70-WE-MFH - PV für Eigenverbrauch sinnvoll?

  • Hallo zusammen,


    ich würde bei einer größeren MFH-Anlage gern die Installation einer PV-Anlage für den Eigenbedarf anregen. Insgesamt fallen in der Anlage mehr als 10.000 Euro für den gemeinsamen Stromverbrauch an. Manches davon (Druckerhöhungsanlage, TG-Lüftung, Fahrstuhl) fällt sicherlich auch über den Mittagspeak an.
    Dann gibt es noch 15.000 Euro, die für Warmwasser-Erwärmung anfallen zu 8 Cent/kWh (Fernwärme) in 2014. Das müsste eine PV-Anlage mit dahintergeschalteter Wärmepumpe doch toppen können, meine ich. Würde aber im Gegensatz zu Solarthermie nicht/weniger gefördert werden (BAFA).


    Details müsste ich freilich erst bei der Hausverwaltung in Erfahrung bringen. Z. B. ob überhaupt Platz ist für einen größeren WW-Behälter (nehme an, bei Fernwärme wird das WW 'on the fly' erwärmt) und wo es Installationskanäle hoch bis zum Dach gibt, die man eventuell nutzen könnte.


    Aber bevor ich mich an einer potentiell sinnlosen Sache versuche, würde ich gern hier nachfragen, ob vielleicht jemand schonmal bei einem vergleichbaren Projekt Erfahrung gesammelt hat. Einspeisung nach EEG will ich außen vor lassen, da dann sicherlich zig Fragen nach steuerlichen Aspekten aufkommen werden, zu denen ich nix sagen kann.


    Herzlichen Dank für alle Anregungen!

  • Ohne Netzkopplung wird das nicht praktikabel zu realisieren sein. Eine wirtschaftliche Speicherlösung muss mehr oder weniger selbstgestrickt werden (wie bei so vielen hier im Forum), aber für ne Eigentümergemeinschaft denkbar schierig.


    Ergo hat man eine netzgekoppelte Anlage, die grundsätzlich auch einspeisen wird. Somit die genannten Probleme bzgl. steuerlicher Behandlung etc.. Noch viel schlimmer: Dank des Herrn Gabriel ist jede selbst verbrauchte kWh mit der EEG-Abgabe von rund 6,4 ct zu verteuern. Die 10 kWp-Grenze hilft hier auch nicht, weil nicht Personenidentität zwischen Erzeuger und Verbraucher besteht. Damit lohnt die Geschichte nur noch bedingt.


    Das Warmwasser für 8ct/kWh ist doch sehr günstig, das wird PV mit WP niemals toppen können, selbt wenn die gigantischen Investitionen gestemmt würden.


    In dieser Konstallation wäre doch die einfachste Lösung, ein möglichst große Anlage aufs Dach zu packen und 100% einzuspeisen. Die 12,xx ct pro kWh werden dann brüderlich unter den Eigentümern geteilt. Steuerlich vermutlich immer noch nicht einfach, aber sicher erprobt und machbar.


    Es ist zwar jammerschade, dass man den Strom erst für 12,xx ct verkaufen muss, um ihn dann für 26 ct zrückzukaufen, aber das wollte Herr Gabriel offenbar so. Selbst schuld, wer ihn (bzw. seine Partei) gewählt hat....

    2005: 8,91 kWp BP Module an Fronius Symo 8.2 (Eigenanlage)

    2015: 500W an AeConversion 500-90 (Friends and Family)

    2018: 9,3 kWp Ost-West an Fronius Symo (Friends and Family)
    2019: 9,15 kWp Nord-Süd an Fronius Symo mit Victron ESS an 24kWh-BleiGel (Eigenanlage)

    2019: 50 kWp, mehrere Anlagen

    2020: 10 kWp Erweiterung Nord-Süd

    ELEKTROAUTO :love:

  • Bei MFH gibt es ein Zählermodel, bei dem man die Mieter mit Solarstrom versorgen kann und trotzdem ohne Umverdrahtung die freie Wahl des Anbieters für jeden Mieter erhält. Da fällt natürlich die volle EEG Umlage an und einiges an Abrechnung und Verwaltung ... ., aber es ist trotzdem wirtschaflticher als Volleinspeisung.


    Geht es dir um eine eigenen Investition als Dachpächter? oder soll der Eigentümer / die Eigentümergemeinschaft investieren (dann wäre auf den Allgemein- und Heizstrom nur die verminderte EEG Umlage fällig)? In letzterem Fall kann man dann auch über WP mit zusätzlichem Wärmespeicher nachdenken.


    Oder geht es nur darum eine Klimaschutzinvestition anzuregen? Dann könnte man das Dach an eine mit solchen Abrechnungsmodellen erfahrene Energiegenossenschaft verpachten (bei Interesse gerne PN schicken).


    Bleib auf jeden Fall dran. MFH sind mit großen Dächern und viel Verbrauch unter einem Dach ein guter Platz für PV Anlagen.


    Gruß
    Jochen

    14,8 kWp Solar Fabrik / Fronius
    23 kWp Bosch / Danfoss
    55 kWp Frankfurt Solar / Danfoss
    30 kWp Yingli / SolarEdge
    15,8 kWp Bosch / SMA
    Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Helianthus Solar GmbH

  • Hallo Jochen,


    vielen Dank für deine Antwort(en). Für eine Einspeisung nach EEG durch die Eigentümergemeinschaft sehe ich keine Chancen. Die paar Euro, die dann bei jedem landen, werden den meisten Leute den Aufwand einfach nicht wert sein.


    Die 08/15-Lösung zur Reduzierung der WW-Kosten wäre eine vom BAFA geförderte Solarthermieanlage. Das erscheint mir aber suboptimal, da man eben "nur" Wärme erzeugt. Außerdem ist die Installation aufwendiger als PV, da man statt ein paar dünnen Stromkabeln wesentlich dickere wasserführende Leitungen vom Keller zum Dach legen müsste.


    Bei PV dachte ich zunächst an eine verlgeichweise kleine Anlage, die im Normalfall eine (modulierte) Luft-Wasser-Wärmepumpe betreibt. Falls man die Modulation extern steuern kann, sollte die WP selbst dann noch arbeiten können, wenn die PV-Anlage mal nicht die volle WP-Betriebsleistung liefern kann. Die WP füllt den WW-Speicher. Wenn ich von einer JAZ=3 ausgehe (schwierig abzuschätzen, da es Winter ja wenig PV-Ernte geben wird), dann kann wäre die WP+PV-Anlage bei einem imaginären Strompreis von 24 Cent kWh noch rentabel zu betreiben. EEG-Umlagepflicht sehe ich erstmal nicht, da PV+WP ja eine Insel sein sollen. Die WP mit Strom aus dem Netz zu füttern, ist nicht vorgesehen.


    Falls der WW-Speicher voll ist, könnte man die PV-Anlage dann dazu nutzen, den Stromverbrauch des Gemeinschaftseigentums zu reduzieren (wie sieht es da mit Identität Betreiber-Nutzer aus?). Hier wäre die Insel nun aufgehoben.


    Ok, ich hoffe, das kam verständlich rüber und es ist kein ganz grober Denkfehler drin.

  • Mal eine kurze Abschätzung:


    Eine 10 kWp-Anlage erzeugt in HD vielleicht 10.000 kWh p. a. Dazu eine Wärmepumpe, die zwischen 2 und 8 kW modulieren kann. Welchen Nutzungsgrad der PV-Anlage kann man damit erreichen? Vielleicht 80%.
    Falls die angenommende JAZ=3 hinkommt, würde man somit 24.000 kWh in den WW-Speicher bekommen. Das wären gerade einmal 13% des WW-Verbrauchs von 2014. Die Gefahr von Ineffizienz aufgrund von Überversorgung besteht also eher nicht.
    Bei den aktuellen Preisen würden 2000 Euro p. a. Fernwärmebezug eingespart. Mehr als 30.000 Euro sollte das Investment dann nicht kosten. Aber die PV-Anlage wäre inklusive Umsatzsteuer ja schon für gut 16.000 Euro zu bekommen. Blieben noch deutlich über 10.000 Euro für WP plus WW-Speicher.


    Ist die Frage, ob so ein System mit der "dummen" Solarthermie inklsuive BAFA-Förderung mithalten kann. Eher nicht, fürchte ich.

  • Ich denke mal - grundsätzlich machbar, aber erheblich einfacher und wirtschaftlicher ist Dach vermieten und Volleinspeisen.
    Bei 8ct/kWh Wärmepreis, sehe ich das nicht wirtschaftlich darstellbar. Ich hatte das für mich überschlagen um im Sommer die Holzheizung stillzulegen. Hält keinem Vergleich mit Überschußeinspeisung und EEG stand, Strom ist halt wertvoller und teurer als Wärme. Im Mietshaus mußt du das Warmwasser dann auch noch auf 60°C (?) bereitstellen, für WP ist das schon sehr viel, da sinkt die Arbeitszahl. Wenn sich das BMWI mit seiner "eigenartigen" Meinung, was eine Insel ist, durchsetzt, ist hier jedes weitere Wort zu viel, rechnet sich nie.


    Für eine Insel braucht man dann imo noch einen Hausmeister, der sich die Kontrolle auch zutraut. Insel ohne Batterie geht halt leider nicht und auch eien wartungsarme Batterie ist nicht völlig wartungsfrei.

  • So, ich sehe nun ein, dass ich als Laie micht im Zweifel bei der Eigentümerversammlung nur lächerlich mache. Habe jetzt einen Antrag eingereicht, dass die Hausverwaltung einen Energieberater engagieren soll. Das BAFA fördert die Beratung ja recht ordentlich.
    Ein (hoffentlich) kompetenter Berater wird dann schon Wege finden, um etwas Energie vom Dach zu holen.

  • Sag ich mal die PLZ oder wenigstens die ersten 2 oder 3 Stellen. Vielleicht findet sich hier im Forum jemand, der helfen kann.
    Gruß
    Jochen


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