Modulschäden möglich bei Parallelbetrieb ohne Diode?

  • Hallo!
    Ich habe eine Inselanlage mit 2x 100Wp Modul (gleicher Hersteller) und ein 55Wp Modul (anderer Hersteller). Die Module befinden sich auf dem Balkondach (10 Grad Neigung nach Norden), haben die gleichen Spannungswerte und sind parallel geschaltet. Jedes Modul hat eine normale Diode in der - Leitung um Rückstöme zu verhindern. Wollte die Dioden nun gegen Schottky-Dioden tauschen, um den Verlust so gering wie möglich zu halten. Oder kann ich die komplett weglassen? Wie verhält sich das dann bei (Teil)verschattung eines oder 2 Modulen? Können dann die beschatteten Module durch die anderen Schaden nehmen? Im Internet sagen die einen Ja, die anderen Nein. Was denn nu???


    Danke schon mal im voraus!


    Gruß, Martin

  • ich gehe mal davon aus, das du monokristalline Module besitzt und die Module fehlerfrei sind, brauchst du dir über Rückströme keine Gedanken machen.
    Rückströme fließen erst, wenn die Rückspannung die Lerlaufspannung des Moduls übersteigt.
    Tritt also bei einem intakten Modul nicht ein. Anders ist es, wenn das Modul wegen eines Zellschlusses etc, nicht mehr die Spannungswerte erreicht.
    Die Dioden kannst du also rausmachen.

    Alle sagten das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht, und hats einfach gemacht.

  • Hi Liquid Dreams,


    jede Solarzelle ist selbst eine Diode, die eine gewisse Sperrspannung verträg ( sperrt ). Erst wenn die überschritten wird, nimmt eine Zelle Schaden. Das ist aber erst bei etlichen Modulen in Reihe und mehreren Reihen parallel geschaltet kritisch, nicht bei zwei einzelnen.
    Keine Sorge. Dioden ersatzlos wegnehmen. Ein paar Watt mehr ernten. :D
    Wenn Du es sehen willst, dass dieser Rat richtig ist, legst Du ein Modul mit den Zellen nach unten und das andere mit den Zellen in die Sonne. Du verbindest + mit + und schaltest zwischen die - ein Milliamperemeter. Dann wirst Du keinen Strom messen. Mit Diode nicht und ohne auch nicht.
    Das gilt auch für polykristalline und amorphe ( Dünnschicht- ) Zellen.


    Freundliche Grüße
    pvx

  • normalerweise lässt sich die Sperrspannung eines Solarmoduls gar nicht überschreiten da die Bypassdiode die Spannung in Sperrichtung kurzschließt.
    Bei Rückspannung arbeiteten die Zellen in Durchlassrichtung, dadurch fließt bei Rückspannungen größer Leerlaufspannung ein Strom ins Modul und verheizt ihn in Wärme. Es giebt sogar Anlagen, bei den durch Rückbestromung die Module im Winter schneefrei geheizt werden.

    Alle sagten das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht, und hats einfach gemacht.

  • Danke für die Raschen Antworten!


    Die 2 100W Module sind Polykristallin, das andere Mono. Hatte ich vergessen zu erwähnen... . Macht das ein Unterschied?
    Evt. werde ich das 55W Modul gegen ein 100W Poly ersetzen (vom selben Hersteller wie die anderen).
    Dann sollte es ja gehen... . Was passiert denn bei einen "Zellschaden", gehen die anderen Module dann auch flöten? Bypassdioden sind verbaut.


    Hier nochmal die genauen Moduldaten:


    Monokristallin:
    55Wp, Vmp : 18V, Voc : 22V , Imp : 3,05A, Isc : 3,25A


    Polykristallin:
    100Wp, Vmp : 18V, Voc : 22,32V , Imp : 5,56A, Isc : 5,9A


    Laderegler : Steca PR 2020 (PWM) 20A


    Wenn ich auf die Dioden verzichten kann und die Module keinen Schaden nehmen, ist das sogar besser, denn die 10A Dioden werden ziemlich heiß im Betrieb... . Dann brauch ich mir wegen Brandgefahr und Kühlung keine Sorgen machen... :D


    Desweiteren hab ich in der + Leitung noch 3 KFZ Sicherungen verbaut: jeweils 5A für die beiden 100W Module, 3A für das 55W Modul. Sollte doch reichen, oder?

  • Zitat von Liquid_Dreams

    Desweiteren hab ich in der + Leitung noch 3 KFZ Sicherungen verbaut: jeweils 5A für die beiden 100W Module, 3A für das 55W Modul. Sollte doch reichen, oder?


    Hast Du Angst, dass die Module mehr Strom erzeugen?


    Stefan

  • Zitat von LumpiStefan

    Hast Du Angst, dass die Module mehr Strom erzeugen?


    Ich glaube, diese Aussage muss man Liquid_Dreams erklären. Bei einem Panel gibt es ein paar Angaben. Vmp und Imp geben an, dass das Panel am meisten Leistung abgeben kann, wenn die Belastung die Panelspannung so weit einbrechen lässt, dass sich Vmp einstellt und dann fließt Imp. Das ist also der Arbeitspunkt, den man gerne hätte! Wenn es einen Kurzschluss gibt, dann ist der Isc rund 5-8% höher als der Imp. Mehr Strom kann also nie fließen! Der einzige Effekt, der bei einem Kurzschluss eintritt ist, dass das Panel so warm wird wie ein Stück Pappe gleicher Farbe.

    Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Francis Picabia)

  • Zitat von LumpiStefan


    Hast Du Angst, dass die Module mehr Strom erzeugen?


    nein, eher weniger, da es ja Verluste gibt duch das Kabel und den nicht optimalen Winkel zur Sonne, abschattungen (Verschmutzung) usw., so das die Sicherung warscheinlich nie auslösen wird im normalfall, was ja erwünscht ist. Nur wird sie im Kurzschlußfall wohl auch nicht auslösen... . Mir stellt sich sich die Frage, ob es wirklich Sinn Macht Sicherung da einzubauen, wenn ja, wie man sie richtig dimensioniert.


    jdhenning
    Danke für die Erklärung, höre ich daraus, das man da wirklich keine Sicherung (außer Akku und Last) braucht? Dann würde ich die auch weglassen und hätte mehr Ertrag (wenn auch nicht viel, aber Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist ;-) ), oder sollte ich die aus anderen Gründen besser drinlassen?

  • Aus meiner Sicht draussen lassen.
    Wenn, dann macht eher ein DC-Freischalter Sinn, um den Laderegler sauber von den Modulen zu trennen (bei Arbeiten am System). Wobei das bei der Anlagengröße auch nicht unbedingt notwendig ist.


    Stefan