90% gewerblich; 10% privat

  • Hallo zusammen,


    Ich bin neu hier und habe mich mithilfe eines Steuerberaters und des Finanzamts bereits recht tief in die Thematik eingearbeitet. Gleichwohl divergieren die Meinungen zur anteiligen Zurechnung.


    Daher möchte ich nun hier nochmal die Experten mit Ihrer Erfahrung fragen:


    Mein Plan:
    7kwh Jahresleistung, davon 0,7 Eigenverbraucht. Also 10%
    Anlagenkosten waren ca. 10.000


    Lösung 1: 100% zurechnen
    D.h. 1900 Vorsteuer zurück, aber auf den privaten Anteil Umsatzsteuer bezahlen. Also pro Jahr etwa 700*5 Cent gleich etwa 35€


    Lösung 2: 90% zurechnen
    D.h. ich verzichte heute auf 190€ Vorsteuer, spare mir aber über die 20 Jahre die Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauchten


    Rein ökonomisch bevorzuge ich daher die Lösung 2. Wie seht ihr das? Wo ist hier der Nachteil?


    Was passiert bei Lösung 2, wenn der Eigenverbraucht in den nächsten Jahren leicht abweichen sollte - in welche Richtung auch immer?


    Herzlichen Dank im Voraus!

  • Das FA ist keine Auskunft und vor allem keine Hilfe. Die wollen nur Dein Bestes.
    Deine Anlage war preislich kein Hit, wenn die 10.000,- bereits netto waren.


    Was Deinen Plan angeht ... da bist Du auf dem Holzweg.
    https://www.smartsteuer.de/por…nternehmensvermoegen.html
    Punkt 14

    18x Heckert NeMo 60P, SMA SB4000TL-21, SunnyHomeManager, mit Metalldachpfannen, Ausrichtung +30° Dachneigung 35° in Betrieb seit 17.04.2014
    Seit 23.04.2016 Ausrichtung -150 Dachneigung 13° mit 6x 315Wp Astroenergy (große 72-Zeller) am SMA SB1.5

  • Entscheidet man sich für die Regelbesteuerung ( Umsatzsteuer) ist man 5 jahre daran gebunden.
    Danach kannst du zur Kleinunternehmerregelung nach §19 UstG wechseln.
    Damit bist du von der Umsatzsteuer und der Vorsteuerer befreit.

    Komplizierte Vorgänge immer dem faulsten Mitarbeiter geben. Er wird die einfachste Lösung finden!

  • Zitat von BasKo

    Mein Plan:
    7kwh Jahresleistung, davon 0,7 Eigenverbraucht.


    Glückwunsch, super Plan! Man muss ihn nur verstehen. :wink:

    Viele Grüße

    Bento


    Auch an Tagen, an denen der Himmel grau ist, ist die Sonne nie ganz verschwunden.
    (Arnaud Desjardins)


  • Das Zahlenwerk find ich auch befremdlich.


    Wie auch immer:
    Die anteilige Zuordnung ist wenig sinnvoll.
    Die X% betrieblich und 1-X% Direktverbrauch sind ja immer nur eine Schätzung.
    Ist der DV zu niedrig geschätzt - hat man Vorsteuer verbrannt.
    Ist der DV zu hoch geschätzt - ist man auf die Gnade des BMF und Glück angewiesen. Die Regelung, dass keine Vorsteuerkorrektur erfolgen soll, ist ein glatter Rechtsbruch. Wo kein Kläger - da kein Richter. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass es zu einem Vertragsverletzungsverfahren kommt, und Deutschland gezwungen wird, geltendes Gemeinschaftsrecht auch anzuwenden.
    Damit steckst Du Dann in einer Vorschrift drin, die tatsächlich kompliziert ist.... das "Teufelswerk" des §15a UStG.


    Mit Verlaub: Das ist nicht unlösbar. Es ist eher der einfachste Fall des §15a.
    Aber es ist schon seltsam, dass (nicht unbedingt Du; aber viele andere) die relativ einfach zu handhabende, völlig "normale" unentgeltliche Wertabgabe fachlich "scheuen" - dann aber blindlings in Kauf nehmen, dass sie mit einer wirklich komplexen Thematik konfrontiert werden, um die der Profi proaktiv herumsteuert.
    Das ist so ein wenig, als würde man in ein brennendes Haus hineinlaufen - aus dem die Feuerwehr herausläuft.


    Du "sparst" Dir auch nicht die Besteuerung des DV auf 20 Jahre - sondern auf 4 1/12 bis 5 Jahre.
    Denn nach Ablauf der Bindewirkung des §19 UStG an die Regelbesteuerung (bei Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung), kann man ja auch wieder zur Kleinunternehmerregelung wechseln.
    Insofern... rein fiskalisch ist es nach wie vor besser, die Vorsteuer zu ziehen; ca. 5 Jahren den DV zu versteuern - und dann zur KUR zu wechseln.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • @ kpr: Herzlichen Dank für deine Ausführungen. Diese sind doch dann schon eher hilfreich.


    Das mit der KUR hatte ich auch überlegt. Andererseits kann ich mir dann die Vorsteuer für anfallende Wartung Reperatur und Ersatz nicht mehr zurück holen... in meiner präferierten Lösung bekäme ich gleichzeitig immerhin 90% - ohne dass ich Umsatzsteuer zahlen müsste...


    Wie sicher bist du dir denn dass das Haus brennen wird?


    Was stimmt mit den Zahlen nicht? Ich schätze dass die Anlage 7000 produziert und wir davon ca. 10% also 700 selber verbrauchen können...


    Zum Preis - ich hatte mir einige Angebote eingeholt - auch von großen Solateuren. Das war mit Abstand das Beste. Was gibt es daran auszusetzen? Anlage ist aus Mai 2015.

  • Zitat von BasKo

    Was stimmt mit den Zahlen nicht? Ich schätze dass die Anlage 7000 produziert und wir davon ca. 10% also 700 selber verbrauchen können...


    Nur 700KWh DV.
    Das ist sehr sehr wenig.
    Wie hoch ist der Jahresverbrauch?


    Ich mecker nicht weiter über den Preis.

    18x Heckert NeMo 60P, SMA SB4000TL-21, SunnyHomeManager, mit Metalldachpfannen, Ausrichtung +30° Dachneigung 35° in Betrieb seit 17.04.2014
    Seit 23.04.2016 Ausrichtung -150 Dachneigung 13° mit 6x 315Wp Astroenergy (große 72-Zeller) am SMA SB1.5

  • Hallo Basco,
    also ich möchte mit meiner neuen Anlage die ich bauen werde, auch so verfahren.
    Ob nun 10 oder 20 % Privat ,weiß ich noch nicht ?
    Diese Möglichkeit, wird doch im Schreiben des BFM ganz deulich so beschrieben ?
    Auch mein Steuerberater sieht darin kein Problem
    Wenn ich dann tatsächlich mehr verbrauche, muss ich den Mehrverbrauch dann ebend als unentgeldliche Wertentname versteuern.
    Wo ist das Problem ?
    Das Problem , ist lediglich, daß ich etwas mehr rechnen muss.
    Mein Sachbearbeiter auf den FA, wird dann allerdings auch etwas länger über meine jetzt schon umfangreichen Belege
    "brüten "
    Aber bitte, wenn der Herr Gabriel, das so möchte .
    Gruß,
    Fritz

    Fritz

  • Zitat von kpr

    Ist der DV zu hoch geschätzt - ist man auf die Gnade des BMF und Glück angewiesen. Die Regelung, dass keine Vorsteuerkorrektur erfolgen soll, ist ein glatter Rechtsbruch. Wo kein Kläger - da kein Richter.


    alles nicht so schlimm, schauen wir doch einfach mal in die Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung
    und außerdem bei einer kleinen PV Anlage tut sich das kein Finanzbeamter an, da giebt es höherrangige Veranlagungsziele


    § 44 Vereinfachungen bei der Berichtigung des Vorsteuerabzugs


    (1) Eine Berichtigung des Vorsteuerabzugs nach § 15a des Gesetzes entfällt, wenn die auf die Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines Wirtschaftsguts entfallende Vorsteuer 1 000 Euro nicht übersteigt.


    (2) Haben sich bei einem Wirtschaftsgut in einem Kalenderjahr die für den ursprünglichen Vorsteuerabzug maßgebenden Verhältnisse um weniger als 10 Prozentpunkte geändert, entfällt bei diesem Wirtschaftsgut für dieses Kalenderjahr die Berichtigung des Vorsteuerabzugs. Das gilt nicht, wenn der Betrag, um den der Vorsteuerabzug für dieses Kalenderjahr zu berichtigen ist, 1 000 Euro übersteigt.


    (3) Übersteigt der Betrag, um den der Vorsteuerabzug bei einem Wirtschaftsgut für das Kalenderjahr zu berichtigen ist, nicht 6 000 Euro, so ist die Berichtigung des Vorsteuerabzugs nach § 15a des Gesetzes abweichend von § 18 Abs. 1 und 2 des Gesetzes erst im Rahmen der Steuerfestsetzung für den Besteuerungszeitraum durchzuführen, in dem sich die für den ursprünglichen Vorsteuerabzug maßgebenden Verhältnisse geändert haben. Wird das Wirtschaftsgut während des maßgeblichen Berichtigungszeitraums veräußert oder nach § 3 Abs. 1b des Gesetzes geliefert, so ist die Berichtigung des Vorsteuerabzugs für das Kalenderjahr der Lieferung und die folgenden Kalenderjahre des Berichtigungszeitraums abweichend von Satz 1 bereits bei der Berechnung der Steuer für den Voranmeldungszeitraum (§ 18 Abs. 1 und 2 des Gesetzes) durchzuführen, in dem die Lieferung stattgefunden hat.

    Komplizierte Vorgänge immer dem faulsten Mitarbeiter geben. Er wird die einfachste Lösung finden!

  • Ja. So ist das sicherlich richtig. Steht ja auch in der Durchführungsverordnung.
    Nützt Dich wenig, wenn doch jemand ein Fass aufmacht. (Da das Rechenwerk oben ziemlich undurchsichtig war - kann man auch schlecht mit irgendwelchen Freigrenzen hier operieren).


    Es bleibt aber dabei: Jeder der seinen Beruf gelernt hat, meidet die teilweise Zuordnung von Wirtschaftsgütern, wie der Teufel das Weihwasser. Gibt am Ende immer nur Stress.


    Rechnen tut sichs auch nicht.
    Also warum sollte man den Blödsinn machen?

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