Blitzschaden – Versteuerung Versicherungsleistung / Ausgaben

  • Im Herbst dieses Jahres hatte ich an meiner PV-Anlage (Inbetriebnahme: 2008) aufgrund eines Blitzeinschlags einen größeren Schaden. Es waren alle Wechselrichter und ein Großteil der Module defekt.


    Von der Versicherung habe ich die Kosten für die Reparatur der Module bzw. für die neuen Wechselrichter (rund 15.000,00 €) sowie einen Ertragsausfall (rund 3.500,00 €) erhalten. In Abstimmung mit der Versicherung habe ich aber die Module nicht reparieren lassen, sondern neue Module verbauen lassen (Leistung der PV-Anlage bliebt gleich). Die Kosten für den Ab-bau der defekten Anlage, die Prüfung der Anlage, für den Kauf und Installation der neuen Wechselrichter und Module waren mit rund 17.000,00 € höher als die von der Versicherung erstatteten Reparaturkosten (rund 15.000,00 €).


    Wie muss ich (im nächsten Jahr) die o.g. erhalten bzw. geleisteten Zahlungen in der Gewinn- u. Verlustrechnung (Anlage EÜR) korrekt ausgewiesen?


    • Handelt es sich bei von der Versicherung erhaltenen Zahlungen (Reparaturkosten; Ertragsausfall) um „umsatzsteuerfreie Betriebseinnahmen“ (wäre Feld 15 der Anlage EÜR 2015)?
    • Wie bzw. als was werden die entstanden Kosten (Abbau der defekten Anlage, Prüfung der Anlage, Kauf u. Installation der neuen Wechselrichter u. Module) als Be-triebsausgaben angesetzt? Handelt es sich dabei um sog. „Bezogene Fremdleistungen“ (wäre Feld 26 der Anlage EÜR 2015).
    • Hat der Schaden der PV-Anlage bzw. die Installation neuer Module/Wechselrichter Auswirkungen auf die AfA (Absetzung für Abnutzung)? Ich schreiben meine PV-Anlage linear ab? Stellt der Differenzbetrag von 2.000,00 € (entstandene Kosten abzgl. erstattete Reparaturkosten) in der Anlage AVEÜR evtl. einen sog. Zugang (wäre Feld 122 der Anlage AVEÜR 2015) dar?
    • Ist steuerrechtlich in dieser Angelegenheit sonst noch was zu beachten?



    Ich hoffe, dass ich den Sachverhalt einigermaßen verständlich darstellen konnte und danke allen Steuerfachleuten schon vorab für ihre Rückmeldungen :D

  • Moin,


    ich hatte in 2013 einen Blitzschaden.
    Ganz einfach: Die Erstattung der Versicherung sind natürlich unter Einnahmen netto zu verbuchen - also ohne Umst.
    Die Kosten buchst Du mit Mwst. und Ausgaben. Somit ist die Differenz Aufwendung im Jahr der Reparatur. Hat natürlich Null Auswirkung auf die Afa, da Du das als sofort abzugsfähige Rep. Aufwendungen buchst.
    Mein FA hat das ohne Probleme/Nachfrage so akzeptiert.
    Die Erstattung der Ertragsausfälle sind natürlich auch Einnahmen!


    Gruß
    MBiker_Surfer

    Gruß
    MBiker_Surfer


    Elektrisch: Nikola Gotway 100V

  • Mit den Feldnummern ... da bin ich nicht so der Fanatiker. Aber schauen wir mal:


    Die Versicherungsleistungen sind "nicht steuerbare" Betriebseinnahmen. Die sind aber nach meiner Erinnerung im gleichen Feld in der EÜR wie die steuerfreien.


    So leid es mir nun tut.... ich bin jetzt der Überbringer der schlechten Kunde:
    Objektiv liegt hier ein neues Wirtschaftsgut vor.
    Du schreibst den Restbuchwert des alten Wirtschaftsgutes ab. Teilwertabschreibung nach Zerstörung.
    Und setzt die Kosten (die ca. 17.000) als AHK eines neuen Wirtschaftsgutes an - und schreibst über neue 20 Jahre ab.


    Bei dem Wertgefüge hätte man da auch im "grauen Bereich" nichts drehen können.



    "Versuch macht kluch" ist eine durchaus berechtigte Strategie.
    Versuch die 17.000 Euro als Reparaturkosten anzusetzen - und warte was passiert.
    Vielleicht hast Du Glück. Das sei Dir von Herzen gegönnt.
    Aber stell Dich drauf ein, dass es schief geht. Objektiv gibt's hier nichts zu diskutieren. (Komm jetzt auch nicht mit "die alten Kabel werden aber weiter verwendet. Das ändert auch nichts. Die wesentlichen Bestandteile sind neu. Das ist das alte Lehrbuchbeispiel von der Generalüberholung und des Austauschs eines Backofens beim Bäcker.)

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Zitat von kpr

    Objektiv liegt hier ein neues Wirtschaftsgut vor.


    "Versuch macht kluch" ist eine durchaus berechtigte Strategie.


    Dass Du da natürlich recht hast, steht ausser Frage.
    Aber der 'Versuch' ist nicht strafbar :D - deswegen immer diesen Weg zuerst, sofern einem die dann entstehenden Rep.kosten in dem Jahr steuerlich auch was bringen.


    Ich bin gespannt, wie unser Repowering eingestuft wird. Objektiv ist es sonnenklar :D


    Gruß
    MBiker_Surfer

    Gruß
    MBiker_Surfer


    Elektrisch: Nikola Gotway 100V

  • Ich bin da eigentlich nicht gespannt.
    So sehr ich es dem TO als Individuum von Herzen wünsche, dass er nen Glückstag (und der Sachbearbeiter einen schlechten Tag) hat; dem Forum wünsche ich eigentlich, dass es zu einer objektiv richtigen Entscheidung kommt.
    Ansonsten finden wir hier schnell ein neues Thema, in dem immer wieder sinnloser Zündstoff geliefert wird.


    Das Ergebnis hängt hier nur von Dingen ab, die nichts mit der objektiven Rechtsgrundlage zu tun haben. Die Praxis kann der Theorie folgen - ist aber oftmals völlig entkoppelt. Da taugt kein Ratschlag mehr irgendetwas.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Hallo kpr,


    danke für deine Ausführungen. Dazu habe ich noch einige Fragen.


    1. Was hast du mit der Aussage „Bei dem Wertgefüge hätte man da auch im "grauen Bereich" nichts drehen können“ genau gemeint?
    (AHK der alten, defekten PV-Anlage: 50.000,00 € (netto), Restbuchwert zum 31.12.2015: 35.235,00 €; Kosten für Abbau der defekten Anlage, … und Kauf/Installation der neuen Anlage: 17.000,00 € (netto))


    2. Würdest du die Absetzung der Reparaturkosten in Höhe von 17.000,00 € versuchen oder gleich den von dir beschriebenen Weg (Teilwertabschreibung nach Zerstörung und Neuabschreibung des neuen Wirtschaftsgutes) gehen?


    3. Wie geht eine Teilwertabschreibung nach Zerstörung?

  • 1) "Grauer Bereich" = kluges ausschöpfen impliziter Spielräume bei der Rechnungslegung.
    Klassisches Thema wenn der Unternehmer versucht, aktivierungspflichtige Vorgänge als sofort abzugsfähigen Aufwand darzustellen. Das ist bei PV aber nicht so das Thema.
    Allenfalls mal bei der verspäteten Anschaffung eines SolarLoG oder so; aus 500 Euro kriegt man auch flott mal eine kleine Reparatur gemacht.


    2) Ich würde es nicht versuchen. Da habe ich meine ganz persönlichen Gründe die mit meiner beruflichen Funktion und meiner Reputation zu tun haben. Ich steht zwar durchaus auf BDSM; habe aber keine masochistische Ader. Ich finds nicht so prickelnd, von jemand eine Trainerstunde erteilt zu bekommen, der sich von seinem Weihnachtsgeld gerade mal nen Rollkragenpulli kaufen kann.
    Aber es ist ja auch völlig egal, was ich tun würde. Es geht darum, was Du tust.
    Wenn Du Ausschlag, Krätze und Mundgeruch bekommst, nur weil das FA Deiner Meinung nicht folgt und ein paar Fragen stellt; und das ganze dann in zwei Schriftsätze und einen abweichenden Bescheid mündet.......dann geh den objektiv richtigen Weg.
    Wenn Du kein Problem mit der Situation hast, dann probier es einfach aus. Nochmal: "Versuch macht kluch" ist eine völlig legitime Strategie.


    3) mein Excel fügt da ne Zeile unterhalb der Abschreibung ein, und dann steht da "Teilwertabschreibung nach Totalschaden / Blitzschlag". Fertig.
    Im Formular der FinVerw... keine Ahnung ob da eine separate Spalte für Normal- und Teilwertabschreibung ist.
    TW-AfA halt in Höhe des zuletzt ermittelten Restbuchwertes. Wenn die Kiste also im November den Todesstoss bekommen hat, dann wird bis Oktober normal abgeschrieben; dann kommt die TW-AfA in Höhe des RBW; der neue RBW ist dann Null und das WG scheidet (ergebnisneutral) aus.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Das ist steuerlich wohl der GAU, enormer Verlust in einem Jahr und in den Folgejahren erheblich höherer Gewinn.

    Zitat von kpr

    ... als AHK eines neuen Wirtschaftsgutes an - und schreibst über neue 20 Jahre ab.


    Muß man wirklich auf 20 Jahre gehen? Voraussichtliche Nutzungsdauer wäre doch eher bis Ende EEG.
    Sonst geht der GAU ja weiter, nach dem EEG hat man (voraussichtlich) noch jahrelang nennenswerte Verluste aus der AfA.

  • naja.... abzuschreiben ist auf die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer.
    In der Praxis bedeutet dies: Sofern Du nicht Erfahrungswerte dokumentiert hast, wie lange eine Anlage in Deinem Unternehmen üblicherweise genutzt wird, gilt die amtliche AfA-Tabelle.


    Ich seh da keinen praktischen Ansatz, irgendwie drumherum zu kommen.


    Um die Folgen berechnen zu können, müsste man mal wissen, welchen RBW die Anlage noch hat.


    Und was Verluste aus AfA angeht... die nehm ich gerne. Die sind bares Geld Wert.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Da der WR Teil der Gesamtanlage ist sollte man doch auch wieder deren Abschreibungdauer ansetzen können? Oder sehe ich das falsch?
    Man schreibt ja den (Anfangs-)Wechselrichter auch über 20 Jahre ab obwohl er (so die Mehrheitsmeinung) keine 20 Jahre durchhält!

    Servus
    Toni


    Luschenjagd aufgegeben.
    Elektrisch unterwegs mit Leaf II