ist :wink: ) .


    Zitat von YeT1

    Wenn der Akku voll ist, wird der Strom, der nun zur Verfügung steht, auch mit eingespeist, also Hausverbrauch und Akku zusamen mit 7kwh. Das wären jetzt 70% und mehr würde der WR nicht ins Stromnetz lassen. Wenn noch mehr Strom zur Verfügung steht, der Akku aber voll ist, und der Hausverbrauch gleichzeitig auch nicht mehr steigt, verpufft der Rest.
    Richtig soweit?


    Richtig.


    Zitat von YeT1

    Deine Rechnung zum Speicher macht leider auf den ersten Blick recht viel Sinn. :) Natürlich macht dieser ganze Autarkie- und Energie-Speicherkram Spaß :)


    Auch richtig.
    Einer der Gründe, warum ich auch irgendwann mal einen richtigen Speicher kaufe und meinen Bastelkram einmotte.
    Ich warte aber, bis die Speicher durch die Skalierungseffekte in der Automobilindustrie viel preiswerter werden.


    Zitat von YeT1

    Jedoch vergisst du, dass ich doch auch den Stromzukauf durch die PV-Anlage mit Akku deutlich einspare, oder nicht? Für eine kWh Ökostrom zahle ich gerade bei Vattenfall 0,2497€. Ich würde für 20.000kWh also jetzt 4.994€ zahlen.


    Genau. Das ist Deine Ersparnis. Und dafür zahlst Du EUR 10.000.
    Die Hälfte also für den Strom und die andere Hälfte für den Spaß. :wink:


    Zitat von YeT1

    Deine 4.000 Zyklen entsprechen, wenn überhaupt, vielleicht 12 Jahren Akkunutzung, bevor das Ding kaputt ist.


    333 Vollzyklen pro Jahr? Vergiss es. Mit nur PV geht das nicht, das klappt nur mit BHKW dazu.
    Bei einer PV mit Speicher kannst Du je nach den Größenverhältnissen von 200 - 300 Vollzylken pro Jahr ausgehen.


    Zitat von YeT1

    In diesen 12 Jahren werden die Strompreise der Energieversorger nur eins tun: steigen.


    Klar, die Frage ist: Wie stark?
    Wenn die Strompreise dauerhaft stark ansteigen, kannst Du davon ausgehen, dass die Energiewende gescheitert ist.
    Ich gehe davon aus, dass sie die nächsten 10 Jahre noch steigen und dann weniger steigen bis sie ab 2030 wieder sinken.


    Zitat von YeT1

    Wenn ich also deine 10.000€ nehmen und da den aktuellen Strompreis von Vattenfall abziehe, lande ich bei der Hälfte. Das wären 25 Cent für eine kWh.


    So kannst Du das nicht rechnen.

  • Zitat von YeT1


    ....
    Wenn der Akku voll ist, wird der Strom, der nun zur Verfügung steht, auch mit eingespeist, also Hausverbrauch und Akku zusamen mit 7kwh. Das wären jetzt 70% und mehr würde der WR nicht ins Stromnetz lassen. Wenn noch mehr Strom zur Verfügung steht, der Akku aber voll ist, und der Hausverbrauch gleichzeitig auch nicht mehr steigt, verpufft der Rest.
    Richtig soweit?


    Nicht ganz, die Systeme sind da schon etwas lernfähig.


    vereinfacht :
    - der Speicher weis im vorraus wie das Wetter wird
    - er kennt Deinen Verbrauchsverhalten über den Tag
    - er kann rechnen


    Beispiel: Bei gutem Wetter, wird der Speicher erstmal nur zu 60 % geladen, um dann zu warten.
    Geht jetzt die Einspeisung über 70 , geht es wieder in den Speicher. Passiert das nicht, bis sagen wir mal 14 Uhr wird der Speicher ab 14 Uhr vollgeladen.
    Ist Wettervorhersahge eher schlecht, wird alles was geht in den Speicher geschoben.


    Das System funktioniert gut, und eine Verpuffung findet so gut wie nicht statt.
    Wobei die Obergrenze der Einspeisung von 70 % sinkt nochmal bei einer Inanspruchnahme der Förderung zum Speicherkauf ( Im Jahre 2015 waren das 60 %, 2016 sind das glaube ich nur noch 50 %).
    Aus meiner Erfahrung kann ich dazu sagen, 60 % sind ohne weiteres und ohne "Verpuffung " machbar.