Mehrere technische Fragen zur PV Anlage

  • Hallo PV Experten, ich plane ein Haus uund möchte eine kleine PV Anlage von Anfang an auf´s Dach.


    Ich habe gelesen dass man die PV Anlage sowohl auf die Ziegel als auch direkt auf das Dach montieren kann.
    Dazu wollte ich fragen ob es besser ist die Module anstatt der Ziegel zu montieren oder wie bei Nachrüstungen die Module über die Ziegel montiert ?


    Ich möchte eine bestimmte Solewärmepumpe verbauen, diese hat einen 2 poligen binären SG Eingang. So in der Art: 0/0 Standard, 0/1 günstiger Strom (WP Vorlauf geht hoch, WW wird maximal geladen), 1/1 kostenloser Strom (Vorlauf geht noch höher, WW wird mit Heizstab geladen). Sperre gibt es auch noch, ist aber für mich uninteressant.
    -> Habe ein paar Wechselrichter angeschaut und nix über so einen SG Ausgang gefunden, gibt es das nicht ?


    Als nächstes frage ich mich wie der Wechselrichter und Stromzähler "weiß" ob und wieviel ich an Eigenstrom verbrate.
    Die WP verbrät 6kW, die PV Anlage schafft 7kVA. Wie wird sicher gestellt dass die Energie bei mir im Haus verbleibt (mit Dioden geht das schlecht bei Wechselspannung) ?


    Wenn ich allgemeiner denke: Wie funktioniert die Leistungsabgabe ins öffentliche Netz überhaupt? Es werden ja diverse Spannungsquellen parallel geschaltet, meines Wissens nach kann die PV Anlage ja nur ihre Leisung abgeben indem sie die Spannung relativ zur Netzbetreiberspannung erhöht.
    Was passiert wenn im Ort hunderte PV Anlagen im Sommer zur Mittagszeit ihre Leistung los werden wollen und keine Verbraucher da sind ? Schaukeln die sich dann gegenseitig auf 240V hoch und dann schalten sie ab ?
    Oder geht der Stromfluß dann auch über die Trafos ins Überleitungsnetz weiter z.B. in die nächste Stadt ?


    Wie sieht die Schaltung in meinem zukünftigen Haus aus?
    Ein 2-Richtungszähler fertig ? Für die WP dann ein nicht amtlicher Zähler für mich privat zur Bestimmung der JAZ ?
    Dann weiß ich allerdings nicht wie viel ich selbst von meinem produzierten Strom verbraucht habe. Also noch ein nicht amtlicher Zähler?


    Wenn meine PV Anlage dann ins Netz einspeist (WP hat WW zuende geladen, keiner Zuhause) kriege ich ~10 Cent pro kWh von einem Anbieter meiner Wahl und muss diese dann auch noch versteuern?
    Den Strom den ich aus dem Netz ziehe kann ich wie bisher frei wählen bei einem Stromanbieter meiner Wahl oder ist das immer gekoppelt ?


    Liebe Grüße

  • Zitat von Becker3

    Als nächstes frage ich mich wie der Wechselrichter und Stromzähler "weiß" ob und wieviel ich an Eigenstrom verbrate.


    In dem man Zähler so anordnet, dass man es errechnen kann.


    Zitat von Becker3

    Wenn ich allgemeiner denke: Wie funktioniert die Leistungsabgabe ins öffentliche Netz überhaupt? ... meines Wissens nach kann die PV Anlage ja nur ihre Leisung abgeben indem sie die Spannung relativ zur Netzbetreiberspannung erhöht.


    Genau so funktioniert es.


    Zitat von Becker3

    Wie sieht die Schaltung in meinem zukünftigen Haus aus?
    Ein 2-Richtungszähler fertig ?


    Ja.


    Zitat von Becker3

    Für die WP dann ein nicht amtlicher Zähler für mich privat zur Bestimmung der JAZ ?


    Ja.


    Zitat von Becker3

    Dann weiß ich allerdings nicht wie viel ich selbst von meinem produzierten Strom verbraucht habe. Also noch ein nicht amtlicher Zähler?


    Nein. So ein Wechselrichter zählt selbst den erzeugten Strom. Das ist genau genug.


    Zitat von Becker3

    Wenn meine PV Anlage dann ins Netz einspeist ... kriege ich ~10 Cent pro kWh von einem Anbieter meiner Wahl und muss diese dann auch noch versteuern?


    Nein, kein Anbieter deiner Wahl. Dein Kunde ist der örtliche Netzbetreiber. Der ist per Gesetz gezwungen deinen Strom abzunehmen und zu bezahlen.


    Deinen Strom verkaufst du wie schon gesagt an den Netzbetreiber. Wie bei allen Lieferungen und leistungen in D wird darauf Umsatzsteuer erhoben. Diese Umsatzsteuer will das FA von dir haben. Ebenso will es Umsatzsteuer für den selbst verbrauchten Strom und Einkommensteuer für den erwirtschafteten Gewinn.


    Zitat von Becker3

    Den Strom den ich aus dem Netz ziehe kann ich wie bisher frei wählen bei einem Stromanbieter meiner Wahl ...


    Jein. Es gibt/gab Anbieter, die beliefern keine Abnahmestellen mit PV-Anlage. Das schreiben sie dann in ihre AGB.

  • Zitat von donnermeister1

    Deinen Strom verkaufst du wie schon gesagt an den Netzbetreiber. Wie bei allen Lieferungen und leistungen in D wird darauf Umsatzsteuer erhoben. Diese Umsatzsteuer will das FA von dir haben. Ebenso will es Umsatzsteuer für den selbst verbrauchten Strom und Einkommensteuer für den erwirtschafteten Gewinn.


    Die Umsatzsteuer wird vom Netzbetreiber aber auch zusätzlich zur Vergütung gezahlt und ist daher nur ein durchlaufender Posten.

  • Zitat

    Wie bei allen Lieferungen und leistungen in D wird darauf Umsatzsteuer erhoben. Diese Umsatzsteuer will das FA von dir haben. Ebenso will es Umsatzsteuer für den selbst verbrauchten Strom und Einkommensteuer für den erwirtschafteten Gewinn.


    :danke:


    Umsatzsteuer als durchlaufender Posten verstehe ich und ist ja auch richtig.


    Aber dass ich mir für teuer Geld eine PV Anlage kaufe und mir selbst meinen eigenen Strom auch noch verkaufen muss finde ich eine Unverschämtheit ! :evil: D.h. die Sonne wird besteuert.
    Ist das bei Solarthermie auch? (Also Wärmemengenzähler und das wird dann besteuert?)


    Wie sieht das dann in der Praxis aus? Wird in der Jahresmitte einfach mal der Zähler im Wechselrichter genullt und somit kein Eigenverbrauch generiert?


    Im Prinzip werde ich dafür bestraft dass ich mir eine PV Anlage kaufe und meinen eigenen Strom erzeuge.

  • Zitat von Becker3

    Aber dass ich mir für teuer Geld eine PV Anlage kaufe und mir selbst meinen eigenen Strom auch noch verkaufen muss finde ich eine Unverschämtheit ! :evil: D.h. die Sonne wird besteuert.


    Nö, müssen musst du gar nichts. Bau halt eine Inselanlage oder keine, dann zahlst du auch keine Steuer. :wink:

  • Zitat von Becker3

    Aber dass ich mir für teuer Geld eine PV Anlage kaufe und mir selbst meinen eigenen Strom auch noch verkaufen muss finde ich eine Unverschämtheit !


    Du siehst das falsch. Du tätigst eine Investition. Mit der Investition stellst du eine Ware her und verkaufst diese Ware an einen Kunden. Als PV-Betreiber ist man zudem noch in einer äußerst komfortablen Position. Man kann seine Ware für einen gesetzlich festgelegten Preis an einen Kunden verkaufen, der per Gesetz gezwungen ist diese Ware ab zunehmen. Welcher Produzent hat das im sonstigen Wirtschaftsleben?


    Durch diese komfortable Position im Markt erziehlst du Einnahmen aus gewerblicher Tätigkeit und der darauf erwirtschaftete Gewinn wird besteuert. Deinen selbst verbrauchten Strom entnimmst du dem eigenen Unternehmen. Da durch minderst du das Ergebnis und das wird duch die Sachentnahme ausgeglichen. Weil, wenn du nichts selbst verbraucht hättest, hättest du alles eingespeist und verkauft, also mehr Umsatz und Gewinn. Das lässt sich der Staat nicht durch die Lappen gehen. Oder bist du der Meinung, dass alle Firmeninhaber und Gewerbetreibenden ihre eigenen Produkte für lau konsumieren dürfen? Der Bäcker darf seine Brötchen und seinen Kuchen der Metzger sein Fleisch und seine Wurst selbst fressen, die Material- und Arbeitskosten aber als Betriebsausgabe gewinmindernd verbuchen? Das Ganze dann auch noch umsatzsteuerfrei, da er aus den Einkauf die Vorsteuer zieht?

  • Zitat von Becker3

    Ist das bei Solarthermie auch? (Also Wärmemengenzähler und das wird dann besteuert?)


    Wenn du das gewerblich machst, die Wärme verkaufst, ja.

  • Unternehmer wird man in D immer sobald man Geld für den Strom bekommt (ok, rein formal schon, wenn man sich ernsthaft mit dem Gedanken trägt das zu machen).
    Du kannst natürlich am Anfnag darauf verzichten dir die Umsatzsteuer erstatten zu lassen, sprich die KUR (Kleinunternehmerregelung) von Anfnag an anzuwenden, dann zahlst du schon mal keine Mehrwertsteuer auf den selbst verbrauchten Strom, aber das ist immer ein schlechtes Geschäft für dich. Zur KUR wechselt man erst nach 5 Jahren. Einkommensteuer kann man heutzutage eigentlich vergessen, das sind Peanuts.
    Zu Inselanlagen gibt es einen ganzen Bereich im Forum http://www.photovoltaikforum.com/pv-inselanlagen-f57.html da gibt es von wenigen Wp bis ettliche kWp einiges. Sei dir aber bewußt, daß du damit ein neues Hobby hast um das du dich kümmern solltest.

  • Zitat von donnermeister1


    Genau so funktioniert es.


    Genau so funktioniert es eben nicht. Sowohl die PV-Zelle als auch der Wechselrichter sind als Ersatzschaltbild betrachtet eine Stromquelle. Diese passt folglich Ihre Ausgangsspannung so an, dass der geforderte Strom fließen kann.
    Das sich bei vielen PV-Anlagen im Netz jetzt eine Spannungserhöhung ergibt hängt lediglich damit zusammen, dass sich das Vorzeichen des Spannungsabfalls über dem Kabel zwischen Anschlusspunkt und Transformatorstation als Folge der veränderten Energieflussrichtung umdreht. Da der Netzbetreiber sicherstellen soll, dass die Netznennspannung beim Verbraucher ankommt, wir daher meist der Trafo so hoch eingestellt, dass dies erfüllt wird.


    Der Trafo kann die Energie problemlos ins Mittelspannungsnetz einspeisen, er ist vollständig bidirektional (natürlich mit Verlusten).


    Ciao


    Retrerni