Paradigmenwechsel beim Ablesen der Einspeisezähler

  • Anfang September trat das Messstellenbetriebsgesetz in Kraft. Dieses erlaubt Betreibern von Photovoltaikanlagen nur noch, ihren Einspeisezähler selbst abzulesen, wenn sie sich als Messstellenbetreiber ausweisen können. Oder sie müssen sich ein Unternehmen dafür suchen. Andernfalls fällt diese Aufgabe dem grundzuständigen Messstellenbetreiber zu. Derzeit ist das der Netzbetreiber vor Ort. Erste Briefe in der Sache haben Anlagenbetreiber in Hamm erhalten.


    Im November erhielten verschiedene Betreiber von Photovoltaikanlagen Post von der Energie- und Wasserversorgung Hamm GmbH. Dies ist der Netzbetreiber in Hamm und zugleich ein Messstellenbetreiber. Wie auch hier im Photovoltaikforum nachzulesen ist, bietet das Unternehmen an, den Betrieb des Einspeisezählers zu übernehmen – für 10,20 Euro netto pro Jahr für einen Eintarifzähler. Wer das Angebot ausschlägt, den fordert das Unternehmen zugleich auf, nachzuweisen, wer den Messstellenbetrieb künftig durchführt. Am Ende des Briefs gibt es einen Hinweis: „Sollten uns die angeforderten Angaben Ihrerseits nicht zur Verfügung gestellt werden, weisen wir bereits jetzt darauf hin, dass uns ab dem 1. 1. 2017 die Verwendung der Messwerte Ihres Zählers untersagt ist und wir somit keine Einspeisevergütung für Ihre EEG-Anlage(n) auszahlen können.“


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  • Witzig finde ich folgende Formulierung: "Dieses erlaubt Betreibern von Photovoltaikanlagen nur noch, ihren Einspeisezähler selbst abzulesen, wenn sie sich als Messstellenbetreiber ausweisen können."


    Ich bin der Betreiber der PV-Anlage. Messstellenbetreiber ist mein örtliches Stadtwerk, da ich sowohl den Erzeugungs- auls auch den Zweiwegezähler von denen gemietet habe). Wenn mich nun mein Stadtwerk Ende 2017 auffordert den Einspeisezähler abzulesen und den Wert dem Stadtwerk bzw. dem vom Stadtwerk beauftragten Auswertungsunternnehmen zur Verfügung zu stellen muss ich dann dieses Ansinnen mit Bezug auf das neue Gesetz ablehnen?

    9,6 kWp Talesun TP660P-240, SMA STP 8000TL-20; Ausr.: 70° (West); DN: 33°; seit 10/2012
    10,56 kWp Yingli YL240P-29b, SMA STP 10000TL-10; Ausr.: -110° (Ost); DN 33°; seit 01/2013


    „Wenn Weitblick ortsgebunden ist, kann es mit den Visionen auch nicht so weit her sein.“


  • Was bedeutet das denn ganz praktisch? Ich werde Anfang 2017 eine PV-Anlage installieren und will die Kosten für Ablesen und Rechnung erstellen eigentlich sparen, also selbst machen. Den Zähler jedoch mieten. Muss ich nun den VNB für das Ablesen bezahlen und die teilen mir dann den Wert mit, damit ich die Rechnung erstellen kann? Das ist doch irgendwie schwachsinnig...

  • Das heißt, dass in jedem Onlineformular zur Zählerstandsübermittlung die Messstellenbetreibezulassungsurkunde mitgeschickt werden muss, als OttoNormalKunde darf ich das dann ja nicht mehr ausfüllen.


    Wenn diese Formulare also wie bisher online bleiben, gibt der VNB offensichtlich zu, dass ein OttoNormalKunde doch fähig ist, das abzulesen...

    20.12.11: 11,28 kWp | 22 (-10°) + 26 (-100°) Q.PRO 235 | STP 10000TL-10

    26.03.12: 9,18 kWp | 18 (80°) + 18 (-100°) Q.PEAK 255 | STP 8000TL-10

    17.08.15: 5,72 kWp | 22 (80°) Q.PRO 260 | STP 5000TL-20

    alle DN 22°


    FTP-Hosting für Photovoltaikanlagen - self.Logger.solar

    API für Prognosedaten zur Solarproduktion - Forecast.Solar

  • Zitat von Elektron

    ... ihren Einspeisezähler ...


    Damit ist nicht der Zähler des gMSB oder eines alternativen Anbieters gemeint, sondern euer eigener. Das betrifft demnach nur Bestandsanlagen, weil neu geht das (vorbehaltlich die Clearigstelle kommt zu einem anderen Ergebnis) nicht mehr.
    Wer konkret welche Tätigkeit machen darf steht da sowieso nicht drin. Vermutlich weil die Gesetzesmacher davon ausgehen, daß das in Zukunft sowieso automatisch geht und sich über die "Übergangszeit" keine Gedanken gemacht haben.

  • Der Messstellenbetreiber kann den einwandfreien Messstellenbetrieb wohl kaum gesetzeskonform sicherstellen, wenn er dafür unqualifiziertes Personal (Anlagenbetreiber), das er dafür weder bezahlt noch unterwiesen hat, einsetzt.


    Nach § 71 EEG müssen Anlagenbetreiber bis zum 28. Februar eines Jahres alle für die Endabrechnung des Vorjahres erforderlichen Daten zur Verfügung stellen.


    Formal dürfte das nicht damit getan sein, dass man dem Messtellenbetreiber Zählerstände übermittelt. Ich schlage also vor, die dem Netzbetreiber nach EEG zu übermittelnden Daten beim Messstellenbetreiber anzufragen und dann dem Netzbetreiber zu übermitteln.