Frage zur EÜR

  • Hallo ihr,


    ich versuche mich gerade an meiner ersten Steuererklärung als PV Besitzer und drehe komplett durch. Ich würde mich freuen, wenn mir mal jemand eine konkrete Antwort bzgl. der EÜR geben könnte.


    Seit 2015 bin ich Besitzer einer gebrauchten PV mit Eigenverbrauch. Ich habe das "Rechnungsprozedere" vom Vorgänger übernommen und monatlich auf tatsächlichen Verbräuchen dem Netzbetreiber eine Rechnung + MwSt (0,2874€ / kwh) geschickt. Zusätzlich habe ich zeitgleich eine Gutschrift i. H. des EV (0,1638€ / kwh) verschickt, so dass ich vom Netzbetreiber nur die tatsächlich eingespeiste Energie vergütet bekommen habe, Vorsteuer habe ich monatl. ans FA abgeführt.


    Für mich stellt sich jetzt die Frage, wie genau ich den Eigenverbrauch angeben muss. AfA usw. sollen hier mal nicht betrachtet werden:


    Bei der EÜR muss ich jetzt auf der Einnahme Seite sowohl die netto Umsätze mit dem Netzbetreiber angeben als auch separat aufgeführt die USt.
    Auf der Ausgabenseite führe ich jetzt die abgeführte Vorsteuer auf, die im optimalfall gleich der oben aufgeführten USt ist und diese "neutralisiert".


    Zur Frage:
    Verstehe ich es jetzt richtig, dass ich auf der Einnahmenseite zusätzlich den netto - Eigenverbauch aufführe (berechnet mit 0,1638€ / kwh) und zusätzlich eine Position mit darauf kalkulierter USt.
    Ist das korrekt? Wenn ja, wird bzgl. des Eigenverbauchs auch noch was auf der Ausgabenseite berücksichtigt?


    Bin echt dankbar für eure Hilfe!

  • Hallo Joe2907,


    deine Frage zu der Angabe des EV in der EÜR kann ich mit einem "fast korrekt" beantworten.


    Richtig ist, dass du den EV als Sachentnahme angeben musst, die Berechnung mit EV-kWh * 0,1638 €/kWh ist korrekt, wenn es sich um eine Anlage mit Herstellungsdateum zwischen 1.1.2010 und 31.03.2012 handelt (Bei einer Anlage aus dem Jahr 2009 müssten 0,1800 €/kWh verwendet werden).


    Du brauchst die Umsatzsteuer für die Zahlungen des Netzbetreibers und für den Eigenverbrauch nicht separat angeben, sondern kannst sie zusammenfassen.


    Ich hänge dir das Beispiel einer EÜR an, da kannst du den Aufbau genau erkennen.


    Zu den Ausgaben ein Hinweis, weil ich vermute, dass du einen Begriff falsch verwendest:
    Als Vorsteuer wird die sogenannte "Mehrwertsteuer" auf Rechnungen an den Gewerbebetrieb bezeichnet, die man bei der Berechnung der zu zahlenden Umsatzsteuer direkt abziehen darf.


    Ich denke, du meinst hier wahrscheinlich die ans Finanzamt abgeführte Umsatzsteuer...
    Beide Komponenten (bezahlte Vorsteuer an Lieferanten und bezahlte Umsatzsteuer ans FA) ergeben in der Summe etwa die vereinnahmte Umsatzsteuer aus Zahlungen und Eigenverbrauch.


    Was sonst noch bei den Ausgaben angegeben werden kann (sofern angefallen) siehst du in der Muster-EÜR.


    mfg
    Paulchen

  • Hallo Paulchen,


    deine Erklärungen und das Beispiel haben mir sehr geholfen, vielen Dank dafür!


    Erlaube mir noch eine Frage zu deinem Beispiel zum besseren Verständnis:
    Bei den Ausgaben führst du die Punkte "Gezahlte Vorsteuer" und "An das FA gezahlte Umsatzsteuer" separat auf. Verstehe ich das richtig, dass die 88,33€ Ausgaben i. Sinne von Vorsteuern waren, die unterjährig nicht ans FA verrechnet wurden (zB Kauf eines Ersatzteils, Handwerkerrechnung). Oder anders gesagt, wenn du die unterjährig bei der USt-Vorauszahlung angegeben hättest, wäre der Betrag bei "Gezahlte Vorsteuer" null und der Betrag bei "An das FA gezahlte Umsatzsteuer" um 88,33€ höher?



    Nochmal danke für die Hilfe!

  • Joe2907, ich kann Dir Paulchen´s PV-Steuer Programm nur wärmstens empfehlen. Ich nutze es seit 5 Jahren, drücke bei meiner jährlichen Steuererklärung auf den entsprechenden Button und fertig ist die EÜR, die noch nie von meinem FA beanstandet wurde.

    7,71 kWp mit 38 x Hyundai HiS-M203SF an SB5000-TL (2x14) & SB2100-TL (1x10), DN:49°, -30° SSO, Inbetriebnahme: 31.08.2010,
    Sunnyportal

    Seit 28.01.2020 24/14 am SMA STP8.0-3AV-40

    Sunnyportal

  • Hallo Joe2907,


    ich befürchte, da hast du irgendwelche falsche Vorstellung vom Zusammenhang zwischen Vorsteuer und Umsatzsteuer.
    Aber das lässt sich ja klären.


    Im konkreten Beispiel bestehen die 88,33 € Vorsteuer aus mehreren meist fälschlicherweise so genannten "Mehrwertsteuerbeträgen" aus Rechnungen, die über das Jahr verteilt eingingen. In den monatlichen Umsatzsteuer-Voranmeldungen werden diese Beträge nach der Berechnung der Umsatzsteuer aus den ust-pflichtigen Einnahmen ausgewiesen und vom Rechnungsbetrag abgezogen (siehe Teil 1 der Anlage).
    In der Umsatzsteuererklärung werden die Gesamtbeträge dann lediglich zusammengefasst (unterer Teil der Anlage).


    Der Betrag bei "gezahlter Vorsteuer" ist niemals null - der Betrag wird niemals bei der "gezahlten UST" berücksichtigt!


    mfg
    Paulchen


    Übrigens: Das Beispiel ist in einer Hinsicht nicht ganz stimmig: Aufgrund der negativen USt-Meldung für Juli müsste bei den Einnahmen im Bild meines letzten Posts unter "vom FA erstattete Umsatzsteuer" der Betrag von 41,99 € stehen ;-) - das aber nur am Rande...

    Dateien

    • USteuer.pdf

      (123,49 kB, 133 Mal heruntergeladen, zuletzt: )

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    Informationen unter https://www.pv-steuer.com

  • Ah, jetzt habe ich das Prinzip verstanden, dann war ich tatsächlich auf dem Holzweg ;-)


    Ja, über das PV Tool bin ich auch schon gestolpert. Das sieht tatsächlich sehr übersichtlich aus und ich denke für 2016 werde ich mir das auch zulegen. Für 2015 macht es keinen Sinn mehr, weil ich schon fast fertig bin mit meiner ESt-Erklärung.
    Nichtsdestotrotz denke ich dass es Sinn macht, dass ich verstehe, was ich in dem tool mache.


    @ Paulchen:
    Ich denke die Zusammenhänge sind mir jetzt klar, einzig einen Wert in deiner EÜR kann ich nicht herleiten. Wie genau kommst du bei den Betriebsausgaben auf die 213€ ans FA? Ich hätte da die 234€ aus dem Ergebnis der USt Jahresabrechnung erwartet...

  • Jetzt willst du es aber wirklich genau wissen, nicht wahr? :D


    Warum sind es nicht die 234,29 € (seien wir mal ganz exakt!) aus der Umsatzsteuererklärung auch bei der bezahlten Umsatzsteuer in den Ausgaben?


    OK - ich habe mal nachgerechnet.
    Zum ersten: Da fehlt in meinem Musterbeispiel nicht nur ein Eintrag (die angesprochene USt-Rückerstattung von 41,99 €), sondern auch noch die Zahlung der USt März ans FA in Höhe von 30,78 €.


    In der EÜR muss also richtigerweise bei den Ausgaben für bez. UST der Betrag von 244,74 € stehen.


    Von diesem Betrag müssen wir die USt-Rückerstattung von 41,99 € abziehen, denn die ist ja in der Umsatzsteuererklärung enthalten, aber bei den Ausgaben nicht: verbleiben als reale Zahlung noch 202,75 €.


    Zu diesem Betrag müssen wir nun noch die Zahlung der USTVA für Dezember dazuzählen (denn die wird ja erst im Januar des nächsten Jahres abgebucht):
    202,75 € + 30,97 € = 233,72 €


    Und schließlich kommt noch die Restzahlung aus der Umsatzsteuererklärung in Höhe von 57 Cent dazu.
    Dann sind wir - man sehe und staune ;-) - bei 234,29 €


    Da kommt mir mein ehemaliger Mathematiklehrer in den Sinn, der nach solchen Rechnungen immer ganz groß an die Tafel geschrieben hat q.e.d - quod erat demonstrandum - was zu beweisen war. :wink:


    HG
    Paulchen

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  • Oh mann, hätte ich vorher gewusst wie komplex das alles ist, hätte ich mir die Anschaffung der PV Anlage gespart :shock:


    Aber ich denke ich habe zumindest das Grundprinzip verstanden (noch mal vielen Dank Paulchen) und werde meine Erste ESt-Erklärung und EÜR mal dem FA vorlegen, im Zweifel melden die sich schon wenn ihnen was nicht passt :D

  • Hallo,


    bin auch fast verzweifelt, als ich mir die ganze Steuergeschichte das erste Mal näher angeschaut habe.
    Für einen Steuerberater bin ich zu geizig.


    Kauf dir die Software.
    Die brauchst du nicht jährlich neu zu kaufen - nur einmal.
    Das Finanzamt meldet sich nur, wenn sie zu wenig Geld bekommen.
    Anders herum glaube ich eher nicht?


    Michael

    38 x Winaico WST-P6 Poly, 9,88 kwp Ost-West, Fronius Symo 8.2-3-m