Fragen zu Garantie und Gewährleistung

  • Hallo guten Tag,
    ich habe ein paar Fragen zur Garantie und Gewährleistung, im Bereich der Photovoltaiktechnik.
    Wenn ich eine Anlage von einem Solateur installieren lasse, gilt ab diesem Tag die gesetzliche Gewährleistung. Kann diese gesetzliche Gewährleistung durch eine Klausel im Vertrag verlängert werden?
    Handelt es sich bei den Verträgen meistens um "Kaufverträge"?
    Wird dort öfters unterschieden zwischen einem Bauwerk, wenn die Module im Haus fest integriert sind
    und übrigen Solaranlagen , zb auf dem Dach montierte?


    Ist es üblich, dass die Beweispflicht eines Mangels Seitens des Solateurs bei 6 Monaten liegt, oder gibt es auch Fälle wo, der Solateur die Zeit im Vertrag verlängert? Und wenn die Gewährleistungszeit 5 Jahre ist, muss der Solateur trotzdem nur 6 Monate die Beweise liefern, dass es zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme zu keiner Leistungsminderung gekommen ist?


    Wenn nun der Solateur einige Module anbietet und ich diese installieren lasse und im Vertrag nichts genaueres zu den Leistungen der Module steht, sondern nur auf den Datenblättern, was würde passieren, wenn die Leistungen nicht den Leistungen entsprechen, die auf den Datenblättern stehen? Wenn ein Fachmann beispielsweise die Leistung bei der Inbetriebnahme misst und feststellt, dass die Leistung nicht in den Toleranzen liegt wie auf dem Datenblatt. Oder bei einer zweiten Messung innerhalb der ersten 6 Monate feststellt, dass die Leistung nicht den Leistungen auf dem Datenblatt entsprechen es aber bei der ersten Messung der Fall war?!


    Macht man das so, dass man immer bei der Inbetriebnahme eine Messung mit dem Solaateur durchführt?
    Ist auf http://www.photovoltaik-shop.c…olarmodul-analysator.html verlass bzw. sind solche Instrumente glaubwürdig?
    Am am Zeitpunkt der Inbetriebnahme alles ok war und man dann auch durch Messungen eines Fachmanns nach 6 Monaten merkt, dass die Leistung schlechter geworden ist, muss man ja beweisen, dass schon bei der Inbetriebnahme etwas mit der Anlage falsch war , damit man einen Mangelanspruch erheben kann.


    Gelten die Garantien der Hersteller eigentlich erst nach dem Ablauf der verjährung der Mängelansprüche (Gewährleistungszeit)?


    Ich bin mir im Klaren, dass es viele Fragen sind.
    Aber ich muss diese stellen.
    Muss ja niemand antworten :D
    Schönen Tag!

  • Hi.


    Zitat von sunbrown

    gesetzliche Gewährleistung. Kann diese gesetzliche Gewährleistung durch eine Klausel im Vertrag verlängert werden?


    Die "gesetzliche" nicht, aber natürlich kann der Verkäufer eine längere Gewährleistung freiwillig anbieten.


    Zitat

    Ist es üblich, dass die Beweispflicht eines Mangels Seitens des Solateurs bei 6 Monaten liegt, oder gibt es auch Fälle wo, der Solateur die Zeit im Vertrag verlängert? Und wenn die Gewährleistungszeit 5 Jahre ist, ...


    Üblich im Sinne der Fristen aus der gesetzlichen Gew.. ( ist eigentlich Sachmängelhaftung...), was der Verkäufer darüber hinaus anbietet ist frei konfigurierbar.


    Den weiteren Teil beantworte ich aus mehreren Gründen nicht.. ;) Es scheint das Du einen konkreten Fall hast... falls das so ist dann schildere doch einfach den Sachverhalt und nicht irgendwelche "fiktiven" Dinge :)


    Zitat

    Gelten die Garantien der Hersteller eigentlich erst nach dem Ablauf der verjährung der Mängelansprüche (Gewährleistungszeit)?


    Nein, das läuft i.d.R. gleichzeitig, kann aber vom Hersteller sonstwie definiert werden. Die freiwillige Garantieleistung des Herstellers einer Sache hat nichts mit der Sachmängelhaftung des Verkäufers zu tun. Garantien können an alle möglichen Dinge/Vorschriften/Bedingungen gebunden sein.

    Grüße,
    Klaus


    9,18 kWp 34xPlus SW 270 Mono, Symo 7.0.3M O/W 39°

    4,72 kWp 16xPlus SW 295 Mono, Symo Hybrid 4.0-3 s O 39°
    7,48 kWp 22xIBC Monosol, Symo 10.0.3M W 39°

    Weitere 5,1kWp in Selbstbauplanung - Dach voll rulez!

    ST abgebaut, Heizung Panasonic Aquarea J WP 5kW

    Elektrischer Zimmerer, und Haustechniknexialist :mrgreen:

  • Danke für die Informationen!
    Vor allem der Begriff der Sachmängelhaftung war bis gerade eben noch neu.


    Ja es geht eigentlich darum, mich zu informieren, wann ich als Käufer welche Rechte habe. Und was man eben Nachweisen muss, wenn die Leistung der Anlage innerhalb der Sachmängelhaftungszeit schlechter wird als versprochen.

  • Zitat von sunbrown

    Handelt es sich bei den Verträgen meistens um "Kaufverträge"?


    Ja.
    Nach meinem Kenntnisstand handelt es sich nur bei Indachanlagen, bzw. fassadenintegrierten Anlagen sowie Freiflächenanlagen um Werkverträge mit entsprechend längerer gesetzlicher Gewährleistung.


    Zitat von sunbrown

    Ist es üblich, dass die Beweispflicht eines Mangels Seitens des Solateurs bei 6 Monaten liegt, oder gibt es auch Fälle wo, der Solateur die Zeit im Vertrag verlängert?


    So etwas wird in der Regel nicht im Kaufvertrag geregelt, da es bereits im BGB geregelt ist. Abgesehen davon muss der Solarteur nicht den Mangel beweisen, sondern gerade das Gegenteil.


    Zitat von sunbrown

    Und wenn die Gewährleistungszeit 5 Jahre ist, muss der Solateur trotzdem nur 6 Monate die Beweise liefern, dass es zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme zu keiner Leistungsminderung gekommen ist?


    Wenn es sich weiterhin um einen Kaufvertrag handelt und der Solarteur freiwillig die Gewährleistungsfrist verlängert, dann würde ich sagen: ja.
    Bei Werkverträgen sieht das anders aus.


    Zitat von sunbrown

    Wenn nun der Solateur einige Module anbietet und ich diese installieren lasse und im Vertrag nichts genaueres zu den Leistungen der Module steht, sondern nur auf den Datenblättern, was würde passieren, wenn die Leistungen nicht den Leistungen entsprechen, die auf den Datenblättern stehen? Wenn ein Fachmann beispielsweise die Leistung bei der Inbetriebnahme misst und feststellt, dass die Leistung nicht in den Toleranzen liegt wie auf dem Datenblatt. Oder bei einer zweiten Messung innerhalb der ersten 6 Monate feststellt, dass die Leistung nicht den Leistungen auf dem Datenblatt entsprechen es aber bei der ersten Messung der Fall war?!


    Dieser Fall ist sehr hyphothetisch.
    Du kannst in den ersten 6 Monaten nicht einfach behaupten, dass die Module eine geringere Leistung haben als im Datenblatt angegeben und der Solarteur soll dir dann durch Flashung das Gegenteil beweisen. Das Vorliegen eines Mangels muss schon offensichtlich sein. Sonst könntest du auch auf Verdacht eine mangelhafte Verlötung der Zellen reklamieren und der Solarteur soll dir mal schön bestätigen, dass sie bei jedem einzelnen Modul fehlerfrei ist.


    Zitat von sunbrown

    Macht man das so, dass man immer bei der Inbetriebnahme eine Messung mit dem Solaateur durchführt?
    Ist auf http://www.photovoltaik-shop.c…olarmodul-analysator.html verlass bzw. sind solche Instrumente glaubwürdig?
    Am am Zeitpunkt der Inbetriebnahme alles ok war und man dann auch durch Messungen eines Fachmanns nach 6 Monaten merkt, dass die Leistung schlechter geworden ist, muss man ja beweisen, dass schon bei der Inbetriebnahme etwas mit der Anlage falsch war , damit man einen Mangelanspruch erheben kann.


    Mir scheint, du wirfst die Begriffe STC-Leistung und MPP-Spannung durcheinander.

    Viele Grüße

    Bento


    Auch an Tagen, an denen der Himmel grau ist, ist die Sonne nie ganz verschwunden.
    (Arnaud Desjardins)


  • Auch dafür danke.


    Ja stimmt. STC und MPP müsste ich besser außeinanderhalten.
    Ich versuche nochmal anders zu beschreiben:
    Also wenn ein Fachmann nun feststellt, dass die Leistung der Anlage, bei gleichen Wetterbedingungen, wie bei der Leistungsmessung (MPP) des Solateurs bei Inbetriebnahme der Anlage, weniger elektrische Leistung ( MPP) bringt als gewährleistet wurde, muss der Solateur dann nachweisen, dass die Anlage am Anfang korrekt installiert wurde.
    Das Problem ist, dass man als Betreiber ja gerne die vertraglich versprochene Leistung erhalten möchte und nach dem folgendem Gesetz müsste das doch irgendwie funktionieren. Wäre die Feststellung der Leistungseinbußen durch einen Fachmann also offensichtlich genug?



    Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)

    § 443 Garantie


    (1) Geht der Verkäufer, der Hersteller oder ein sonstiger Dritter in einer Erklärung oder einschlägigen Werbung, die vor oder bei Abschluss des Kaufvertrags verfügbar war, zusätzlich zu der gesetzlichen Mängelhaftung insbesondere die Verpflichtung ein, den Kaufpreis zu erstatten, die Sache auszutauschen, nachzubessern oder in ihrem Zusammenhang Dienstleistungen zu erbringen, falls die Sache nicht diejenige Beschaffenheit aufweist oder andere als die Mängelfreiheit betreffende Anforderungen nicht erfüllt, die in der Erklärung oder einschlägigen Werbung beschrieben sind (Garantie), stehen dem Käufer im Garantiefall unbeschadet der gesetzlichen Ansprüche die Rechte aus der Garantie gegenüber demjenigen zu, der die Garantie gegeben hat (Garantiegeber).


    Was das Testgerät angeht was ich da gepostet habe, kann man damit anscheinend STC Bedinungen herausrechnen und die aktuelle MPP Leistung messen:


    "Durch einfachen Tastendruck werden die aktuelle Leistung (Mpp), die Peakleistung, der Kurzschlussstrom und die Leerlaufspannung auf der Grafik-Anzeige dargestellt sowie auf Standard-Testbedingungen (STC) automatisch umgerechnet. "


    Dabei frage ich mich, ob diese Art von Geräten von Solateuren oder Fachmänner benutzt wird, um zum einen, annähernde STC Werte der Panele und zum anderen, die aktuelle Leistung zu messen.


    Danke für die guten Antworten bisher, das hat mir wirklich weitergeholfen!
    Guten Tag noch!

  • "Macht man das so, dass man immer bei der Inbetriebnahme eine Messung mit dem Solaateur durchführt?"


    Bestimmt nicht, der arme Mann :?


    Für die Inbetriebnahme wird oft nur die Leerlaufspannung der Strings gemessen.
    Leider wird oft vergessen, diese Werte festzuhalten.
    Sie haben auch nur bedingte Aussagekraft, da man sonst noch Einstrahlung, Temperatur messen müsste.


    Kennlinienmessgeräte sind teuer und nicht jeder Solateur hat eins.

  • Noch eine weitere Frage: Ist der Solateur an seinen Kunden in irgendeiner Weise verpflichtet, wenn die Gewährleistungszeit also die Sachmängelhaftungszeit vorbei ist?
    Kann ja sein, dass dann da irgendein Gesetz greift... :D

  • Die Messungen nach Montage sind für den beschriebenen Zweck nur bedingt aussagekräftig, weil man Einstrahlung und Modultemperatur normalerweise nicht misst.


    Aussagekräftiger bei bekannter Lage und Ausrichtung der Anlage sind:
    - Leerlaufspannung (da weniger Einstrahlungsabhängig als die Leistung)
    - Peakleistung an einem klaren Tag
    - Ertragsvergleich mit ähnlichen Anlagen in der Umgebung


    Sag doch mal was dein Problem ist. Dann können wir besser helfen.


    Gruß Jochen

    14,8 kWp Solar Fabrik / Fronius
    23 kWp Bosch / Danfoss
    55 kWp Frankfurt Solar / Danfoss
    30 kWp Yingli / SolarEdge
    15,8 kWp Bosch / SMA
    Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Helianthus Solar GmbH

  • Zitat von sunbrown

    Noch eine weitere Frage: Ist der Solateur an seinen Kunden in irgendeiner Weise verpflichtet, wenn die Gewährleistungszeit also die Sachmängelhaftungszeit vorbei ist?
    Kann ja sein, dass dann da irgendein Gesetz greift... :D


    Mir ist da nichts bekannt, was im Regelfall greifen könnte.


    Aber die Hartnäckigkeit deiner Fragen zum Leben nach der Gewährleistung kommen mir für einen Interessenten auch sehr spanisch vor.
    Hast du dich schon mit dem Leben nach dem Tod beschäftigt?

    Viele Grüße

    Bento


    Auch an Tagen, an denen der Himmel grau ist, ist die Sonne nie ganz verschwunden.
    (Arnaud Desjardins)