Defekter Wechselrichter durch abrutschenden Schnee?

  • Hallo Freunde der Sonne,


    ich hatte heute einen merkwürdigen Vorfall.
    Bei einer von mir betreuten Anlage brach gegen Mittag bei Sonnenschein plötzlich die Leistung ein.
    Morgens lag noch etwas Schnee, so 1-2 cm. Im Laufe des Vormittags schmolz bzw. rutschte der dann von den Dächern ab.


    Anlagedaten:
    12,15 kwp, 54 x Solarworld / Sunmodule SW 225 poly
    WR Power One PVI-12,5-TL-OUTD-FS, 2 MPP-Tracker, unabhängig konfiguriert, belegt mit 26 (2x13) bzw. 28 (2x14) Modulen.


    Als ich vor Ort war, stellte sich das so dar:
    Das Modulfeld von MPPT 1 (5,85 kwp) war schneefrei, die Leistung war Null.
    Das Modulfeld von MPPT 2 (6,3 kwp) war etwa zu 50 % schneebedeckt, die Leistung bei ca.200 Watt.
    Am WR-Display war abzulesen, daß die maximale Leistung heute bei 7,5 KW lag.


    MPPT 2 hat heute wegen des Schnees nicht mal ein halbes kw geleistet.
    Demnach müsste MPPT 1 über 7 kw gegangen sein !
    Kann es sein, daß bei abrutschendem Schnee in der Mittagssonne die installierte Leistung um gut 20 Prozent überschritten wird ?
    Und könnte dabei ein Bauteil bei MPPT 1 zerstört worden sein ?


    Eine Fehlermeldung war auf dem Display nicht zu sehen.
    Laut Datenblatt des PVI beträgt die maximale Eingangsleistung für jeden MPPT 8,0 kw.


    Kennt sich da jemand aus ?


    Gruß Voltaer

  • 1. Welche Ausrichtung?
    2. Was sagen die eigenen Logger-Daten oder die aus der Umgebung zu den Einstrahlbedingungen?
    3. Was sind für Fehlermeldungen im WR (auslesen via Schittstelle) gespeichert?
    4. In1 und In2 Sicherungen überprüfen
    5. Strings der Eingänge In1 mit In 2 mal tauschen, um zu sehen, ob der Fehler bestehen bleibt

    WSW Dach 70°: Gauben 20x HIT-N240SE10 DN 25°, String auf A1+A2 STP8000TL-10; First 10x HIT-N240SE10 DN 45° auf SB3000TL-21
    ONO Dach -110°: First 10 x HIT-N240SE10 DN 45° teilverschattete Strings auf B STP8000TL-10
    Solar-Log 300, 70% Begrenzung fest

  • Moin moin aus Kiel,


    der WR wird dem schnellen Leistungssprung nicht hat folgen können. Schnee ist eine sehr verzwickte Situation für einen WR. Einerseits misst er hohe Spannungen am Eingang bei Sonnenschein, anderseits kommt kaum Strom an. Habe WR gesehen, die durch 5cm Schnee durch noch (oder schon) produktiv waren.


    Wenn ein WR so in einem Punkt festhängt hilft nur ausschalten, warten bis das Netzrelais öffnet, wieder einschalten. Dann fährt er in den richtigen, gerade aktuellen MPP. Dürfte so ziemlich bei jedem WR Typ helfen. Dabei sind dann Leistungssprünge von mehreren 100% drin...


    Und ja, direkt nach dem abrutschen haben die Module 0° Celsius. Wenn dann ordentliche Einstrahlung vorliegt, z.Bsp. wechslende Bewölkung, dann hast du kurzzeitig mehr als die Nennleistung der Module. Habe auch schon genügend WR Ende Februar in Vollast gesehen, bei üblicher Ausrichtung und Neigung in MW- Anlagen. Hier spielen dann die Umweltbedingungen wie Wind, Temperatur und eben die Bewölkung eine grosse Rolle.


    Gerade aber bei PowerOne kann man in der Regel den MPP Scan recht gut parametrieren. Bei schwierigen Schattenverhältnissen kann es sich lohnen, einen hohen scanintervall (5min) zu wählen und den Bereich des scans (ich meine noise heisst das bei PO) auf hoch stellen. Bei wenig Schatten bis kein Schatten sowas vermeiden, da sonst Ertragseinbussen auftreten können. Wohl kaum im merkbaren, doch aber im messbaren Rahmen.


    Gruß, Andreas

    (Servicetechniker für PowerOne WR) ;-)


    PS: derzeit gebrauchte Trio 20.0/27.6er im Angebot...


    PSPS: Wenn die Stringkontrolle aktiviert und korrekt parametriert ist, und sich diese nicht meldet, ist auch keine Sicherung defekt. Es dürften 12A Sicherungen eingesetzt sein, die deutlich seltener durch thermische Überlastungen auslösen, als noch die 10A- typen.

    Andreas Witt
    Industrieservice und Montage
    Am Dorfplatz 7, 24214 Neudorf
    Tel.: +49 151 44 555 285
    a.witt@pvservice.net
    USt-ID: DE 292086601, Handwerkskammer zu Flensburg


    Wette: Zubau 2021


    Dienstleistungen rund um Photovoltaik: Wartung, Repowering, Datenlogging, Direktvermarktung, Anlagenplanung und -Neubau

  • Mal dumm gefragt: kann es sein, daß abrutschender Schnee bei einspeisendem WR eine Kabelverbindung getrennt und ab dann ein Modulfeld außer Betrieb gesetzt hat?

    Anlage: 26 Aleo S 18 215 W Module mit 5,6 kWp,
    SMA SB 5000 TL-20; -50°(fast SO), DN 25°
    seit 14.9.09 am Netz Nähe Cuxhaven

  • Ja, Schnee kann Steckverbindungen trennen, allerdings glaube ich bei den hier gezeigten Bildern nicht daran. Der untere Anlagenteil ist nicht steil genug, damit der Schnee unter den Modulen Fahrt aufnehmen kann, und weiter scheint es "baulich" verhindert zu sein, dass Schnee hinter die Module kommt.


    Weiter müsste dann die automatisierte Anlagenüberwachung greifen (so denn vorhanden) und einen (Teil) Stringausfall gemeldet haben. Denke morgen ist wieder alles im Lot und unauffällig...


    Gruß, Andreas

    Andreas Witt
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  • Das gibt mir jetzt doch etwas Zuversicht, dass morgen (heute) früh nach dem Hochfahren vielleicht wieder alles in Ordnung ist.
    Ich werde davon berichten.


    Kabel befinden sich unter den Modulen - da kommen höchstens am oberen Rand ein paar Flocken hin, ungefährlich.


    Voltaer

  • Kann leider keine positive Meldung abgeben. Tracker 1 war ganztägig auf Null.


    Bin dann nachmittags hingefahren, um einige Fakten aufzunehmen:
    - habe das Ausschalten / Einschalten probiert - keine Änderung.
    - auf dem WR-Display erscheint "Inverter ok" ,
    - es leuchtet nur die grüne LED "Power",
    - Anzeige für MPPT 1 : U in 1 = ca.150 V ; I in 1 = 0


    Spannung liegt bei Tracker 1 also an, weshalb könnte I = 0 sein ?


    Im Ereignisprotokoll wird für den ganzen Tag kein Fehler angezeigt.


    Voltaer

  • Moin moin aus Kiel,


    ja, dein Eingang 1 scheint unproduktiv zu sein, die 150V stammen aus dem Eingang 2.


    Wr ausschalten, AC-seitig aussichern, Strings abstecken


    Falls ein Messgerät für 1.000V Gleichspannung vorhanden sein sollte, kannst du die Leerlaufspannung am String prüfen und mit dem anderen vergleichen. Falls kein Messgerät vorhanden ist, String eins und zwei am Wr tauschen und schauen ob er produktiv wird. Dazu WR wieder inbetriebnehmen, und am Display Werte schauen.


    Dann tatsächlich Sicherungen prüfen, hierzu WR wieder abschalten, paar Minuten warten und dann an die DC Sicherungen ausbauen und auf Durchgang prüfen.


    Kein Datenlogger vorhanden, und Parametrierung der Stringkontrolle auch nicht vorhanden, was? Hmmm, was sagt denn dein Solarteur dazu?


    Gruß, Andreas

    Andreas Witt
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