Investitionsabzug/Sonderabschreibung und Betriebsvermögen?

  • Hallo,


    Will man den Investitionsabzug nutzen, muss die Anlage ja dem Betriebsvermögen zugeordnet werden.


    Gilt das auch für die Sonderabschreibung?


    Wenn man eine zweite Anlage installiert, wird das dann der gleichen Unternehmung zugeordnet? Oder kann/muss man das einer anderen Unternehmung zuordnen?


    Was darf/muss passieren wenn man nach Ablauf der Bindungsfrist zur KUR wechseln will? Kann/muss die Anlage(n) mit dem noch nicht abgeschriebenen Wert veräußert werden? ZB an Ehegatten oder Kinder?

  • Das gilt auch für die Sonderabschreibung.
    Die Anforderung ist allerdings noch etwas höher: Im Jahr der Anschaffung oder Herstellung sowie im Folgejahr muss der Gegenstand nicht nur in Betriebsvermögen eingebracht werden, sondern muss mindestens fast ausschließlich betrieblich genutzt werden.


    Entwarnung: Da der Direktverbrauch eine Sachentnahme ist (und somit keine Nutzungsentnahme), ist eine PV immer zu 100% betrieblich genutzt.


    Die zweite Frage verstehe ich nicht so recht. Mir fehlt die Phantasie, wo da ein Problem sein soll.
    ob zwei oder fünf Anlagen, spielt überhaupt keine Rolle.



    Bei der dritten Frage gehts mir ähnlich - da werden völlig zusammenhangslose Dinge durcheinander gewürfelt.


    Der Wechsel zur KUR hat mit der Sonder-Abschreibung nach §7g EStG gar nichts zu tun.


    Der Wechsel zur KUR ist allerdings eine Veränderung der für den Vorsteuerabzug maßgeblichen Verhältnisse.
    Erfolgt dieser Wechsel vor Ablauf von 60 Monaten nach Zuordnung zum Unternehmen, ist der Vorsteuerabzug für jeden nicht abgelaufenen Monat um 1/60 zu kürzen.
    (Das kann man aber wohl locker umgehen).


    Wann und zu welchem Preis Du Deine Anlage an wen verkaufst - ist einzig und allein Deine Sache.
    Allerdings muss man dann immer schauen, ob irgendwelche steuerlichen Folgen eintreten.
    Wie schon gesagt: Scheidet das Wirtschaftsgut vor Ablauf des Folgejahres des Jahres der Anschaffung o. Herstellung aus dem Betriebsvermögen aus (z.B. durch Veräußerung), wird die Sonder-Afa wieder korrigiert.


    Ohne jetzt ein Problem aufzublasen, wo gar keines ist:
    Die Übertragung von Unternehmen ist eine Alltagsaufgabe. Solange wie Unternehmer nicht unsterblich sind - müssen die Unternehmen übertragen werden.
    Damit nicht erst der Unternehmer und dann das Unternehmen stirbt, hat der Gesetzgeber die Buchwertfortführung erfunden.
    Sofern Du Deine Anlage unentgeltlich überträgst - führt der Nachfolger einfach Deine Buchwerte fort.
    Aus die Maus.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Danke erst mal für die schnelle und ausführliche Antwort!


    Zitat von kpr

    Das gilt auch für die Sonderabschreibung.


    OK


    Zitat

    Die zweite Frage verstehe ich nicht so recht. Mir fehlt die Phantasie, wo da ein Problem sein soll.
    ob zwei oder fünf Anlagen, spielt überhaupt keine Rolle.


    Naja, als Laie sieht man halt oft den Wald vor Bäumen nicht.


    Ich versuche mal einige Gedankengäge anhand von Beispielen durchzuspielen. Um möglichst viele Konstellationen durchspielen zu können, nehme ich mal zwei Grundstücke:


    • ein Grundstück, auf dem nur eine Anlage errichtet werden kann
    • ein weiteres Grundstück, auf dem zwei Anlagen errichtet werden können. Hier muss ja bekanntermassen die Jahresfrist eingehalten werden, wenn das als zwei getrennte Anlagen gelten soll.


    Man würde also gesamthaft 3 Anlagen zu je 10k Netto anschaffen. 10k weil es einfacher zu rechnen ist.



    Anmerkungen:

    • Sonder-AfA in 2017/2017/2018 nutzt nur 19% (=1140), damit AfA auf jeweils 6000 basiert (= Kosten abzüglich IAB)
    • In 2021/2021/2022 wird verbleibende 1% Sonder-AfA verbraucht, somit verbleibt ein Restwert von jeweils 3300
    • Ab 2022/2022/2023 wird AfA neu ermittelt mit Restwert 3300 und Restlaufzeit 15 Jahre


    Für Anlage1 und Anlage2 könnte man also in 2022 zur KUR wechseln, sofern man Anlage 3 ignoriert.


    Bei Anlage3 käme es ja darauf an:

    • Wurde Anlage3 zur selben Unternehmung zugeordnet, könnte man für diese Anlage ebenfalls in 2022 zur KUR wechseln. Die 5-Jahresfrist für diese Unternehmung hat ja bereits in 2017 angefangen zu laufen.
    • Wurde Anlage3 zu einer anderen Unternehmung zugeordnet, dann beginnt diese 5-Jahres-Frist für diese Unternehmung erst 2018 an zu laufen. Damit kann der Unternehmer für alle 3 Anlagen erst ab 2023 zur KUR wechseln, da ja das KUR-Etikett nicht an der Unternehmung klebt, sondern am Unternehmer. Und dieser Unternehmer ist durch die Optionsausübung für Anlage3 in 2018 für 5 Jahre daran gebunden.


    Habe schon versucht, einige Bäume zu fällen. Sehe den Wald aber immer noch nicht...