Welche Dachform beim Neubau mit PV

  • Hallo liebe Gemeinde,


    wir sind gerade bei der Hausplanung und möchten gerne eine PV Anlage auf dem Dach haben.
    Da wir uns sowieso nicht entscheiden können, ob wir ein Zeltdach oder Walmdach haben wollen, suchen wir jetzt Vor- und Nachteile, wobei natürlich die PV Anlage auch berücksichtigt werden soll.


    Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass man bei einer 3 seitigen Belegung eines Zeltdaches, eine gleichmäßigere Ausbeute erzielen könnte.
    Der klare Vorteil eines Walmdaches ist ganz klar die große, nach Süd-(-West oder-Ost???) gerichtete Seite.
    Im Sommer kann es wohl aber auch gut dazu kommen, dass die Anlage zu heiß wird und sich abschaltet.
    Könnte es daher eventuell besser sein, wenn man eine nicht optimale Ausrichtung hat, aber dadurch eine breitere und gleichmäßigere Ausbeute?
    Geheizt soll das Haus mit einer Erdwärmepumpe werden und stehen wird es nähe Braunschweig, falls das von Bedeutung ist.


    Ich wäre euch über eure Hilfe und Erfahrungen sehr dankbar.



    Mit besten Grüßen
    Judyyy


  • Wir reden doch hier von einer PV-Anlage? Eine PV-Anlage schaltet sich nur ab, wenn es zu dunkel ist.


    Die Anlagen, die sich bei zu viel Wärme abschalten, sind Solarthermieanlagen. Wenn das Wasser im Puffer/WW-Speicher seine maximale Temperatur erreicht hat, dann wird die Umwälzpumpe abgeschaltet, das Wasser-Frostschutzgemisch im Kollektor verdampft, der Kollektor leert sich. Die Anlage stagniert.


    Zur Dachform, kommt darauf an, was man möchte. Steht die Optik im Vordergrund oder die PV.


    Wenn PV, dann ein großes Pultdach nach Süden. Ein Satteldach Ost/West ist auch gut. Bietet immerhin doppelt so viel für PV nutzbare Fläche wie ein Satteldach nach Nord/Süd.


    Wenn die Optik im Vordergrund steht, dann muss man eben damit leben, dass auf das schöne Dach nicht so viel PV passt.

  • Zitat von Judyyy


    Könnte es daher eventuell besser sein, wenn man eine nicht optimale Ausrichtung hat, aber dadurch eine breitere und gleichmäßigere Ausbeute?


    Eine "nicht optimale Ausrichtung " bedeutet im Vergleich zum optimalen Süddach immer Verluste beim Ertrag.


    Ich würde ein Krüppelwalmdach bauen weil es mir persönlich gut gefällt (und in meiner Heimat gut passt :wink: ) und eine große, nach Süden ausgerichtete Dachfläche für eine PV-Anlage bietet. Aber das muss jeder für sich entscheiden, man muss nunmal Kompromisse machen wenn`s um Optik vs. Technik geht.

    mit freundlichem Gruß
    smoker59

  • Hallo Donnermeister1,


    Danke für deine Antwort.
    Achso, dann habe ich das falsch verstanden, aber zu heiß können sie trotzdem werden und damit Verbunden, einen Leistungsverlust erleiden, oder?


    Naja da das Haus in einem alten Dorfkern errichtet wird, müssen wir uns der Umgebung anpassen. Ein Flach oder Pultdach fliegt leider schonmal ganz raus. Ein Satteldach wollen wir nicht und mit einem Zelt- oder Walmdach könnten wir optisch gut mit leben.


    Gruß
    Judyyy

  • Naja was bei dem Einen optimal ist, könnte in einem Anderen wieder nicht optimal sein.
    Bei einem Zeltdach hätte die Wärmepumpe eventuell morgens Strom von der Ostseite und abends von der Westseite. Aber vielleicht reichen die Erträge bei weitem nicht dafür aus. Darum bin ich hier um das zu erfahren. :mrgreen:


    Wenn wir uns für ein Walmdach entscheiden würden, dann lieber die Hauptseite zur Süd-Ostseite (Bild 2) oder Süd-West (Bild 3) ???


    Vielen Dank schon einmal im Voraus.



    Judyyy

  • So aus dem Bauch heraus, Bild drei und beide Seiten dann voll belegt. Die Sat-Schüssel kommt eh nach Süden, da WP, kein Kamin notwendig, somit keine Schattenwerfer. Wie gesagt, reine Bauchentscheidung. Aber da gibt es im Forum berufene Foristen, die das mit PVGIS nachprüfen.


    Zur Erdwärmepumpe, nur mal so aus Interesse, was ist da geplant? Schon mal etwas von Grabenkollektor, Betonkernaktivierung, Schwedenplatte gehört? Mal nach den Begriffen googlen, könnte vielleicht etwas für euch sein.


    Ach so, mit dem Gedanken, dass das Haus mit PV geheizt wird, solltet ihr nicht allzu warm werden. PV-Ertrag und Heizungsbedarf verhalten sich nämlich umgekehrt proportional.

  • So ein Zeltdach ist doch von der Flächenausnutzung so ziemlich das Schlimmste, was einem PV-Erbauer passieren kann. Dreiecke mit Rechtecken auszufüllen, geht einfach nicht vernünftig :D Da verschenkst du viel zu viel Dachfläche.
    Deshalb ebenfalls die 2.

  • Zitat

    Zur Erdwärmepumpe, nur mal so aus Interesse, was ist da geplant? Schon mal etwas von Grabenkollektor, Betonkernaktivierung, Schwedenplatte gehört? Mal nach den Begriffen googlen, könnte vielleicht etwas für euch sein.


    Ja die Begriffe sind mir bekannt, da ich mich mit den Heizsystemen schon etwas länger beschäftige als mit PV...alles schön der Reihe nach :mrgreen: Endgültig entschieden haben wir uns aber auch noch nicht. Morgen steht ein Gespräch mit unserem Architekten/Energieberater an. Da werde ich die Themen noch einmal ansprechen aber Danke für die Hinweise.


    Zitat

    Aber da gibt es im Forum berufene Foristen, die das mit PVGIS nachprüfen.


    Wo finde ich denn diese Damen oder Herren? :mrgreen:


    Zitat

    So ein Zeltdach ist doch von der Flächenausnutzung so ziemlich das Schlimmste, was einem PV-Erbauer passieren kann. Dreiecke mit Rechtecken auszufüllen, geht einfach nicht vernünftig :D Da verschenkst du viel zu viel Dachfläche.


    Wenn man bei einem Zeltdach 3 Seiten auslegen würde, käme man wahrscheinlich auf eine größere Modulanzahl, als wenn man nur eine Hauptseite, bei einem Walmdach belegen würde. Wobei mich wieder 2 andere Fragen beschäftigen...


    1. PV Module haben ja Leistungsverluste mit der Zeit (20-25 Jahre). Hängt das mit dem Alter und Ermüdungserscheinungen des Materials zusammen oder halten "nicht oft beanspruchte Module" (durch einer nicht optimalen Lage) länger?


    2. Kann man die Module auch problemlos quer verlegen? Ich habe schon einige Bilder davon im Internet gesehen oder sind das spezielle für die Horizontalverlegung?


    Vielen Dank schon einmal im Voraus.



    Mit besten Grüßen
    Judyyy

  • Hallo Judyyy,
    Degradation ist sehr gering und wird meist Diffussionsprozessen in den Zellen zugeschrieben. Nachdem die so gering sind, ist eine Abhängigkeit von der Einstrahlung meines Wissens nicht bekannt, sicher nicht in einer Größenordnung, die praktisch relevant ist. Ich rechne mit 0,3% Degradation pro Jahr.


    Querverlegung ist möglich. Je nach Dach braucht man ein zweilagiges Untergestell. Ist aber alles einfach machbar.


    Vom Dach her ist ein Zeltdach denkbar ungünstig. 3 Ausrichtungen verursacht Kosten beim Wechselrichter, der dann 3 getrennte MPPT Eingänge braucht (Maximum Power Point Tracking = Leistungsoptimierung).


    Für PV ideal is bei Euch mit den gegebenen Einschränkungen entweder:
    - Walmdach Ost West, wenn ihr auch über 10 kWp gehen wollt
    - Walmdach mit einer großen Dachfläche Süd oder Südwest, wenn knapp 10 kWp Platz haben und man nicht über 10 kWp kommen will


    Ab 10 kWp zahlt man 40% der EEG Umlage auf den Eigenverbrauch. 11 kWp baut man deswegen meist nicht, aber 14+ können wieder lohnend sein.


    Gruß
    Jochen

    14,8 kWp Solar Fabrik / Fronius
    23 kWp Bosch / Danfoss
    55 kWp Frankfurt Solar / Danfoss
    30 kWp Yingli / SolarEdge
    15,8 kWp Bosch / SMA
    Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Helianthus Solar GmbH