Selbstverbrauch und Steuererklärung

  • Meine Photovoltaikanlage wurde 2009 in Betriebe genommen. Bisher habe ich den Selbstverbrauch bei der Steuererklärung nicht angegeben. War das richtig oder hätte ich es immer schon angeben müssen. Es sind etwa 12% der gesamten Einspeisung. Weiß auch nicht in welchem Steuerformular ich es hätte angeben sollen. Vielleicht kann mir ja jemand helfen. Mache meine Steuererklärung selbst!!
    Vielen Dank

  • Von welcher Steuererklärung sprichst du? Umsatzsteuererklärung oder der EÜR als Teil der Einkommensteuererklärung? Berücksichtigt wird es es in beiden. Bei der Umsatzsteuer ist der DV bei einer 2009er Anlage als Teil der fiktiven Volleinspeisung mit drin, in der EÜR eine Sachentnahme.

  • Zunächst mal vielen dank!!
    Ich spreche von beiden, EÜR und Ust.Müsste sich doch auch im zu versteuernden Gewinn ind der Gewerbesteuererklärung auswirkenoder ?. Ich habe es noch nie dort angegeben. Gab auch keinerlei Nachfrage vom FA. In den ersten drei jahren hat ein Steuerberater mir die veranlagung gemacht. hat auch nichts reingeschrieben. Ist das von Bundesland zu Bundesland verschieden.

  • Nein, das ist nicht von Bundesland zu Bundesland verschieden. Die Steuergesetze sind in dieser Beziehung für alle Bundesländer gleich.


    Umsatzsteuer
    Bei einer 2009er Anlage hast du zwei gegenläufige Lieferungen. Der Anlagenbetreiber liefert den gesamten Strom an den VNB und der VNB liefert den DV an den Anlagenbetreiber.


    Wenn der Anlagenbetreiber den Umsatz der fiktiven Volleinspeisung angibt ist der Umsatzsteuerteil erledigt.


    EÜR
    Einfach die entgangene Vergütung als Sachentnahme angeben.

  • Zitat von steini3877

    Meine Photovoltaikanlage wurde 2009 in Betriebe genommen.


    2009.......bedeutet vergüteter Eigenverbrauch.
    Wie sieht denn die Abrechnung deines VNB aus? Oder hast du bisher die Abrechnungen selbst gemacht?

    Viele Grüße

    Bento


    Auch an Tagen, an denen der Himmel grau ist, ist die Sonne nie ganz verschwunden.
    (Arnaud Desjardins)


  • Zitat

    Bisher habe ich den Selbstverbrauch bei der Steuererklärung nicht angegeben. War das richtig oder hätte ich es immer schon angeben müssen


    Wirklich keinerlei Angabe.... das ist nicht richtig.
    Dann noch ein Berater im Spiel.... jetzt wirds von zweifelhafter Glaubwürdigkeit.
    Es sei denn, der Berater hatte keinen entsprechenden Input von Dir..... UND hat den Vorgang hochleben lassen.
    Ich habe so die leise Hoffnung, dass Du evtl. gar nicht erkennst, dass der DV sehr wohl berücksichtigt wurde - allerdings ausweistechnisch so ferkelig, dass Du es jetzt nicht nachvollziehen kannst. Leise Hoffnung. Eine Option. Mehr nicht.
    Siehe unten.



    Die korrekte Lösung ist eigentlich gar nicht schwer (für jeden Profi ab Steuerfachangestellter aufwärts mit "Bordmitteln" zu bewältigen). Die tritt hier m.E. in den Hintergrund.
    Hier scheint mir wichtig, mit akribischer Genauigkeit den status quo zu ermitteln ("Steht da eine Kuh auf dem Eis? - Und wenn ja: Wo genau?)... um sie dann ggf. vom Eis herunterzuholen..... um dann wiederum nahtlos in die korrekte Lösung einzubiegen.


    Wenn da wirklich GAR NICHTS (also wirklich Nullinger) war, dann haben wir es dem Grunde nach mit einer wahrheitswidrigen Steuererklärung und einer Verkürzung des Steueraufkommens zu tun. Worte wie "Steuerordnungswidrigkeit" will ich wegen der geringen Beträge die im Raum stehen, nicht in den Mund nehmen.


    Die korrekte Lösung:
    1. USt:
    Wie schon beschrieben: 2 gegenläufige Lieferungen.
    Du lieferst die Erzeugungsmenge (ERZEUGUNG) zur Einspeisevergütung an den VNB.
    Der VNB liefert den Direktverbrauch zum Unterschiedsbetrag aus Einspeise- und DV-Vergütung an Dich.


    Wenn "nix gemacht" hier gleichbedeutend ist mit "nix anders gemacht, wie bei Volleinspeisung" - dann ist das schlichtweg richtig.
    Wenn "nix gemacht" hier gleichbedeutend ist mit "es wurde nur die eingespeiste Menge versteuert; der DV nicht" - dann wäre da tatsächlich noch was offen.
    (2009....ich tippe mal Steuererklärung in 2010 abgegeben. 31.12.14 ist dann Festsetzungsverjährung eingetreten.; für 2010 bei analogen Verhältnissen am 31.12.15. Für 2011-2015 kann der Steuerbescheid noch geändert werden, sofern die Bescheide mit Vorbehaltsvermerk ausgestattet waren. Vorbehaltsvermerk; nicht Vorläufigkeitsvermerk. Das ist was anderes.)


    2. Ertragsteuer
    Der DV ist eine Sachentnahme. Der Wert der Sachentnahme ist gewinnerhöhend zu berücksichtigen.
    Die Bewertung kann man praktikablerweise / am sinnvollsten mit den Opportunitätskosten vornehmen.
    Also: Das, auf was man verzichtet hat. In dem Fall wieder das Delta zwischen Einspeise- und DV-Vergütung.


    Zwei völlig unterschiedliche Bewertungsansätze.... in der Praxis mit der gleichen Folge:
    Wenn "nix gemacht" gleichbedeutend ist mit "wie bei Volleinspeisung" deklariert.... dann ist das zwar Ausweistechnisch eine Ferkelei (die Du gerade aufarbeitest).. aber ich meine, unterm Strich müsste es sogar stimmen. ( Bin unsicher; Ewigkeiten nicht mehr gemacht... würde ein Zahlenbeispiel benötigen)


    Wenn "nix gemacht" gleichbedeutend ist mit "ich hab nur versteuert, was ich an Kohle bekommen habe - an den DV hat keiner gedacht"..... dann gilt auch hier das gleiche: Eine der Höhe nach harmlose Steuerverkürzung. Aber dem Grunde nach halt eine Steuerverkürzung.





    Jetzt musst Du mal schauen, ob der Berater sich das Leben leicht gemacht hat, und einfach alles "wie bei Volleinspeisung" berücksichtigt hat; oder ob wirklich nur die eingespeiste Menge / die tatsächlich in Form von Geld vereinnahmten Betriebseinnahmen versteuert wurden (und die DV-Menge jeweils komplett unberücksichtigt blieb)



    Am besten rechnest Du systematisch prospektiv; und verwendest nur Zahlen, die entweder Messwerte (abgelesene Zählerwerte) waren - oder Werte die als konstante im Gesetz stehen. Dann einmal hochrechen - und schauen, ob der Berater niedriger liegt.

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  • Gut erklärt, kpr! Ich hoffe nur, ein Laie verstehts!?


    Ich persönlich bin ja immer ein Freund von Zahlenbeispielen und hoffe noch, dass steini3877 seine anonymisierte Jahresabrechnung (wenn für 2014, dann vielleicht sogar die dazugehörigen Steuererklärungen) hier einstellt.


    P.S.
    kpr: Kann es sein, dass die heiße Jahreszeit für dich begonnen hat? :mrgreen:

    Viele Grüße

    Bento


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  • #off-topic



    Danke für die BlumenI


    Ich kann es aber nicht ändern. Im Moment ist vieles nicht bekannt - und es gibt demnach viele Optionen.


    Das es komplex erscheint, hat gar nichts mit Steuern zu tun. Das kann Dir in jedem Umfeld passieren:


    Stell Dir vor, jemand steht an einem definierten Ort im Terminal 1 in Heathrow - und will in die Messaline Ave in North Acton.
    Sei ehrlich: Jeder Depp kriegt in 5 Minuten raus, wie er mit der Tube, dem Bus und 150 m Fussweg dorthin kommt. Was es kostet und wie lange es dauert. Selbst wenn er nicht weiß, das es hier um London geht. Der Reisende könnte blind sein - und man könnte ihm eine exakte Anweisung schreiben, wie er an sein Ziel kommt. (Terminal 1-2-3... District & Circle to Notting Hill Gate, interchange to Central Line towards West Ruislip or Ealing Broadway, interchange to bus 266 towards Hammersmith til Acton Main Line... cross the street... use zebra-stripes to cross Friary Road... walk 50 m... turn left into Emanuel Ave... again 100 m... turn right into Messaline Ave) Selbst wer kein Englisch kann, kommt damit ans Ziel.


    Wenn ein Blinder Dir sagt, er wisse von einem sehr erfahrenen Piloten, dass er sich auf einem Flugplatz befinde und vor ihm viel Wasser sei.... außerdem fühlt er dass es windig und regnerisch ist.....dann wirds schon schwerer.
    Naheliegend ist, dass er am City Airport gelandet ist. Letztlich muss er nur mit dem DLR bis Canning Town; dort in die Jubilee bis Bond Street und dort dann in die Central Line. In 95 von 100 Fällen wird alles gut.


    Wenn er dann jedoch "die Treppe am Flughafen runtergeht" und plötzlich in 6 m hohen Wellen liegt - dann war er nicht am City Airport.... dann wirds wohl ein Flugzeugträger im Nordatlantik gewesen sein. Das hätte man auch irgendwie hinbekommen; der Umstand, dass man ihn in die Brühe gelotst hat - machts nun aber auch nicht leichter pünktlich zur tea-time in der Messaline Ave in London zu sein.

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  • Du hättest Philosoph werden sollen! :wink:

    Viele Grüße

    Bento


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  • Ich will aber nicht den gleichen Beruf ausüben, wie Loddar Maddäus.

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