Kleine PV aus Sicht des Finanzamts

  • Seltsamer Titel, hoffe der wird am Ende verständlich. Ich wolte schon länger mal nachrechnen, wie das beim Staat mit kleinen PV (bis 10kWp) IBN 2016 aussieht, also ob der was davon hat.


    Meine Annahmen (wenn ich grob falsch liege oder was wesentliches fehlt, bitte melden; "kein ..." dient nur der Vereinfachung):

    • Vergütung: 0,1231 €/kWh
    • Preis: 1300 €/kWp
    • lineare Abschreibung über 20 Jahre; keine Sonder-Afa, kein IAB
    • Erzeugung: 900 kWh/kWp; keine Degradation
    • Direktverbrauch: 30%
    • Unterhalt: 2% jährlich; da sei alles drin auch der WR-Tausch
    • Preis Strombezug: 0,25 €/kWh netto; etwas hoch, dafür keine Preissteigerung
    • persönlicher Grenzsteuersatz: 40%
    • IBN Januar; rechnet sich halt leichter
    • keine Zinsen


    Ich habe absichtlich alles in Prozent ausgedrückt, ich rechne einfach für 1kWp


    Der Anfang ist einfach, man bekommt 1300€*19%=247€ Vorsteuer vom Staat erstattet, daher aus Sicht des Staats rot


    Einfache EÜR für die ersten 20 Jahre:
    Einnahmen (Direktverbruahc mit Einspeisevergütung angesetzt): 900kWh*0,1231€/kWh=110,79€


    Ausgaben:
    Afa 65€
    Wartung 26€
    Summe 91€


    Gewinn (gerundet): 20€
    Im 21. Jahr fällt die Afa weg
    Gewinn: 85€


    Macht in den 21 Jahren:
    Gewinn: 485€
    oder
    Einkommensteuer an den Staat über die 21 Jahre EEG 194€, daher grün


    Dann noch die Umsatzsteuer für den Direktverbrauch: 270kWh*0,25€/kWh*19%=12,83€, runden wir auf 13€.
    Da wir nach 5 Jahren zur KUR wechseln, fällt die fünf mal an.
    Umsatzsteuer an den Staat über die 21 Jahre EEG 65€


    Rechnen wir zusammen:
    259€ Einnahmen stehen 247€ Ausgaben gegenüber, macht für den Staat ein plus von sagenhaften 12€ pro kWp in 21 Jahren und dafür wird der Sachbearbeiter das nicht bearbeiten 8)

  • Die ist ja insgesamt nur durchlaufender Posten, der VNB/ÜNB bekommt die ja zurück bzw. er verrechnet sie. Umsatzsteuer zahlt immer der Endverbraucher, egal wo der Strom herkommt nur bei KUR zahlt der Betreiber für den selbst erzeugten eben keine.
    Wenn überhaupt fehlt die Umsatzsteuer aus dem Erlös des VNB/ÜNB für den Stromverkauf der letzten 16 Jahre. Die fällt aber an, egal wie man den Betreiber steuerlich behandelt, daher und weil der allermeiste Strom sonst anders produziert würde habe ich das weggelassen.
    Oder?

  • Zitat von alterego

    Die ist ja insgesamt nur durchlaufender Posten


    Dann könntest du die 247€ auch weglassen. Die hat der Staat doch vorher vom Solarteur bekommen... :wink:

  • Zitat von alterego

    Ist wenigstens ersichtlich, worauf ich raus will?


    Ja, aber bis jetzt ist es noch eine Milchmädchenrechnung. Ansonsten hätte man das freilich vernünftiger lösen können, aber wohl nicht in diesem Lande.

  • Brinngt es was, wenn ich anders rum rechne? Also welche Einnahmen entgehen dem Staat?
    Das wären durch die KUR nach 5 Jahren 13€*16=208€ (vorher zahle ich ja genausoviel als würde ich beziehen) und bezahle 194€ Einkommensteuer, macht also erst mal 14€ Verlust für den Staat.
    Aber wie bewerte ich jetzt die Einspeisung? Der Strom würde ja zum größten Teil so oder so erzeugt und versteuert.

  • Mir ist schon klar worauf Du hinaus willst - aber wo fangen wir denn an, auf die Steuererhebung zu verzichten - und wo halten wir daran fest?


    Natürlich "denkt" der Fiskus betriebswirtschaftlich. Wie die Umsetzung dann gelingt, ist ein zweites Paar Schuhe.
    Das hat aber auch irgendwo Grenzen. Es gibt auch noch so etwas wie die Gleichheit vor dem Gesetz und die gleichmäßige Steuererhebung.


    Es kann auch nicht sein, dass "die PV-Betreiber" sich steuerlich fördern lassen (in Jahren wo es sich rechnet),
    und später aus der Solidargemeinschaft ausbrechen. Ich hab für solches Verhalten einen Namen aus der Biologie.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Eine besondere steuerliche Förderung gibt es doch bei PV nicht, da hätte schon die EU was dagegen.
    Für mich würde das eher unter Verwaltungsvereinfachung fallen, wenn man Bagatellgrenzen schafft noch dazu, wenn der Erfüllungsaufwand (glaube so nennt man das) beim Staat höher ist als die eingenommene Steuer. Wenn Vereinfachung (mein Gedanke wäre, wie in Österreich, bekanntlich auch EU, kleine PV am privaten Hausdach mit Eigenverbruach optional als reines Privatvergnügen zu betrachten) dann natürlich von Anfang an oder gar nicht.


    Der Marktwert Solar wird dieses Jahr unter 3ct/kWh liegen (und fällt Jahr für Jahr), macht für die eingespeisten 630kWh (gerundet) 3,60 im Jahr oder 75€ in 21 Jahren. Die fallen aber an, egal wie man den Betreiber stellt.
    Ok, kommen immer noch 60€ Plus pro kWp über 21 Jahre raus.
    Wenn der Betreiber noch Gewinne in Jahre mit weniger Steuersatz verschiebt, sieht die Rechnung ja nochmal anders aus ebenso, wenn er irgendwann einen Speicher anschafft und weniger einspeist.

  • Aber wo kämen wir denn hin wenn jeder ohne große Bürokratie einfach so seinen Strom selber machen könnte und würde?
    Irgendwer muss ja auch an Enbw, Vattenfall, Eon, Rwe,... denken! :wink: