Keine Einspeisung möglich, wer Bezahlt Ausfall?

  • Hallo,
    Ich wollte mir hier mal wieder Rat holen zur folgenden Begebenheit:
    Am Sonntag,13.3. hatten wir um 19.00 über mehr als 3 Stunden einen Stromausfall. Da der Fehler zunächst nicht behoben werden konnte,stellten die Stadtwerke einen Notstromgenerator auf, wo unsere kleine Siedlung nun dranhängt.Seit Tagen vesuchen die Arbeiter nun, die 20kv Zuleitung wieder zu reparieren, mit dem Ergebnis dass wenn sie eine Stelle geflickt haben, an einer anderen ein weiteres Leck zutage kommt, inzwischen soll eine komplett neue Leitung vergraben werden, da die alte(45 Jahre alt) zu marode ist. Durch die Insellösung mit dem Notstromaggregat läuft aber bei uns kein WR mehr, da sie eine Frequenz von 52Hz eingestellt haben, folglich produzieren unsere Anlagen derzeit(bei bestem Wetter) auch keinen Strom. Auf Nachfrage bei meiner Versicherung bezüglich Ertragsausfall hieß es, dass diese nur bei einem Schaden der Anlage greift, dies ist jedoch nicht der Fall. Die Stadtwerke sagen sehr wachsweich, man werde sich schon irgendwie einig werden, obwohl sie eigentlich rechtlich zu nichts verpflichtet seien.
    Bis dass neue Kabel verlegt ist, wird es wohl bis Ostern dauern, also 2 Wochen keine Einspeisung möglich.
    Meine Frage ist, ist das EVU verpflichtet, uns (15 Betreibern ) den Ertragsausfall zu ersetzen, oder können wir die Einnahmen abschreiben?
    Über fundierte Antworten wäre/n ich/wir sehr dankbar.
    mfg
    Neuling77

    12,2kwp SW 235 mono, 38,66kwp SW 230 poly, 34,79kwp Aleo S19 245,
    WR alle SMA

  • In einem solchen Fall kannst Du die Einnahmen vermutlich leider abschreiben. Einen Vergütungsanspruch hast Du nur wenn Sie Dir die Anlage aus Stabilitätsgründen runter regeln.
    Nachfragen macht hier aber schlauer, evtl. zeigen Sie sich auch kulant.

  • Zitat von MBIKER_SURFER

    Moin,


    hast Du keine Ertragsausfallversciherung?
    Ansonsten: Höhere Gewalt.


    Gruß
    MBiker_Surfer


    Ist das wirklich höhere Gewalt? Wenn sich ein Zug wegen einer defekten Weiche verspätet ist das auch keine höhere Gewalt. Oder waren es Naturgewalten?


    Ich kenne mich in diesem Bereich speziell leider 0,000 aus, aber "Höhere Gewalt" ist es nicht, wenn das Kabel nicht ordnungsgemäß funktionert (z.B. wegen schlechter Wartung, fehlendem Austausch etc.) Das liegt m.E. schon im Verantwortungsbereich des Netzbetreibers.


    Ich sehe da tstsächlich erstmal Schadenersatz für die Einspeisung und den Netzbezug, der eigentlich durch Eigenverbrauch gedeckt gewesen wäre.


    Was ich nicht weiß, ob Verträge oder spezielle "Stromgesetze" etwas anderes definieren.

  • wie hoch ist denn der Ausfall? Ich denke mal, da kommen bestimmt noch viele sonnige Tage und du kannst den Verlust wieder aufholen und am Jahresende wirst du ihn nicht mehr bemerken.... :wink:

    Komplizierte Vorgänge immer dem faulsten Mitarbeiter geben. Er wird die einfachste Lösung finden!

  • ich würde als Nichtjurist sagen, ein Anspruch auf Schadenersatz setzt voraus, daß du dem Anspruchgegner ein Verschulden nachweisen kannst. Der Netzbetreiber muß unverzüglich sein Netz in Ordnung bringen. Das heisst, ohne schuldhaftes Zögern.
    Du schreibst selbst, daß der Netzbetreiber am Reparieren bzw. Austauschen des betreffenden Kabelabschnitts ist. Das bedeutet doch, daß er dabei ist,sein Netz in Ordnung zu bringen. Ob das nun einen Tag schneller möglich wäre oder nicht, oder ob der Ablauf dieser Reparatur so ist, daß ein Schuldhaftes Zögern des Netzbetreibers vorliegt, wirst du nicht beurteilen können, und schon garnicht beweisen. Und beweisen wirst du das müssen, wenn du Entschädigung willst.

  • nennen wir es einfach mal unternehmerisches Risiko. Da ist der Netzbetreiber cleverer, damit er kein Ertagsausfall hat stellt der ein Notstromaggregat auf. PV Anlagen Besitzer können dann nicht mal den Solarstrom für den Eigenbedarf nutzen.

    Komplizierte Vorgänge immer dem faulsten Mitarbeiter geben. Er wird die einfachste Lösung finden!

  • Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass sich im Zeitalter von Google Leute zu Dingen äußern, von denen sie nicht die geringste Ahnung haben.


    Die Fragestellung des TS finde ich erstens einmal hoch interessant und zweitens betrifft sie im Grunde alle Betreiber.


    Mit ein bisschen googlen findet man sofort, dass die Fragestellung in §18 der NAV (Netzanschlussverordnung) geregelt ist.


    Schlüsselfrage ist also: liegt grobe Fahrlässigkeit vor?


    Nun, wenn Dir bei Deinem Auto ein Schaden bekannt ist und aufgrund dieses Schadens ein Unfall passiert, dann ist das zweifelsfrei grob fahrlässig.


    Also lässt sich die Fragestellung weiter eingrenzen. Wenn dem Netzbetreiber die Mängel der Leitung bekannt waren und er nicht unverzüglich für Reparatur gesorgt hat, dann hat er wohl grob fahrlässig gehandelt.


    Sollte keine grobe Fahrlässigkeit vorliegen, ist Schadensersatz für einen Vermögensschaden ausgeschlossen.


    Man kann sich also darauf beschränken, ob der Netzbetreiber grob fahrlässig gehandelt hat?


    Im übrigen dürfte es dazu ganz sicher auch schon höchstrichterliche Urteile geben.

  • in der Praxis stellt sich nichtmal die Frage ob diese Fahrlässigkeit vorliegt, sondern ob man sie, wenn sie denn vorliegen würde, beweisen könnte.
    Und da wirds für einen Anlagenbetreiber dann auch zu Ende sein, oder?

  • jodl,
    ich habe jetzt keine Lust, viel Zeit für die Interpretation des §18 NAV aufzuwenden.


    Wenn ich es aber richtig verstehe, wird bei jedem Stromausfall vermutet, dass der Netzbetreiber vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt hat und er das Gegenteil beweisen muss.


    Hat er also von den maroden Leitungen gewusst, muss er beweisen, dass er unverzüglich gehandelt hat und dass er vor allem auch vorher geprüft hat, dass die Leitungen noch nicht marode sind.


    Also, nicht immer alles gleich so negativ sehen.


    Ansonsten ist es halt so, dass jeder Unternehmer/Gewerbetreibender wesentlich höhere Risiken zu tragen hat als eine Privatperson.


    Das wird noch so manchem PV-Betreiber im Laufe der 20 Jahre negativ aufstoßen.