Fußbodenspeicherheizung mit PV-Anlage kombinieren

  • Hallo Gemeinde,


    wir beabsichtigen eine bestehende Fußbodenspeicherheizung mit einer geplanten PV-Anlage zu koppeln.
    Nutzung der PV-Anlage Eigenverbrauch+Einspeisung. In der Heizperiode tagsüber zusätzlich Heizungsbetrieb.
    Erforderliche Restwärme über Netz zum NT.


    Anschlussleistung der Estrichheizung ca. 10kW
    Doppeltarifzähler HT/NT
    Aktueller Heizstromverbrauch: NT 8000 kW / HT 1000 kW


    Dachfläche ausreichend für PV-Module ca. 10kW


    - Hat jemand jemand eine ähnliche Konstellation bereits in Betrieb?
    - Wie sind die Erfahrungen?
    - Welche Firmen bieten hierfür spezielle Steuerungen an?


    :danke: schon mal für Beiträge!

  • Moin Formator,


    willkommen im PV-Forum :D .


    Wir haben das schon zig-mal geschrieben: PV und Heizen geht nicht zusammen, da PV hauptsächlich in den Sommermonaten gut ist, Heizen musst in der fast 'PV-Saure-Gurken-Zeit'.
    Über ein WW Speicher den PV Überschuß bei 70% weich zu 'verbraten' geht sicherlich. oder ein WP/BWWP zu unterstützen auch. Aber das Grunddilemma bleibt. In der Übergangszeit wird das wohl funktionieren. Nur wieviel % des Gesamtverbrauches macht das aus?


    Gruß
    Martin

    Gruß
    MBiker_Surfer


    Elektrisch: Nikola Gotway 100V

  • In der Hauptheizperiode (Winter) wirst du nicht viel Heizungsunterstützung von der PV erwarten können. Dann gibt es aber noch die anderen drei Monate der kalten Jahreshälfte, während der bestimmt eine gewisse Unterstützung möglich ist. Ich würde schätzen, dass du zwischen 15 und 25 Prozent Heizstrom durch PV erzeugen könntest, intelligente Zeitsteuerung vorausgesetzt.


    Das ist auch der Haken: PV produziert nur tagsüber Strom, der NT-Tarif gilt aber nur nachts, deshalb ist PV + HT/NT zu Heizzwecken nicht kompatibel. Du müsstest also auf den HT/NT Tarif verzichten und möglichst viel der Heizzeit in die hellen Stunden verlegen. Habe ich auch so gemacht, allerdings mit Wärmepumpe in Kombination mit PV.


    Aber vielleicht findet sich noch wer mit verlässlicheren Zahlen :D


    Bastel

  • Zitat von Formator


    wir beabsichtigen eine bestehende Fußbodenspeicherheizung mit einer geplanten PV-Anlage zu koppeln.
    Nutzung der PV-Anlage Eigenverbrauch+Einspeisung. In der Heizperiode tagsüber zusätzlich Heizungsbetrieb.
    Erforderliche Restwärme über Netz zum NT.


    in der Skala der unsinnigen Heizmethoden ziemlich weit oben
    bei einem "normalen" Einfamilienhaus ist direktelektrische Beheizung schon ohne PV denkbar ungünstig,
    aus den bereits beschriebenen Gründen macht eine PV Anlage da nichts besser.
    Noch unsinniger wäre es da höchstens, wenn man das noch mit einem Speicher kombinieren würde :mrgreen:

  • Zitat von jodl

    [
    in der Skala der unsinnigen Heizmethoden ziemlich weit oben
    bei einem "normalen" Einfamilienhaus ist direktelektrische Beheizung schon ohne PV denkbar ungünstig,
    aus den bereits beschriebenen Gründen macht eine PV Anlage da nichts besser.
    Noch unsinniger wäre es da höchstens, wenn man das noch mit einem Speicher kombinieren würde :mrgreen:


    1+ :wink:

    sonnige gruesse aus THAILAND,
    towa


    1. Off-Grid SMA SMC6000TL + SMA Island 6.0 - Lifepo4 48V, 320Ah - 6.5 kWp (NOTC)
    2. Off-Grid PIP2424MSX - 2.0 kWp (NOTC) - Lifepo4 25V, 400Ah

  • Zitat von jodl

    in der Skala der unsinnigen Heizmethoden ziemlich weit oben
    bei einem "normalen" Einfamilienhaus ist direktelektrische Beheizung schon ohne PV denkbar ungünstig,
    aus den bereits beschriebenen Gründen macht eine PV Anlage da nichts besser.
    Noch unsinniger wäre es da höchstens, wenn man das noch mit einem Speicher kombinieren würde :mrgreen:


    In meinen Augen weniger eine Frage von Sinn oder Unsinn als vielmehr der richtigen Investitions-Strategie ;-)


    9000 kWh pro Jahr, das sind doch wenigsten 2000 Euro Heizkosten pro Jahr. Meine Heizkosten betragen inkl. Warmwasser ein Viertel davon (Erdwärmepumpe). Mit einer Einsparung von 1500 Euro pro Jahr kannst du deine Heizungsanlage leicht modernisieren: Nachträgliche Wasser-Fußbodenheizung gibt es mit einer Bauhöhe von unter 20 mm, in Verbindung mit einer modernen Luftwärmepumpe eine lohnende Investition, die sich in ein paar Jahren amortisiert hat.


    Wenn dann noch eine PV-Anlage dazu kommt, sinken die Heizkosten nochmals durch geringere Energiekosten.


    Bastel

  • Aus einer PV-Anlage, aus der man im Sommer 5-6 kWh pro Tag holt, bekommt man im Winter nur eine kWh. Übers Jahr gesehen kostet die kWh aus der PV rund 10 Cent; wenn man die Kosten (Rückzahlung, Zinsen) gleichmäßig übers Jahr verteilt, dann kostet einen die kWh im Sommer recht wenig und im Winter relativ viel.


    Du kannst dir das leicht selber ausrechnen. Den Solarrechner der EU findest du hier: http://re.jrc.ec.europa.eu/pvgis/apps4/pvest.php Ich habe mal als Beispiel eine Anlage mit1 kWp mit Südausrichtung in Düsselorf angenommen. Im Jahresdurchschnitt sollte man 930 kWh ernten können, das sind 2,55 kWh pro Tag. Im Juni erntet man 3,88 pro Tag und im Dezember nur 0,79. Bei Kleinanlagen kann man mit rund 1.300 Euro Installationskosten pro kWp rechnen. Bei einer Anlagenlaufzeit von 20 Jahren muss man pro Jahr 65 Euro an Abzahlung leisten und 32,5 Euro für Zinsen (Zinssatz 5%); das macht 26,7 Cent Belastung pro Tag. Das bedeutet, die kWh kostet im Dezember kalkulatorisch 33,8 Cent. Der Netzstrom ist also billiger.


    Einspeisen lohnt sich auch nicht, denn man bekommt 12 Cent pro kWh, hat also Einnahmen von 2 Cent. Davon geht rund 1/3 für Einkommensteuer weg, bleiben 1,4 Cent oder 13 Euro im Jahr. Bei aufgewendeten 1.300 Euro sind das gigantische 1% Ertrag.


    Was bleibt ist Eigenverbrauch (Eigenverbrauch mit Batterieeinsatz lohnt dabei definitiv nicht) oder (Halb-)Insel. Da ich hier nicht schon wieder den Glaubenskrieg entfachen will verweise ich auf die diversen Threads, die sich mit diesen Themen beschäftigen.

    Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Francis Picabia)

  • Zitat von jdhenning

    Im Jahresdurchschnitt sollte man 930 kWh ernten können, das sind 2,55 kWh pro Tag. Im Juni erntet man 3,88 pro Tag und im Dezember nur 0,79. Bei Kleinanlagen kann man mit rund 1.300 Euro Installationskosten pro kWp rechnen. Bei einer Anlagenlaufzeit von 20 Jahren muss man pro Jahr 65 Euro an Abzahlung leisten und 32,5 Euro für Zinsen (Zinssatz 5%); das macht 26,7 Cent Belastung pro Tag. Das bedeutet, die kWh kostet im Dezember kalkulatorisch 33,8 Cent. Der Netzstrom ist also billiger.


    Soll das heißen, PV im Winter zu betreiben lohnt sich nicht? Warum schalten dann nicht alle Anlagenbetreiber im Winter ihre Anlagen ab? Denk mal drüber nach ;-)


    Zitat von jdhenning

    Einspeisen lohnt sich auch nicht, denn man bekommt 12 Cent pro kWh, hat also Einnahmen von 2 Cent. Davon geht rund 1/3 für Einkommensteuer weg, bleiben 1,4 Cent oder 13 Euro im Jahr. Bei aufgewendeten 1.300 Euro sind das gigantische 1% Ertrag.


    Kosten 10 Cent, Erlöse 12 Cent ==> 16 Prozent der Erlöse sind Gewinn :shock:


    Und das gilt nur für den schlechtesten Fall der Netzeinspeisung, im Falle des Eigenverbrauchs ist der Gewinn sogar noch höher.


    Berechne für dein Modell doch mal die Eigenkapitalrentabilität :lol:


    Bastel

  • Zitat von Bastel


    Soll das heißen, PV im Winter zu betreiben lohnt sich nicht? Warum schalten dann nicht alle Anlagenbetreiber im Winter ihre Anlagen ab? Denk mal drüber nach ;-)
    Bastel


    In der Tat lohnt das nicht. Wenn man die Kosten der PV Anlage sauber dagegenrechnet, ist das in schneereichen Winter mehr als ein Zuschußgeschäft. Man lässt die PV Anlage eben am Netz nach der Devise, irgendwann wird es wieder Sommer.
    Da der Vergütungszeitraum eben läuft - egal ob PV am Netz oder nicht - lässt man den WR eben laufen. Manchmal wacht er ja gar nicht auf.


    Gruß
    Martin

    Gruß
    MBiker_Surfer


    Elektrisch: Nikola Gotway 100V

  • Zitat von Formator


    Anschlussleistung der Estrichheizung ca. 10kW
    ...
    - Welche Firmen bieten hierfür spezielle Steuerungen an?


    Da müßte man erst mal fragen, wie die 10kW angesteuert werden bzw. aufgeteilt sind.
    Oft gibt es da nur ein/aus dann bringt dir PV im Winter vermutlich finanziell gar nichts, weil du alles bis 10kW, was die PV nicht erzeugt im HT (außer Sonntags, dagibt es NT meist den ganzen Tag) zukaufen mußt.


    Darf man fragen wie alt das ist?