MFH Eigentümergemeinschaft Möglichkeiten und Erfahrungen

  • Hallo liebes Forum,


    geplant ist es eine PV-Anlage auf einem MFH mit Flachdach in München installieren zu lassen.
    Es stellt sich aber die Frage welche Möglichkeiten es gibt bzw. welche sinnvoll sind.
    Das Haus gehört einer Eigentümergemeinschaft (6 Eigentümer) und besteht aus 12 Wohneinheiten.
    Das Flachdach hat etwa 200m² Fläche, der Strom soll nach Möglichkeit vor Ort verbraucht werden.
    Ich habe mich nun schon etwas durchs Internet gewühlt und folgendes soweit zusammenfassen können:


    - Grundsätzlich muss die WEG den Bau der Anlage auf dem Gebäude zustimmen mit 75% (auch bei Verpachtung).


    - Die Eigentümergemeinschaft gründet eine GbR, teilt sich die Kosten der PV-Anlage und verkauft den Strom an die Mieter, dafür wird ein PV-Zähler (misst, was die Anlage einspeist) installiert und ein Zweirichtungszähler für das gesamte Gebäude. Die Zähler in den Wohnungen bleiben zur Abrechnung.


    - Anstelle der GbR übernimmt der Verwalter oder eine andere Person den Kauf der PV-Anlage und verkauft den Strom an die Mieter. Technisch genauso wie davor.


    - Man verpachtet die Fläche auf dem Dach an eine Contracting Firma, welche die Anlage installiert und den Strom an die Mieter verkauft.


    Letztere Variante ist im Moment der Favorit, da einige Eigentümer recht alt sind und keinen Stress wollen.
    Gibt es bezüglich Contracting Firmen Erfahrungen oder Tipps?

  • Hallo Shorty,


    der schwierigste und aufwändigste Punkt dürfte der Verkauf an die Mieter sein. Ich kenn mich da nicht aus, aber jedesmal wenn es hier im Forum um den weiterverkauf an Mieter ging wurde davon abgeraten (unter anderem müsste es wohl auch im Mietvertrag vereinbart werden). Gemeinschaftsstrom für Aufzug etc würde wohl gehen. Volleinspeisung wäre hier vielleicht die bessere Option, oder Allgemeinstrom mit Überschusseinspeisung ohne Verkauf an Mieter. Die Experten können hier aber sicherlich mehr zu sagen.


    Grüße
    E.

    9,88 kWp Winaico WSP-260M6 / Fronius Symo 7.0-3-M / Ost - West Anlage

  • In unserem MFH haben wir dies ziemlich pragmatisch gelöst:
    Ich investierte in die PV-Anlage und verkaufe den Solarstrom als Volleinspeiser.
    Alle Parteien teilen sich die Stromkosten (inkl. WP) gleichanteilig auf.
    Dies reduziert nicht nur die Kosten für die Messung, sondern auch den Verrechnungsaufwand.
    einstein0

    33 J Erfahrung mit PV im Netzverbund. Erster zweiachsiger Tracker in Australien.
    2 kW- Hybrid-Insel im Camper, BEV: Hyundai Kona. 30kW-PV-Anlage Ost/West.
    PV-Notstromversorgung 10 kWh im MFH mit Infini 3 kW Hybrid-WR und 10 kWh Li-Testspeicher.

  • Die Eigentümergemeinschaft ist imo schon eine GbR, da baucht man keine neu zu gründen nur den Zweck erweitern.
    Problem an allen drei Konzepten (ist ja eigentlich nur eines) ist, daß man den Strom (derzeit) kaum billiger an die Mieter liefern kann als diese ihn von einem günstigen Versorger beziehen können. Dafür handelt man sich dann den zusätzlichen Aufwand dr Abrechung und das Risiko des Zahlungsausfalls eines Mieters ein ohne den Strom abstellen zu dürfen (der Versorger darf das, der Vermieter nur in Extremfällen). Außerdem würde ich erwarten, daß es zu Streitigkeiten kommt, wenn jemand "tagaktiv" und ein anderer "nachtaktiv" ist, der "nachtaktive" aber den Strom auch billiger bekommt. Das könnte mn zwar meßtechnisch erfassen, den Aufwand willst du aber sicher nicht treiben.
    Die Situation sieht anders aus, wenn man einen Versorger samt alternativem Meßstellenbetreiber ins Boot nimmt. Der kann dann günstiger anbieten, notfalls auch einem Mieter den Strom abdrehen und jeder Mieter kann trotzdem den Anbieter frei wählen, wenn er das will. Lichtblick bietet sowas, keine Ahnung ab welcher Objektgröße. localpool.de (sitzen in München - wobei das völlig egal ist, weil die Technik online überwacht wird) auch, sind aber noch recht neu im Markt, vielleicht nach Referenzen fragen. In dem Bereich gibt es sicher noch einige, muß man halt erst mal fidnen, weil der Markt noch recht jung ist.


    Ein Zwischending wäre noch, wenn die Mieter einzeln (natürlich koordiniert) investieren und eine (Teil-)anlage auf jeweils ihre eigenen Zähler laufen lassen. Bringt bei der genannten Dachgröße aber womöglich auch unerwartete Effekte wie verminderte EEG-Umlage, wenn innerahlb eines Jahres mehr als 10kWp gebaut werden.


    Das einfachste und wahrscheinlich wirtschaftlichste ist die bereits erwähnte Volleinspeisung, so seltsam es klingt. Die Politik will an dem Punkt ausdrücklich nichts ändern das Geschäft für Vermieter und Mieter lukrativer zu machen.


    Einstein: in der Schweiz ist alles etwas anders