IEA sieht nun auch globale Energiewende

  • Die IEA sieht nun auch eine globale Energiewende hin zu Co2-geringen Erzeugungsformen. Die IEA geht davon aus, dass der Anteil „Co2-geringen Erzeugungsformen“ von heute 1/3 auf auf 47% steigen wird.


    Bemerkenswert dabei: Die atomkraftfreundliche IEA geht davon aus, dass der Anteil der Atomkraft in 2040 bei den heutigen 12% der globalen Stromproduktion bleiben wird und dass das Wachstum bei den Erneuerbaren primär durch Wind & PV befördert wird, da auch der Anteil der Wasserkraft stagnieren wird.


    Die konkreten Zahlen: Die IEA geht davon aus, dass die Gesamtkapazität an Kraftwerkskapazität um 4400 GW heute auf 10570 GW in 2040 steigen wird. Der Hauptzubau wird dabei in den Entwicklungs- und Schwellenländern, angeführt von China stattfinden.
    Die Kohleverfeuerung wird bis 2040 von 41% auf 30% zurückgehen, die der Co2-geringen Erzeugungsformen auf 47% steigen, wobei Erneuerbare Kohle ab 2030 als die wichtigste Erzeugungsform ablösen und ab 2030 mehr als 50% des Zubaus ausmachen werden um zum Ende des Betrachtungszeitraums über 60% der jährlichen Gesamtinvestitionen auf sich zu vereinen.
    Des Weiteren geht die IEA davon aus, dass bis 2030 keine Subventionen für fossile Energieträger mehr gezahlt werden
    Schaut man sich die Zahlen für die Zukunft der Atomkraft an, sieht das die IEA so: Bis 2040 werden 148 GW AKW-Kapazität stillgelegt und 365 GW neu gebaut. Also ein Kapazitätszuwachs von 217 GW. Dieser Zubau soll primär auf China beruhen.


    Quelle 1: World Nuklear News
    Quelle 2: Zusammenfassung der IEA


    Schon allein dass die atomkraftfreundliche IEA davon ausgeht, dass der Anteil der Atomkraft maximal stabil bleibt ist bemerkenswert. Auch von den „World Nuklear News“ wird diese Stagnation als positive Nachricht gefeiert. Was sagt man über Stagnation in einem ansonsten wachsenden Markt?
    Schaut man sich dann mal den 2015er World Nuclear Industry Status Report an, dann geht dieser hingegen von einer Nettostilllegung von über 200 GW aus. Das würde heissen, dass der Anteil bis auf 7% an der globalen Stromproduktion fällt.
    Meine persönliche Meinung: Wenn schon die IEA von 47% Co2-geringen Erzeugungsformen ausgeht haben wir real die Chance zu 60+% bis 2040, wobei Atomkraft auf deutlich unter 10% fällt und auch Kohle schneller als erwartet zurückgedrängt wird

    9,6 kWp Talesun TP660P-240, SMA STP 8000TL-20; Ausr.: 70° (West); DN: 33°; seit 10/2012
    10,56 kWp Yingli YL240P-29b, SMA STP 10000TL-10; Ausr.: -110° (Ost); DN 33°; seit 01/2013


    „Wenn Weitblick ortsgebunden ist, kann es mit den Visionen auch nicht so weit her sein.“


  • Auch ich arbeite unermüdlich (Gute Nacht Leute, ich geh' jetzt mal endlich ins Bett) daran, damit diese Prophezeiung mehr als erfüllt wird. Es wird Zeit, dass die Politiker weltweit begreifen, dass keine 24/7-Verfügbarkeit bei Strom notwendig ist, um wirtschaftliches Wachstum zu ermöglichen. (10 von 24) / 7 reicht völlig, um die wirtschaftliche Entwicklung in nicht vollständig entwickelten Ländern voran zu treiben! Und man braucht keine großen PV-Kraftwerke, denn dezentral hilft viel schneller, denn man kann sich den Aufbau von Infrastruktur weitgehend ersparen. Aber Politikern den Elektriktrick beibringen zu wollen ist wahrscheinlich so erfolgversprechend, wie Trollen das Ballettanzen beizubringen (Anleihe bei Harry Potter).

    Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Francis Picabia)

  • Dringi, ich habe die Zusammenfassung gesehen. Was ich vermisse: Ist das, was Du schreibst, Teil des zentralen Szenarios (=CPS)? Oder nur von irgendwelchen der Szenarien im Volltext? (Die 180€ Anschaffungskosten sind mir für eine Propagandaschrift dann doch zu heftig.)


    Nur das CPS ist "von Gottes Gnaden", wird also von den fossilen Fossilien (vor allem ExxonMobil) als Gesetz hingestellt!


    Die alternativen Szenarien der IEA haben den Wandel schon länger auf dem Schirm. Aber die jucken keinen bzw. nur hinter vorgehaltener Hand. Sonst bekommen die Investoren noch einen Schreck.

  • Da ich auch keine über 100 Tacken für die Propaganda der IEA zahlen werde, kann ich nur auf die beiden Links verweisen. Und da das eine davon die offizielle Zusammenfassung des Berichts durch die IEA selber ist und dort die Phase "in unserem zentralen Szenario" sehr oft verwendet wird, denke ich, dass das kein "Nebenszenario" ist, noch dass Neben- und Zentalsezeanrio-Daten gemischt wurden.

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  • Gähn,


    die sind so ungefähr 5 Jahre hinten dran und ganz sicher 5 Meilen am Zeil vorbei! Was die IEA und die Öl & Gas Lobby (Esso & Co.) danieder schreiben interessiert inzwischen niemanden mehr (Großinvestoren)


    Um den notwendigen Zubau der Kapazitäten zu stemmen, müssten die Entwicklungsländer bei Kohle Minimum das zweifache aufwenden und bei KKW das 5 fache! Wie wahrscheinlich ist das, dass dies die Finanzmärkte mitmachen? Weltbank und andere beeinflussbare Institutionen können vielleicht einige Mrd. $ stemmen, aber man braucht unglaublich viel Geld aus den Ländern direkt und von Großinvestoren und Banken.


    Ich meine auch, dass der regionale Zubau der EE speziell der PV noch total unterschätzt wird. Da geht viel mehr direkt und effektiv zusammen, als bei anonymen Großprojekten, die meist vom Start weg schon mau sind. Grade in Afrika sehe ich große Chancen! Für mich steht nur eine Frage, ob die politischen Verhältnisse endlich tragfähig werden. Sollte das kommen, dann rollt eine Welle von Investitionen über Afrika, die diesen Kontinent in ganz anderen Lichte erscheinen lassen wird.

  • pvberlin: Bin ja ganz bei Dir was die Analyse der Zahlen angeht (hatte ich ja auch schon in Bezug auf Atomkraft geschrieben.
    Aber wenn jetzt auch die IEA anerkennt, dass die Wende da ist und gerade die atomkraftfreundliche IEA sagt, dass Atomkraft in der weltweiten Bedeutung maximal stagniert, sagt mehr aus als wenn Greenpeace 100x wiederholt, dass die Energiewende da ist.


    Und noch geiler (sorry für die Ausdruckweise) finde ich, dass eine Pro-Atomkraftseite wie WNN eben diese Stagnation bei der Atomkraft als schreibenswerte Meldung ansieht. Die Rückzugegefechte werden jetzt offiziell und nicht nur mehr von ein paar Greenpeace-Ökos und "PV-Forum-Spinnern" (ich denke es ist klar wie es gemeint ist) nach außen getragen.

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  • Stagnation?


    365 GW Zubau bis 2040, das sind p.A. ca. 14 GW! Das ist wohl immer noch mehr, als in den meisten 'besten' Jahren der Kernkraft. *25 Jahre sind es nur noch

    Rechnet man 5 bis 10 Mrd. $ je GW , dann sind es zischen 70 und 140 Mrd. $ p.A., die investiert werden müssen und das Netto! Denn dank der enorm langen Bauzeit (auch in China) kommen da on Topp noch das eine oder andere an Zinsen drauf.


    Ich persönlich würde auch nicht behaupten wollen, das unglaublich viel Kohle vom Markt gehen wird, weil bestehende Kapazitäten nun mal ein sehr hohes Trägheitsmoment haben (Abschreibungen) . Aber den Zubau der Kapazitäten in Asien und Afrika kann und wird es nur geben können, wenn man auf die EE setzt. Länder wie Kenia wären schon überfordert die Finanziellen Mittel aufzubringen, um die Spezialisten, den Brennstoff und die notwendigen Revisionen (Kernkraft und Dampf) aufzutreiben. Die können ja noch nicht mal richtig, die billigen Dampfkraftwerke (Erdwärme) auf dem Niveau halten, dass die Engländer ihnen übergeben haben.

  • Zitat von PV-Berlin

    Stagnation?


    365 GW Zubau bis 2040, das sind p.A. ca. 14 GW! Das ist wohl immer noch mehr, als in den meisten 'besten' Jahren der Kernkraft. *[i]25 Jahre sind es nur noch


    Natürlich Stagnation. Die 365 GW Zubau sind Brutto. Da gehen ja selbst lt. IEA 165 GW Stillegungen von ab (die Gegenrechnung vom World Nuclear Industry Status Report mit 200GW Netto-Stillegung bis 2040 hatte ich ja schon erwähnt).
    Und die IEA schreibt selber, dass der Anteil bei 12% stabil bleiben soll. Und wenn ich es in einem stark wachsenden Markt nicht schaffe meine Marktanteile auszubauen, dann sehe ich da keine "Renaiessance der Atomkraft"


    Um den Shift in den Ansichten der IEA deutlich zu sehen empfehle ich den Film "4. Revolution – Energy Autonomy" und die damaligen Aussagen vom IEA-Chefökonomenen Fatih Birol, der dort noch sagte, dass Erneuerbare niemals eine signifikante Rolle spielen könnten und die Welt immer auf Atomkraft und Kohle angewiesen sei.

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    „Wenn Weitblick ortsgebunden ist, kann es mit den Visionen auch nicht so weit her sein.“


  • Zitat von PV-Berlin

    365 GW Zubau bis 2040, das sind p.A. ca. 14 GW! Das ist wohl immer noch mehr, als in den meisten 'besten' Jahren der Kernkraft. *25 Jahre sind es nur noch


    Interpretiert man "bis 2040" als "bis 2040 am Netz", dann müssten bei mindestens 5 Jahren Bauzeit pro Reaktor im Durchschnitt mindestens 18 GW pro Jahr in den Bau bzw. Betrieb gehen.
    Das wäre doppelt so viel wie aktuell (die Chinesen nehmen grade die AKW mit Baubeginn 2009/2010 in Betrieb) und im Grunde genommen so viel wie zu den Hochzeiten der AKW-Branche in den 70ern und 80ern (1).
    Aus dieser Perspektive ist klar dass die Nuker das als Erfolg feiern, wäre es für sie ja auch.


    Allerdings glaube ich dass das schon aus finanziellen Gründen nichts wird. Im Ausland bauen die Chinesen nicht signifikant billiger als Areva (2), die Russen müssen eigenes Geld mitbringen um bauen zu dürfen und auch in den USA liegen die Projekte Vogtle 3 und Vogtle 4 preislich aktuell über dem EPR in Olkiluoto, werden aber frühestens 2019 in Betrieb gehen! (3)


    Kostenübersicht (jeweils Mio. USD pro MW installierter el. Leistung):


    5,5 - China, Angebotspreis in Argentinien (vor Baubeginn)
    6,5 - Areva, EPR in Olkiluoto. Aktuelle Kostenschätzung; dreimal so hoch wie ursprünglicher Angebotspreis!
    7 - Vogtle 3 und 4 - Aktuelle Kostenschätzung bei inbetriebnahme 2019 und 2020 (ursprünglich geplant für 2016 und 2017)




    (1)
    https://www.iaea.org/PRIS/Worl…ics/OperationalByAge.aspx


    (2)
    http://www.photovoltaikforum.c…105084-s370.html#p1315087


    (3)
    https://nuclearstreet.com/nucl…-higher-costs-020201.aspx
    http://www.taxpayer.net/librar…rogram-vogtle-reactors-34


    P.S.
    Das APR-1000 Design das in Vogtle 3 und 4 gebaut wird ist eine hochskalierte 1.000 MW Version des APR-600 weil bei 600 MW das Design nicht wirtschaftlich war. Anfang der 90er wurde der APR-600 mit Stromgestehungskosten unter denen von Kohlekraftwerken beworben!
    (Den Link dazu habe ich leider nicht parat, vermutlich aber irgendwo schon mal hier im Forum gepostet)

  • Naja aktuell liegt China im Bereich von 1-3 Baustarts je Jahr, ob man das noch fortsetzen wird wird sich weisen. Auch sonst geht die Zahl von Projektsarts eher nach unten. D.h. bis 2025 wird da nicht viel ans Netz gehen. womit der erwartete Zubau immer utopischer wird. Hingegen baut man stromnetze aus, und schafft damit die Voraussetzungen für EE. Kenia hat sich gerade mit Äthiopien über eine grosse Grenzüberschreitende Stromtrasse geeinigt, die Wasserkraftspeicher min Äthiopien mit Windenergie in Kenia koppelt. In Indien bricht sich gerade die Erkenntnis Bahn bis in die Regierung hinein das AKW's zu teuer sind. Ich sehe nicht wo der neue Schub für AKW's herkommen soll. Da ist kein Dampf mehr im Kessel.

    Ich würde mein Geld auf die Sonne und die Solartechnik setzen. Was für eine Energiequelle! Ich hoffe, wir müssen nicht erst die Erschöpfung von Erdöl und Kohle abwarten, bevor wir das angehen.
    Thomas Alva Edison
    Trockenplatzdach 2,6kW zum Spielen :)