Jahres- Umsatzsteuererklärung

  • Hallo zusammen,


    vorweg, ich weiß, es gibt viele Threads zu dem Thema, aber wie alle Autoren darin schreiben findet man sich als Umsatzsteuerlaie da kaum zurecht.


    Daher Folgendes:


    Ich habe eine 9,64 kwp- Anlage mit senec Speicher.


    Die Anlage wurde im Juni 2015 in Betrieb genommen, die Erstattung der Steuer für die Anlage wurde beantragt und im Oktober 2015 ausbezahlt.


    Da ich in der Auswertung des Speichers meinen Eigenverbrauch ziemlich genau ermitteln kann, habe ich diesen immer zusammen mit den Abschlagszahlungen in die Voranmeldungen übernommen.


    Die Abschlagszahlungen wurden ab September 2015 gezahlt und im Februar 2016 abgerechnet.
    Da es einige Probleme mit meiner Steuernummer und der genauen Definition des Anlagenbetreibers gab, kam es erst im Jahr 2016 dazu, daß ich die Vorsteuer bezahlt habe.


    Jetzt meine Fragen:


    Kann mir jemand sagen, in welche Zeile ich was eintragen muss?
    Nach meinen Vorstellungen müssen folgende Beträge eingetragen werden:


    Steuer der Anlage
    Erstattung der Steuer der Anlage
    Einspeisevergütung laut Jahresabrechnung des Energieversorgers
    --muss ich hier die gezahlten Abschläge und die Endabrechnung separat aufführen?
    Summe der Vorsteuerbeträge aus dem Direktverbrauch und den Abschlagszahlungen (UstVA)
    Jahres- Gesamt - Direktverbrauch.


    Spielt es eine Rolle, wann die Beträge bezahlt wurden? Oder kommt in die Umsatzsteuererklärung 2015 alles das, was 2015 fällig war?


    Danke für Eure Hilfe


    Grüße


    Marcel

  • IN die USt-Erklärung 2015 kommen:


    a) Die Umsätze zu 19.v. H.; das sind 100/119 der Zahlungen, die vor dem 1.1.16 auf Deinem Bankkonto gutgeschrieben wurden ;weiterhin die unenteglichen Wertabgaben ((Erzeugungsmenge ./. Einspeisung) x Bezugsstrompreis)


    b) die im Jahr 2015 abzugsfähigen Vorsteuerbeträge (in einer Summe)
    aa) aus nicht ausgeführten Leistungen, soweit die Rechnung vor dem 1.1.16 vorgelegen hat und bezahlt wurde
    bb) aus ausgeführten Leistungen, soweit die Rechnung vor dem 1.1.16 vorgelegen hat


    c) das Vorauszahlungs-Soll. (= die Summe der UStVA des Jahres 2015; unabhängig davon, wann sie gezahlt wurden)


    Amen.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Hallo und vielen Dank erstmal für die Antwort,


    leider bin ich jetzt immer noch nicht weiter gekommen.


    Mein größtes Problem ist, daß ich nicht weiß, wo ich was eintragen muss.


    Optimal wäre meine Liste mit den entsprechenden Zeilenummern des Formulars dahinter.


    Kann mir da nochmal jemand helfen.


    Muss ich irgendeine Anlage noch zusätzlich ausfüllen


    Danke und Grüße!!!

  • Hallo Marcel,


    ich hefte dir erst einmal eine Muster-Umsatzsteuererklärung mit den entsprechenden Eintragszeilen für das Formular 2015 bei. Dort siehst du Beispielwerte, die in das Programm "Elster-Formular" (nicht Elster-Online!) eingetragen werden müssen.



    Erklärungen:


    Zeile 38:
    Nettozahlungen des Netzbetreibers im Jahr 2015 an dich.
    Achtung: Nur in diesem Jahr eingegangene Zahlungen zählen. Eine Nachzahlung im Jahr 2016 gehört also nicht dazu!


    Zeile 39:
    Da du Strom aus deiner Anlage selbst verbrauchst, muss du hier die sog. unentgeltliche Wertangabe (den Gegenwert für die private Verwendung) eintragen. Berechnet wird diese, vereinfacht gesagt, indem du die Jahresanzahl der selbst verbrauchten kWh mit dem Nettopreis einer kWh bei deinem Stromlieferanten malnimmst (Nettopreis inkl. aller Nebenkosten wie Grundgebühr, EEG Umlage usw.)


    Zeile 62:
    Im Jahr 2015 bezahlte "Mehrwertsteuer" auf Lieferungen für deine PV-Anlage (in erster Linie natürlich die Umsatzsteuer für deine PV-Anlage)


    Zeile 108:
    Die Gesamtsumme aller Endbeträge in den Umsatzsteuervoranmeldungen für das Jahr 2015, auch wenn diese eventuell erst im Jahr 2016 abgegeben wurden.


    Zusatzinfo (vorsorglich, falls nicht bekannt):
    Du musst für jedes Steuerjahr auch eine Einnahmenüberschussrechnung abgeben (eine Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben, aus der sich der Verlust oder der Gewinn deines Gewerbebetriebes errechnet). Aber das ist dann eine andere "Baustelle"! :)


    Freundliche Grüße
    Paulchen

  • Vielleicht nur die Ergänzung, dass es eben nicht die "bezahlte" Umsatzsteuer ist, die als Vorsteuer eingetragen wird - sondern die "abzugsfähige". Wann Vorsteuer abzugsfähig ist, hatte ich Dir oben geschrieben.

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  • [quote='kpr']IN die USt-Erklärung 2015 kommen:



    aa) aus nicht ausgeführten Leistungen, soweit die Rechnung vor dem 1.1.16 vorgelegen hat und bezahlt wurde
    bb) aus ausgeführten Leistungen, soweit die Rechnung vor dem 1.1.16 vorgelegen hat



    Hallo,


    Wollte mich hier kurz einmischen, da dieses Thema für mich auch von großer Interesse ist, was ist unter ausgeführten und nicht ausgeführten Leistungen zu verstehen?


    Grüße
    Sunpower

  • Am Ende hilft immer nur ein Blick in das Vertragswerk - ansonsten kann man nur "raten" (das aber ziemlich gut):


    Lieferungen sind ausgeführt, wenn der Abnehmer die Verfügungsmacht an den zu liefernden Gegenständen erlangt hat.
    Sonstige Leistungen sind ausgeführt, wenn der Abnehmer in den vollständigen Genuss der geschuldeten Leistung gekommen ist.


    In aller Regel sind die üblichen Fälle ("Kauf einer Zeitung", "Bestellung von Waren im Internet", ..... aber auch sonstige Leistungen wie eine Miete, mediz. Behandlung oder Haareschneiden) relativ unkritisch in der Lösung.


    Tendentiell in der Praxis etwas problematischer sind Werklieferungen.
    Hier ist auf den Zeitpunkt des Übergangs von Eigentum und Gefahr abzustellen.
    So etwas ist in einem guten Vertrag eindeutig geregelt; bzw. der Übergang von Eigentum und Gefahr liegen üblicherweise im Zeitpunkt der Abnahme des geschuldeten Werk; und die Abnahme wiederum ist in guten Vertragswerken sehr detailliert und umfassend geregelt.
    Leider verzichten die meisten PV-Betreiber darauf, einen guten Werkvertrag auszuhandeln - und akzeptieren stillschweigend die AGB's des beauftragten Unternehmers. Dann wirds schwer. Weil gerade an dem Punkt wird oft "gehuschelt".


    In meiner Ausbildung hat unser Berufsschullehrer ein ganz passendes Bild zur Erklärung gewählt:
    Die Errichtung des Kölner Doms hat gut 600 Jahre gedauert. Tausende Leute werden da jeden Tag geschuftet haben... und sukzessive ist das Bauwerk entstanden. Und nicht jeder ist jeden Abend nach Hause zurückgekehrt.
    Für Zwecke der Umsatzsteuer ist das alles: GAR NICHTS. Egal wieviel Leute da jeden Tag wie viel gebaut haben - über Jahrhunderte hat da abends eine "nicht ausgeführte Leistung" gestanden.


    Und dann kam der Architekt im feinen Anzug und weißem Bauhelm; mit Krawatte und sauberen schwarzen Schuhen...... und unterzeichnete mit edlem Schreibwerkzeug das Abnahmeprotokoll. In dieser einen blöden Unterschrift von dem fürs Bauwerk völlig nutzlosen Watzke..... darin besteht umsatzsteuerlich die Ausführung der Leistung.


    In der Praxis treten kunterbunte Problemfälle auf. Die muss man sich individuell zur Brust nehmen.

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