Prozessablauf d. Rechnungsstellung / Steuerfluss

  • Hallo zusammen,


    ich benötige noch einmal eure Hilfe. Wie schon in einem anderen Beitrag beschrieben werde ich ab 01.12 Besitzer einer PV Anlage auf dem Dach meines neuen Hauses sein. Ich habe jetzt zwei Tage damit verbracht zu verstehen, wie der zukünftige Prozess der Rechnungs- und Steuerabwicklung aussehen wird. Ich dachte zwar immer, dass ich betriebswirtschaftlich nicht ganz auf den Kopf gefallen bin, aber die Bürokratie scheint meine Vorstellungskraft zu übersteigen.


    Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir helfen könntet, einmal den Prozess von der Rechnungsstellung bis hin zur Steuererklärung mit den Werteflüssen aufzuzeigen. Ich habe mich zwar ausgiebig im Forum umgeschaut, aber leider konnte ich mir meine Fragen nicht selber anbieten. Da es (zumindest für mich) sehr komplex ist, würde ich meine Fragen hier Schritt für Schritt platzieren. Vielleicht hilft das zukünftigen "Anfängern" wie mir ja auch um den Ablauf voll zu verstehen ;-)


    Ausgangssituation.
    - PV Anlage aus 2011 mit EV
    - geplant ist Verzicht auf KUR


    Beispielwerte pro Monat:
    - Erzeugter Strom: 100kw
    - Eigenverbrauch: 20kw
    - Einspeisevergütung : 28,74
    - Eigenverbrauch: 12,36


    Los gehts:
    Ab in Betriebnahme bin ich verpflichtet monatlich eine Rechnung an den VNB zu schreiben. Dabei schreibe ich am Monatsanfang für den vergangenen Monat eine Rechnung über die gesamte erzeugte Menge Strom plus MwSt:
    100kw * Einspeisevergütung + 19%MwSt = 28,74€ (A) + 5,46€ MwSt (B) = 34,20€ (C)


    Jetzt muss mir ja noch der EV berechnet werden, der sich aus der Differenz zwischen Einspeisevergütung und EV berechnet wird:
    20kw * 0,1638 + MwSt = 3,28€ (D) + 0,62€ MwSt (E) = 3,90€ (F).


    1. Frage:
    Wie werden diese Kosten berechnet bzw ausgewiesen bzw an mich kommuniziert? Schreibt der VNB zeitgleich eine Rechnung an mich? Und wenn ja, woher weiß dieser wieviel EV ich hatte?

  • Moin,


    ich habe noch nie eine Rechnung an meine Kunden der PV geschrieben. Unnötig viel Arbeit. Mach einmal im Jahr 'Glattstellen' bzgl EV - der Rest läuft automatisch. Es sei denn, Du hast zig tausend kWh EV - was eher ungewöhnlich wäre :D


    Gruß
    Martin

    Gruß
    MBiker_Surfer


    Elektrisch: Nikola Gotway 84V


  • Hallo,


    ich habe den Istzufluss gewählt. Umsatzsteuervorauszahlung, Umsatzsteuerjahreserklärung und Einnahmenüberschuss- rechnung bei der Einkommensteuererklärung fertig ist die Kiste.


    Sonnige Grüße


    braunerbaer

  • Zitat von Joe2907


    ...
    Los gehts:
    Ab in Betriebnahme bin ich verpflichtet monatlich eine Rechnung an den VNB zu schreiben. Dabei schreibe ich am Monatsanfang für den vergangenen Monat eine Rechnung über die gesamte erzeugte Menge Strom plus MwSt:
    100kw * Einspeisevergütung + 19%MwSt = 28,74€ (A) + 5,46€ MwSt (B) = 34,20€ (C)


    Korrekt


    Zitat von Joe2907


    Jetzt muss mir ja noch der EV berechnet werden, der sich aus der Differenz zwischen Einspeisevergütung und EV berechnet wird:
    20kw * 0,1638 + MwSt = 3,28€ (D) + 0,62€ MwSt (E) = 3,90€ (F).


    Korrekt


    Zitat von Joe2907


    1. Frage:
    Wie werden diese Kosten berechnet bzw ausgewiesen bzw an mich kommuniziert? Schreibt der VNB zeitgleich eine Rechnung an mich? Und wenn ja, woher weiß dieser wieviel EV ich hatte?


    Da dein Kunde das nicht wissen kann, bietest du ihm an auch diesen Teil der Abrechnungslast von ihm zu übernehmen.


    Oder, du machst es wie viele, du lässt deinen Kunden alles machen. Er schätzt, zahlt dir monatl. Abschläge in angemessener Höhe und er erstellt dir einmal pro Jahr eine Abrechnung. Wenn du Glück hast, ist diese Abrechnung gut aufgeschlüsselt und verständlich. Wenn du Pech hast, sitzt du an der Abrechnung länger als wenn du selbst 12 x eine Rechnung erstellt hättest.


    P.S. Mein Kunde war mit meinen beiden Anlagen überfordert, daher habe ich das mit den Rechnungen übernommen.
    P.P.S. Kuck mal im Downloadbereich, da ist ein Werkzeug zum Rechnungen schreiben.

  • Vielen Dank schon mal.


    @ biker:
    Abrechnung 1x im Jahr würde ich ja auch bevorzugen, aber lt. dem FA habe ich da kein Wahlrecht sonder das FA entscheidet, gerade bei neuen Unternehmungen die monatlich Abrechnung Pflicht ist...


    @ donnermeister:
    Vielen Dank für den Tipp mit Rechnungstool, dass ist sehr hilfreich und macht die Abwicklung sehr deutlich.


    Das führt mich zu meiner nächsten Frage:


    Wenn ich die monatliche Vorsteuererklärung mache, muss ich die MwSt der Einspeisevergütung (B) angegen. Sonst noch was? Muss die MwSt für den EV (E) die ja in Form einer Gutschrift an den VNB erstattet wurde dazu addiert werden?

  • Moin,


    immer ganz locker bleiben. Nicht mehr Aufwand betreiben, als nötig. Natürlich musst Du als 'Neuunternehmer' die Umst.vornameldung monatlich machen. Aber das ist ja kein Akt. Spätestens nach 2 Jahren stellt das FA das auf 1/4 jährlich bzw. auf Jahr um. Mir geht es hauptsächlich darum, dass Du 1.) keine rechnung schreibst, sondern von Gesetzes wegne die Abschläge nimmst. und 2.) den EV Kram 1 mal jährlich machst. Das sind solche peanuts Beträge, das juckt niemand. Auch keinen peniblen Sachbearbeiter beim FA.


    Gruß
    Martin

    Gruß
    MBiker_Surfer


    Elektrisch: Nikola Gotway 84V

  • Zitat von Joe2907


    ...
    @ biker:
    Abrechnung 1x im Jahr würde ich ja auch bevorzugen, aber lt. dem FA habe ich da kein Wahlrecht sonder das FA entscheidet, gerade bei neuen Unternehmungen die monatlich Abrechnung Pflicht ist...


    Du bringst da was durcheinander. Wann du eine Rechnung an deinen Kunden schreibst ist deine unternehmerische Entscheidung. Da hat dir das FA nix vorzuschreiben. Was du meinst, ist die gesetzl. Verpflichtung im ersten und zweiten Jahr monatl. eine Umsatzsteuervoranmeldung abzugeben. Null ist für so eine UStVA auch eine gültige Zahl.


    Zitat von Joe2907


    @ donnermeister:
    Vielen Dank für den Tipp mit Rechnungstool, dass ist sehr hilfreich und macht die Abwicklung sehr deutlich.


    Das führt mich zu meiner nächsten Frage:


    Wenn ich die monatliche Vorsteuererklärung mache, muss ich die MwSt der Einspeisevergütung (B) angegen. Sonst noch was? Muss die MwSt für den EV (E) die ja in Form einer Gutschrift an den VNB erstattet wurde dazu addiert werden?


    In der UStVA wird der steuerpfl. Umsatz zu 19% angegeben und der ist bei deiner Anlage das Netto der Volleinspeisung. Also (A) auf volle Euro abgerundet.

  • Ok, dann habe ich das wohl verwechselt. Also verstehe ich das richtig, dass ich das Recht habe bzw. der VNB zustimmen muss, dass man sich auf einen monatlichen Abschlag einigt, der monatlich erfolgt. Eine genaue Abrechnung wird dann 1x jährlich vom VNB getätigt, in der dann auch der EV abgebildet ist. Also genau die gleiche Systematik wie bei dem Stromanbieter den ich selber nutze.
    Ggü. FA mache ich dann monatlich die UStVA auf Basis der Abschläge.


    Korrekt?


    Und:
    Da nur (A) bei der UStVA berücksichtigt wird, heißt das, dass der EV in keiner Weise steuerlich hier berücksichtigt wird, oder?

  • Immer unter der Prämisse, dass Du nicht - in welcher Form auch immer - die AGB des VNB akzeptiert hast:


    Alles rund um Abrechnung ist im BGB geregelt.
    Daraus leitet sich ab
    - Leistungserbringung und Zahlung "Zug um Zug"
    - d. h. Abrechnung nach erbrachter Leistung
    - der leistende Unternehmer (für die Volleinspeisung also der Anlagenbetreiber) rechnet ab.


    Alles was davon abweicht, muss zwischen den Parteien wirksam vereinbart werden.
    Natürlich versucht jede Partei dabei die eigenen Interessen durchzudrücken.
    Da heisst es dann auch mal selbstbewusst aufzutreten und ggf. Durchhaltevermögen zu beweisen. (Der Anlagenbetreiber geniesst hier große Vorteile: Du kannst über Deinen Kunden herfallen, wie Hitler über Polen. Er kann nicht weglaufen. Er ist gesetzlich an Dich gebunden.)


    Im Gesetz (EEG) steht zwar drin, dass er VNB verpflichtet ist, monatliche Abschläge zu zahlen;
    daraus leitet sich aber nicht das Recht ab, einseitig auch noch die Höhe der Abschläge festzusetzen;
    daraus leitet sich auch nicht das Recht ab, selbst abzurechnen; oder Abrechnungen des Anlagenbetreibers die Anerkennung zu versagen.


    Die Übertragung der Abrechnungslust auf den VNB ist genau so lange ein Vorteil, wie es funktioniert.
    In den meisten Fällen erhält man viel Papier, relativ spät, oft fehlerhaft - und höchst selten so aufbereitet, dass man die angedruckten Werte unmittelbar übernehmen kann.
    Noch dazu bewirkt das Abschlagsmodell - ob man will oder nicht - eine Schätzung.
    Mauert der VNB noch bei bestimmten Angaben (und das ist häufig der Fall), muss man gleich zweimal schätzen.
    Man kann dabei hübsch zwischen die Mühlsteine aus Finanzamt und VNB geraten.


    Selbst abrechnen hingegen ist (bis zu ) 12 x im Jahr relativ einfache Arbeit - die nachweislich von Grundschülern bewältigt werden kann. Die Jahreserklärung wird zum simplen Zahlen abschreiben. Man sitzt dabei am längeren Hebel - und kann problemlos sowohl das Finanzamt zwingen als auch den VNB beherrschen.
    Alles andere KANN zum Abenteuer werden - bei dem der Laie dann wieder über die bösen Konzerne und das böse Finanzamt jammert.


    Im Download-Bereich gibts ein Tool. Die Rechnungen werden dabei übersichtlich und aussagekräftig auf einem Blatt Papier erstellt. Einfacher gehts nicht.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Zitat von Joe2907

    Ok, dann habe ich das wohl verwechselt. Also verstehe ich das richtig, dass ich das Recht habe bzw. der VNB zustimmen muss, dass man sich auf einen monatlichen Abschlag einigt, der monatlich erfolgt.


    Ja, kann man so machen und wird wohl von den meisten PV-Betreibern so gemacht. Außnahmen bestätigen die Regel. Beim mir lief das solange gut, bis ich meine zweite Anlage hatte. Ab da ist mein Kunde nicht mehr klar gekommen. Ich musste dann mit RA, Mahnbescheiden und vor Gericht nachhelfen. Nun schreibe ich die Rechnungen und es läuft. Ich habe alle Zahlen, die ich für die Steuer benötige ohne mich durch unverständliche VNB-Abrechnungen zu wühlen.


    Zitat von Joe2907


    Eine genaue Abrechnung wird dann 1x jährlich vom VNB getätigt, in der dann auch der EV abgebildet ist. Also genau die gleiche Systematik wie bei dem Stromanbieter den ich selber nutze.


    Kann man so sagen.


    Zitat von Joe2907


    Ggü. FA mache ich dann monatlich die UStVA auf Basis der Abschläge.


    Korrekt?


    Wenn du die "Versteuerung nach vereinnahmten Entgelten (IST-Versteuerung)" bei der USt gewählt hast.


    Zitat von Joe2907


    Da nur (A) bei der UStVA berücksichtigt wird, heißt das, dass der EV in keiner Weise steuerlich hier berücksichtigt wird, oder?


    Korrekt, da der DV in die private Sphäre fällt, musst du die USt des DV aus der Privatschatulle berappen.