PV-Anlage ganz ohne Einspeisung (KEINE reine Insellösung)

  • Hallo erst mal in die Runde,


    ich hatte mir mal folgendes überlegt:


    Ich wollte eine PV-Anlage mit Speicher haben, um einen möglichst hohen Eigenverbrauch zu erreichen. Sagen wir mal, die PV-Anlage soll praktisch zu 100% selbst verbraucht werden, und nur der zusätzlich benötigte Strom aus dem öfftl. Netz zugekauft werden.


    Ich habe mir also vorgestellt, dass ich mir eine ... sagen wir mal 2 kWp PV-Anlage installiere, dazu einen 3kW Wechselrichter mit Speicher etc., der dann praktisch das Haus bespeist und den Überschuss in der Batterie speichert. Ist die Batterie voll und es findet immer noch eine Überproduktion statt, kann der Strom entweder anderweitig verbraten werden (Heizstab z.b.) oder "verpufft" halt eben. KEINE Einspeisung ins öfftl. netz. Anders herum, sollte ich mehr als 3kW benötigen, so ist der Wechselrichter in der Lage, den zusätzlich benötigten Strom aus dem öfftl. Netz dazu zu holen (Grid-Assist Funktion).


    Warum das ganze?


    Man erspart sich den Umbau mit Zählern, man braucht kein Gewerbe anmelden etc., sprich man spart sich da ne menge Papierkram und graue Haare.


    Ich habe bereits recherchiert, mit welchen Geräten man so etwas realisieren könnte. Bei den meisten Wechselrichtern oder EnergieManager/Router müsste man sich selbst etwas mit Stromüberwachungsrelais und Schütz bauen, um eben zu verhindern dass eine Einspeisung stattfindet. Das einzige Gerät bei dem ich gelesen habe dass es all dies auch von sich aus kann, ist das Victron EcoMulti. Weder SMA, noch Nedap noch irgendwelche anderen Systeme haben in ihren Dokumenten eine entsprechende Beschreibung, dass sie ebenfalls diese Funktionen zur Verfügung stellen. Ist das tatsächlich so, oder wurde das einfach nur vergessen mit in der Beschreibung aufzunehmen? Wie haben das andere gelöst? Ich möchte natürlich möglichst auf "Bastelei" verzichten und bevorzugt ein gerät nehmen dass von sich aus alles kann, anstelle da erst noch selbst mit Schützen in die Verteilung eingreifen zu müssen.


    Grüße aus dem Norden


    Squish

  • Hi,


    eine Nulleinspeisung hinzukriegen ist mit dem SolarLog doch problemlos möglich.
    Bin mir nicht ganz sicher, ich glaube die Fronius-WR können das auch schon von Haus aus.


    Die Frage ist eher, ob der VNB das anerkennt und auf den Einspeisezähler verzichtet.
    Bei SolarLog könnte ich`s mir vorstellen, weil diese Lösung ja für die 70% Lösung eine offizielle Zulassung hat.
    Nulleinspeisung ist ja letztlich nix anderes, nur eben mit 0% anstatt 70%.

  • Moin Squish und willkommen im Forum. Du solltest hier im Forum mal die Suchfunktion mit "PIP" aufrufen oder mit "Hybridwechselrichter". Da sollte dann genügend Lesestoff dabei sein.


    Ganz entscheidend bei der Auslagung ist die Frage, wann am Tage du einen wie großen Verbrauch hast. Du kannst ganz grob damit rechnen, dass die selbst produzierte kWh rund 10 Cent kostet. Wenn du die tagsüber überschüssige Energie in einer Batterie speichern willst, dann kommen noch mal 12-15 Cent (mindestens) dazu, aber auch nur, wenn du die Batterie selbst bestellst und selbst zum Standort bringst. Bei der wird es sich um eine OPzS oder PzS Bleibatterie handeln müssen, denn alles andere ist deutlich teurer.


    Damit sich so eine Anlage wirtschaftlich lohnen kann, wirst du ziemlich viel im Vorfeld optimieren müssen. Energie ganz einfach verpuffen zu lassen kann sich bisweilen wirtschaftlich sogar lohnen, allerdings nur bei annähernd optimal ausgelegter Anlage.

  • Hallo Squish,


    genau so eine Anlage wie Du sie Dir ausgedacht hast (nur etwas grösser), habe ich seit ein paar Jahren am Laufen.
    4 kwp, 24 Volt Akkuanlage, ca. 700 Ah, Säureakkus,
    inzwischen 2 Wechselrichter, 1 x Batteriewechselrichter mit 2000W Dauerleistung u. 1 x PIP 2424MSX.
    Bei Überschuss (volle Akkus u. kein grosser Verbraucher) wird ein Heizstab mit 900 Watt zugeschalten.


    Das Ganze Funktioniert Bestens. Jahresstromverbrauch nur noch 300 kwh u. da ist der Verbrauch von Schweissgerät u. Kompressor vom Hobby mit dabei.
    Im PIP kann man die Umschaltung auf Netzstrom bei "leeren" Akkus u. bei Überlast einstellen.
    Das Funktioniert so ....., ist aber nicht optimal gelöst. Die Akkuladung läst auch zu wünschen übrig.
    Aber, bei dem Preis des PIP kann man nicht mehr verlangen.
    Bei mir war ja wegen der Leistung der Module ein zweiter Laderegler nötig. Der macht die perfekte Akkuladung.
    Beim Batteriewechselrichter habe ich die Umschaltung bei "leeren" Akkus mit einem Spannungswertrelais gelöst,
    die Umschaltung bei Überlast mit einem Ampermessrelais.
    Da genau Anpassbar funktioniert das Eigenbausystem super. Hat halt ein paar Überlegungen und etwas Basteln erfordert.
    (Bin nicht vom Fach u. hab's trotzdem geschafft. Lt. Elektromeister "einwandfreie Installation")


    Eine Einspeisung findet nie statt, da die Geräte das gar nicht können. Ein Umbau des Zählers ist nicht erforderlich.


    Nur mit "spart Papierkram u. graue Haare" siehts nicht so gut aus.
    Da Du Deine Anlage beim Netzbetreiber anmelden musst (siehe Abhandlungen hier im Forum, oder EEG Leitfaden) kommt es darauf an wie Dein Netzbetreiber reagiert.
    In Kurzform: Meiner hat mächtig auf die Pauke gehauen. Die Anlage blieb aber unverändert. Aktuell ist Ruhe!


    Im Übrigen:
    Ich Empfehle wenn möglich die Module mit Ost/West Ausrichtung. Die Akkus freuen sich.
    Das geht auch bei nur einem Laderegler (z.B. der im PIP). Ist mit geringen Verlusten verbunden wegen der nicht optimalen Regelung, wird aber durch die Ausrichtung mehr als weg gemacht.


    Die Leistung des Heizstabes ans Gesamtsystem anpassen.
    Z.B.: Bei Unterstützung der Heizung, Es bringt nichts einen Heizstab mit 2kw nur bei voller Sonneneinstrahlung zu betreiben, an denen man vermutlich gar keine Heizung benötigt, bzw. an den wenigen Tagen an denen 2kw Leistung übrig bleiben.
    Besser wenig Leistung. Dieser Überschuss fällt dann auch mal an einem weniger guten Tag ab, an dem die Heizung auch gebraucht wird. (Such unter Heizpatrone für Heizkörper)


    Viel Spass beim Bauen
    Schraubermeistro

    4 kwp gesamt, 1000wp ost + 1500wp süd auf Flexmax80, 750wp süd + 750wp west auf PIP 2424MSX, Akkus 24V ca. 700Ah, weiterer Wechselrichter für E-Herd. Bei Überschuß W/W WP u. Heizstab 900W

  • Zitat von Schraubermeistro

    ...Nur mit "spart Papierkram u. graue Haare" siehts nicht so gut aus.
    Da Du Deine Anlage beim Netzbetreiber anmelden musst (siehe Abhandlungen hier im Forum, oder EEG Leitfaden) kommt es darauf an wie Dein Netzbetreiber reagiert.
    In Kurzform: Meiner hat mächtig auf die Pauke gehauen. Die Anlage blieb aber unverändert. Aktuell ist Ruhe!...


    Schraubermeistro


    Naja, wiedermal jemand im voreilenden Gehorsam... :? , da sind auch viele hier noch ganz anderer Meinung zu, nur auf einen EEG-Leitfaden kann man sich da schlecht berufen, es bedarf schon einer definierten gesetzlichen Grundlage dazu. Gerichtsentscheidungen gibt es nicht dazu.Fakt ist jedenfalls dass die Anlage gar nicht einspeisen kann und deshalb jeder Bezug zum EEG fehlt. Deinen Netzbetreiber hat momentan diese Art von Anlage, da sie grundsätzlich nur Strom zeitweise aus dem Netz über ein Ladegerät beziehen kann und keinen einspeisen, nur insoweit zu interessieren wie jeder andere Verbraucher im Gebäude der an sein Netz angeschlossen wird auch.


    Viele Grüße:


    Klaus

    "Ich hatte nie zuvor ein Produkt um das ich so betteln musste um es zu bekommen um später so kämpfen zu müssen und alles zu versuchen um es nur behalten zu dürfen"
    Peter Horton 2003 über sein GM EV1 in"Who killed the electric car"

  • Zitat von Boelckmoeller3


    es bedarf schon einer definierten gesetzlichen Grundlage dazu.


    Die gibt es (leider): §61EEG 2014. Und zusätzlich noch §70 und §71

  • Seevetaler


    Interessant,
    du wirfst hier einfach mal §61 EEG 2014 in den Thread und das ist jetzt deine persönlche Wahrheit ? Bisher wurde noch kein Richter mit einer Entscheidung dazu beschäftigt und selbst wenn bald einer damit beschäftigt würde gibt es dort mehrere Instanzen. Nein, aus $61 EEG2014 lässt sich für diesen Typ der technischen Anlagen-Ausführung noch rein gar nichts klar ableiten, außerdem ist das EEG hier nicht maßgebend, da keine wie auch immer vergütete Einspeisung erfolgt und dieser §61 beschäftigt sich auch ausschließlich mit der Umlagepflicht, bei der aber auch eindeutig eine "Freigrenze" bei Nutzung von eigenerzeugtem Strom aus Anlagen bis zu 10KWp oder 10MWh/a im Gesetz definiert ist.


    Viele Grüße:


    Klaus

    "Ich hatte nie zuvor ein Produkt um das ich so betteln musste um es zu bekommen um später so kämpfen zu müssen und alles zu versuchen um es nur behalten zu dürfen"
    Peter Horton 2003 über sein GM EV1 in"Who killed the electric car"

  • Zitat von Boelckmoeller3

    Interessant,
    du wirfst hier einfach mal §61 EEG 2014 in den Thread und das ist jetzt deine persönlche Wahrheit ? Bisher wurde noch kein Richter mit einer Entscheidung dazu beschäftigt und selbst wenn bald einer damit beschäftigt würde gibt es dort mehrere Instanzen. Nein, daraus lässt sich für diesen Typ der technischen Anlagen-Ausführung noch rein gar nichts klar ableiten, außerdem ist das EEG hier nicht maßgebend, da keine wie auch immer vergütete Einspeisung erfolgt und dieser §61 beschäftigt sich auch ausschließlich mit der Umlagepflicht, bei der aber auch eindeutig eine "Freigrenze" von Anlagenstrom aus Anlagen bis 10KWp oder 10MWh im Gestz definiert ist.


    Viele Grüße:


    Klaus

    Ein Gesetz wird nicht dadurch gültig, dass es ein Richter für richtig erklärt... :wink:


    Zitat aus §61:
    Die Übertragungsnetzbetreiber können von Letztverbrauchern ferner für den sonstigen Verbrauch von Strom, der nicht von einem Elektrizitätsversorgungsunternehmen geliefert wird, 100 Prozent der EEG-Umlage nach § 60 Absatz 1 verlangen. Die Bestimmungen dieses Gesetzes für Elektrizitätsversorgungsunternehmen sind auf Letztverbraucher, die nach den Sätzen 1 bis 3 zur Zahlung verpflichtet sind, entsprechend anzuwenden.
    (2) Der Anspruch nach Absatz 1 entfällt bei Eigenversorgungen,
    ...
    ...
    4. wenn Strom aus Stromerzeugungsanlagen mit einer installierten Leistung von höchstens 10 Kilowatt erzeugt wird, für höchstens 10 Megawattstunden selbst verbrauchten Stroms pro Kalenderjahr; dies gilt ab der Inbetriebnahme der Stromerzeugungsanlage für die Dauer von 20 Kalenderjahren zuzüglich des Inbetriebnahmejahres; § 32 Absatz 1 Satz 1 ist entsprechend anzuwenden.
    Zitatende


    Damit wird nur geklargestellt, wann EEG-Umlage nicht zu zahlen ist.


    Weiteres Zitat aus §61:
    Der Wert nach Satz 1 erhöht sich auf 100 Prozent der EEG-Umlage, wenn
    ...
    2. der Eigenversorger seine Meldepflicht nach § 74 bis zum 31. Mai des Folgejahres nicht erfüllt hat.
    Zitatatende


    Die Meldepflicht ergibt sich aus den §70, §71 und §74. Wobei es durchaus Vereinbarungen mit dem Netzbetreiber geben kann, die eine Meldung überflüssig machen können.


    PS: Ich war auch mal fest davon überzeugt, dass Inselanlagen nirgends angemeldet werden müssen. Habe aber erkennen müssen, dass ich da wohl falsch lag... :oops:
    Allerdings ist im §86 (Bußgeldvorschriften) nicht aufgeführt, dass ein Nichtanmelden eine Ordnungswidrigkeit nach dem EEG darstellt. Von daher... :mrgreen:

  • Seevetaler


    und wenn du dich auf den Kopf stellst, da geht für diesen Anlagenfall rein garnichts aus den von die zitierten Abschnitten hervor. Und nochmal, das EEG gilt nur für Einspeiser mit Einspeisevergütung, hier wird aber nichts eingespeist !
    Natürlich schaffen auch nur die Gerichte endgültige Rechtsklarheit über die Auslegung von Gesetzen beziehungsweise dazu ob und wie sie auf einen bestimmten Fall überhaupt angewendet werden dürfen !


    Und nochmals, falls dieses Gesetz auf diesen Fall angewendet werden dürfte, gibt es eine Freigrenze vor und selbst wenn die Freigrenze überschritten wird, was weder angedacht ist noch anzuraten ist, gibt es lediglich vor dass auf den Eigenverbrauch eine Umlage zu entrichten ist. Nicht mehr und nicht weniger.

    "Ich hatte nie zuvor ein Produkt um das ich so betteln musste um es zu bekommen um später so kämpfen zu müssen und alles zu versuchen um es nur behalten zu dürfen"
    Peter Horton 2003 über sein GM EV1 in"Who killed the electric car"