Zusätzlicher Heizstab im WW-Speicher mit PV-Anlage speisen

  • Hallo zusammen!


    Zunächst einmal ein dickes Lob für die Sachlichkeit und den Umgangston in diesem Forum - findet man selten!


    Nachdem ich aus diesem Forum nun doch schon einige Infos für meine Planung geholt habe, habe ich jetzt doch eine Frage welche ich weder hier noch bei google beantwortet bekommen habe:


    Ich habe den Auftrag für eine 7,42 kWp-Anlage, vorerst ohne Speicher, erteilt. Wir (4 Personen) bewohnen eine DHH mit knapp 160 m² Wohnfläche. Geheizt wird mit einer 8,1 kW-LWWP. Der Maximalverbrauch aus den letzten Jahren beläuft sich auf ca. 6800 kWh Heizstrom und ca. 5500 kWh Wirkstrom.
    Nach einigem Hin und Her über die Dimensionierung, Speicher, etc. habe ich erfahren, dass es nicht möglich ist Wirk- und Heizstrom mit einer PV-Anlage zu bedienen, da es sich um zwei getrennte Zählerkreise handelt.
    Somit hat sich mir die Frage aufgetan ob es möglich und auch zulässig ist einen Heizstab, welcher von der PV-Anlage mit überschüssigem Ertrag versorgt wird, zur Brauchwassertemperierung zu verwenden? Hier greife ich ja indirekt in das System der LWWP ein und habe wieder beide Zählerkreise im Gehäuse eines Verbrauchers anliegen... Und, im Hinblick auf die wahrscheinliche Nachrüstung eines Tesla-Speichers: In welcher "Reihenfolge" sollten Heizstab und Speicher angesprochen werden? Bei einem Überertrag zuerst die Temperierung des Brauchwassers und dann die Aufladung des Speichers oder eher umgekehrt?


    Danke schon mal,
    Stefan.

  • Hallo 2U1C1D3, willkommen im PV-Forum :D


    Zitat von 2U1C1D3


    Ich habe den Auftrag für eine 7,42 kWp-Anlage, vorerst ohne Speicher, erteilt.


    Da hab ich gleich die erste Frage, warum hast du den Auftrag erteilt ohne dich vorher hier im Forum schlau zu machen :roll:

    Zitat

    Wir (4 Personen) bewohnen eine DHH mit knapp 160 m² Wohnfläche.
    Geheizt wird mit einer 8,1 kW-LWWP. Der Maximalverbrauch aus den letzten Jahren beläuft sich auf ca. 6800 kWh Heizstrom und ca. 5500 kWh Wirkstrom.


    Zumindest der Verbrauch des Haushaltsstroms erscheint mir sehr hoch, da wäre m.E. noch erhebliches Optimierungspotential. Nur mal so als Tip....


    Zitat

    Nach einigem Hin und Her über die Dimensionierung, Speicher, etc. habe ich erfahren, dass es nicht möglich ist Wirk- und Heizstrom mit einer PV-Anlage zu bedienen, da es sich um zwei getrennte Zählerkreise handelt.
    Somit hat sich mir die Frage aufgetan ob es möglich und auch zulässig ist einen Heizstab, welcher von der PV-Anlage mit überschüssigem Ertrag versorgt wird, zur Brauchwassertemperierung zu verwenden? Hier greife ich ja indirekt in das System der LWWP ein und habe wieder beide Zählerkreise im Gehäuse eines Verbrauchers anliegen...


    Prinzipiell geht das schon, es bedarf aber einer Wärmempumpe die das "kann". Diverse neuere Wärempumpen können den "Bezugszählerkreis" danach wählen, welche Quelle grade den günstigsten Strom liefert. Da du aber schon eine WP hast scheidet diese Möglichkeit aus.
    Wie groß ist bei dir die Differenz vom WP-Tarif zum Haushaltstarif :?:
    Oft unterscheiden sich diese Tarife nicht mehr viel und Betreiber einer PV-Anlage verzichten daher oft auf einen WP-Tarif und lassen die WP vollständig über den HH-Zähler laufen. So wird der Solarstrom automatisch von der WP genutzt, man erspart sich ausserdem die Grundgebühr für den zweiten Zähler :idea:
    Im Prinzip ist es auch möglich das Brauchwasser des WP-Kreises mit PV-Strom zu versorgen. Dagegen haben kann eigentlich keiner was, niemand kann gezwungen werden sein Brauchwasser ausschließlich mit Strom zum WP-Tarif zu erhitzen. Man muss aber natürlich ins Gerät eingreifen, der Laststromkreis des Heizstabes muss mit HH-Strom versorgt werden, die Steuerung von der Wärmepumpe direkt.
    Ob das sinnvoll ist ist eine andere Frage, schließlich könnte man dann ja auch gleich die oben beschriebene Lösung wählen. Ausserdem (nach dem, was ich bislang von Wärmepumpen weiss) wird der Heizstab einer WP nur dann aktiv, wenn die WP allein es nicht mehr schafft das Wasser zu erwärmen. Das wird vermutlich im Winter sein und ausgerechnet da produziert auch die PV-Anlage eher weniger bis nichts. In der Übergangszeit im Frühling und Herbst allerdings kann eine PV-Anlage sehr wohl etwas zur Heizung beitragen.


    Zitat

    Und, im Hinblick auf die wahrscheinliche Nachrüstung eines Tesla-Speichers


    Egal ob der Speicher nun Tesla oder Fronius oder Hoppeke oder sonstwie heisst, rein finanziell gesehen rentiert sich bislang kein Speicher. Ich würde darauf erstmal verzichten, auch wenn der Tesla-Speicher irgendwann mal tatsächlich erhältlich ist denn bislang kommt ja auch bei Tesla nur heisse Luft.... :roll:
    Da gefällt mir sogar deine Idee mit der Stromversorgung des Heizstabes der WP über PV-Strom noch besser. Die WP mit Heizstab hast du schon, brauchst also nicht nochmal großartig Geld ausgeben und die Verschaltung (ggf. mit zusätzlichem Lastschütz) kann jeder Elektriker umsetzen.

    mit freundlichem Gruß
    smoker59

  • Hi smoker!
    Danke für die flotte Antwort!

    Zitat

    warum hast du den Auftrag erteilt ohne dich vorher hier im Forum schlau zu machen


    Zuerst reine Internetrecherche (incl. dieses Forum), allerdings nirgendwo Fragen gestellt.
    Dann Angebot eingeholt, dann Energieberater, dann zweiter Energieberater (der sich zufällig im weitläufigen Verwandtenkreis aufgetan hat), dann Erfahrungswerte im Freundes- und Kollegenkreis eingeholt.

    Zitat

    da wäre m.E. noch erhebliches Optimierungspotential. Nur mal so als Tip....


    Ich bin ein bisschen ein Technikfanatiker. Da liege ich (z.B. wg. Serverschrank, Netzwerktechnik, Außenbeleuchtung, etc.) laut meinem EVU doch "geringfügig" über dem Standard einer vierköpfigen Familie. Das wird sich, glaub ich, auch so schnell nicht ändern...

    Zitat

    Ausserdem (nach dem, was ich bislang von Wärmepumpen weiss) wird der Heizstab einer WP nur dann aktiv, wenn die WP allein es nicht mehr schafft


    Damit hast Du vollkommen Recht. Allerdings betrifft das den Heizstab im Solekreislauf. Im Speicher selbst ist ein Wärmetauscher. Mit anderen Worten: Der Heizstab heizt eigentlich nicht das Brauchwasser, sondern die Sole welche die Wärme an das Brauchwasser abgibt. Dieser Heizstab "zieht" knapp 6 kW. Das wäre also mit meiner PV-Anlage in der Regel nicht schaffbar und uneffektiv. Mir ging es um einen zusätzlichen Heizstab welcher direkt in den Brauchwasserspeicher integriert wird.

    Zitat

    unterscheiden sich diese Tarife nicht mehr viel ... lassen die WP vollständig über den HH-Zähler laufen.


    Ist ein interessanter Aspekt welchen ich noch nicht in Betracht gezogen habe. Mir wurde das damals vom EVU so vorgegeben (wg. Anschlussleistung). Das ist mittlerweile weggefallen. Nachdem ich eigentlich alles doppelt zahle (außer den Grundbezugspreis, der ist wesentlich billiger), sollte ich hier einmal nachrechnen. Danke für den Einwand!

    Zitat

    auch wenn der Tesla-Speicher irgendwann mal tatsächlich erhältlich ist


    Irgendwann muss T ja mal auf den Markt kommen... Und im Vergleich mit den aktuell verfügbaren Anbietern wäre das preislich unschlagbar. Dass es sich dabei um Liebhaberei handelt und das Streben zur Unabhängigkeit ist klar. Allerdings würde das wenigstens die Möglichkeit des Eigenverbrauchs etwas verlängern...

    Zitat

    können den "Bezugszählerkreis" danach wählen,


    Sowohl zwei Firmen welche Angebote abgegeben haben, als auch ein Mitarbeiter der örtlichen EVU gaben mir die selbe Aussage: "können". Und der Hersteller meiner LWWP beschreibt dies auch in der Inbetriebnahmeanleitung für den Fachmann. Allerdings läge es hier am "dürfen". Weil sich so die Möglichkeit gäbe eine Brücke vom teueren Haushaltsstrom zum billigeren Wärmestrom zu schlagen. Wobei sich das unter dem Aspekt nur einen Zähler zu nutzen dann eh erledigt hätte...

  • Zitat von 2U1C1D3

    Mir ging es um einen zusätzlichen Heizstab welcher direkt in den Brauchwasserspeicher integriert wird.


    Hallo


    was soll dagegen sprechen einen Heizstab in deinen Brauchwasserspeicher mittels PV Überschuss zu betreiben.
    Problem sehe ich eher darin wie der Heizstab erkennt das gerade PV Überschuss besteht.
    Ideal die PV Überschusskurve genau abfahren mittels Leistungssteller.
    Aber auch da gibts preisgünstige Lösungen mittels Leistungssteller, Überschusszähler und Steuerung.


    Loxone, smart1, smartfox ....


    Hast schon mal überlegt deine WP tagsüber mit höherer Puffertemperatur zu betreiben?
    Die WP braucht aber einen SG ready Eingang oder noch besser einen 0-10V Eingang.
    Ist sowas vorhanden?


    Mit der Auftragserteilung würde ich noch ein bisschen warten vielleicht kommt da noch eine Idee mehr dazu :idea:
    LG Berni

  • Hallo,


    es spricht sehr viel gegen einen 1:1 Heizung mit Strom! Aus dem guten vielnützigen Pv-Strom lässt sich viel bessere Dinge anstellen, als nur einfach zu verheizen!
    Also: Einspeisen und verkaufen, damit jemand anderer diese hochwertige Energieform nutzen kann!


    Gruß Elektron

  • Zitat von Elektron

    es spricht sehr viel gegen einen 1:1 Heizung mit Strom! Aus dem guten vielnützigen Pv-Strom lässt sich viel bessere Dinge anstellen, als nur einfach zu verheizen!
    Also: Einspeisen und verkaufen, damit jemand anderer diese hochwertige Energieform nutzen kann!


    Andererseits spricht oft eine ganze Menge für die 1:1 Brauchwassererwärmung mit Strom! Viele Wärmepumpen lassen sich nicht modulieren und haben noch dazu einen verhältnismäßig kleinen Speicher. Das führt dazu, dass sie im Sommer immer nur kurz laufen, um Brauchwasser nachzuheizen, z.B. nur 10-15 Minuten am Stück, das aber mehrmals täglich. Ähnlich verhält es sich mit Gas-/Ölheizungen für Brauchwasser. Die Energiebilanz ist dann relativ schlecht mit Arbeitszahlen < 2, teilweise runter bis 1, weil viel Energie für Umwälzpumpen, Steuerung etc. zusätzlich aufgewendet werden muss.


    In solchen Fällen kann eine elektrische Direkterwärmung des Brauchwassers mit PV durchaus viel Sinn machen. Wenn dann noch kleine Untertisch-Speicher in der Nähe der Abnahmestellen zum Einsatz kommen, spart das nochmal Energie, weil lange Warmwasser-Leitungswege entfallen.


    Dann gibt es ja auch noch die Möglichkeit der "Photothermie", die inzwischen preislich mit Solarthermie gleichauf oder sogar preiswerter sein dürfte. Gegenüber Solarthermie hat eine elektrische Wassererhitzung auch wieder Vorteile: Weniger Zirkulationspumpen, kein Problem mit Überhitzen/notwendiger Wärmesenke im Hochsommer, weniger Wartungsaufwand da keine zirkulierenden Flüssigkeiten im Spiel sind. Wer über genügend Fläche verfügt, ist mit einer PV-Anlage anstelle einer Solarthermie-Anlage auch gut bedient ;-)


    Noch wirtschaftlicher dürfte in der Regel das Einspeisen sein, aber wenn es um maximale Wirtschaftlichkeit geht, sollten wir sicherlich in ganz andere Dinge investieren als in PV ;-)


    Bastel

  • Zitat

    es spricht sehr viel gegen einen 1:1 Heizung mit Strom! Aus dem guten vielnützigen Pv-Strom lässt sich viel bessere Dinge anstellen, als nur einfach zu verheizen!


    Naja ,was macht man denn im E-Herd/Backofen/Durchlauferhitzer/Untertischgerät/Heizlüfter/Waffelautomat/
    Wasserkocher/Toaster/Kontaktgrill usw.usw.denn anders als die hochwertige Energieform zu verheizen? :mrgreen:

  • Mittels Ego-Heater, den Du z.b. über einen SolarLog steuern könntest, wäre diese Zusatzheizung im WW-Speicher möglich.
    http://www.solar-log.com/de/pr…rgy/ego-smart-heater.html


    Bzgl. Wärmepumpe und normaler HH-Strom: Bei unseren Stadtwerken dürfen diese nicht am normalen HH-Strom betrieben werden (nach den AGBs). Solltest Du also auch prüfen...


    Stefan

  • Das warme Wasser bekommst du mit deiner WP in aller Regel billiger als mit dem Heizstab, das wäre, neben dem von Elektron genannten, mein Hauptargument.

    Zitat von 2U1C1D3


    Irgendwann muss T ja mal auf den Markt kommen... Und im Vergleich mit den aktuell verfügbaren Anbietern wäre das preislich unschlagbar.


    Hast du schon einen Endkundenpreis inklusive allem? Was Tesla nennt, ist der Großhandelspreis (ich gehe nicht davon aus, daß du einen ganzen Container voll brauchst) des reinen Speichers ud da ist der Unterscheid zur Konkurrenz nicht so riesig (wenn überhaupt, die lesen auch die Zeitung und wissen auch was Skaleneffekte sind) und Blei kann da sowieso leicht mithalten.
    Teuer sind in D die Komplettsysteme und das imo auch, weil da die Förderung eingepreist ist.

  • Zitat von LumpiStefan

    Mittels Ego-Heater, den Du z.b. über einen SolarLog steuern könntest, wäre diese Zusatzheizung im WW-Speicher möglich.
    http://www.solar-log.com/de/pr…rgy/ego-smart-heater.html


    Bzgl. Wärmepumpe und normaler HH-Strom: Bei unseren Stadtwerken dürfen diese nicht am normalen HH-Strom betrieben werden (nach den AGBs). Solltest Du also auch prüfen...


    Die Wirksamkeit dieser Klausel müsste man mal prüfen, denn bei der Auswahl seines VNB hat man ja keine Wahlmöglichkeit. Wenn rein wirtschaftliche Interessen des VNB dagegen sprechen, die WP über Haushaltsstrom laufen zu lassen, dürfte das eine unangemessene Einschränkung darstellen.


    Aber bevor man die Pferde scheu macht, würde ich es einfach machen lassen. Ich habe einen Elektrobetrieb (Berlin) mit der Außerbetriebnahme des zweiten Anschlusses und Umklemmen der WP auf Haushaltsstrom beauftragt. Am nächsten Tag kam der Zählermann vom VNB vorbei und hat den zweiten Zähler mitgenommen - fertig. Alle Beteiligten wissen, was sie tun, und ich bin aus der Nummer fein raus :-)


    Bastel