EU zieht Teilung des deutschen Strommarktes in betracht

  • Moin!


    Das Thema wurde vor einiger Zeit schon mal an anderer Stelle im Forum diskutiert. Leider finde ich den Thread grade nicht.
    Hier der Artikel aus der SVZ: EU MISCHT ENERGIEWENDE AUF: Strom im Norden bald günstiger als im Süden?
    Der Original-Artikel im Handelsblatt ist nur für Abonnenten verfügbar. Ich hoffe mal, dass da alles Wichtige drin steht.

    Zitat

    Die EU-Kommission will den deutschen Strommarkt in zwei Zonen aufspalten. Grund sind Proteste von EU-Nachbarn.

    Mit sonnigen Grüßen
    -eggis-


    "Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier." (Gandhi)


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  • Hi,


    Zitat von SVZ

    EU MISCHT ENERGIEWENDE AUF: Strom im Norden bald günstiger als im Süden?


    hehe, das ist der Bazibonus, um den Seehofers Vasallen so lange gebettelt haben! :mrgreen:

  • Mich würde auch interessieren, wie das rein technisch gehen soll. Tennet hat ja ein Netz von der Nordsee bis zu den Alpen, die müßten ihr Netz also künstlich irgendwo teilen. Daß die EU eine Zerschlagung anordnen kann, bezweifle ich mal, zumal Tennet ja 100% dem niederländischen Staat (nach Wiki dem Finanzministerium) gehört und der deutsche Ableger bestimmt ordentliche, wenn auch regulierte, Gewinne abwirft.
    Daß für den Privatkunden und kleinen Gewerbetreibenden der Börsenpreis quasi keine Rolle spielt wissen alle, die sich näher damit befassen.
    Ok, das Handelsblatt lesen vielleicht eher Manager, aber da ist der Strompreis auch nur einer von vielen Faktoren. Die, für die das wirklich oben steht, produzieren imo schon lang nicht mehr in Deutschland, jedenfalls nicht den energieintensiven Teil.

  • Zitat von alterego

    Mich würde auch interessieren, wie das rein technisch gehen soll. Tennet hat ja ein Netz von der Nordsee bis zu den Alpen, die müßten ihr Netz also künstlich irgendwo teilen.


    Ich sehe da weniger ein Problem. Je nach Lage werden alle Kraftwerke, Netze und Verbraucher entweder dem einen ... oder dem anderen Marktgebiet zugeteilt.


    Im Prinzip sollte das aber die letzte Möglichkeit sein, die angewendet wird. Ich denke man sollte bei den Transportkosten (Netzentgelten) anfangen. Je weiter der Strom transportiert wird, desto mehr Netz wird genutzt und desto höher sollten die Netzkosten sein. Die Autobahn-Maut ist ja auch unterschiedlich hoch, wenn man 20km, 200km oder 800km darauf fährt. ...oder etwa nicht?


    Für die die nicht wissen. Ich spreche vom Netzentgelt, dass die Übertragungsnebetreiber (ÜNB) für den Stomtransport im HSN oder HöSN bekommen. Das sind ca. 2-3 cent/kWh, die jeder Verbraucher (außer die befreite Industrie) zu zahlen hat, egal ob er diese Netzebene nutzt oder nicht.

    Mit sonnigen Grüßen
    -eggis-


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  • Theoretisch machbar, aber solange die Industrie direkt an der Börse direkt einkauft. Aktuell haben wir heute schon verschiedene Netzentgelte beim Strompreis!

    Für Energie Alternativen Solarstrom Simon aus Bayern München / Olching

  • Moin Simon,

    Zitat von Solarstrom_Simon

    Aktuell haben wir heute schon verschiedene Netzentgelte beim Strompreis!


    Das liegt aber nicht an den 2-3ct der ÜNB´s, sondern an den 5-8ct/kWh, die die VNB´s noch für den Verteilnetzbetrieb draufschlagen. Wenn ich den ÜNB-Beitrag sparen oder reduzieren könnte, weil ich regional Strom beziehe, wäre ich schon zufrieden.

    Mit sonnigen Grüßen
    -eggis-


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  • Eine Aufteilung des Strommmarktes bedeutet einfach, dass die Fiktion der Kupferplatte aufgegeben wird. Wenn nach der Teilung ein Stromhandel über die Nord-Süd-Grenze stattfindet, wird man gleichzeitig die entsprechende Übertragungskapazität allokieren müssen.
    Heute könnte theoretisch Österreich 20 GW Windstrom aus Norddeutschland einkaufen und sich keinen Deut darum scheren, dass diese Leistung physikalisch einfach nicht durchs Netz passt. Momentan regeln dass dann die Netzbetreiber aus, indem sie die Kraftwerke in Norddeutschland dafür entschädigen, dass sie ihren nach Österreich verkauften Strom gar nicht erzeugen können, und gleichzeitig Standby-Kraftwerke in Süddeutschland fürs Hochfahren bezahlen, damit die Ösis trotzdem den eingekauften Strom aus Deutschland bekommen. Auf Kosten der Allgemeinheit.
    Mit jeder Windkraftanlage, die in Norddeutschland zusätzlich ans Netz geht, wird diese Verzerrung schlimmer und die Folgen immer schwerer auszugleichen. Die großen HGÜ-Nord-Südleitung lassen ja scheinbar noch bis 2025 oder so auf sich warten. Bis dahin sind dann nach aktuellem Fahrplan aus 3 GW Offshore-Windkraft stolze 10 GW geworden. Allein das würde die neuen Leitungen schon wieder voll auslasten.

  • Zitat von GWeberJ

    Eine Aufteilung des Strommmarktes bedeutet einfach, dass die Fiktion der Kupferplatte aufgegeben wird.


    Und genau in diesem Punkt widerspricht sich nun die EU. Denn der Begriff "Kupferplatte" stammt direkt aus den Brüsseler Amtzimmern die uneingeschränkten Handel proklamieren und dabei physikalische Gegebenheiten ausblenden.

    Mit sonnigen Grüßen
    -eggis-


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  • Zitat von eggis


    Und genau in diesem Punkt widerspricht sich nun die EU. Denn der Begriff "Kupferplatte" stammt direkt aus den Brüsseler Amtzimmern die uneingeschränkten Handel proklamieren und dabei physikalische Gegebenheiten ausblenden.


    Ich stecke nicht im Detail in der Thematik. Aber aus meiner Sicht liegt auf der Hand, dass Marktteilnehmer innerhalb der dysfunktionalen DE/AT-Marktzone defacto anderen Regeln unterliegen als die in anderen europäischen Marktzonen. Das muss vor dem Hintergrund der angestrebten Gleichbehandlung natürlich auf EU-Ebene zu Problemen führen. Warum soll es einem Kraftwerk in Norddeutschland gestattet sein, Strom nach Österreich zu verkaufen, der dort gar nicht ankommen kann, wenn dies seinem dänischem Konkurrenten nicht möglich ist (alldieweil dieser die ausreichende Übertragungskapizität nachweisen müsste, die bei dem deutschen Kraftwerksbetreiber einfach als gegeben vorausgesetzt wird).

  • Hi,


    Zitat von GWeberJ

    Heute könnte theoretisch Österreich 20 GW Windstrom aus Norddeutschland einkaufen und sich keinen Deut darum scheren, dass diese Leistung physikalisch einfach nicht durchs Netz passt.


    nicht ganz. Nach meinem Wissen ist bei grenzüberschreitendem Handel die Kapazität der zuständigen Grenzkuppelstelle auch für den Handel der limitierende Faktor.