Plug&Play-Anlag in der Schweiz: 600W 3x600W oder gar 3000W ?

  • Ich greife das für CH bezogen noch mal auf, weil da scheins einige Verwirrung besteht und auch die Vorschrift des http://www.esti.admin.ch/files…l/2014-07_plug-play_d.pdf (EigenössischesSTarkstromInsektorat) nicht logisch ist.
    Man liest Stand 2016 bei einigen Anbietern nach wie vor etwas von Plug&Play und 3000W!


    Erste Unklarheit: Bezügerleitung meint nach Meinung mancher jede einzelne Phase, nach der von anderen alle 3, also die Leitung (eines Zählers) in eine Wohnung (nicht der Hausanschluss)..
    Sprich wenn jede Phase gemeint wäre, sind es 3 mal 600W sonst nur 1 mal 600W.


    Zweite Unklarheit: Es wird in der Erklärung des ESTI von 10/13A Absicherungen geschrieben. Im Endstromkreis! Hier soll also die Überlasst vermieden werden. Das ist zwar wie schon oft beschrieben völlig unwahrscheinlich, aber immerhin logisch. Bei 600W zusätzlich kann kaum etwas passieren.
    Logisch macht die Begrenzung auf 600W pro Zähler dann aber keinen Sinn, weil auf jeder der 3 Phasen keine Aufsummierung auf zB 1800W statt findet, also auch keine Überlastung zwischen Zählersicherung und Endstromkreis(sicherung) statt finden kann.


    Dritte Unklarheit: Bei grösser 600W ist ein Elektriker und eine feste Installation vorgeschrieben. Auch das macht Sinn, weil Stecker keine langfristig sichere Verbindung bei höheren Lasten darstellen, was man ja zB von Heizlüfter kennt, wo die Steckose ab und an abraucht.
    Wenn ich aber pro Phase 600W anschliesse, KANN nichts passieren, wozu es einen Elektriker braucht, weil weder die Steckbare Verbindung noch eine Phase (bzw. Sicherung) mehr als 600W "ertragen" muss bzw, nicht "kennt".


    Genau darum geht es bei Plug&Play-Anlagen aber. Um die Sicherheit. Wenn ich keinen Elektriker benötige, warum soll es dann bei 600W pro Zähler bleiben? 600W je Phase, also 3x600 pro Zähler, ist was die Sicherheit betrifft, genau das Gleiche, wie einmal 600...
    Weiter besteht ja auch bei kleinen Anlagen eine Mitteilungspflicht (nicht Genehmigung!) ans EW. Auch hier besteht zwischen 1x600 und 3x600 kein Unterschied (da man ja im Zweifelsfall dem EW Strom schenkt, durch den WR und die Einspeisung das Netz stützt und man dem dem EW so etwas Gutes tut).


    Bei verschenkter Leistung fällt mir auch sonst bei bestem Willen nichts ein, was gegen mehr als 1x600W Plu&Play spricht. Denn nur bei bezahlter Leistung muss das EW dafür Sorge tragen, dass die Leitungen dick genug sind, damit der WR auch alles einspeisen kann.


    Das Einzige was ich mir vorstellen kann, ist, dass wenn man es gaaanz genau nimmt, der Elektriker dem EW bestätigen könnte, dass nicht alle 600W Anlagen an einer Phase hängen und die Leitungen vor dem Endstromkreis zum Glühen bringen könnten. Aber auch dass wäre bei 3x600W oder gar 3000W eh nicht Fall.


    Wir haben das Recht PV an zu schliessen. Über 600W pro Sicherung/Phase ist es technisch Vorschrift, eine ortsfeste Installation zu machen, was nur ein Elektriker darf.


    Also was CH betrifft, verletzt man mit 600W pro Endstromkreis (Sicherung nicht mal pro Phase) und unter 3000/3500W (Schieflast/max. Leistung bei 2.5mm2) insgesamt keine technische Regel. Man macht nichts, was die Sicherheit gefährdet und man bescheisst auch keinen. Im Gegenteil, man verschenkt Strom. Und wenn das EW bei der Pro-Forma-Anmeldung was gegen z.B. 3x600W hat, wird es einem dies schon mitteilen und sagen, was es erwartet.



    Mich würde interessieren ob ich mit diesen Überlegungen richtig liege oder nicht. Vor allem technisch, den im Endeffekt sagt eh das EW was es haben will. Neulich hat mir ein Kunde erzählt, dass ihm 3KW mit Stecker zertifiziert wurden. Im Aargau... :mrgreen:

    Grüsse Sebastian / Solarblitz.ch

  • Habe gerade mit einem Zuständigen eines schweizer EWs gesprochen.


    Es ist wie ich gedacht habe: 600W pro Endstromkreis, also nach einer Sicherung, ist klar Vorschrift um einen teuren Elektriker zu vermeiden. (Ortsfeste Installation, neue Leitung, neue Sicherung)


    Vermutlich sind nur 600W pro Zähler ohne Bewilligung möglich. Das widerspricht sich aber etwas mit der Pflicht zur formlosen Anmeldung beim EW. Manche EWs zB Villmergen oder EBL (Basel) vergüten auch bei Kleinanlagen, benötigen dazu aber natürlich die Anmeldung und einen Vierquadrantenzähler (inzwischen meist Standard aber noch nicht überall ausgetauscht).


    In diesem Fall will das EW Villmergen ein sogenanntes Anschlussgesuch, was im Fall von Plug&Play-Anlagen auch formlos vom Kunden erfolgen kann (Angabe der Daten, also einfach Datenblätter einreichen). Ein solches Anschlussgesuch ist im Prinzip die Anfrage zu einer Bewilligung. Da aber das Recht besteht, PV an zu schliessen ist auch das wieder nur Pro Forma.


    Je nach dem könnte man also auch mehr als 3 Plug&Play-Anlagen anschliessen. Ich habe das ausdrücklich erfragt. Einfach nur jeweils eine pro Sicherung...
    Denn mit dem pro Forma Anschlussgesuch bekommt man ja auch eine Bewilligung :wink:


    Bitte an Interessenten solcher Anlagen: Fragt euer EW, wenn ihr sicher sein wollt.
    Die Sache is nur theoretisch klar. In der Praxis macht jedes EW was es will, sprich erlaubt ohne Elektriker, Anschlussgesuch oder Sicherheitsnachweis (SINA) mehr oder weniger.
    Und was die Anzahl an Anlagen betrifft, dürfte bei vielen EWs die Bewilligung wie beschrieben nur eine Formalie sein. Oft sogar ohne Kostenfolgen. (Zählerwechsel kostet manchmal und manchmal nicht.)


    Fazit:
    - 600W Plug&Play pro Zähler sind 100% erlaubt.
    - Mehrere Anlagen jeweils nach einer anderen Sicherung benötigen keinen Elektriker.
    - Wer eine Rückvergütung will (nur die Energiekosten nicht Steuer und Leitungsabgaben) muss mit seinem EW sprechen, was sowieso Vorschrift ist, also kann man auch gleich fragen ob man mehr als eine Anlage anmelden darf.
    - Eine pro forma Bewilligung (Anschlussgesuch oder auch eine Sicherheitsnachweis (am besten durch eine Kontrollfirma normale Elektriker machen das nicht gern)) bei mehr als einer Anlage, wird wohl Pflicht sein. Damit verbunden ist aber dann oft auch eine kleine Vergütung des verschenkten Stroms.
    - Wer eine Vergütung der erzeugten Energie die den Eigenverbrauch übersteigt will, bzw. diese Vergütung nicht verschenken will, sollte sein EW fragen.


    Ich hoffe ich konnte die Sache etwas erhellen :)

    Grüsse Sebastian / Solarblitz.ch

  • Nochwas:
    Ich habe eine anderes EW gefragt. Dort hat man sehr unfreundlich reagiert (bin ich vom dem gewohnt... EBM).
    Nachdem ich aber deutlich gemacht habe, dass es mir nicht um Salamitaktik geht, wie mir erst mal unterstellt wurde, sondern um Information für Interessenten, die Hand und Fuss haben, wurde es besser.


    Hier war jedoch ganz klar: Alles was 600W übersteigt benötigt ein Anschlussgesuch durch einen Elektriker, der sich vermutlich i.d.R. bei der EBM nicht drauf einlässt dem Kunden ohne extra Leitung die Sicherheit zu bestätigen. Es könne ja sein, dass die Stromkreise mal umgehängt werden und dann sei alles auf einer Phase etc . blabla
    Genauso gut könnte Schwiegermama ja auf die Kante das Moduls fallen und versterben :oops:


    Nun ja, das interessante war aber: Selbst diese strikten Ansagen haben durchblicken lassen, der Eigentümer ist verantwortlich dass nix passiert. Sprich zB an jeder Phase einmal 600W ist technisch OK aber erfüllt nicht die Vorschriften.


    Wer also unbedingt sparen will sollte 100% sicher sein, dass die Leitungen nicht überlastet werden können. Am besten durch einen Fachmann inoffiziell bestätigen lassen.


    Bitte: Ich schreibe das nicht als Anleitung. Ich möchte, dass die, die sich eh nicht abhalten lassen, ihre Anlage so sicher wie möglich betreiben. Man bekommt so einiges mit...

    Grüsse Sebastian / Solarblitz.ch