Warum sich für mich (noch lange) kein Speicher lohnt

  • Hallo zusammen,


    ich habe jetzt seit fast zwei Jahren eine 10 KWp PV Anlage und natürlich fände ich eine Speicherbatterie "sexy"! Je mehr Strom ich selbst produziere desto besser finde ich das. Aber: Es soll sich ja auch rechnen.


    Ich will hier übrigens nicht (noch eine) Diskussion lostreten ob Speicher sich rechnen oder nicht, sondern einfach die für mich gültige Rechnung publizieren um anderen Interessierten ein eventuell für sie hilfreiches Beispiel zu bieten. Denn: Eines jeden Situation ist individuell!


    Ich hatte vor etwa drei Jahren 4.500 Kwh Stromverbrauch pro Jahr.
    Durch verschiedene Maßnahmen (u.A. LED, Reduzierung Standby - Verbräuche) konnte ich diesen auf 3.600 Kwh pro Jahr reduzieren. Da geht also durchaus einiges.


    Mit der PV - Anlage kann ich genau 50% hiervon ersetzen. Die einzigen Maßnahmen, welche den Eigenverbrauch steigern, sind eine Zeitschaltuhr am Wasserbett (heizt jetzt nur noch zwischen 10 Uhr und 16 Uhr - das funktioniert ohne dass ich einen Unterschied im Kompfort feststelle) und ein wenig Disziplin (Spühlmaschine mit Zeitvorwahl, Waschmaschine ebenfalls oder wenn möglich nur am Wocheneinde mit ein wenig Wetterbericht prüfen - also ein wenig mehr Planen als vorher).


    Also beziehe ich jetzt noch 1.800 Kwh vom Energieversorger - zu 25 Cent = 450 EUR (der genaue Strompreis ist hier gar nicht so wichtig).


    Ich stelle fest:
    - Im Sommer beziehe ich noch (Nachts) 2 - 3 Kwh - ca. 70 Kwh pro Monat (mehr könnte die Batterie also auch nicht einsparen)
    - Im Winter produziert die PV - Anlage an sehr vielen Tagen nur sehr wenig (ich könnte also meinen Tagesbedarf auch mit Speicher nicht decken: 10 Kwh Verbrauch, 2-4 Kwh Produktion).


    Ich nehme nun an, ich könnte mit einer Batterie auf 70% Autarkie kommen:
    3.600 * 70% = 2.520 ==> Ich könnte also zusätzliche 720 Kwh selbst verbrauchen (2.520 - 1.800)
    Ich verkaufe diesen Strom heute für 12 Cent. Ich kaufe diesen Strom heute für 25 Cent.
    Also würde ich 13 Cent pro Kwh einsparen. Also 96,60 EUR.


    Ich nehme jetzt an, ich könnte auf 80% Autarkie kommen:
    Dann würde ich 140,40 EUR pro Jahr zusätzlich sparen.


    Wenn ich will, das meine Batterie sich in 10 Jahren amortisiert:
    Dann darf Sie zwischen 966 EUR und 1404 EUR kosten (je nachdem von welchem Autarkiegrad ich ausgehe).


    Also werde ich warten, bis ich eine Batterie mit einer Lebenserwartung von deutlich über 20 Jahren für deutlich unter 2.000 EUR Kosten in Betrieb nehmen kann oder sich andere Ramenbedingungen signifikant ändern, bevor ich diesen Gedanken weiter verfolge (Ihr denkt ja immer noch daran - ich wollte EIN - MEIN - Beispiel einfach einmal schildern - Diskussionen und andere Beispiele gibt es sicher zu Hauf).

  • Danke für die Vorstellung deines individuellen Szenarios!
    Der aus meiner Sicht wichtigste Satz ist:

    Zitat von lwinkelh

    Eines jeden Situation ist individuell!


    Nicht immer habe ich das Gefühl, dass die Individualität der Wünsche und Vorstellungen von Speicherinteressenten hier im Forum ausreichend gewürdigt wird.
    Auch wenn Speicher in den meisten Konstellationen nicht wirtschaftlich lohnend sind, so kann es auch individuelle Vorstellungen geben, bei denen sich Speicher 'lohnen', auch wenn sie sich nicht 'rechnen'. Im Forum scheint mir der 'rechnet sich nicht' Gedanke deutlich stärker repräsentiert. Was im Sinne der Aufklärung über teilweise wirklichtsfremde und wohl interessengeleitete Kalkulationen von Speicheranbietern durchaus gerechtfertigt sein mag. Aber einige Menschen haben noch mehr Beweggründe, als nur wirtschaftlich lohnende Anschaffungen zu tätigen.


    Dazu erlaube ich mir einen kleinen Offtopic Gedanken-Ausflug: Welche Klimaanlage im Auto hat sich schon gelohnt? Welche Wohnzimmereinrichtung hat sich schon gelohnt? Welche HiFi Anlage hat sich schon gelohnt? ...
    Wahrscheinlich viele, auch wenn sich keine 'gerechnet' hat ;-)

    StromAmpel - Ist Strom jetzt billig oder teuer, grün oder grau?

  • Zitat von lwinkelh

    Wenn ich will, das meine Batterie sich in 10 Jahren amortisiert:
    Dann darf Sie zwischen 966 EUR und 1404 EUR kosten


    Und was will uns das jetzt sagen?


    Pro nutzbarer kWh, oder ein 6kWh Speicher, oder....???


    1. sparst du keine 13ct, sondern 12,31 + ca. 4,5ct (Finanzamt). Also zu 25ct Bezug rund 8ct.!


    2. Darfst du nicht einfach so in eingesparten kWh rechnen, sondern musst dir zuerst eine Batteriegröße die auch 250mal im Jahr geladen werden kann, zu Grunde legen. D.h., wenn du 1000kWh aus dem Speicher p.a. nehmen willst muss sie gute 4kWh nutzbare Größe haben.
    In 10 Jahren also 10.000kWh aus der Batterie entspricht einer Strombezugsersparnis von 2500€. würde also max. 600€ Anschaffungskosten pro nutzbarer kWh entsprechen.
    Aber leider sparst du ja nur 8ct! und nicht 25ct. Somit würde sich die Batterie (4kWh) erst in >30 Jahren amortisieren.


    Das bedeutet, um in 10 Jahren bei NULL zu sein, darf der Speicher bei einer 4 kWh Batterie nicht mehr als 200€ pro nutzbarer kWh kosten.


    Grüße

    Gruß PV-Express


    Mit ZOE Z.E. 40 Beruflich unterwegs

    46 x Sunowe 195Wp Mono, SMA STP8000TL10, Ausrichtung - 40°Az, Dachneigung 35°, IBN 5/2012

  • Zitat von mdmd

    Dazu erlaube ich mir einen kleinen Offtopic Gedanken-Ausflug: Welche Klimaanlage im Auto hat sich schon gelohnt?


    Wenn durchs offene Fenster Kaltluft kommt, gar nicht. Wenn aber von draussen keine Warmluft kommen kann, dann ergibt das schon Sinn (also kein Stromanschluß vorhanden ;-) )

    Gruß PV-Express


    Mit ZOE Z.E. 40 Beruflich unterwegs

    46 x Sunowe 195Wp Mono, SMA STP8000TL10, Ausrichtung - 40°Az, Dachneigung 35°, IBN 5/2012

  • Zitat von mdmd


    Dazu erlaube ich mir einen kleinen Offtopic Gedanken-Ausflug: Welche Klimaanlage im Auto hat sich schon gelohnt? Welche Wohnzimmereinrichtung hat sich schon gelohnt? Welche HiFi Anlage hat sich schon gelohnt? ...
    Wahrscheinlich viele, auch wenn sich keine 'gerechnet' hat ;-)


    Das ist ein Scheinargument. Natürlich lohnt sich keine Klimaanlage, aber ich habe den Nutzen, angenehm temperiert zu fahren
    Es lohnt sich auch keine Hifi-Anlage, aber man hat den Nutzen, Musik so zu hören, wie man sich das vorstellt. D.h. ich kaufe mir Sachen, die sich nicht rechnen, um irgendeinen individuellen Nutzen davon zu haben, den ich sonst nicht hätte, aber den ich möchte.
    Beim Speicher sieht das aber ganz anders aus - er bringt mir was, was ich auch so (und billiger) hätte, also nicht den geringsten tatsächlichen Nutzwert.
    Da sind wir wieder bei der Almhütte: dort hätte man einen Nutzwert (Strom, den man sonst abends nicht hätte, wofür auch immer). Oder man muss keinen Sprit mehr nach oben buckeln, und da sind wir wieder bei der Klimaanlage im Auto: muss man nicht haben, ist aber schöner wenn man hat. Und dann ist man auch bereit bzw. macht es Sinn, dafür zu bezahlen.


    Ein weiterer Fall wären häufige Stromausfälle. Selbst wenn nicht bedrohlich, sind sie lästig. Dann ist man bereit, dafür zu zahlen, weil man den Nutzen hat (Stromausfälle können überbrückt werden) - haben wir aber auch nicht.


    Also, nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich.
    Man muss sich einfach eingestehen, dass es ein Hobby ist. Hobbys kosten i.a. auch Geld, und es macht ein gutes Gefühl. Das ist ja auch was wert irgendwie.

  • Zitat von mdmd

    Danke für die Vorstellung deines individuellen Szenarios!
    Der aus meiner Sicht wichtigste Satz ist:


    Nicht immer habe ich das Gefühl, dass die Individualität der Wünsche und Vorstellungen von Speicherinteressenten hier im Forum ausreichend gewürdigt wird.


    Also so individuell finde ich das Szenario nicht. Mein Szenario ist sehr ähnlich (mit etwas andren Verbräuchen und auch Einsparungen im Vorfeld) aber das Resultat ist exakt gleich.
    Bauchgefühlmäßig gehe ich davon aus, dass die "individuellen Szenarien" wo sich Speicher rein monitär überhaupt nicht lohnt zu 90% in der Mehrheit sind und eheher Standard sind als individuell.


    Und bezüglich Deiner Beispiels mit der Klimaanlage: Besser würde passen. Ich hab' mir 'ne Liveband gekauft, damit ich kein Radio mehr hören muss. Was aber auch nur im Sommer klappt, weil die spielen nur am Tage.

    9,6 kWp Talesun TP660P-240, SMA STP 8000TL-20; Ausr.: 70° (West); DN: 33°; seit 10/2012
    10,56 kWp Yingli YL240P-29b, SMA STP 10000TL-10; Ausr.: -110° (Ost); DN 33°; seit 01/2013


    „Wenn Weitblick ortsgebunden ist, kann es mit den Visionen auch nicht so weit her sein.“


  • Ich denke man kann Allgemein zu Speichern sagen, wann sich ein Speicher lohnt.
    1) Als Geldanlage wenn 8 Cent/kWh > Preis / "Gesamt Entnahme" (Strompreis 26c , 4c MwST , 12c EEG)
    2) Wenn kein Stromnetz verfügbar (Inselanlage)
    a) Und Diesel Generator teurer ist
    b) Aufwand Disel zu beschaffen zu hoch ist
    3) Wenn man auf eine USV Angewiesen ist die möglichst lange Überbrücken soll.
    -> Diesel ist Wartungsaufwändiger
    4) Mann es als Hobby ansieht
    5) Man die Umweltbilanz des Akkus im Vergleich zu anderen Energien als besser ansieht und man die Umwelt schonen will.


    Punkt 1 wurde hier mehrfach aus Unterschiedlichen Perspektiven aktuell verneint und das sollte jeder mit Taschenrechner oder Tabellenkalkulation nachprüfen können. Die anderen Punkte sind Individueller und muss jeder für Sich entscheiden.


    Wir haben uns entschieden Anstelle eines Akkus zu Versuchen Wäsche mehr in den Hellen Stunden laufen zu lassen.
    Außerdem ein paar Mechanische Schaltsteckdosen um Standby von Hifi+TV Anlage zu reduzieren. Damit sind wir von Mai bis jetzt auf 50% PV Anteil. Ich denke viel Interessanter als die Nte Wiederholung warum Akkus zu Teuer sind wären Kreative Vorschläge wie man Strom sparen kann.
    z.b. Ein Projekt das ein PI bestimmte Geräte abschaltet wenn ein Handy nicht im WLAN ist.
    Oder eine Netzschalter der Off kein Strom braucht aber mittels Signalleitung eingeschaltet werden kann.
    ...

    5,06 kWp, DN:35°, -27°SSO, Inbetriebnahme: 02.05.2016 ; PVGIS 4 Classic: 902kWh/kWp
    PVGIS-CM-SAF: 1010kWh/kWp

  • überschüssiger Solarstrom lässt sich sehr gut als Warmwasser speichern. Die Speicher dafür kosten fast nichts, denn die Warmwasserspeicher sind schon in fast jedem Haus vorhanden.
    Ein Batteriespeicher muss auch gar nicht mal so groß sein, dadurch bleibt auch der Preis niedrig.
    Und dann muß auch die Lade Entlade Steuerung passen bzw. induviduell einstellbar sein.
    und Energiesparen nachts kann doch auch nicht so schwer sein, es sei denn es muß nachts gearbeitet werden,
    unter 50W Grundverbrauch sollte doch zu schaffen sein ( Kühlgeräte mal nicht berücksichtigt).

    Alle sagten das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht, und hats einfach gemacht.

  • Zitat von Solar-Scout


    Wir haben uns entschieden Anstelle eines Akkus zu Versuchen Wäsche mehr in den Hellen Stunden laufen zu lassen.
    Außerdem ein paar Mechanische Schaltsteckdosen um Standby von Hifi+TV Anlage zu reduzieren. Damit sind wir von Mai bis jetzt auf 50% PV Anteil. Ich denke viel Interessanter als die Nte Wiederholung warum Akkus zu Teuer sind wären Kreative Vorschläge wie man Strom sparen kann.
    z.b. Ein Projekt das ein PI bestimmte Geräte abschaltet wenn ein Handy nicht im WLAN ist.
    Oder eine Netzschalter der Off kein Strom braucht aber mittels Signalleitung eingeschaltet werden kann.
    ...


    Das ist der eigentlich entscheidende Punkt. Denn selbst wenn Speicher - weniger Verbrauch sollte immer der erste Weg sein. Denn danach kann der Speicher kleiner ausfallen.
    Ich habs hier zwar noch nicht gelesen, aber das ist sicher ausführlich behandelt worden. Mein Verbrauch ist von über 6000kWh (!, das war der Punkt aufzuwachen) 5Personen, EFH auf rund 3300 gesunken, mit rel. wenig Aufwand und ohne Einschränkungen. Man muss sich nur mal ranmachen und anfangen Detektiv zu spielen, das macht sogar Spass und man muss aufpassen, dass es nicht zur Manie wird :mrgreen: Die dicken Dinger zuerst und dann der scheinbar unerschöpfliche Kleinkram.
    Und wenn man sich mal vor Augen führt, das jedes einzelne läppische Watt Dauerleistung letztendlich ca. einen Tagesbedarf des Jahres darstellt, kriegt man den Hass, wenn man feststellt, dass eine "ausgeschaltete" Bose123 dauerhaft 23W frisst. Nur weil die Herren dort ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben (bzw. zu sehr mit Geldverdienen beschäftigt waren und deshalb einmalig geschätzte 2€ in der Produktion gespart haben) habe ich Depp Jahr um Jahr 40€ Stromkosten nur für das Drecksding präsentiert bekommen ohne es zu wissen. Da hilft nur überall genau nachzuschauen.
    Beispiel Router: Easybox von Vodafone 17W, FritzBox 6W, 96kWh/Jahr weniger. usw. usf.