Umsatsteuernachschau???

  • Hallo,


    meine Freundin hat eine PV-Anlage mit Speicher und Eigenverbrauch errichten lassen. Das Gebäude ist ein Neubau in der Bauphase, also gabs noch keinen Zähler und alles hat sich ewig hingezogen. Jetzt läuft alles und wir wollen natürlich die Vorsteuer zurückhaben. Nach ewigem Hin- und Her und Einreichen sämtlicher Unterlagen (z.B. Einspeisevertrag wurde gefordert, gibts aber von den SW nicht und die Vergütung leitet sich ja eh aus dem Gesetz ab).
    Zuständig ist das Finanzamt am Arbeitsort. Die Anlage steht 500km weit weg vom Finanzamt.
    Was soll dann das Ganze? Wollen die ihr nochmal persönlich in die Augen schauen? Okay, die Sachbearbeiterin ist ne Frau... :lol: Mehr Unterlagen gibts eh nicht als die eh schon haben.
    Okay, sie kann höchstens noch einen Vor-Ort-Termin machen. Die Reise dahin muss aber das Amt bezahlen, oder? :lol:


    Was hat es damit auf sich? Was erwartet einen bei der Nachschau?


    Grüße,
    Tobias

  • Also... schön ruhig.


    Im Rahmen einer Umsatzsteuer-Nachschau dürfen Finanzbeamte, ohne sich vorher anzukündigen, Unternehmen aufsuchen und sich Informationen über die betrieblichen Verhältnisse verschaffen. Zu diesem Zweck haben die Beamten Zugang zu Grundstücken und Geschäftsräumen. Zulässig ist allerdings nur das Betreten dieser Räumlichkeiten; Durchsuchungsrechte bestehen nicht. Wohnräume dürfen grundsätzlich überhaupt nicht betreten werden.


    Die Umsatzsteuer-Nachschau ist in § 27b UStG geregelt. Verwaltungsanweisungen ergeben sich aus dem Einführungsschreiben (BMF, Schreiben v. 23.12.2002, BStBl 2002 I S. 1447) sowie aus Abschn. 27b.1 UStAE.


    Es macht wenig Spass, sich jetzt an den gesamten Fundstellen abzuarbeiten. Das musst Du dann ggf. selbst mal von oben nach unten genießen.
    Eine Stelle scheint mir interessant: Abschn. 27b.1 Abs. 5 u. 6:
    Grundsätzlich erstreckt sich das Betretungsrecht nur auf die Geschäftszeiten.
    Darüber hinaus nur dann, wenn im Unternehmen noch gearbeitet wird.


    Fazit: Tür zu. Rolladen runter. Und Du rufst "Wir arbeiten nicht - ich vögel meine Sekretärin gerade auf dem Schreibtisch"
    (Und dann kann er wieder gehen)


    Ich finde es nicht.... vielleicht auch geändert... aber mir noch aus einem Seminar bekannt (und bei PV auch eher irrelevant):
    Werden die Unterlagen beim Berater aufbewahrt..... kann er wieder abziehen. Beim Berater kommt er ohne Prüfungsanordnung nicht ins Haus.


    Auch ist das mit den "Geschäftsräumen" bei einer PV so ein kleines Problem.... ;-)
    (Gerade die Finanzämter bestreiten deren Existenz erfahrungsgemäß heftig, wenn man die damit verbundenen steuerlichen Konsequenzen in die Gewinnermittlung einfließen lässt.)


    Die Nachschau ist ein reiner "Türöffner".
    Eine USt-Sonderprüfung müsste angekündigt werden; macht also viel mehr formalen und organisatorischen Stress.
    Bei der Nachschau kann er Prüfer einfach so vorbeischneien - und aufgrund evtl. Feststellungen dann OHNE Ankündigung in eine USt-Sonderprüfung übergehen.



    !! Warum schreibt selbst der BMF seinen Fusstruppen ins Gebetbuch, dass sie um Gottes Willen die Nachschau nicht nutzen dürfen um Wohnräume zu betreten? Nun..... ich glaube da steht irgendwas in der Verfassung von "Unverletzlichkeit der Wohnung". Nur weil man sich in der Nachschau ganz gezielt auf Geschäftsräume und Geschäftszeiten beschränkt, kommt man um den Vorwurf des Verfassungsbruchs umhin. !!


    Wenn das FA die Nachschau ankündigt - darfst Du das auf zweierlei Arten auslegen:
    a) Vielfach anzutreffende völlige Inkompetenz im Bereich der Abgabenordnung
    b) Man wahrt ein wenig den in Deutschland üblichen Anstand und gibt sich kooperativ.
    Ich tendiere eindeutig zu b).


    Zur Zuständigkeit: Zuständig ist das Betriebsstättenfinanzamt. Ohne jetzt alle gesetzlichen Einzelregelungen durchzukauen:
    Das FA kann über Amtshilfeersuchen die Zuständigkeit beinahe beliebig verändern. Mach Dir da mal keine Sorgen.
    Und selbstverständlich hast Du nicht die Prüfungskosten des FA zu übernehmen. Dieser "vor-Ort-Service" ist für Dich kostenlos. (Die Durchführung der Prüfung; das Resultat daraus nicht unbedingt.)



    Mir scheint hier ein Anruf... in aller Ruhe und Sachlichkeit... angemessen.
    Bitte unterstelle einfach, dass die Handelnden Personen möglicherweise wenig Branchenkenntnis haben (oder aber wie ein kleiner Kläffer zwar viel bellen - aber nicht beissen.). Vor allem solltest Du erst klären, ob man dort den Sachverhalt überhaupt richtig erfasst hat. (Neubau, 500 km Entfernung - das sind keine Umstände, die man in Fleisch und Blut hat; und dann vielleicht auch überliest / übersieht).
    Im Anschluss kann man dann mal klären, worum es überhaupt geht.


    Man kann ja mal ... im spaßigen Unterton... auch mal andeuten, daß Du Dir bei einer PV eine Nachschau nur schwer vorstellen kannst. Thema "Geschäftszeiten" und "arbeiten".
    Aber bitte: Nur im Spass... und im Konsens; oder auf der Suche nach dem Konsens.
    Ansonsten zwingst Du das FA eine Prüfungsanordnung für eine USt-Sonderprüfung zu erlassen. Damit kommst Du garantiert nicht schneller an Deine Vorsteuer. Ankündigungszeitraum; Zeit um den Bericht abzufassen; Zeit bis zur Veranlagung.... rechne mal 3 Monate.


    Fazit: Versuche im Telefonat zu ergründen, was man eigentlich will. Biete Hilfe an (aber bitte: nicht "ad hoc" am Telefon. Auflegen. Denken. Arbeiten. und dann zurückrufen o. schreiben).
    Man kann sich da zu Tode förmeln..... man kann es aber auch sein lassen, und wie normale Menschen miteinander umgehen.


    Wenn Dir die Hutschnur platzen will..... (geht mir ja auch oft so).... sage ich mir immer wieder leise auf:
    Die Finanzbehörden setzen die Steuern nach Maßgabe der Gesetze fest.
    Die Finanzbehörden bestimmen Art und Umfang der Ermittlungshandlungen.


    Das steht nun mal so im Gesetz. Die machen nur ihren Job.
    Das geht oft sehr reibungslos; aber manchmal ist halt Sand im Getriebe.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Vielen Dank kpr für die schnelle und immer so unterhaltsame Antwort! :)


    Hab mir das Schreiben nochmal angeschaut... Die will das am Telefon machen. Hab mich schon gefreut, dass die Tante vom Finanzamt vorbei kommt und nen Kuchen mitbringt und wir die Sache bei Kaffee und Kuchen gemeinsam am Esstisch erörtern.
    Ich leg auch gern nen leeren Ordner bereit, dass sie all ihre Zettel, die sie eh schon hat, da einheften kann :lol: Dann kann sie den Ordern da prüfen.


    Gute Idee mit dem PV-Anlagen-Büro. Nur für die Vermietung wollte das Finanzamt das nicht haben. Wenn das FA für die PV-Anlage ein Büro haben will, bekommen die auch das, wir sind ja nicht so. Das wird dann feierlich eingeweiht, wenn sie mal den Weg da hin finden... Nur: Büro ist ja bei ner PV-Anlage nicht gleich Betriebsstätte. Das ist nochmal ne andere Baustelle. Da will ich die Tante aber nicht haben, da Baustelle, dreckig, Unfallgefahr, etc. Haben die beim Amt eigentlich Arbeitsicherheitsschuhe und nen Helm? ;)


    Okay, bei Anlage mit Speicher und Zubehör handelt es sich nicht um nen kleinen Vorsteuerbetrag. Da kann sich Frau Finanzbeamtin gerne mal etwas Zeit nehmen... Ich vermute aber mal, Entwicklungs- und Amtshilfe in Griechenland würde mehr einbringen..


    Ich bin mal gespannt

  • Moin Toni,


    man kann vieles am Telfon regeln.
    Tolle Sache eigendlich.
    Sehr sehr hilfreich ist auch nach meinen Erfahrungen, der persönliche Besuch beim Sachbearbeiter.
    Es ist vom Vorteil, wenn man sein gegenüber in die Augen schauen kann !
    Besonders wenn er so zu sagen sogar fast Dein Nachbar ist.
    Versuchs doch mal .
    Gruß,
    Fritz

    Fritz

  • Hallo,
    also die Sache ist eher komplizierter...
    Das ist jetzt eine Sonderprüfung, da auf dem Amt mittlerweile auch nach Projekten gearbeitet wird und das Prüfprojekt länger dauert als gewöhnlich, muss für die zusätzliche Arbeit ein Projekt "Sonderprüfung" eröffnet werden, um den Stundenaufwand zu rechtfertigen. Lustig sowas :)


    Der Punkt ist, dass es sich bei der Photovoltaikanlage um eine Anlage in einem Haus mit steuerfreier Vermietung handelt. Da das Haus meiner Freundin gehört und ihr auch der Stromanschluss und der Strom vorrangig für die "Allgemeinheit" verwendet wird (Haustechnik), war das für mich eigentlich nix anderes als eine gewöhnliche Eigenverbrauchsanlage: Vorsteuerabzug, unentgeltliche Wertabgabe und gut ist.


    So einfach ist das bei einem Objekt mit steuerfreier Vermietung laut Auskunft nicht. Sie winkt evtl. mit dem §15a um etwas Vorsteuer zu bekommen. Davon hat hier aber jeder abgeraten.


    Habt ihr weitere Tipps ohne wieder nen neuen Thread aufzumachen... :)