Steuern beim Hauskauf mit bestehender PV Anlage

  • Hallo zusammen,


    ich bin seit vergangenem Samstag Besitzer einse Hauses auf dessen Dach eine PV Anlage ist. Leider war mir vor dem Kauf nicht klar was das Steuerrechtlich bedeutet und ich habe mich entsprechend noch um nichts gekümmert, daher versuche ich jetzt herauszufinden was zu tun ist:


    Die Übergabe des Hauses erfolgte am 24.09.2016, Grundbuch ist noch nicht eingetragen (spielt das hier eine Rolle?)
    Der Einspeisungsvertrag ist vom November 2011, die Inbetriebnahme erfolgte im März 2012.
    (Beide Daten weniger als 5 Jahre her)
    Der Strom aus der Anlage wird komplett eingespeist (keine Eigennutzung)
    Die Einspeisevergütungen der Anlage hatten bisher ausgewiesene Mehrwertsteuer.


    Es gibt keinen seperaten Vertrag zum Verkauf der Anlage (sie war beim Haus "dabei")
    Leider stellen sich mir nun viele Fragen:
    1) Habe ich es richtig Verstanden das ich falls ich die Kleinunternehmerregelung zur Versteuerung wähle hier eine Vorsteuerkorrektur (?) durchgeführt wird und mich das ganze eher teuer kommt?
    2) Wäre also die "reguläre" Versteuerung das richtige?
    2b) Hierzu muss ich einen Fragebogen zur Steuerlichen Erfassung an mein zuständiges Finanzamt senden, geht das auch Online?
    3) Muss ich tatsächlich Monatlich dem Finanzamt sagen das ich im betreffenden Monat meinen gleichbleibenden Abschlag vom Energieversorger erhalten habe? Lässt sich das vereinfachen?
    4) Der ursprüngliche Kaufpreis der Anlage ist mir bekannt. Kann ich den Kaufpreis einfach "weiter" zu 5% Jährlich als Kosten der Anlage abschreiben?


    Vielen Dank schon einmal für sachdienliche Hinweise. Speziell zu diesem Kaufszenario fand ich bisher nur hinweise das es schwierig sei, genause tipps wie damit umzugehen ist leider nicht.

  • Zitat von FrzME

    Der Strom aus der Anlage wird komplett eingespeist (keine Eigennutzung)


    Würde ich wohl schnellstens ändern.


    zu 1) Da sich bei dir durch die KUR die Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug ändern würden, müsstest du die Vorsteuer anteilig zurück zahlen. Für jeden Monat, der an 60 Monate fehlt 1/60.
    zu 2) Richtig oder falsch kann man so nicht sagen. Ist deine unternehmerische Entscheidung. Du hättest mit KUR keine Vorteile.
    zu 3) Nein, du musst es nicht sagen. Du musst monatlich schriftlich (bzw. online) eine Umsatzsteuervoranmeldung anbeben.

  • zu 4) Versuch macht kluch. Möglicherweise stösst sich niemand dran - und dann ist das auch ein ordentliches Ergebnis.
    Die Chancen: 50:50.


    Richtig:
    Es wäre .. praktisch gesprochen... der Marktwert des Hauses (ohne Anlage) und der Anlage zu ermitteln. Im Verhältnis der Marktwerte wäre der Kaufpreis aufzuteilen.


    Die Vorgehensweise ist immer dann erforderlich, wenn der Kaufpreis einen goodwill oder badwill enthalten hat; also entweder weit über eigentlichem Markwert oder weit darunter abgeschlossen wurde. (Z.B. weil Dein Herz an genau DIESER Immobilie hing... oder aber der Verkäufer einen Notverkauf vornehmen musste - und Du weit und breit der einzige warst, der bereit war, außer Hosenknöpfen auch noch Euros herzugeben.)


    Sofern sich hierfür kein offensichtliches Indiz ergibt... läuft es in der praxis darauf hinaus, dass die Anlage mit dem Marktwert bewertet wird.


    Du hast uns leider das Baujahr der Anlage nicht verraten. Deswegen kann man leider gar nichts schätzen.
    Im Prinzip läuft es darauf hinaus, dass Du alle künftigen zu erwartenden Zahlungsströme auf den Erwerbszeitpunkt abzinst.
    Das Hauen und Stechen geht dann beim Zinssatz los. Das FA schwebt in höheren Renditesphären die nur die Lügner erzielt haben (damit ein kleiner Kaufpreis rauskommt) - Du wirst argumentieren, dass Du überhaupt nix anzulegen hast (und wenn.. es gäbe nix dafür).(damit ein hoher Kaufpreis und somit viel Afa-Volumen rumkommt). Man könnte sich beim Durchschnittszins Deines Immobilienkaufs treffen.



    Viel konkreter gehts nicht. wir sind hier nicht in der Arbeitnehmerveranlagung - wo es in 99,999% der Fälle ein eindeutiges "richtig" und "falsch" gibt; Du tummelst Dich in einem einfachen Fall der Unternehmensbewertung. Da gibt es "Denkgesetze", "Grundüberlegungen"..... aber alles andere ist dann "freestyle".

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Vielen Dank schonmal!


    Ich habe gerade mit einer Frau vom Finanzamt telefoniert, die sagte mir das eine mögliche Vorsteuerkorrektur zu lasten des vorherigen Betreibers fällt - nicht zu meinen Lasten - erscheint mir auch logisch, deckt sich aber nicht mit dem was ich bisher gelesen habe - was stimmt nun?


    Ebenfalls sagte sie das - da ich keine Rechnung mit ausgewiesener MWSt auf meinen Namen habe - ich erstmal nichts für die Vorsteuer angeben könnte und ich somit vermutlich nur geringe Vorteile aus einer regulären Versteuerung ziehen könne. Das klingt erstmal richtig, lässt sich hier noch etwas optimieren?



    Zitat von donnermeister1


    Würde ich wohl schnellstens ändern.


    Warum das? Mein Gefühl sagt mir auch das das besser sei, die Einspeisevergütung ist aber scheinbar eher gut mit ~24Cent/kWh


    Zitat von kpr

    Du hast uns leider das Baujahr der Anlage nicht verraten. Deswegen kann man leider gar nichts schätzen.


    Muss ich leider auch Raten - da aber die Inbetriebnahme im März 2012 war würde ich auch darauf tippen das die Fertigstellung der Anlage Anfang 2012 war.

  • Zitat von kpr


    Sofern sich hierfür kein offensichtliches Indiz ergibt... läuft es in der praxis darauf hinaus, dass die Anlage mit dem Marktwert bewertet wird.


    Gibt es irgendwelche Tabellen und/oder Statistiken, um den Marktwert einer Bestandsanlage zu ermitteln?


    Da die Anlage ja an ein Dach montiert ist, ist es doch nicht ohne weiteres möglich, dafür einen Käufer zu finden. Weiterhin hätte ein potentieller Käufer auch Beschränkungen bei der Nutzung. So kann er zB keinen Eigenverbrauch nutzen, da er ja nicht der "Letztnutzer" wäre. Das würde nur dann gehen, wenn er auch das Haus dazukauft UND selbst einzieht. das sollte doch einen Einfluss auf den Marktwert der EIGENSTÄNDIGEN Anlage haben, oder nicht?

  • Zitat von FrzME


    Ebenfalls sagte sie das - da ich keine Rechnung mit ausgewiesener MWSt auf meinen Namen habe - ich erstmal nichts für die Vorsteuer angeben könnte und ich somit vermutlich nur geringe Vorteile aus einer regulären Versteuerung ziehen könne. Das klingt erstmal richtig, lässt sich hier noch etwas optimieren?



    Warum das? Mein Gefühl sagt mir auch das das besser sei, die Einspeisevergütung ist aber scheinbar eher gut mit ~24Cent/kWh


    Die gute Frau hatte nur wenig Ahnung von PV, bei IBN3/12 hst du keinerlei Vorteile, wenn du KUR machst, außer einigen wenigen Formularen (die online auszufüllen sind).
    Zu klären wäre noch, ob es die einzige Anlage des Verkäufers war, dann war es eine Betriebsveräußerung im ganzen und da fällt sowieso keine Mehrwertsteuer an.


    Wie groß ist denn die Anlage? Die 3 Komma nochwas aus dem Profil? Dann bekommst du für jede selbst verbruachte kWh immer noch 8,05ct, der Strom kostest dich also 16,38ct/kWh netto bzw. 19,49 brutto, das dürfte kaum ein Versorger schlagen können. Bei der Anlagengröße hast du sogar gute Chancen über 30% des Strom selbst zu nutzen, der Anteil drüber kostet dich dann nur noch 12ct netto oder 14,28ct/kWh brutto.

  • Zitat von alterego


    Die gute Frau hatte nur wenig Ahnung von PV, bei IBN3/12 hst du keinerlei Vorteile, wenn du KUR machst, außer einigen wenigen Formularen (die online auszufüllen sind).
    Zu klären wäre noch, ob es die einzige Anlage des Verkäufers war, dann war es eine Betriebsveräußerung im ganzen und da fällt sowieso keine Mehrwertsteuer an.


    Die Frau hatte mir auch keine großen Vorteile mit KUR in aussicht gestellt nur eben auch keine großen Nachteile.
    Zwecks Betriebsveräußerung im ganzen: Die Anlage war die einzige Anlage des Verkäufers, er prüft gerade mit seinem Steuerberater wie sie genau deklariert war. Er meinte das sie über eine bereits bestehende GbR versteuert war (die nicht "nur" Stromlieferant ist) - in dem Fall würde ich denken das es keine "Betriebsveräußerung im ganzen" war (sondern mir die GbR ein Betriebsmittel verkauft hat - allerdings ist keine Rechnung auf die GbR ausgestellt)


    Zitat von alterego


    Wie groß ist denn die Anlage? Die 3 Komma nochwas aus dem Profil? Dann bekommst du für jede selbst verbruachte kWh immer noch 8,05ct, der Strom kostest dich also 16,38ct/kWh netto bzw. 19,49 brutto, das dürfte kaum ein Versorger schlagen können. Bei der Anlagengröße hast du sogar gute Chancen über 30% des Strom selbst zu nutzen, der Anteil drüber kostet dich dann nur noch 12ct netto oder 14,28ct/kWh brutto.


    Mir war es nicht bewusst das ich Geld für selbstgenutzen Strom bekomme, ich versuche mich hier einzulesen, das wäre ja durchaus ein nicht unerheblicher Mehrwert.
    Kann ich eine Umstellung auf Eigennutzung machen ohne meinen Einspeisevertrag/Vergütung zu gefährden?

  • Zitat von FrzME

    Mir war es nicht bewusst das ich Geld für selbstgenutzen Strom bekomme, ich versuche mich hier einzulesen, das wäre ja durchaus ein nicht unerheblicher Mehrwert.


    Deshalb meine Empfehlung umzustellen. Wenn du dann beim Einlesen bist, dann mach weiter beim Thema fiktive Volleinspeisung, Rücklieferung Direktverbrauch und UStAE 2.5.


    Zitat von FrzME

    Kann ich eine Umstellung auf Eigennutzung machen ohne meinen Einspeisevertrag/Vergütung zu gefährden?


    Ein Einspeisevertrag ist unnötig. Es gibt ein Gesetz (EEG) in dem alles geregelt ist. Mit einem Vertrag will dir dein Kunde nur Regelungen zu deinem Nachteil aufdrücken.


    Die Vergütung richtet sich immer nach dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme. Dieser Zeitpunkt ändert sich durch die Umstellung von Voll- auf Überschusseinspeisung nicht.

  • Die gute Frau sollte das Lehrgeld zurückzahlen. Wobei.. sie hat ja gar keines bekommen. Dich zu beraten - ist einfach nicht ihre Aufgabe. (Tip: Gehe nie zu Deinem Fürst - wenn Du nicht gerufen würst). (loder auch: Man steigt nicht mit dem Feind ins Bett).


    Du kannst Dich nun ausgehend vom UStAE ellenlang durch Kommentare wühlen.
    Du trittst in die steuerlichen Fussstapfen des Vorgängers. DU (nicht der Vorgänger) wechselt zur KUR; bei DIR (nicht beim Vorgänger) tritt die erforderliche "Änderung der für den Vorsteuerabzug maßgeblichen Verhältnisse ein". Und somit findet auch die Korrektur bei Dir statt.



    Die Vergütung gefährdest Du eigentlich nie (mit aller Vorsicht.. ist nicht mein Spezialgebiet. Aber eigentlich klebt die Vergütung am Inbetriebnahmedatum des Generatorenfeldes).
    Soweit ich weiß, gibt es aber keine Vergütung für den Direktverbrauch (mehr), wenn nach dem xx.xx.xx umgebaut wird. (ich tippe auf den 31.3.12)
    Aber das mögen andere kurz bestätigen - oder mir eins auf die Mütze geben, wenn ich das nur schlecht geträumt habe.


    Die Betriebsveräußerung im Ganzen ist objektive Tatbestandsfrage. Da gibt es eigentlich keine Wahlrechte.
    Das kann Dir aber auch reichlich egal sein. Denn selbst wenn es keine wäre, könntest Du keine Vorsteuer ziehen, weil Du keine Rechnung besitzt.
    Umgekehrt wird sich der Veräußerer mit Händen und Füßen wehren... weil wenn es keine ist, schuldet er die USt aus dem Erlös. Und plötzlich wird ein anderes Finanzamt einen viel viel höheren Wert für die Anlage schätzen... damit viel USt anfällt.



    Einer der Vorredner hat übrigens völlig Recht: Der einzige harte Vorteil den die KUR bietet, ist der Nebeneffekt, dass keine USt auf die unentgeltliche Wertabgabe mehr anfällt.
    Dummerweise gibt es bei Anlagen die vor dem 1.4.12 ans Netz gehen jedoch keine unentgeltliche Wertabgabe, die man umgehen könnte. Der Schuss geht ins Leere.
    (Bevor falsche Ideen keimen: Natürlich wird der Direktverbrauch dennoch der Umsatzsteuer unterworfen. Das funktioniert hier über den Trick einer fiktierten (steuerpflichtigen) Volleinspeisung und dem ebenso fiktierten (steuerpflichtigen) Rückkauf des Direktverbrauchs vom VNB. Die Steuer die auf dem Rückkauf lastet, ist eben nicht als Vorsteuer abzugsfähig (soweit sie nicht Deiner unternehmerischen Sphäre dient) - und an der Stelle sitzt der Besteuerungseffekt.
    Wenn Du zu KUR wechselst - ändert das überhaupt nichts daran, dass der Rückkauf vom VNB eine (beim VNB) steuerpflichtige Leistung bleibt).

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  • Zitat von kpr


    Die Vergütung gefährdest Du eigentlich nie (mit aller Vorsicht.. ist nicht mein Spezialgebiet. Aber eigentlich klebt die Vergütung am Inbetriebnahmedatum des Generatorenfeldes).
    Soweit ich weiß, gibt es aber keine Vergütung für den Direktverbrauch (mehr), wenn nach dem xx.xx.xx umgebaut wird. (ich tippe auf den 31.3.12)
    Aber das mögen andere kurz bestätigen - oder mir eins auf die Mütze geben, wenn ich das nur schlecht geträumt habe.


    Die Selbstverbrauchsvergütung ist Teil der EEG-Vergütung und ändert sich durch die Umstellung nicht.
    Allenfalls wäre zu prüfen ob EEG-Umlage fällig wird, bei 3,x kWp ist das aber (bis auf weiteres) nicht der Fall, egal wann man umstellt. Über 10kWp würden 40% bei Betreiberwechsel dann so oder so fällig, egal wann umgestellt wurde.