Übertragung Einspeiseanspruch Altmodule

  • Hallo!
    auf ebay und anderswo wird munter mit Altanlagen gehandet, zum Teil zu happigen Preisen.
    Dazu meine Fragen:


    Kann ein Einspeiseanspruch überhaupt so ohne weiteres auf andere Module "übertragen" werden?


    Fall a) der Betreiber erklärt seine (technisch einwandfreie) Anlage zur Eigenverbrauchsanlage ohne EEG-Anspruch und bietet quasi den "nackten" Einspeiseanspruch mit entsprechender Restlaufzeit an


    Fall b) die Altanlage wird gestohlen, durch Feuer oder andere Havarie zerstört, die Ersatzanlage soll aber nicht am gleichen Standort und nicht vom gleichem Betreiber errichtet werden - also quasi ein Verkauf des Wiedererichtungsanspruchs...


    Fall c) Die funktionierende Anlage muß aus verschiedenen Gründen abgebaut werden, der Wiederaufbau woanders ist aber suboptimal - muß sie dann an einem neuen Standort erst ein paar Tage pro forma laufen, bevor sie "repowert" werden kann - oder kann man gleich eine Neuanlage mit gleicher Leistung an einem anderen Standort bauen und die Vergütungshöhe und Restlaufzeit der Altanlage mitnehmen?


    Welche Nachweise ( Inbetriebsnahmenachweise, Einspeiseabrechnungen etc.) brauche ich jeweils für obige Fälle vom Verkäufer, damit das mit der Übertragung der Altvergütung problemlos funktioniert? Und sind Altanlagen alle irgendwo lückenlos dokumentiert, so das man selber (oder der Netzbetreiber) zuverlässig nachfragen kann, ob der Vergütungsanspruch sauber übertragen wird - oder der Verkäufer vielleicht gleich 10 Kunden den Vergütungsanspruch von ein und derselben Anlage angedreht hat...



    Und in diesem Zusammenhang tut sich noch eine weitere (juristische) Falle auf:


    1. Ein Selbermacher baut sich eine kleine Anlage aus älteren "Schnäppchenmodulen" zusammen - das kann dann alte Lagerware sein = aktueller EEG-Anspruch oder aber Gebrauchtmodule aus Repowering = kein EEG-Anspruch. Sieht man dem Modul nicht unbedingt an (falls es nicht völlig vergammelt ist). Was tun? Guckt in der Praxis kein Netzbetreiber genau hin, wenn jemand eine 2 KW-Minianlage neu anmeldet, oder kann man richtig Probleme bekommen, wenn man keine Rechnungen über "fabrikfrische" Module vorzeigen kann?


    2. Wenn in älteren Anlagen ein einzelnes Modul schwächelt, gibt es als Ersatz oft nur Gebrauchtware. Tauscht man normalerweise ja einfach so aus, ist EEG-konform und der Netzbetreiber kriegt es auch gar nicht mit, aber theoretisch könnte man ja ein Gebrauchtmodul erwischen, das bereits als "Repowering-Ware" sein EEG-Anspruch verloren hat oder als Gebrauchtmodul ein anderes Inbetriebnahmedatum und damit eine andere Vergütung hat - abrechnungstechnisch ein Albtraum, wenn ich bei einer Anlage mit 30 Modulen ein oder 2 Exemplare mit einer anderen Vergütungshöhe dazwischen habe . Gibt es im EEG für Reparaturen/Ersatzbeschaffung im Kleinmaßstab eine Ausnahme oder Kulanzregelung - oder bricht dann ein Papierkrieg aus.... ?
    Oder ich habe als Ersatz Neuware, aber das Teil hat dann z.B. 280 W statt der alten 250 W - darf ich dann fein säuberlich die 30 W Mehrleistung immer rausrechnen und mit der aktuellen Neuvergütung berechnen oder ist es bis zu einer gewissen Mehrleistung (z.B. 2 % der Gesamtanlage) noch egal?


    Grüßle!


    Kleinstromer

    ca. 30 KWp, SW 215 poly, 3 x Sunways NT 10000

  • Zitat von Kleinstromer

    Kann ein Einspeiseanspruch überhaupt so ohne weiteres auf andere Module "übertragen" werden?


    Nein, nicht so "ohne weiteres"....



    Zitat

    Fall a) der Betreiber erklärt seine (technisch einwandfreie) Anlage zur Eigenverbrauchsanlage ohne EEG-Anspruch und bietet quasi den "nackten" Einspeiseanspruch mit entsprechender Restlaufzeit an


    Nein, das geht natürlich nicht. Der Einspeiseanspruch bzw. die vergütung "klebt" an den Modulen.



    Zitat

    Fall b) die Altanlage wird gestohlen, durch Feuer oder andere Havarie zerstört, die Ersatzanlage soll aber nicht am gleichen Standort und nicht vom gleichem Betreiber errichtet werden - also quasi ein Verkauf des Wiedererichtungsanspruchs...


    Auch das geht nicht, die Anlage muss am alten Standort erst wieder aufgebaut werden.

    Zitat

    Fall c) Die funktionierende Anlage muß aus verschiedenen Gründen abgebaut werden, der Wiederaufbau woanders ist aber suboptimal - muß sie dann an einem neuen Standort erst ein paar Tage pro forma laufen, bevor sie "repowert" werden kann - oder kann man gleich eine Neuanlage mit gleicher Leistung an einem anderen Standort bauen und die Vergütungshöhe und Restlaufzeit der Altanlage mitnehmen?


    Nein, siehe oben. Erst aufbauen, dann repowern.


    Zitat

    Welche Nachweise ( Inbetriebsnahmenachweise, Einspeiseabrechnungen etc.) brauche ich jeweils für obige Fälle vom Verkäufer, damit das mit der Übertragung der Altvergütung problemlos funktioniert? Und sind Altanlagen alle irgendwo lückenlos dokumentiert, so das man selber (oder der Netzbetreiber) zuverlässig nachfragen kann, ob der Vergütungsanspruch sauber übertragen wird - oder der Verkäufer vielleicht gleich 10 Kunden den Vergütungsanspruch von ein und derselben Anlage angedreht hat...


    Alle Altanlagen mit Anspruch auf Einspeisevergütung sind beim VNB und bei der BNA dokumentiert, es sollte also kein Problem sein einen erforderlichen Nachweis zu erbringen.


    Zitat

    1. Ein Selbermacher baut sich eine kleine Anlage aus älteren "Schnäppchenmodulen" zusammen - das kann dann alte Lagerware sein = aktueller EEG-Anspruch oder aber Gebrauchtmodule aus Repowering = kein EEG-Anspruch. Sieht man dem Modul nicht unbedingt an (falls es nicht völlig vergammelt ist). Was tun? Guckt in der Praxis kein Netzbetreiber genau hin, wenn jemand eine 2 KW-Minianlage neu anmeldet, oder kann man richtig Probleme bekommen, wenn man keine Rechnungen über "fabrikfrische" Module vorzeigen kann?


    Der "Selbermacher" braucht für die IBN einen beim VNB zugelassenen Elektroinstallateur der für die verbauten Teile und den korrekten Aufbau unterschreibt. Bei/vor der IBN möchte der VNB i.d.R. den Herskunftsnachweis der Komponenten sehen. Schummeln ist also nicht ganz so einfach wie du dir das vorstellst.


    Zitat

    2. Wenn in älteren Anlagen ein einzelnes Modul schwächelt, gibt es als Ersatz oft nur Gebrauchtware. Tauscht man normalerweise ja einfach so aus, ist EEG-konform und der Netzbetreiber kriegt es auch gar nicht mit, aber theoretisch könnte man ja ein Gebrauchtmodul erwischen, das bereits als "Repowering-Ware" sein EEG-Anspruch verloren hat oder als Gebrauchtmodul ein anderes Inbetriebnahmedatum und damit eine andere Vergütung hat - abrechnungstechnisch ein Albtraum, wenn ich bei einer Anlage mit 30 Modulen ein oder 2 Exemplare mit einer anderen Vergütungshöhe dazwischen habe . Gibt es im EEG für Reparaturen/Ersatzbeschaffung im Kleinmaßstab eine Ausnahme oder Kulanzregelung - oder bricht dann ein Papierkrieg aus.... ?


    Beim Ersatz eines defekten Moduls wird dessen Vergütung "übernommen", es ist also völlig egal ob, und wenn ja welche Vergütung das neue, gebrauchte Modul vorher hatte.



    Zitat

    Oder ich habe als Ersatz Neuware, aber das Teil hat dann z.B. 280 W statt der alten 250 W - darf ich dann fein säuberlich die 30 W Mehrleistung immer rausrechnen und mit der aktuellen Neuvergütung berechnen oder ist es bis zu einer gewissen Mehrleistung (z.B. 2 % der Gesamtanlage) noch egal?


    Wenn du statt 250 Wp 280 Wp verbaust hast du eine neue Anlage mit 30 Wp :idea:
    Die musst du natürlich neu anmelden, mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen :wink:

    mit freundlichem Gruß
    smoker59

  • Zitat

    Fall b) die Altanlage wird gestohlen, durch Feuer oder andere Havarie zerstört, die Ersatzanlage soll aber nicht am gleichen Standort und nicht vom gleichem Betreiber errichtet werden - also quasi ein Verkauf des Wiedererichtungsanspruchs...


    Auch das geht nicht, die Anlage muss am alten Standort erst wieder aufgebaut werden.


    Dann haben ja alle Anlagenbesitzer ein riesengroßes Problem, bei denen durch eine Havarie nicht nur die Anlage, sondern auch das Gebäude unter der PV zerstört wurde - wenn das Gebäude (aus welchen Gründen auch immer ) nicht mehr oder nicht wieder am gleichen Platz aufgebaut wird ?? Oder kann ich in einem solchen Fall mit der Ersatzanlage auch woanders hin?


    Diese Konstellation dürfte gar nicht so selten sein, wenn die PV auf älteren Scheunen, Lagerhallen etc. installiert wurde und die Bude später abbrennt, ist kein Geld oder Interesse für ein Neubau da....


    Gruß!


    Kleinstromer

    ca. 30 KWp, SW 215 poly, 3 x Sunways NT 10000

  • Zitat von Kleinstromer


    Diese Konstellation dürfte gar nicht so selten sein, wenn die PV auf älteren Scheunen, Lagerhallen etc. installiert wurde und die Bude später abbrennt, ist kein Geld oder Interesse für ein Neubau da....


    Ist aber so. Kein Gebäudewiederaufbau mit PV-Anlage -> keine Einspeisevergütung :idea:

    mit freundlichem Gruß
    smoker59

  • Bisher nicht, war aber ernsthaft am überlegen! Und meine Fragen sind zwar theoretisch, decken aber die verschiedensten Fälle ab, zu denen Altanlagen bisweilen angeboten werden.
    Da aber das Thema wohl ein juristisches Minenfeld ist, funktioniert relativ sicher nur die Konstellation, wo eine Altanlage physisch an einen neuen Standort umzieht und dort längere Zeit weiterbetrieben wird - von allen anderen Konstrukten sollte man die Finger lassen...


    Meine letzte Frage wiederum ist von hohem allgemeinen Interesse und hätte ich so nicht vermutet, das im Havariefall und Nichtwiederherstellung des Standortgebäudes der EEG-Anspruch weg ist! Das kann dann ein finanzielles Desaster (bis zur Privatinsolvenz) werden, wenn teuer gebaute Altanlagen im Havariefall von der Versicherung nur zum Wiederherstellungspreis erstattet werden!


    Gruß!


    Kleinstromer

    ca. 30 KWp, SW 215 poly, 3 x Sunways NT 10000

  • Zitat von smoker59


    Ist aber so. Kein Gebäudewiederaufbau mit PV-Anlage -> keine Einspeisevergütung :idea:


    Warum sollte das denn so sein? Rein theoretisch könnte man sie an gleicher Stelle auf dem Boden aufbauen... damit ändert sich die Einspeisevergütung auf Freiflächenanlagenniveau, dann abbauen und an neuer Stelle auf dem Dach wieder aufbauen. Damit wechselt sie wieder zur Dachvergütung.


    Wenn man mit dem neuen Netzbetreiber darüber spricht, wird er vielleicht auf diesen Umweg verzichten...

  • Zitat von Kleinstromer

    Meine letzte Frage wiederum ist von hohem allgemeinen Interesse und hätte ich so nicht vermutet, das im Havariefall und Nichtwiederherstellung des Standortgebäudes der EEG-Anspruch weg ist! Das kann dann ein finanzielles Desaster (bis zur Privatinsolvenz) werden, wenn teuer gebaute Altanlagen im Havariefall von der Versicherung nur zum Wiederherstellungspreis erstattet werden!


    Ich kenne einen solchen Fall, bei dem ein Landwirt eine abgebrannte Scheune zunächst nicht wiederhergestellt hat und versucht hat die "Anlage" bzw. die Einspeisevergütung der Anlage zu verkaufen. Die abgebrannte Scheune brauchte er in der Form nicht mehr, die stand eigentlich nur noch wegen der PV-Anlage.
    Hat natürlich nicht funktioniert und nach 2 Jahren hin und her überlegen hat er sich entschlossen doch wieder ein Gebäude am alten Platz zu errichten. Das war zwar wesentlich kleiner als die ursprüngliche Scheune und eigentlich nur so eine Art offenes, übergroßes Carport (mit optimaler Südausrichtung, versteht sich :wink: ) aber die Leistung der alten Anlage passte drauf (klar, wo vorher 55 Wp DS-Module drauflagen kamen dann normale 250er Poly`s zum Einsatz 8) ).

    mit freundlichem Gruß
    smoker59